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== 1885 ==
 
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Fanny Kobler (1796-12.7.1886): Brief, 1 Blatt, Salzburg 3.1.1885 verschrieben „1886“ und gestrichen; sie ist 88 Jahre alt] mit zittriger Schrift, von „Großmuttter Fanni“ an „Fani“ (Spängler): Dank für Süßigkeiten, Befinden „zimlig gut“, Augen schlecht, die 80er Jahre sind schon überwunden, „doch kann ich mich darüber nicht beklagen. Das Wetter ist sehr schön“ XXX.
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Fanny Kobler (* 1796; † 12.7.1886): Brief, 1 Blatt, Salzburg 3. Januar 1885 verschrieben „1886“ und gestrichen; sie ist 88 Jahre alt; mit zittriger Schrift, von „Großmuttter Fanni“ an „Fani“ (Spängler): Dank für Süßigkeiten, Befinden „zimlig gut“, Augen schlecht, die 80er Jahre sind schon überwunden, „doch kann ich mich darüber nicht beklagen. Das Wetter ist sehr schön“ XXX.
    
==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
 
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''Dr.Lorinser sieht sehr mager und kraftlos aus, morgen reist er nach Gastein. Anna Zillner sagte mir, daß nach ihres Vater Ansicht Dr. Lorinser ein Rückenmarkleiden habe. - Eduard Zillner ist gegenwärtig in Lofer, wo es ihm gut gehen soll. Die Reise nach Italien hat ihm nicht gut getan. Für heute schließe ich mit der herzlichen Bitte, strenge dich nicht gar so sehr an und kom auf drei Wochen! Mit 10 000 Grüßen deine Alte. - 3/4 12 Nachts. - [ziemlich undeutlich mit Bleistift geschrieben]  
 
''Dr.Lorinser sieht sehr mager und kraftlos aus, morgen reist er nach Gastein. Anna Zillner sagte mir, daß nach ihres Vater Ansicht Dr. Lorinser ein Rückenmarkleiden habe. - Eduard Zillner ist gegenwärtig in Lofer, wo es ihm gut gehen soll. Die Reise nach Italien hat ihm nicht gut getan. Für heute schließe ich mit der herzlichen Bitte, strenge dich nicht gar so sehr an und kom auf drei Wochen! Mit 10 000 Grüßen deine Alte. - 3/4 12 Nachts. - [ziemlich undeutlich mit Bleistift geschrieben]  
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„Bubi“: Franz Xaver, geb. 1883, „Hanna“: Johanna (Hansimutti), geb. 1882. „Toni“ geb. 1879, sechs Jahre alt. „Großmutter“: Höllbräuin Fanny Kobler, gest. 1886. „vier Dirndl“: Franzi(8), Toni(6), Rosl(5), „Hanna“: Johanna(3); Franz Xaver(2), Otto wird dann im Mai 1886 geboren (wird darauf angedeutet?); „Otto und Luise“: Otto Spängler (Bruder von Franz) und seine Frau Louise (siehe unten). - „Mutter“ (Schwiegermutter): Maria Antonia (Antonia) Spängler, geb. Lürzer, gest. 1882. - „Bahnhof“: der Salzburger Bahnhof wird 1861 eingeweiht; „Tomaselli“: das [[Café Tomaselli]], Alter Markt Nr.9, neben Koblers Haus Nr.10, oder der „[[Kiosk Tomaselli|Tomaselli-Kiosk]]“ ist um 1900 ein beliebter Treffpunkt in der Stadt (vgl. Dopsch, 1996, S. 483). - „#Lorinser“: In dem Fotoalbum, das Fanni Spängler kurz vor der Hochzeit 1872 von einer Freundin bekommt, ist u. a. ein „Dr. Friedrich Lorinser“ (1866) abgebildet, Vater einer Freundin, Minna Lorinser, aus der Salzburger Schulzeit.
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„Bubi“: Franz Xaver, geb. 1883, „Hanna“: Johanna (Hansimutti), geb. 1882. „Toni“ geb. 1879, sechs Jahre alt. „Großmutter“: Höllbräuin Fanny Kobler, gest. 1886. „vier Dirndl“: Franzi(8), Toni(6), Rosl(5), „Hanna“: Johanna(3); Franz Xaver(2), Otto wird dann im Mai 1886 geboren (wird darauf angedeutet?); „Otto und Luise“: Otto Spängler (Bruder von Franz) und seine Frau Louise (siehe unten). - „Mutter“ (Schwiegermutter): Maria Antonia (Antonia) Spängler, geb. Lürzer, gest. 1882. - „Bahnhof“: der Salzburger Bahnhof wird 1861 eingeweiht; „Tomaselli“: das [[Café Tomaselli]], Alter Markt Nr. 9, neben Koblers Haus Nr. 10, oder der „[[Kiosk Tomaselli|Tomaselli-Kiosk]]“ ist um 1900 ein beliebter Treffpunkt in der Stadt (vgl. Dopsch, 1996, S. 483). - „#Lorinser“: In dem Fotoalbum, das Fanni Spängler kurz vor der Hochzeit 1872 von einer Freundin bekommt, ist u. a. ein „Dr. Friedrich Lorinser“ (1866) abgebildet, Vater einer Freundin, Minna Lorinser, aus der Salzburger Schulzeit.
    
