| − | Der Begriff „Euthanasie“, der heute untrennbar mit den Verbrechen der NS-Zeit verbunden ist, hatte vorher die Bedeutung „Sterbe-Hilfe“. Lange vor der NS-Vernichtungsaktion von sog. „unwertem Leben“ wurden jene Postulate entwickelt, die als Legitimation für die später begangenen Verbrechen dienten. Philosophen, Physiologen, Zoologen und Ärzte, ja selbst Persönlichkeiten aus dem kirchlichen Bereich formulierten seit der zweiten Hälfte des [[19. Jahrhundert]] aus unterschiedlichen Beweggründen Theorien, die in ihrer Konsequenz das Töten bestimmter Menschen und Menschengruppen unter bestimmten Umständen straffrei ermöglichen sollten. Man berief sich dabei auf Darwin und auf Nietsche. Grundgedanken waren die Einstufung und Bewertung von Menschen nach ihrer Produktivität, der Glaube an die Möglichkeit künstlicher Auslese und Rassenhygiene und die Legitimierung der Staatsmacht, zugunsten des „Volkskörpers“ nicht „zweckentsprechende“ Menschen „auszumärzen“. | + | Der Begriff „Euthanasie“, der heute untrennbar mit den Verbrechen der NS-Zeit verbunden ist, hatte vorher die Bedeutung „Sterbe-Hilfe“. Lange vor der NS-Vernichtungsaktion von sog. „unwertem Leben“ wurden jene Postulate entwickelt, die als Legitimation für die später begangenen Verbrechen dienten. Philosophen, Physiologen, Zoologen und Ärzte, ja selbst Persönlichkeiten aus dem kirchlichen Bereich formulierten seit der zweiten Hälfte des [[19. Jahrhundert]] aus unterschiedlichen Beweggründen Theorien, die in ihrer Konsequenz das Töten bestimmter Menschen und Menschengruppen unter bestimmten Umständen straffrei ermöglichen sollte. Man berief sich dabei auf Darwin und auf Nietsche. Grundgedanken waren die Einstufung und Bewertung von Menschen nach ihrer Produktivität, der Glaube an die Möglichkeit künstlicher Auslese und Rassenhygiene und die Legitimierung der Staatsmacht, zugunsten des „Volkskörpers“ nicht „zweckentsprechende“ Menschen „auszumärzen“. |
| | Waren es bis [[1920]] kleine, eher sektiererische Gruppen, die Sterilisierung und Tötung für richtig hielten, sind es der Jurist Karl Binding und der Psychiater Alfred E. Hoche, die mit ihren Vorstellungen den Durchbruch herbeiführen. Auf sie gehen der nun auf Menschen angewandte Rentabilitätsgedanke, der später von den Nationalsozialisten aufgegriffen wird, und auch der Begriff „lebensunwert“ zurück. | | Waren es bis [[1920]] kleine, eher sektiererische Gruppen, die Sterilisierung und Tötung für richtig hielten, sind es der Jurist Karl Binding und der Psychiater Alfred E. Hoche, die mit ihren Vorstellungen den Durchbruch herbeiführen. Auf sie gehen der nun auf Menschen angewandte Rentabilitätsgedanke, der später von den Nationalsozialisten aufgegriffen wird, und auch der Begriff „lebensunwert“ zurück. |