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| | Es war eine meterspurige Zahnradbahn (System Riggenbach), nach dem Prinizip der Vitznau-Rigi-Bahn (Schweiz), in wenigen Monaten erbaut. Sie fuhr vom Bahnhof Parsch aus mit einer Geschwindigkeit von 10 km/h den Berg hinauf und bewältigte dabei Steigungen bis 25 %. | | Es war eine meterspurige Zahnradbahn (System Riggenbach), nach dem Prinizip der Vitznau-Rigi-Bahn (Schweiz), in wenigen Monaten erbaut. Sie fuhr vom Bahnhof Parsch aus mit einer Geschwindigkeit von 10 km/h den Berg hinauf und bewältigte dabei Steigungen bis 25 %. |
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| − | Die Gaisbergbahn verfügte über fünf Dampflokomotiven, wobei die ersten vier von der deutschen Maschinenfabrik Esslingen geliefert wurden und die fünfte von der Lokomotivfabrik Wien-Floridsdorf. Letztere war die erste in Österreich gebaute Zahnradbahn-Lokomotive. | + | Die Gaisbergbahn verfügte über fünf Dampflokomotiven, wobei die ersten vier von der deutschen Maschinenfabrik Esslingen geliefert wurden und die fünfte von der Lokomotivfabrik Wien-Floridsdorf. Letztere war die erste in Österreich gebaute Zahnradbahn-Lokomotive. Desweiteren verfügte die Bahn über neun Personenwaggons und einige Güterwaggons. |
| − | Desweiteren verfügte die Bahn über neun Personenwaggons und einige Güterwaggons. | |
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| | ==Stationen== | | ==Stationen== |
| | Es gab bei der Gaisbergbahn folgende Stationen: | | Es gab bei der Gaisbergbahn folgende Stationen: |
| − | *Bahnhof Parsch (heute existiert nur noch eine S-Bahn-Haltestelle, die weiter südlicher liegt) | + | *Bahnhof [[Parsch]] (heute existiert nur noch eine S-Bahn-Haltestelle, die weiter südlicher liegt) |
| − | *Judenberg-Alpe (etwa im Bereich des heutigen Hotel Kobenzl) | + | *[[Judenberg-Alpe]] (etwa im Bereich des heutigen [[Hotel Kobenzl]]) |
| − | *Zistel-Alpe | + | *[[Zistel-Alpe]] (die Bindestrich-Schreibweise enspricht der originalen Beschriftung der Stationen.) |
| − | (Die Bindestrich-Schreibweise enspricht der originalen Beschriftung der Stationen.) | |
| | *Die Endstation war bei dem [[1939]] abgebrannten Gaisberghotel (erbaut ebenfalls [[1887]] auf der Gaisbergspitze, unweit der heutigen Sendeanlage.) | | *Die Endstation war bei dem [[1939]] abgebrannten Gaisberghotel (erbaut ebenfalls [[1887]] auf der Gaisbergspitze, unweit der heutigen Sendeanlage.) |
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| | ==Berühmte Persönlichkeiten, die mit dieser Bahn fuhren== | | ==Berühmte Persönlichkeiten, die mit dieser Bahn fuhren== |
| | *Im Eröffnungsjahr [[1887]] der steirische Heimatdichter Peter Rossegger | | *Im Eröffnungsjahr [[1887]] der steirische Heimatdichter Peter Rossegger |
| − | *am 22. August [[1899]] der damalige Schah von Persien | + | *am [[22. August]] [[1899]] der damalige Schah von Persien |
| − | *der Thronfolger Franz Ferdinand am 14. Juli [[1899]] und am 19. August [[1912]]. Am 19. August 1912 kam es dabei zu einem peinlichen Vorfall: Durch Nichtbeachten eines telefonischen Auftrags näherte sich zwischen den Stationen Judenbergalpe und Zistelalpe ein Talzug dem Hofzug, indem sich der Thronfolger befand. Beide Züge mussten in Sichtweite anhalten und warten, bis die Lokomtoive des Talzuges genügend Dampf hatte und bis zur Ausweiche Zistelalpe zurückfahren konnte. | + | *der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand am [[14. Juli]] [[1899]] und am [[19. August]] [[1912]]. Am 19. August 1912 kam es dabei zu einem peinlichen Vorfall: Durch Nichtbeachten eines telefonischen Auftrags näherte sich zwischen den Stationen Judenbergalpe und Zistelalpe ein Talzug dem Hofzug, in dem sich der Thronfolger befand. Beide Züge mussten in Sichtweite anhalten und warten, bis die Lokomtoive des Talzuges genügend Dampf hatte und bis zur Ausweiche Zistelalpe zurückfahren konnte. |
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| − | ==Die Gaisbergstrasse - Das Ende der Zahnradbahn== | + | ==Die Gaisbergstraße - das Ende der Zahnradbahn== |
| − | Im Mai [[1927]] feierte man bei der Gaisbergbahn noch das 40-jährige Jubiläum, aber gegen Ende des Jahres [[1927]] kamen dann Pläne für eine neue Höhenstrasse auf den Tisch, was dazu führte, dass die Gaisbergbahn bereits im März [[1928]] die Winterpause beendete und in Betrieb genommen wurde, weil sie den Materialtransport für die neue Strasse durchführen musste. | + | Im Mai [[1927]] feierte man bei der Gaisbergbahn noch das 40-jährige Jubiläum, aber gegen Ende des Jahres [[1927]] kamen dann Pläne für eine neue Höhenstraße auf den Tisch. Die Gaisbergbahn musste daher bereits im März [[1928]] die Winterpause beendete und wieder ihren Betrieb aufnehmen, weil sie den Materialtransport für die neue Straße durchführen musste. |