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
 
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[ziemlich undeutlich mit Bleistift geschrieben; am nächsten Tag nach dem vorigen Brief!] Brief von Fanni Spängler [Nr.19] an ihren Mann, Franz Spängler.  
 
[ziemlich undeutlich mit Bleistift geschrieben; am nächsten Tag nach dem vorigen Brief!] Brief von Fanni Spängler [Nr.19] an ihren Mann, Franz Spängler.  
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„Hofrichter Spängler“: Joh. Peter Maria Spängler (1792-1837) ist Hofrichter des Stiftes Nonnberg in Salzburg; vielleicht ist hier die Familie seines (einzigen) Sohns Anton Spängler (1831-1913) gemeint. - „Schumacher“: [?] Albert Schumacher wird 1888 zum Salzburger Bürgermeister gewählt (vgl. Dopsch, 1996, S. 496). „Leopoldskron“: Salzburger Schloß mit Teich usw., wird in den Briefen öfters als beliebtes Ausflugsziel erwähnt (auch die Badeanstalt ist dort). Das Schloss ist übrigens, nach hochverschuldeten Vorbesitzern, kurzfristig von 1890 bis 1895 zur Hälfte im Besitz des Bankiers Carl Spängler [Auskunft von Roland Widerin, Salzburg 1997]. - „Toni“ (6), „Franzi“ (8).
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„Hofrichter Spängler“: Joh. Peter Maria Spängler (* 1792; † 1837) ist Hofrichter des Stiftes Nonnberg in Salzburg; vielleicht ist hier die Familie seines (einzigen) Sohns Anton Spängler (* 1831; † 1913) gemeint. - „Schumacher“: [?] Albert Schumacher wird 1888 zum Salzburger Bürgermeister gewählt (vgl. Dopsch, 1996, S. 496). „Leopoldskron“: Salzburger Schloß mit Teich usw., wird in den Briefen öfters als beliebtes Ausflugsziel erwähnt (auch die Badeanstalt ist dort). Das Schloss ist übrigens, nach hochverschuldeten Vorbesitzern, kurzfristig von 1890 bis 1895 zur Hälfte im Besitz des Bankiers Carl Spängler [Auskunft von Roland Widerin, Salzburg 1997]. - „Toni“ (6), „Franzi“ (8).
    
==== Franzi Spängler (Tochter an Eltern) ====
 
==== Franzi Spängler (Tochter an Eltern) ====
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''Gertraud ist eine sehr brave brauchbare Person, ich kann nur wünschen, daß sie bei Großmutter aushalten möge. Großmutter war recht ruhig und ziemlich klar.  
 
