| Zeile 1: |
Zeile 1: |
| − | [[Datei:Hellbrunn_Uhren_008.jpg|thumb|900px|center|rechts die ehemalige, ursprüngliche Kapelle, heute Teil der [[Schlossrestauration Hellbrunn]], links die heutige Kapelle, ursprünglich Glockenhaus und in der Mitte das [[Schloss Hellbrunn]]]]
| + | [[Datei:Uhren und Glocken im Schlosshof Hellbrunn 01.jpg|thumb|Titel der Mitteilungen Nr. 152, Winter 2017, der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie.]] |
| − | [[Datei:Uhren und Glocken im Schlosshof Hellbrunn 01.jpg|thumb|Titel der Mitteilungen Nr. 152, Winter 2017, der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie]] | |
| | [[Datei:Hellbrunn_Uhren_035.JPG|thumb|Präsentation der Ausgabe "Chronometrie", Mitteilungen Nr. 152, Winter 2017, der "Deutschen Gesellschaft für Chronometrie" mit dem Beitrag "Uhren und Glocken im Schlosshof von Hellbrunn, Salzburg" im Uhrturm der Kapelle im Schlosshof von [[Hellbrunn]] in Salzburg; von links: Mag. [[Josef Kral]], Autor der Ausgabe, [[Ingrid Sonvilla]], Leiterin [[Schloss Hellbrunn]] und MMag. [[Michael Neureiter (Politiker)|Michael Neureiter]], Autor der Ausgabe. Das historische Uhrwerk stammt aus dem Jahr 1615, aus der Zeit des Erbauers des ''Lustschlosses Hellbrunn'', [[Fürsterzbischof]] [[Markus Sittikus von Hohenems]], der von 1612 bis 1619 regierte.]] | | [[Datei:Hellbrunn_Uhren_035.JPG|thumb|Präsentation der Ausgabe "Chronometrie", Mitteilungen Nr. 152, Winter 2017, der "Deutschen Gesellschaft für Chronometrie" mit dem Beitrag "Uhren und Glocken im Schlosshof von Hellbrunn, Salzburg" im Uhrturm der Kapelle im Schlosshof von [[Hellbrunn]] in Salzburg; von links: Mag. [[Josef Kral]], Autor der Ausgabe, [[Ingrid Sonvilla]], Leiterin [[Schloss Hellbrunn]] und MMag. [[Michael Neureiter (Politiker)|Michael Neureiter]], Autor der Ausgabe. Das historische Uhrwerk stammt aus dem Jahr 1615, aus der Zeit des Erbauers des ''Lustschlosses Hellbrunn'', [[Fürsterzbischof]] [[Markus Sittikus von Hohenems]], der von 1612 bis 1619 regierte.]] |
| − | [[Datei:Hellbrunn_Uhren_009.jpg|thumb|über der rechten, ehemaligen, ursprünglichen Kapelle, heute Teil der [[Schlossrestauration Hellbrunn]], befindet sich hinter der Fassade ein kleines Glockentürmchen]] | + | [[Datei:Uhrwerk im Uhrturm der Schlosskapelle Hellbrunn.jpg|thumb|Hier sieht man das historische Uhrwerk aus dem Jahr 1615, aus der Zeit des Erbauers des ''Lustschlosses Hellbrunn'', [[Fürsterzbischof]] [[Markus Sittikus von Hohenems]], der von 1612 bis 1619 regierte.]] |
| | + | [[Datei:Hellbrunn_Uhren_009.jpg|thumb|Über der rechten, ehemaligen, ursprünglichen Kapelle, heute Teil der [[Schlossrestauration Hellbrunn]], befindet sich hinter der Fassade ein kleines Glockentürmchen.]] |
