Änderungen

Die Seite wurde neu angelegt
'''Lutherische Prediger in Salzburg''' gab es im [[16. Jahrhundert]] einige, jedoch wenige sind namentlich noch bekannt und von noch weniger Personen sind Daten bekannt.

== Paulus Speratus ==
Paulus Speratus war der erste lutherische Prediger in der [[Stadt Salzburg]] zur Zeit von [Fürsterzbischof]] [[Matthäus Lang von Wellenburg]]. Dieser kannte Speratus schon von früher und schätzte ihn als Gelehrten und humanistischen Dichter.

Der gebürtige Schwabe war schon um [[1512]] zur Zeit von Fürsterzbischof [[Leonhard von Keutschach]] in Salzburg. Er war als kaiserlicher und päpstlicher Notar sowie als Lehrer des Kirchenrechts gut bekannt. Dies verhalf ihm möglicherweise zur Ernennung zum Prediger in [[Zell am See]]. Dort wirkte er von [[1514]] bis [[1516]]. Von Zell am See wurde er als Stiftsprediger an die damalige Salzburger Stadtpfarrkirche, die [[Franziskanerkirche Zu Unserer Lieben Frau]], berufen. Doch schon zwei Jahre später verließ Speratus Salzburg. Die Gründe dafür sind uns nicht bekannt.

Da er seine lutherische Einstellung nie verleugnet hatte, heiratete er, zwar heimlich Anna Fuchs in Würzburg. Doch auch Würzburg verließ er bald und kehrte mit seiner Frau nach Salzburg zurück. Er predigte und fand bei der Bevölkerung großen Anklang, was nun aber Matthäus Lang zum Einschreiten veranlasste. Er verwies Speratus des Landes.

Speratus ging nach Dinkelsbühl in Mittelfranken und kurze Zeit später nach [[Wien]]. Im Stephansdom hielt er seine berühmt gewordene Predigt, in der er die evangelische Priesterehe verteidigte. Darauf musste er wieder fliehen und gelangte nach Iglau in [[Mähren]] und wurde schließlich Bischof von Pomesanien (eine [[Preußen|altpreußische]] Landschaft in den polnischen Masuren).

== Im Land Salzburg ==
Hier kennen wir nur wenige Prediger mit Namen.

; Georg
In der damaligen Filialkirche von [[Mittersill]] im [[Oberpinzgau]], der [[Pfarrkirche zum hl. Vitus ]] in [[Bramberg]], gab es einen Kooperator mit dem Namen Georg. Dieser predigte an einem Veitstag ([[15. Juni]]), dass das Amt der heiligen Messe nichts wert sei. Er meinte darin, "was der Pfaff prumelt und plappert" verstünde der Laie nicht, aber die Worte eines Predigers sollten für alle verständlich sein. [[Pfarrer von Bramberg am Wildkogel|Pfarrer]] Ludwig Lebenauer (1512 und [[1530]]–[[1549]] erneut) betrieb in seinem verfallenen Pfarrhaus auch eine Weinschank. Er bescheinigte, dass sein Mitbruder Georg kein lateinisches Buch besitze, nur lutherische Schriften.

; Valentin Villrößl
Bei ihm dürfte es sich um einen ehemaligen katholischen Pfarrer gehandelt haben, der als evangelischer Prediger durch die Lande zog. Nachgewiesen ist ihm seine Tätigkeit vor allem in [[Dienten]] und [[Rauris]].

; [[Gasteinertal]]
Hier war ein in der Bibel sehr bewanderter Prädikant unterwegs war, kann man aus den "24 Artikeln gemeiner Landschaft" schließen, die er sehr wahrscheinlich selbst verfasst hatte.

; Constantin Schlafhauser
Über Schlafhauser ist mehr bekannt. Er war ein katholischer ''Gesellpriester'' (Kooperator) und stammte aus der [[Hallein]]er Pfarrersfamilie Virgil Schlafhauser. Wie sein Vater bekam auch er Kinder (drei). Als Gesellpriester genoss er in [[Kuchl]] wegen seiner lutherischen Predigten hohes Ansehen. Im März [[1564]] musste er sich in Salzburg wegen seiner evangelischen Gesinnung rechtfertigen. Daraufhin verließ er Salzburg. Er reiste durch [[Oberösterreich]] und kam auch wieder ins Salzburger Land nach [[Bischofshofen]]. Dort brachen die Bauern am [[3. September]] [[1564]] gewaltsam die [[Pfarrkirche hl. Maximilian]] auf, um die Predigt von Schlafhauser zu hören und danach das Abendmahl in beiderlei Gestalt von diesem zu empfangen. Deshalb sollte er verhaftet werden, versteckte sich zunächst in Bischofshofen, floh aber dann nach [[St. Veit]] und schließlich wieder nach Oberösterreich. Seine "vermainte Hausfrau" Christina war bereits verhaftet und ins Gefängnis in die Stadt Salzburg gebracht worden.

Constantin Schlafhauser wurde schließlich am [[14. Oktober]] [[1565]] in [[St. Gilgen]] verhaftet. Über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt. Seine Frau wurde mit den Kindern aus dem [[Erzstift]] "abgeschafft".

; Georg Scherer, ein Märtyrer
Georg Scherer war Priester. Er wurde wegen seines evangelischen Glaubens in [[Radstadt]] zum Tode verurteilt und seine Leiche am [[13. April]] [[1528]] auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die wenigen Daten über diesen Märtyrer kennen die Historiker von Ludwig Rabus, der [[1572]] das Buch "Historien der Märtyrer" publizierte. Und der große Theologe und Verfechter des Lutherthums, Flacius Illyricus hatte in einem kleinen Büchlein das letzte Bekenntnis von Georg Scherer veröffentlicht.

Nachdem Scherer bereits neun Jahre Priester war, entschloss er sich Barfüßermönch bei den [[Franziskaner]]n zu werden. Nach inneren Kämpfen, ursächlich durch Neid und Streit unter den Mönchen ausgelöst, trat er nach drei Jahren wieder aus dem Orden aus. [[1525]] kam er nach Radstadt, wo seine Predigten begeisterten Zulauf hatten. Schließlich wurde Scherer bei Fürsterzbischof [[Matthäus Lang von Wellenburg]] angezeigt, der ihn gefangennehmen ließ und den Prozess machte. Scherer bewies sich im Verlauf des Prozesses als aufrechter Bekenner zum Luthertum und wurde zum Tod durch das Schwert verurteilt. Sein Leichman soll, wie oben erwähnt, auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden.

Warum Matthäus Lang in diesem Fall nicht wie üblich einen Landesverweis aussprach, sondern ein Todesurteil, ist nicht bekannt. Geblieben ist aber die Standfestigkeit der Lutheraner in Radstadt. Noch 90 Jahre später klagte der [[Pfarrer von Radstadt]], dass er seine Gottesdienste vor fast leerer Kirche halten müsse.

; Johann von Staupitz
Die Geschichte des persönlichen Freundes von Martin Luther, [[Johann von Staupitz]], wird in dessen Artikel geschildert.

== Quelle ==
* [[Geschichte der Salzburger Protestanten und ihrer Emigration 1731/32]], Seite 14ff

[[Kategorie:Religion]]
[[Kategorie:Geschichte]]
[[Kategorie:Evangelische Kirche]]
[[Kategorie:Katholische Kirche]]
[[Kategorie:Geschichte (Erzbistum)]]