''Gertraud ist eine sehr brave brauchbare Person, ich kann nur wünschen, daß sie bei Großmutter aushalten möge. Großmutter war recht ruhig und ziemlich klar.  
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''Es kam eben das Inkasso von Schrems [?] durch Dr Widmann, mit meiner Beihilfe, freilich kaum leserlich unterzeichnete sie die Quittung, frug auch um den Betrag/: 350 fl:/ welchen ich in die Kasse versperrte, den Schlüßel hat meine Mutter in Händen. Mit Großmutter’s Bewilligung nehme ich mir den Bedarf für unser Essen Mittag u. Abends. Sie kümmert sich nicht weiter darum. Bis du kommst muß in den Geldangelegenheiten andere Ordnung werden. - Für heute lebe wol 1000 Küße.
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''Es kam eben das Inkasso von Schrems [?] durch Dr Widmann, mit meiner Beihilfe, freilich kaum leserlich unterzeichnete sie die Quittung, frug auch um den Betrag/: 350 fl:/ [Gulden] welchen ich in die Kasse versperrte, den Schlüßel hat meine Mutter in Händen. Mit Großmutter’s Bewilligung nehme ich mir den Bedarf für unser Essen Mittag u. Abends. Sie kümmert sich nicht weiter darum. Bis du kommst muß in den Geldangelegenheiten andere Ordnung werden. - Für heute lebe wol 1000 Küße.
    
''Liebster Franzl! 5/8./ Ich muß dir doch wieder einmal sagen daß ich dich sehr lieb habe, und mich sehr auf dein Kommen freue! Im Übrigen geht es uns sehr gut. Heute hat Franzi wieder gutgemacht was sie gestern beim Springen schlecht machte. Zweimal sprang sie nach einigem Zureden und durch einen leichten Stoß veranlaßt, zum Schluß der Lektion sprang sie noch zweimal ohne Zögern. Ich hoffe dieser Anfall von Feigheit wäre vorbei. Im Übrigen schwimmt sie recht ordentlich. Wir gehen immer Vormittag nach [[Leopoldskron]]. Bei meinen Schwestern bin ich heuer weniger als andere Male, da Rosa [die jüngere Halbschwester von Fanni] leider immer recht leidend ist, und keinen Lärm der Kinder verträgt. Sie sieht recht übel aus. Gestern war ich bei Schumacher. Erna ist bedeutend schlanker geworden/ sieht aber sonst gut aus. Mit vielem dank für die heutige Karte schließe ich diesen Brief. Behalte lieb deine Fanni - Grüße von Franzi u[nd] Toni.  
 
