Heinrich Lammasch: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Hofrat]] Universitäts-[[Professor|Prof.]] a. D. Dr. iur. '''Heinrich Lammasch''' (* [[21. Mai]] [[1853]] in Seitenstetten, [[NÖ]].<ref>[https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/st-poelten/seitenstetten/01%252F10/?pg=132 Taufbuch der Pfarre Seitenstetten, Band X, S. 117.]</ref>; † [[6. Jänner]] [[1920]] in der [[Stadt Salzburg]]<ref>[https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/salzburg/salzburg-st-andrae/STB15/?pg=3 Sterbebuch der Pfarre Salzburg-St. Andrä, Band XV, S. 1.]</ref>) war ein österreichischer Staats- und Völkerrechtler sowie [[1918]] letzter Ministerpräsident der [[Habsburgermonarchie|k.k. Monarchie]]. Der überzeugte [[Pazifist]] gehörte zu den bedeutendsten Befürwortern der politischen Neutralität Österreichs und war als Rechtsgelehrter international anerkannt.
[[Hofrat]] Universitäts-[[Prof]]. a. D. Dr. iur. '''Heinrich Lammasch''' (* [[21. Mai]] [[1853]] in Seitenstetten, [[NÖ]]<ref>[https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/st-poelten/seitenstetten/01%252F10/?pg=132 Taufbuch der Pfarre Seitenstetten, Band X, S. 117.]</ref>; † [[6. Jänner]] [[1920]] in der [[Stadt Salzburg]]<ref>[https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/salzburg/salzburg-st-andrae/STB15/?pg=3 Sterbebuch der Pfarre Salzburg-St. Andrä, Band XV, S. 1.]</ref>) war ein österreichischer Staats- und Völkerrechtler sowie [[1918]] letzter Ministerpräsident der [[Habsburgermonarchie|k.k. Monarchie]]. Der überzeugte Pazifist gehörte zu den bedeutendsten Befürwortern der politischen Neutralität Österreichs und war als Rechtsgelehrter international anerkannt.


== Leben ==
== Leben ==
Heinrich Lammasch war der Sohn des gleichnamigen k.k. Notars Dr. iur. Heinrich Lammasch (* [[1824]]; † [[1865]]) und seiner Frau Anna, geborene Schauenstein (* [[1829]]; † [[1891]]). Er besuchte das [[Wien]]er Schottengymnasium, maturierte in Meran ([[Tirol]]) und studierte anschließend Rechtswissenschaft an der Universität Wien, wo er [[1876]] promovierte. [[1879]] habilitierte er an der rechtswissenschaftlichen Fakultät für Strafrecht und wurde Lehrbeauftragter, ab [[1882]] außerordentlicher Professor an der Universität Wien. [[1885]] wurde er ordentlicher Professor für Strafrecht, Rechtsphilosophie und Völkerrecht an der Universität Innsbruck, [[1889]] Professor für Strafrecht und Völkerrecht an der Universität Wien. [[1887]] wurde er in das ''Institut de Droit international'' gewählt, dem [[1904]] der Friedensnobelpreis verliehen wurde. Von [[1900]] bis [[1910]] war er Präsident des Ständigen Internationalen Schiedsgerichtshofes in Den Haag ([[Niederlande]]).  
Heinrich Lammasch war der Sohn des gleichnamigen k.k. Notars Dr. iur. Heinrich Lammasch (* [[1824]]; † [[1865]]) und seiner Frau Anna, geborene Schauenstein (* [[1829]]; † [[1891]]). Er besuchte das [[Wien]]er Schottengymnasium, maturierte in Meran ([[Südtirol]]) und studierte anschließend Rechtswissenschaft an der Universität [[Wien]], wo er [[1876]] promovierte. [[1879]] habilitierte er an der rechtswissenschaftlichen Fakultät für Strafrecht und wurde Lehrbeauftragter, ab [[1882]] außerordentlicher Professor an der Universität Wien. [[1885]] wurde er ordentlicher Professor für Strafrecht, Rechtsphilosophie und Völkerrecht an der Universität Innsbruck, [[1889]] Professor für Strafrecht und Völkerrecht an der Universität Wien. [[1887]] wurde er in das ''Institut de Droit international'' gewählt, dem [[1904]] der Friedensnobelpreis verliehen wurde. Von [[1900]] bis [[1910]] war er Präsident des Ständigen Internationalen Schiedsgerichtshofes in Den Haag ([[Niederlande]]).  