| − | Die letzte fahrplanmässige Fahrt der Gaisbergbahn erfolgte am [[30. Oktober]] [[1928]]. Die Tageszeitungen erwähnten dies damals nicht, da man seitens der Redaktion keine Notwendigkeit sah. Am [[20. November]] [[1928]] wurde dann beschlossen, den Betrieb der Bahn nicht aufrecht zu erhalten, da die Bauarbeiten für die Strasse schon sehr weit fortgeschritten waren. Die Strasse wurde dann im Jahr [[1929]] eröffnet. Damit war das Ende der Gaisbergbahn entgültig besiegelt. Die Strecke wurde dann [[1930]] abgebaut und alle Lokomotiven wurden mit Ausnahme von Lok Nr.1 verschrottet und die Waggons teilweise verkauft. Die Lok Nr. 1 kam mitsamt einem Waggon ins Technische Museum Wien. | + | |
| | + | Die letzte fahrplanmässige Fahrt der Gaisbergbahn erfolgte am [[30. Oktober]] [[1928]]. Die Tageszeitungen erwähnten dies damals nicht, da man seitens der Redaktionen keine Notwendigkeit sah. Am [[20. November]] [[1928]] wurde dann beschlossen, den Betrieb der Bahn nicht aufrecht zu erhalten, da die Bauarbeiten für die Straße schon sehr weit fortgeschritten waren. |
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| | + | Die Straße wurde dann im Jahr [[1929]] eröffnet. Damit war das Ende der Gaisbergbahn entgültig besiegelt. Die Strecke wurde dann [[1930]] abgebaut und alle Lokomotiven wurden mit Ausnahme von Lok Nr.1 verschrottet und die Waggons teilweise verkauft. Die Lok Nr. 1 kam mitsamt einem Waggon ins Technische Museum Wien. |
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| | + | Die Stationsgebäude [[Judenbergalm]] und [[Zistelalm]] gibt es heute noch und werden privat bewohnt, während das Stationsgebäude Gaisbergspitze bereits um [[1947]] herum abgetragen wurde. |
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| − | Die Stationsgebäude Judenbergalm und Zistelalm gibt es heute noch und werden privat bewohnt, während das Stationsgebäude Gaisbergspitze bereits um [[1947]] herum abgetragen wurde.
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| | Die Bahntrasse ist insbesonders im Bereich der einstigen Bergstrecke immer noch gut erkennbar und als Wanderweg erhalten geblieben. Der untere Bereich im Stadtteil [[Parsch]] hingegen ist mittlerweile sehr dicht besiedelt. Hier erinnert nahezu nichts mehr an die Zahnradbahn. | | Die Bahntrasse ist insbesonders im Bereich der einstigen Bergstrecke immer noch gut erkennbar und als Wanderweg erhalten geblieben. Der untere Bereich im Stadtteil [[Parsch]] hingegen ist mittlerweile sehr dicht besiedelt. Hier erinnert nahezu nichts mehr an die Zahnradbahn. |
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| | ==Erwähnenswert== | | ==Erwähnenswert== |
| − | Während der gesamten Dienstzeit der Gaisbergbahn gab es keinen einzigen Unfall. Das lag möglicherweise auch daran, weil alle Bediensteten still und treu ihren Dienst verrichteten. Aber mit einem Mal war die Eisenbahn nicht mehr modern genug und musste dem Automobil weichen! | + | Während der gesamten Dienstzeit der Gaisbergbahn gab es keinen einzigen Unfall. |
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| − | ==Die Verkehrssituation auf dem Gaisberg heute== | + | ==Eine Wiedergeburt einer Gaisbergbahn?== |
| − | In den letzten vergangenen Jahren war der touristische Andrang auf den Gaisberg so gross, weshalb die Strasse zeitweise wegen Überlastung gesperrt werden musste. Deswegen wird in letzter Zeit über die Wiedererrichtung einer Gaisbergbahn immer wieder diskutiert. Aber ob das jemals verwirklicht wird, ist fraglich, weil es mit nicht unerheblichen Kosten verbunden ist. | + | In den letzten vergangenen Jahren war der Verkehr auf den Gaisberg an manchen Tagen so stark, dass die Straße zeitweise wegen Überlastung gesperrt werden musste. Deswegen wird in jüngster Zeit über die Wiedererrichtung einer Gaisbergbahn immer wieder diskutiert. Aber ob das jemals verwirklicht wird, ist fraglich, weil es mit nicht unerheblichen Kosten verbunden ist. |
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| | ==Quellen== | | ==Quellen== |
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| | * ''Salzburgs Synchronik'', Josef Brettenthaler, Verlag Alfred Winter, 2002, ISBN 3-85380-055-6 | | * ''Salzburgs Synchronik'', Josef Brettenthaler, Verlag Alfred Winter, 2002, ISBN 3-85380-055-6 |
| | * ''Gaisbergbahn'', Dipl.-Ing. Heinrich Harrer, Verlag Josef Otto Slezak, Wien 1984, ISBN 3-85416-096-8 (fast nur noch gebraucht erhältlich) | | * ''Gaisbergbahn'', Dipl.-Ing. Heinrich Harrer, Verlag Josef Otto Slezak, Wien 1984, ISBN 3-85416-096-8 (fast nur noch gebraucht erhältlich) |
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| | ==Weblinks== | | ==Weblinks== |
| | *[http://www.schmalspur-europa.at/schmalsp_11.htm Die Gaisbergbahn 1887-1928 - ein Bericht von Franz Straka] | | *[http://www.schmalspur-europa.at/schmalsp_11.htm Die Gaisbergbahn 1887-1928 - ein Bericht von Franz Straka] |
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| | [[Kategorie:Verkehr (Geschichte)]] | | [[Kategorie:Verkehr (Geschichte)]] |
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