''Liebster Franzl! 5/8./ Ich muß dir doch wieder einmal sagen daß ich dich sehr lieb habe, und mich sehr auf dein Kommen freue! Im Übrigen geht es uns sehr gut. Heute hat Franzi wieder gutgemacht was sie gestern beim Springen schlecht machte. Zweimal sprang sie nach einigem Zureden und durch einen leichten Stoß veranlaßt, zum Schluß der Lektion sprang sie noch zweimal ohne Zögern. Ich hoffe dieser Anfall von Feigheit wäre vorbei. Im Übrigen schwimmt sie recht ordentlich. Wir gehen immer Vormittag nach [[Leopoldskron]]. Bei meinen Schwestern bin ich heuer weniger als andere Male, da Rosa [die jüngere Halbschwester von Fanni] leider immer recht leidend ist, und keinen Lärm der Kinder verträgt. Sie sieht recht übel aus. Gestern war ich bei Schumacher. Erna ist bedeutend schlanker geworden/ sieht aber sonst gut aus. Mit vielem dank für die heutige Karte schließe ich diesen Brief. Behalte lieb deine Fanni - Grüße von Franzi u[nd] Toni.  
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==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
Fanni Spängler (Nr. 19) an Franz Spängler (Nr. 18):<br />''Salzburg 7./8.1885/ Herzliebster Mann! Ich empfing mit großer Freude Brief und Zeitung, als ich eben mit Mama, Plachetka und dem damenquartett auf dem bekannten Gang in die Schwimmschule war. Nicht ohne einiges Herzklopfen öffnete ich deinen Brief, denn ich war wirklich diejenige, welche fotografie und biografische Notizen dem Herrn Lencke [?] über Ersuchen des Hrn: Controlves [?] auslieferte. Bei Frl: Zesmsauer [Zemsauer] kannst du dich von dem überzeugen, was ich schrieb, da sie mein Concept sich behielt. Die Notizen schöpfte ich aus deinen vor 14 Jahren an mich geschriebenen Briefen, bei welcher Gelegenheit ich mein heimlich süßen Genuß daran hatte, deine lieben Briefe theilweise durchzulesen. Ubrigens finde ich die Bilder recht gut und glaube, du solltest mir noch ein oder zwei Exemplare wenns leicht sein kann. Ich habe die Notizen in allereinfachster Weise gegeben; das damit verbundene Lob deines Wirkens ist weXX/ und gewiß wird Niemand der dich kennt, mutmaßen, du selbst habest dir Weihrauch streuen wollen, und was die journalistische Thätigkeit betrifft, so hast du ja doch eh und je geschriftstellert/ vide die Geschichte des Pottensteiner Männergesangsvereines:/ Aber gelt, böse bist du mir nicht, darüber beruhigt mich der Vorschlag mir noch weitere Exemplare zu senden und dann deine übrigen liebevollen Zeilen.  
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Fanni Spängler (Nr. 19) an Franz Spängler (Nr. 18):<br />''Salzburg 7./8. 1885/ Herzliebster Mann! Ich empfing mit großer Freude Brief und Zeitung, als ich eben mit Mama, Plachetka und dem damenquartett auf dem bekannten Gang in die Schwimmschule war. Nicht ohne einiges Herzklopfen öffnete ich deinen Brief, denn ich war wirklich diejenige, welche fotografie und biografische Notizen dem Herrn Lencke [?] über Ersuchen des Hrn: Controlves [?] auslieferte. Bei Frl: Zesmsauer [Zemsauer] kannst du dich von dem überzeugen, was ich schrieb, da sie mein Concept sich behielt. Die Notizen schöpfte ich aus deinen vor 14 Jahren an mich geschriebenen Briefen, bei welcher Gelegenheit ich mein heimlich süßen Genuß daran hatte, deine lieben Briefe theilweise durchzulesen. Ubrigens finde ich die Bilder recht gut und glaube, du solltest mir noch ein oder zwei Exemplare wenns leicht sein kann. Ich habe die Notizen in allereinfachster Weise gegeben; das damit verbundene Lob deines Wirkens ist weXX/ und gewiß wird Niemand der dich kennt, mutmaßen, du selbst habest dir Weihrauch streuen wollen, und was die journalistische Thätigkeit betrifft, so hast du ja doch eh und je geschriftstellert/ vide die Geschichte des Pottensteiner Männergesangsvereines:/ Aber gelt, böse bist du mir nicht, darüber beruhigt mich der Vorschlag mir noch weitere Exemplare zu senden und dann deine übrigen liebevollen Zeilen.  
    
''Über Franzi’s Schwimmen kann ich dir Befriedigendes sagen. Sie schwimmt an der Stange zwei bis drei Längen ohne Unterbrechung und heute glaubte ich zu bemerken, daß der Schwimmmeister öfters den Versuch machte ob das Wasser sie schon trägt, indem er die Leine an der Stange ziemlich wenig anspannte. Das Mädel ist ganz glücklich über das Schwimmen und so hoffe ich das Beste. Die anderen Kinder befinden sich sehr wol zuweilen nehme ich die 4 dirndln mit nach Leopoldskron, Toni u[nd] Roserl gehen meist ins Stehbad. Mit Toni lese ich, wenn möglich täglich, Franzi kommt leider wenig zum Klavier da wegen Rosa daheim nicht mehr gespielt werden soll. Mit den täglichen Gang nach Leopoldskron geht eigentlich die meiste Zeit dahin. Bisher war das Wetter sehr günstig heute Nachmittag begann es zu regnen, so Gott will, wird doch kein Landregen werden. So viel es möglich ist will ich mit Franzi schwimmen gehen. Ich gehe manchmal noch ins Wasser, zuweilen bleibe ich heraußen.  
 