Lammasch war juristischer Berater des Thronfolgers [[Franz Ferdinand von Österreich-Este]] und wurde [[1899]] von Kaiser [[Franz Joseph I.]] ins Herrenhaus des [[Reichsrat]]es berufen. Seine Bemühungen dort dienten insbesondere dem Ausbau des Völkerrechts und internationaler Institutionen. [[1911]] wurde er in den Europäischen Rat der Carnegie-Stiftung für den Internationalen Frieden berufen und war ab [[1914]] Ehrenpräsident des österreichischen Vereins ''Para Pacem'', der dieselben Ziele vertrat.
Lammasch war juristischer Berater des Thronfolgers [[Franz Ferdinand von Österreich-Este]] und wurde [[1899]] von Kaiser [[Franz Joseph I.]] ins Herrenhaus des [[Reichsrat]]es berufen. Seine Bemühungen dort dienten insbesondere dem Ausbau des Völkerrechts und internationaler Institutionen. [[1911]] wurde er in den Europäischen Rat der Carnegie-Stiftung für den Internationalen Frieden berufen und war ab [[1914]] Ehrenpräsident des österreichischen Vereins ''Para Pacem'', der dieselben Ziele vertrat.
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== Familie ==
== Familie ==
Heinrich Lammasch war seit [[1886]] verheiratet mit Leonore ''Nora'', geborene Gemeinder (* 1865; † 1958), mit der er eine Tochter, Margarethe (* 1891; † 1975), hatte.
Heinrich Lammasch war seit [[1886]] verheiratet mit Leonore ''Nora'', geborene Gemeiner (* [[1865]]; † [[1958]]), mit der er eine Tochter, Margarethe (* [[1891]]; † [[1975]]), hatte.


Nach seiner Emeritierung [[1914]] übersiedelte er 1915<!--?--> mit seiner Familie nach [[Salzburg]]<ref>[https://www.univie.ac.at/kelsen/workingpapers/seipelbundesverfassung.pdf Olechowski, Thomas: ''Ignaz Seipel - vom k.k. Minister zum Berichterstatter über die republikanische Bundesverfassung'', S. 135.]</ref>, in die [[Franz-Josef-Straße]] 21, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte.
Nach seiner Emeritierung 1914 übersiedelte er 1915<!--?--> mit seiner Familie nach Salzburg<ref>[https://www.univie.ac.at/kelsen/workingpapers/seipelbundesverfassung.pdf Olechowski, Thomas: ''Ignaz Seipel - vom k.k. Minister zum Berichterstatter über die republikanische Bundesverfassung'', S. 135.]</ref>, in die [[Franz-Josef-Straße]] 21, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte.


Nach seiner provisorischen Bestattung am [[9. Jänner]] 1920 auf dem [[Kommunalfriedhof]]<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19200109&seite=7&zoom=33 Salzburger Chronik vom 9. Jänner 1920, Todesanzeige auf Seite 7.]. Gemäß Lammasch, Marga: ''Seine letzten Lebenstage'', in: Marga Lammasch (Hg.): ''Heinrich Lammasch'', Wien (Deuticke) 1922, S. 220, erfolgte die Bestattung auf dem [[Friedhof Aigen]].</ref> übersiedelte seine Familie nach [[Bad Ischl]] in die Kaiser-Franz-Joseph-Straße 2.<ref>[https://www.friedhofsfuehrer.at/friedhof-bad-ischl/heinrich-lammasch/ Homepage des Ischler Heimatvereins]</ref> Auf Wunsch der Familie erfolgte [[1957]] seine Umbettung in das Familiengrab auf dem Bad Ischler Friedhof.
Nach seiner provisorischen Bestattung am [[9. Jänner]] 1920 auf dem [[Kommunalfriedhof]]<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19200109&seite=7&zoom=33 Salzburger Chronik vom 9. Jänner 1920, Todesanzeige auf Seite 7.]. Gemäß Lammasch, Marga: ''Seine letzten Lebenstage'', in: Marga Lammasch (Hg.): ''Heinrich Lammasch'', Wien (Deuticke) 1922, S. 220, erfolgte die Bestattung auf dem [[Friedhof Aigen]].</ref> übersiedelte seine Familie nach [[Bad Ischl]] in die Kaiser-Franz-Joseph-Straße 2.<ref>[https://www.friedhofsfuehrer.at/friedhof-bad-ischl/heinrich-lammasch/ Homepage des Ischler Heimatvereins]</ref> Auf Wunsch der Familie erfolgte [[1957]] seine Umbettung in das Familiengrab auf dem Bad Ischler Friedhof.


