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==Auszeichnungen==
 
==Auszeichnungen==
 
René Marcic war Träger des "Dr.-Karl-Renner-Preises für Publizistik" und des Komturkreuzes des Sylvesterordens mit Stern. Er wurde mit dem Großen Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst I. Klasse der Republik Österreich sowie dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.
 
René Marcic war Träger des "Dr.-Karl-Renner-Preises für Publizistik" und des Komturkreuzes des Sylvesterordens mit Stern. Er wurde mit dem Großen Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst I. Klasse der Republik Österreich sowie dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.
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== In memoriam Rene Marcic ==
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Leitartikel von Karl-Heinz Ritschel.<ref>[Salzburger Nachrichten, 4. Oktober 1971, S. 1ff]</ref>
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Tag für Tag verzeichnen wir Unfälle, Katastrophen, Schrecken - ein Register des Grauens. Auch diese Seite gehört zum Beruf des Journalisten, dem Chronisten des Tages. Es ist Selbstwehr, die Anteilnahme von sich zu schieben, denn ein unentwegtes Mitleiden käme einer Selbstzerstörung gleich. Doch ganz plötzlich trifft den Chronisten ein Schock, wenn er persönlich angesprochen wird. So erging es uns allen in dieser Zeitung, als uns am Samstag, 2. Oktober 1971, die Meldung erreichte: Blanka und Rene Marcic sind tot.
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Ausgelöscht durch ein unerklärliches Schicksal. Von einem Moment auf den anderen durch die Explosion eines Flugzeuges vernichtet. Sie lebten schon nicht mehr, als in Salzburg zu ihrem Willkomm gerüstet wurde. Marcic war auf dem Heimweg aus Australien, wo er sieben Monate lang als Forschungs- und Gastprofessor Rechtssoziologie und Rechtslogik betrieb, um aus angelsächsischer Sicht mit Problemen vertraut zu werden, die auch bei uns herandrängen. Marcic war fasziniert von den Aspek-ten, die sich ihm an der Lehrkanzel des australischen Rechtslehrers Julius Stone eröffneten. "Hier in Sydney scheint mir die letzte große Synopsis und Synthese der Aspekte zu gelingen, die wir gerade brauchen, obendrein auf dem Fundament der klassischen Tradition" schrieb er uns. Und: "Nach meiner Rückkehr nach Verarbeitung der Eindrücke will ich eine moderne normative Rechtssoziologie schreiben." Das große Werk wird ungeschrieben bleiben. Sein Heimweg führte ihn noch zu seinem verehrten Lehrer Hans Kelsen in die USA, ein Aufenthalt in London schloß an. Er, der sich immer in Arbeit vergraben hatte, schrieb, als er diesen Reiseplan mitteilte: "Mein Gott, wie herrlich es ist, die Welt so richtig zu erleben, nicht nur vom Schreibtisch aus. Und dann im fortgeschrittenen Alter, das heißt noch gehfähig, aber doch schon reif genug, um das Wichtige und Richtige zu erkennen." Doch er kam nicht mehr heim.
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Rene Marcic trat 1946 in das Redaktionsteam der "Salzburger Nachrichten" ein, wurde 1954 zum Stellvertreter Gustav A. Canavals berufen, dessen Position als Chefredakteur er 1959 nach dem Tode Canavals übernahm. Als er mir 1964 die Nachfolge abtrat, um sich ganz dem Beruf des akademischen Lehrers und Forschers hinzugeben, versprach er uns, nicht nur Freund, sondern auch Weggefährte zu bleiben. Er hat sein Wort getreu gehalten: Bis in die jüngsten Tage erreichten uns seine Briefe und Zettel, noch quer am Außenrand beschrieben, weil ihm jedes Papier zu wenig wurde, um die überquellenden Gedanken niederzulegen.
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Wir haben in ihm einen treuen Freund verloren. Darüber hinaus hat die gesamte Journalistik und Publizistik des Landes einen schweren Verlust erlitten. Marcic bleibt Vorbild dieses Berufsstandes, an dessen Fortbildung er unentwegt arbeitete, um dessen Anerkennung er unablässig bemüht war. Es war ein Hauptanliegen von ihm, der Journalistik zu Ansehen zu verhelfen. Zu zeigen, daß sie kein Metier verkrachter Existenzen, sondern ernstzunehmender Menschen ist, die auf Grund ihres Wissens und Gewissens arbeiten. Für Österreich als Rechtsstaat, für das Rechtsdenken in der Öffentlichkeit hat er, nicht nur durch seine wissenschaftlichen Publikationen, sondern durch seine gesamte publizistische Tätigkeit entscheidend beigetragen, ja, er hat die Öffentlichkeit und die Politik mitgeprägt. Daß er an der Wiege des Presserates stand, Mitglied der Kommission zur Reform des österreichischen Grundrechtskataloges und anderer öffentlicher Institutionen war, ist die zwangsläufige Erfüllung seines Berufslebens gewesen. Er sagte von sich selbst, sein Leitmotiv sei "Gegensätze aufzudecken und zu versöhnen". In diesen Worten liegt das Wirken eines Journalisten umschlossen, der den Dienst an der Öffentlichkeit, die Bildung der öffentlichen Meinung als Verpflichtung zur Wahrheit erkannt und sich stets aufs neue dazu bekannt hat. Bewundernswert war die Arbeitsintensität dieses Mannes. Möglich aber war sie nur durch die Mitarbeit seiner Frau Blanka, die ausschließlich für ihn und durch ihn lebte. Der Ehe waren Kinder versagt geblieben. Sie fand Erfüllung in der gemeinsamen Arbeit. Sie fand ihre letzte Vollendung im gemeinsamen Sterben. So wie bei uns eine Lücke entstanden ist, genauso entsetzlich ist der Verlust für die Universität Salzburg, deren Profil Marcic entscheidend geprägt hat. Sein Name aber wird nicht verwehen, denn wenn von Politik und Recht gesprochen und geschrieben werden wird, muß er zitiert werden.
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Sonntag mittag versammelten wir uns in der Redaktion, um der Toten schlicht zu gedenken. Dann gingen wir an unsere Schreibtische, um zu arbeiten, um weiter zu weben an dem Werk, das von Canaval und Marcic vorgegeben ist.
    
==Literatur==
 
==Literatur==
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* [https://www.oecv.at/Biolex/Detail/13100315 www.oecv.at], abgefragt am 27. Dezember 2017
 
* [https://www.oecv.at/Biolex/Detail/13100315 www.oecv.at], abgefragt am 27. Dezember 2017
 
* [[Salzburger Nachrichten]], 4. Oktober 1971, S. 1ff
 
* [[Salzburger Nachrichten]], 4. Oktober 1971, S. 1ff
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==Einzelnachweis==
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