| | [[Datei:Hellbrunn_Uhren_021.jpg|thumb|Präsentation der Ausgabe "Chronometrie", Mitteilungen Nr. 152, Winter 2017, der "Deutschen Gesellschaft für Chronometrie" mit dem Beitrag "Uhren und Glocken im Schlosshof von Hellbrunn, Salzburg" im Schlosshof von [[Hellbrunn]] in Salzburg; von links: Mag. [[Josef Kral]], Autor der Ausgabe, [[Ingrid Sonvilla]], Leiterin [[Schloss Hellbrunn]] und MMag. [[Michael Neureiter (Politiker)|Michael Neureiter]], Autor der Ausgabe.]] | | [[Datei:Hellbrunn_Uhren_021.jpg|thumb|Präsentation der Ausgabe "Chronometrie", Mitteilungen Nr. 152, Winter 2017, der "Deutschen Gesellschaft für Chronometrie" mit dem Beitrag "Uhren und Glocken im Schlosshof von Hellbrunn, Salzburg" im Schlosshof von [[Hellbrunn]] in Salzburg; von links: Mag. [[Josef Kral]], Autor der Ausgabe, [[Ingrid Sonvilla]], Leiterin [[Schloss Hellbrunn]] und MMag. [[Michael Neureiter (Politiker)|Michael Neureiter]], Autor der Ausgabe.]] |
| − | [[Datei:Sonnenuhr Schloss Hellbrunn 02.jpg|thumb|Die Sonnenuhr auf der ursprünglichen Kapelle, rechts im Schlosshof]]
| + | '''Uhren und Glocken im Schlosshof Hellbrunn''' ist ein Fachbeitrag von MMag. [[Michael Neureiter (Politiker)|Michael Neureiter]] und Mag. [[Josef Kral]], zweier Uhrwerk- und Glockenfachleute aus [[Salzburg]]. |
| − | '''Uhren und Glocken im Schlosshof Hellbrunn''' ist ein Fachbeitrag von MMag. [[Michael Neureiter (Politiker)|Michael Neureiter]] und Mag. [[Josef Kral]], zwei Uhrwerk- und Glockenfachleute aus [[Salzburg]]. | |
| | | | |
| | == Uhren und Glocken im Schlosshof Hellbrunn == | | == Uhren und Glocken im Schlosshof Hellbrunn == |
| Zeile 11: |
Zeile 10: |
| | | | |
| | == Rechts im Hof die frühere Hofkapelle == | | == Rechts im Hof die frühere Hofkapelle == |
| − | Die [[Sonnenuhr]] an der Nordwestseite befindet sich an der Fassade der ehemaligen Hofkapelle, die heute als Raum der [[Schlossrestauration Hellbrunn]] genutzt wird. Diese Kapelle dürfte aus der Zeit der Errichtung des manieristischen Schlosses stammen, das [[1615]] unter [[Fürsterzbischof]] [[Markus Sittikus von Hohenems]] vollendet wurde. An der Südostseite befindet sich ein Türmchen mit einem Turmuhrwerk, dessen Pendellinse mit "J. B. 1805" datiert ist. An der Rückseite der Giebelmauer befinden sich Glocken, die aus den Jahren [[1652]] und [[1677]] stammen. | + | Die [[Sonnenuhr (Schloss Hellbrunn)|Sonnenuhr]] an der Nordwestseite befindet sich an der Fassade der ehemaligen [[Kapelle zum heiligen Borromäus|Hofkapelle]], die heute als Raum der [[Schlossrestauration Hellbrunn]] genutzt wird. Diese Kapelle dürfte aus der Zeit der Errichtung des manieristischen Schlosses stammen, das [[1615]] unter [[Fürsterzbischof]] [[Markus Sittikus von Hohenems]] vollendet wurde. An der Südostseite befindet sich ein Türmchen mit einem Turmuhrwerk, dessen Pendellinse mit "J. B. 1805" datiert ist. An der Rückseite der Giebelmauer befinden sich Glocken, die aus den Jahren [[1652]] und [[1677]] stammen. |
| | | | |