== Publikationen (Auswahl) ==
== Publikationen ==
* ''Das Moment objectiver Gefährlichkeit im Begriffe des Verbrechensversuches''. Wien (Hölder) 1879.
* ''Das Moment objectiver Gefährlichkeit im Begriffe des Verbrechensversuches''. Wien (Hölder) 1879.
* ''Das Recht der Auslieferung wegen politischer Verbrechen'' Wien (Manz) 1884.
* ''Das Recht der Auslieferung wegen politischer Verbrechen'' Wien (Manz) 1884.
* ''Auslieferungspflicht und Asylrecht. Eine Studie über Theorie und Praxis des internationalen Strafrechtes''. Leipzig (Duncker & Humblot) 1887.
* ''Auslieferungspflicht und Asylrecht. Eine Studie über Theorie und Praxis des internationalen Strafrechtes''. Leipzig (Duncker & Humblot) 1887.
* ''Staatsverträge betreffend Rechtshilfe und Auslieferung'' in Holtzendorff, Franz von: ''Handbuch des Völkerrechts'', Band III, Hamburg 1887.
* ''Studien zum Strafgesetzentwurf 1891''. Wien (Manz) 1890.
* ''Kriminalpolitische Studien''. Wien 1890.
* ''Diebstahl und Beleidigung''. Wien (Manz) 1893.
* ''Das Werk des Strafgesetzausschusses''. Wien 1893.
* ''Vorschläge zur Revision des Strafgesetzentwurfes''. Wien (Manz) 1894.
* ''Grundriß des Strafrechts''. Leipzig (Duncker & Humblot) 1899.
* ''Grundriß des Strafrechts''. Leipzig (Duncker & Humblot) 1899.
* ''Die Fortbildung des Völkerrechts durch die Haager Konferenz''. Stuttgart (Roth) 1900.
* ''Die Fortbildung des Völkerrechts durch die Haager Konferenz''. Stuttgart (Roth) 1900.
* ''Motivenbericht zur österreichischen Regierungsvorlage einer Strafgesetzreform''. o.O. 1913.
* ''Die Rechtskraft internationaler Schiedssprüche''. Kristiania (Aschehoug) 1913.
* ''Die Rechtskraft internationaler Schiedssprüche''. Kristiania (Aschehoug) 1913.
* ''Die Lehre von der Schiedsgerichtsbarkeit in ihrem ganzen Umfange''. Handbuch des Völkerrechts 3, Internationales Verwaltungsrecht. Übersicht über die Ergebnisse der ersten und zweiten Haager Friedenskonferenz. Stuttgart (Kohlhammer) 1913.
* ''Die Lehre von der Schiedsgerichtsbarkeit in ihrem ganzen Umfange'', in: Stier-Somlo, Fritz: ''Handbuch des Völkerrechts 3. Internationales Verwaltungsrecht. Übersicht über die Ergebnisse der ersten und zweiten Haager Friedenskonferenz''. Stuttgart (Kohlhammer) 1913.
* ''Das Völkerrecht nach dem Kriege''. Kristiania (Aschehoug) 1917.
* ''Das Völkerrecht nach dem Kriege''. Kristiania (Aschehoug) 1917.
* ''Der Friedensverband der Staaten''. Leipzig (Der Neue Geist) 1918.
* ''Der Friedensverband der Staaten''. Leipzig (Der Neue Geist) 1918.
* ''Europas elfte Stunde''. München (Verlag für Kulturpolitik) 1919.
* ''Der Völkerverbund zur Bewahrung des Friedens. Entwurf eines Staatsvertrages mit Begründung''. Olten (Trösch) 1919.
* ''Der Völkerverbund zur Bewahrung des Friedens. Entwurf eines Staatsvertrages mit Begründung''. Olten (Trösch) 1919.
* ''Europas elfte Stunde''. München (Verlag für Kulturpolitik) 1919.
* ''Woodrow Wilsons Friedensplan''. Leipzig (Tal) 1919.
* ''Woodrow Wilsons Friedensplan''. Leipzig (Tal) 1919.
* ''Völkermord oder Völkerbund''. Den Haag (Lenz) 1920.
* ''Völkermord oder Völkerbund?''. Den Haag (Lenz) 1920.


== Ehrungen ==
== Ehrungen ==
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* Februar [[1912]]: K. u. k. Österreichisches Ehrenzeichen für Kunst und Wissenschaft,
* Februar [[1912]]: K. u. k. Österreichisches Ehrenzeichen für Kunst und Wissenschaft,
* Juni [[1914]]: Ehrendoktor der Universität Oxford.
* Juni [[1914]]: Ehrendoktor der Universität Oxford.
* [[11. November]] [[1918]]: Grosskreuz des [[Ungarn|ungarischen]] Sankt-Stephans-Ordens,
* [[11. November]] [[1918]]: Großkreuz des [[Ungarn|ungarischen]] Sankt-Stephans-Ordens,


== Literatur ==
== Literatur ==
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* [https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/wissen/geschichte/2044659-Heinrich-Lammasch-Besonnener-Denker-fuer-den-Frieden.html?em_cnt_page=3 Wiener Zeitung vom 6. Jänner 2020: ''Heinrich Lammasch: Besonnener Denker für den Frieden'']
* [https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/wissen/geschichte/2044659-Heinrich-Lammasch-Besonnener-Denker-fuer-den-Frieden.html?em_cnt_page=3 Wiener Zeitung vom 6. Jänner 2020: ''Heinrich Lammasch: Besonnener Denker für den Frieden'']
* [https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19200108&seite=1&zoom=33 Salzburger Chronik vom 8. Jänner 1920 (Nachruf)]  
* [https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19200108&seite=1&zoom=33 Salzburger Chronik vom 8. Jänner 1920 (Nachruf)]  
== Einzelnachweise ==
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[[Kategorie:Nationalratsabgeordneter]]
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[[Kategorie:Universitätsprofessor]]
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[[Kategorie:Bildung]]
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[[Kategorie:Wissenschaft]]
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[[Kategorie:Geboren 1853]]
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[[Kategorie:Gestorben 1920]]
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