| − | Die 1615 gegossene Glocke hat einen Durchmesser von 52,5 cm und wiegt etwa 80 kg. Gusstechnisch weist diese Glocke einige Mängel auf. Musikalisch betrachtet aber ist sie deutlich besser. Sie wurde ausschließlich als frei schwingende Läuteglocke verwendet, da es keine Hinweise auf die Verwendung als Uhrschlagglocke gibt. Sdie Gie ist in mehrerer Hinsicht bemerkenswert, weil | + | Die [[1615]] gegossene Glocke hat einen Durchmesser von 52,5 cm und wiegt etwa 80 kg. Gusstechnisch weist diese Glocke einige Mängel auf. Musikalisch betrachtet aber ist sie deutlich besser. Sie wurde ausschließlich als frei schwingende Läuteglocke verwendet, da es keine Hinweise auf die Verwendung als Uhrschlagglocke gibt. Sie ist in mehrerer Hinsicht bemerkenswert, weil |
| | * es in der Zeit um 1615 in Salzburg keine Glockengießerei nachweisbar ist; | | * es in der Zeit um 1615 in Salzburg keine Glockengießerei nachweisbar ist; |
| − | : der Gießer [[Georg Becherer]], der die Glocke für die [[Pfarrkirche Maria Himmelfahrt Bad Hofgastein|Pfarrkirche Maria Himmelfahrt]] in [[Bad Hofgastein]] gegossen hatte, nur bis [[1611]] nachweisbar ist; | + | : der Gießer Georg Becherer, der die Glocke für die [[Pfarrkirche Maria Himmelfahrt Bad Hofgastein|Pfarrkirche Maria Himmelfahrt]] in [[Bad Hofgastein]] gegossen hatte, nur bis [[1611]] nachweisbar ist; |
| − | : der nächste nachweisbare Glockengießer, [[Jakob Lidl]], kam erst [[1617]] nach Salzburg; und, obwohl er erst heiratet und im Herbst [[1618]] um Erlaubnis zur Errichtung einer Gießerei ansuchte, stammt seine erste Glocke schon aus dem Jahr 1617 ([[Hüttkapelle]] in [[Leogang]]); | + | : der nächste nachweisbare Glockengießer, Jakob Lidl, kam erst [[1617]] nach Salzburg; und, obwohl er erst heiratete und dann im Herbst [[1618]] um Erlaubnis zur Errichtung einer Gießerei ansuchte, stammt seine erste Glocke schon aus dem Jahr [[1617]] (in der [[Hüttkapelle]] in [[Leogang]]); |
| − | : der Glockengießer [[Isaak Lechner]], wahrscheinlich Schüler des Georg Becherer, erhielt erst [[1620]] das [[Bürger der Stadt Salzburg|Bürgerrecht]] in der Stadt Salzburg; doch auch er hatte schon vorher Glocken gegossen: jene in der [[Pfarr- und Dekanatskirche zum hl. Georg]] in [[Bergheim]] und jene in der [[Dekanatskirche zu Unserer Lieben Frau Geburt]] in [[Köstendorf]], beide [[1619]]; | + | : der Glockengießer Isaak Lechner, wahrscheinlich Schüler des Georg Becherer, erhielt erst [[1620]] das [[Bürger der Stadt Salzburg|Bürgerrecht]] in der Stadt Salzburg; doch auch er hatte schon vorher Glocken gegossen: jene in der [[Pfarr- und Dekanatskirche zum hl. Georg]] in [[Bergheim]] und jene in der [[Dekanatskirche zu Unserer Lieben Frau Geburt]] in [[Köstendorf]], beide [[1619]]; |
| | : somit lässt nur ein formaler Vergleich eine Deutung zu, wer der Gießer dieser Glocke war; die beiden Autoren kommen zu dem Schluss, dass es Georg Becherer gewesen sein könnte; | | : somit lässt nur ein formaler Vergleich eine Deutung zu, wer der Gießer dieser Glocke war; die beiden Autoren kommen zu dem Schluss, dass es Georg Becherer gewesen sein könnte; |
| | | | |
| − | Sie geriet dann in Vergessenheit und wurde erst 2016 von Josef Kral sozusagen "wiederentdeckt".
| + | Die Glocke in Hellbrunn geriet dann in Vergessenheit und wurde erst [[2016]] von Josef Kral sozusagen "wiederentdeckt". |
| | | | |
| | == Links im Hof das frühere Glockenhaus und die heutige Kapelle == | | == Links im Hof das frühere Glockenhaus und die heutige Kapelle == |
| − | [[Lorenz Hübner]], ein bedeutender Chronist Salzburgs, erwähnte[[1792]] in seiner Salzburg-Beschreibung anschließend an die oben beschriebene "''Hofkapelle mit einem zu Ehren des heiligen Carls von Borromä, Vetters des Erbauers geweihten Altare''" auch "''ein kleines Wirtshaus...''", wobei Hübner weiter über die Kapelle "''und gegenüber das Glockenhaus ... über der Kapelle eine Sonnenuhr, und am Glockenhause eine Schlaguhr mit ihren Schilden zu sehen sind.''". | + | [[Lorenz Hübner]], ein bedeutender Chronist Salzburgs, erwähnte [[1792]] in seiner Salzburg-Beschreibung anschließend an die oben beschriebene "Hofkapelle mit einem zu Ehren des heiligen Carls von Borromä, Vetters des Erbauers geweihten Altare" auch "ein kleines Wirtshaus...", wobei Hübner weiter über die Kapelle schreibt: "... und gegenüber das Glockenhaus ... über der Kapelle eine Sonnenuhr, und am Glockenhause eine Schlaguhr mit ihren Schilden zu sehen sind.". |
| | | | |
| | Ein neuer Pächter der Schlossrestauration in den [[1950er]]-Jahren bemühte sich um weitere Räume für sein Lokal. Deshalb ließ die [[Stadtgemeinde Salzburg]] als Eigentümerin der Gebäude, die Kapelle in ihrer Funktion als einen katholischen Sakralraum von der nordwestlichen an die südöstliche Hofseite verlegen, in den Raum des bisherigen Glockenhauses. Dazu wurde dieser um eine Apsis erweitert. [[Erzbischof]] [[Andreas Rohracher]] weihte die Kapelle [[1960]] neu. | | Ein neuer Pächter der Schlossrestauration in den [[1950er]]-Jahren bemühte sich um weitere Räume für sein Lokal. Deshalb ließ die [[Stadtgemeinde Salzburg]] als Eigentümerin der Gebäude, die Kapelle in ihrer Funktion als einen katholischen Sakralraum von der nordwestlichen an die südöstliche Hofseite verlegen, in den Raum des bisherigen Glockenhauses. Dazu wurde dieser um eine Apsis erweitert. [[Erzbischof]] [[Andreas Rohracher]] weihte die Kapelle [[1960]] neu. |
| | | | |
| | === Das mechanische Turmuhrwerk === | | === Das mechanische Turmuhrwerk === |
| − | Zum seltenen Fall der Verlegung eines Sakralraumes kam noch ein weiteres Kuriosum. [[Johann Stainhauser]] (* 1570; † 1625) war hochfürstlich salzburgischer Sekretär und Archivar und zugleich Geschichtsschreiber, erwähnte den nunmehr neuen Kapellenraum als "''der Herren Tafelstuben''". In diesem Raum schwang das und schwingt noch heute das Pendel der Turmuhr hinein! Die Inschrift "J.B. 1805² deutet auf [[Johann Pentele senior]] hin, der seit [[1804]] Hof- und Großuhrmacher in Salzburg war. Er hatte auch die Turmuhr der heutigen [[Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt und hl. Michael]] in Salzburg-[[Gnigl]] geschaffen. | + | Zum seltenen Fall der Verlegung eines Sakralraumes kam noch ein weiteres Kuriosum. [[Johann Stainhauser]] (* [[1570]]; † [[1625]]), hochfürstlich salzburgischer Sekretär, Archivar und zugleich Geschichtsschreiber, erwähnte den nunmehr neuen Kapellenraum als "der Herren Tafelstuben". In diesem Raum schwang und schwingt noch heute das Pendel der Turmuhr hinein! Die Inschrift "J.B. 1805" deutet auf [[Johann Pentele senior]] hin, der seit [[1804]] Hof- und Großuhrmacher in Salzburg war. Er hatte auch die Turmuhr der heutigen [[Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt und hl. Michael]] in Salzburg-[[Gnigl]] geschaffen. |
| | | | |
| | Und nicht nur das Pendel hing in den Raum, auch die drei Gewichte des Turmuhrwerks hingen mitten im Raum bis zum Boden. Nachdem aus dem Raum aber eine Kapelle wurde, behalf man sich damit, dass man die Gewichte in einen Schacht seitlich des Kapellenraums umlenkte. Aber das Pendel musste belassen werden. | | Und nicht nur das Pendel hing in den Raum, auch die drei Gewichte des Turmuhrwerks hingen mitten im Raum bis zum Boden. Nachdem aus dem Raum aber eine Kapelle wurde, behalf man sich damit, dass man die Gewichte in einen Schacht seitlich des Kapellenraums umlenkte. Aber das Pendel musste belassen werden. |
| | | | |
| − | Es muss ein früheres Turmuhrwerk als das heutige gegeben haben. Die zwei in der zweiten Hälfte des [[17. Jahrhundert]]s gegossenen Glocken lassen den Schluss auf Schlagglocken für ein Turmuhrwerk zu, das bereits ein Viertelstunden- und ein Stundenschlagwerk besaß. Mehr ist aber von diesem Turmuhrwerk nicht bekannt. Das noch verwendete Turmurwerk (100 cm breit, 70 cm hoch und 53 cm tief) wurde 1805 umgebaut, als noch das lange Pendel in Betrieb war. Aber aufgrund des Baues schließen die beiden Autoren, dass es bereits älter sein dürfte, wahrscheinlich aus der ersten Hälfte des [[18. Jahrhundert]]s. Nicht auszuschließen ist, dass der Salzburger Uhrmacher [[Jeremias Sauter]] (* 1650; † 1709), der auch das [[Salzburger Glockenspiel]] technisch schuf, oder sein Vater [[Hans Sauter]] Urheber dieses Turmuhrwerks gewesen sein könnten. | + | Es muss ein früheres Turmuhrwerk als das heutige gegeben haben. Die zwei in der zweiten Hälfte des [[17. Jahrhundert]]s gegossenen Glocken lassen den Schluss auf Schlagglocken für ein Turmuhrwerk zu, das bereits ein Viertelstunden- und ein Stundenschlagwerk besaß. Mehr ist aber von diesem Turmuhrwerk nicht bekannt. Das noch verwendete Turmurwerk (100 cm breit, 70 cm hoch und 53 cm tief) wurde [[1805]] umgebaut, als noch das lange Pendel in Betrieb war. Aber aufgrund des Baues schließen die beiden Autoren, dass es bereits älter sein dürfte, wahrscheinlich aus der ersten Hälfte des [[18. Jahrhundert]]s. Nicht auszuschließen ist, dass der Salzburger Uhrmacher [[Jeremias Sauter]] (* [[1650]]; † [[1709]]), der auch das [[Salzburger Glockenspiel]] technisch schuf, oder sein Vater Hans Sauter, Urheber dieses Turmuhrwerks gewesen sein könnten. |
| | | | |
| | === Die Glocken der heutigen Kapelle === | | === Die Glocken der heutigen Kapelle === |
| − | Eine weitere Geschichte gibt es zu dem kleinen Türmchen, das sich über der mechanischen Uhr hinter dem Giebel der heutigen Kapelle befindet. Darin befindet sich der historische Holzglockenstuhl mit zwei Gefachen<ref>Ein Gefach ist Teil einer Wand eines Fachwerkhauses und bezeichnet den Raum zwischen den Holzbalken. Im ausgefüllten Zustand wird das Gefach, beziehungsweise sein Inhalt, auch als Ausfachung bezeichnet.</ref>. Die beiden vorhandenen Glocken dienen als Schlagglocken der Turmuhr. Sie sind aber auch zum schwingenden Läuten eingerichtet. Dieser Zustand war der ursprüngliche. Er bestand also schon vor der Verlegung der Kapelle an ihren heutigen Standort. Die Glocke aus dem Jahr 1652 hat einen Durchmesser von 65 cm und ein Gewicht von ca. 150 kg. | + | Eine weitere Geschichte gibt es zu dem kleinen Türmchen, das sich über der mechanischen Uhr hinter dem Giebel der heutigen Kapelle befindet. Darin befindet sich der historische Holzglockenstuhl mit zwei Gefachen<ref>Ein Gefach ist Teil einer Wand eines Fachwerkhauses und bezeichnet den Raum zwischen den Holzbalken. Im ausgefüllten Zustand wird das Gefach, beziehungsweise sein Inhalt, auch als Ausfachung bezeichnet.</ref>. Die beiden vorhandenen Glocken dienen als Schlagglocken der Turmuhr. Sie sind aber auch zum schwingenden Läuten eingerichtet. Dieser Zustand war der ursprüngliche. Er bestand also schon vor der Verlegung der Kapelle an ihren heutigen Standort. Die Glocke aus dem Jahr [[1652]] hat einen Durchmesser von 65 cm und ein Gewicht von ca. 150 kg. |
| | | | |
| − | Aufgrund einer Inschrift auf der Glocke weiß man, dass der Gießer der Glocke [[Johann Eisenberger]] aus Nürnberg war. Er heiratete [[1650]] die Tochter des verstorbenen Salzburger Glockengießers Jakob Lidl. Der Firmensitz von Eisenberger war damals das Haus Nr. 14 an der [[Goldgasse (Stadt Salzburg)|Goldgasse]]. In diesem Haus wohnte bereits 200 Jahren früher der Goldschmied und Glockengießer [[Jörg Gloppitscher]]. Ein seltsamer Fehler an dieser Glocke, der technisch behebbar gewesen wäre, gibt Rätsel auf. So wird jetzt das Hauptrelief auf der Glocke vom Glockenstuhl "versteckt" und darüber hinaus ist es nicht möglich, die eingegossene Klöppelöse zu verwenden. Es musste also ein Wendeeisen im Inneren der Glocke nachträglich angebracht werden. Durch diese Fehlkonstruktion-Fehlaufhängung käme es zu einer höherer Abnutzung und die Glocke müsste im Laufe der Geschichte bereits mehrmals gedreht werden. Doch bei dieser war das nicht der Fall. Sie zeigt keinerlei Abnutzungspuren in der eigentlich vorgesehenen Läutrichtung. Sie hat also schon immer in dieser - eigentlich falschen - Richtung geläutet. | + | Aufgrund einer Inschrift auf der Glocke weiß man, dass der Gießer der Glocke Johann Eisenberger aus Nürnberg war. Er heiratete [[1650]] die Tochter des verstorbenen Salzburger Glockengießers Jakob Lidl. Der Firmensitz von Eisenberger war damals das Haus Nr. 14 an der [[Goldgasse (Stadt Salzburg)|Goldgasse]]. In diesem Haus wohnte bereits 200 Jahren früher der Goldschmied und Glockengießer Jörg Gloppitscher. Ein seltsamer Fehler an dieser Glocke, der technisch behebbar gewesen wäre, gibt Rätsel auf. So wird jetzt das Hauptrelief auf der Glocke vom Glockenstuhl "versteckt" und darüber hinaus ist es nicht möglich, die eingegossene Klöppelöse zu verwenden. Es musste also ein Wendeeisen im Inneren der Glocke nachträglich angebracht werden. Durch diese Fehlkonstruktion-Fehlaufhängung käme es zu einer höherer Abnutzung und die Glocke müsste im Laufe der Geschichte bereits mehrmals gedreht werden. Doch bei dieser war das nicht der Fall. Sie zeigt keinerlei Abnutzungspuren in der eigentlich vorgesehenen Läutrichtung. Sie hat also schon immer in dieser - eigentlich falschen - Richtung geläutet. |
| | | | |
| − | Die kleinere Glocke wurde [[1677]] gegossen, hat einen Durchmesser von 58 cm und ein Gewicht von ca. 120 kg. Auch sie trägt eine Inschrift, die ihren Gießer verrät: [[Benedict Eisenberger]], der älteste Sohn von Johann Eisenberger, der nach dem Tod seines Vaters [[1674]] die Gießerei übernommen hatte. | + | Die kleinere Glocke wurde [[1677]] gegossen, hat einen Durchmesser von 58 cm und ein Gewicht von ca. 120 kg. Auch sie trägt eine Inschrift, die ihren Gießer verrät: Benedict Eisenberger, der älteste Sohn von Johann Eisenberger, der nach dem Tod seines Vaters [[1674]] die Gießerei übernommen hatte. |
| | | | |
| | === Wurden beide Glocken gleichzeitig aufgehängt? === | | === Wurden beide Glocken gleichzeitig aufgehängt? === |
| | Ein Blick in die Glockenstube zeigt, dass alles 'harmonisch' hängt. Eine ältere Stundenschlagglocke könnte 25 Jahre später durch eine Viertelstundenschlagglocke ergänzt worden sein. Doch den beiden Fachleuten fiel bei genauerem Hinsehen etwas auf: Nämlich, dass der Glockenstuhl keinerlei Anzeichen einer nachträglichen Veränderung aufweist. Es waren also von Anfang an zwei Glocken vorgesehen. Das Gleiche gilt für die vollkommen gleich gestalteten zwei Uhrschlaghämmer und Joche. Augenscheinlich könnten Glockenstuhl und Joche aus dem frühen [[17. Jahrhundert]] stammen. | | Ein Blick in die Glockenstube zeigt, dass alles 'harmonisch' hängt. Eine ältere Stundenschlagglocke könnte 25 Jahre später durch eine Viertelstundenschlagglocke ergänzt worden sein. Doch den beiden Fachleuten fiel bei genauerem Hinsehen etwas auf: Nämlich, dass der Glockenstuhl keinerlei Anzeichen einer nachträglichen Veränderung aufweist. Es waren also von Anfang an zwei Glocken vorgesehen. Das Gleiche gilt für die vollkommen gleich gestalteten zwei Uhrschlaghämmer und Joche. Augenscheinlich könnten Glockenstuhl und Joche aus dem frühen [[17. Jahrhundert]] stammen. |
| | + | <div style="clear:both;"></div> |
| | + | == Bildergalerie == |
| | + | <gallery mode="nolines" mode="packed-hover" heights="200"> |
| | + | Datei:Hellbrunn_Uhren_008.jpg|Rechts die ehemalige, ursprüngliche Kapelle, heute Teil der [[Schlossrestauration Hellbrunn]], links die heutige Kapelle, ursprünglich Glockenhaus und in der Mitte das [[Schloss Hellbrunn]]. |
| | + | Datei:Hellbrunn Sonnenuhr 02.jpg|Die Sonnenuhr auf der ursprünglichen Kapelle, rechts im Schlosshof. |
| | + | Datei:Hellbrunn Sonnenuhr 01.jpg|Die Sonnenuhr auf der ursprünglichen Kapelle, rechts im Schlosshof, Detail. |
| | + | </gallery> |
| | | | |
| | == Weblinks == | | == Weblinks == |
| Zeile 49: |
Zeile 55: |
| | == Quelle == | | == Quelle == |
| | * [http://www.horologium.at/typo3/index.php?id=16 pdf], gesamter Beitrag: ''Ad animi levamen. Uhren und Glocken im Schlosshof von Hellbrunn, Salzburg (Mitteilungen Nr. 152 der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie, Winter 2017, S. 30-37)'' | | * [http://www.horologium.at/typo3/index.php?id=16 pdf], gesamter Beitrag: ''Ad animi levamen. Uhren und Glocken im Schlosshof von Hellbrunn, Salzburg (Mitteilungen Nr. 152 der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie, Winter 2017, S. 30-37)'' |
| − | == Einzelnachweise == | + | == Einzelnachweis == |
| | <references/> | | <references/> |
| | | | |