''Über Franzi’s Schwimmen kann ich dir Befriedigendes sagen. Sie schwimmt an der Stange zwei bis drei Längen ohne Unterbrechung und heute glaubte ich zu bemerken, daß der Schwimmmeister öfters den Versuch machte ob das Wasser sie schon trägt, indem er die Leine an der Stange ziemlich wenig anspannte. Das Mädel ist ganz glücklich über das Schwimmen und so hoffe ich das Beste. Die anderen Kinder befinden sich sehr wol zuweilen nehme ich die 4 dirndln mit nach Leopoldskron, Toni u[nd] Roserl gehen meist ins Stehbad. Mit Toni lese ich, wenn möglich täglich, Franzi kommt leider wenig zum Klavier da wegen Rosa daheim nicht mehr gespielt werden soll. Mit den täglichen Gang nach Leopoldskron geht eigentlich die meiste Zeit dahin. Bisher war das Wetter sehr günstig heute Nachmittag begann es zu regnen, so Gott will, wird doch kein Landregen werden. So viel es möglich ist will ich mit Franzi schwimmen gehen. Ich gehe manchmal noch ins Wasser, zuweilen bleibe ich heraußen.  
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''Endlich the last, not the least haben wir hier eine Kafemühle im Gebrauch welche die Traudi entlehnt hat, so möchte ich unsere von dir bringen laßen; diese ist für unsern Bedarf längst sehr klein geworden, und für uns hier eine größere Kafemühle kaufen. Unsere Kafemühle findest du im Küchenkasten, welcher zunächst der Verandathür steht, im dritten Fache/ Mir ist es zuwider, daß Großmutter[s] Magd nicht einmal eine Kafemüh[le] hat. Heute will ich sogleich nach Tisch mit den Kindern nach Hellbrunn fahren, da später keine Stellwägen zu bekommen sind. Gestern sprach ich kurz mit Angermayer’s, später mit Vetter Julius, laßen dich grüßen.
 
''Endlich the last, not the least haben wir hier eine Kafemühle im Gebrauch welche die Traudi entlehnt hat, so möchte ich unsere von dir bringen laßen; diese ist für unsern Bedarf längst sehr klein geworden, und für uns hier eine größere Kafemühle kaufen. Unsere Kafemühle findest du im Küchenkasten, welcher zunächst der Verandathür steht, im dritten Fache/ Mir ist es zuwider, daß Großmutter[s] Magd nicht einmal eine Kafemüh[le] hat. Heute will ich sogleich nach Tisch mit den Kindern nach Hellbrunn fahren, da später keine Stellwägen zu bekommen sind. Gestern sprach ich kurz mit Angermayer’s, später mit Vetter Julius, laßen dich grüßen.
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''Ich freue mich schon sehr auf dich, Lieber, hast du dich schon zu einer kleinen Reise entschloßen, oder kommst du direkt zu deiner dich allzeit herzlich liebenden Fanni. - Grüße alle Bekannten in Pottenstein. - Eine Cousine Maria Spängler ist mit Vinc. Angermayer verh.
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''Ich freue mich schon sehr auf dich, Lieber, hast du dich schon zu einer kleinen Reise entschloßen, oder kommst du direkt zu deiner dich allzeit herzlich liebenden Fanni. - Grüße alle Bekannten in Pottenstein.'' - Eine Cousine Maria Spängler ist mit Vinc. Angermayer verh.
    
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
Fanni Spängler an Franz Spängler:<br /> ''Salzburg, 13./8. 1885. Lieber Mann! Heute hoffte ich zu hören an welchem Tag und welche Stunde du kommen wirst. Ich freue mich schon so sehr auf dich doch der Brief kommt mal erst Abends. Ich hoffe diese Zeilen sind die lezten für dich wohl nach Pottenstein. Wenn du nicht direkt fährst so schreibe mir wohin ich dir Post restant schreiben kann. Einerseits wünsch ich dir eine kleine Reise herzlich gerne, doch meine Selbstsucht wünscht du mögest Sonntag früh hier eintreffen. Heute erwartet man wieder einmal das Dampfschiff doch stinkt es leider wieder nach dem Schlachthause. Uns geht es gut, Franz schwimmt fleißig. Gestern habe ich Mutter angetragen, hierher mir Anna mitgeben, die auch an XXmut leidet, vielleicht wäre für diese Luftveränderung gut. mündlich weiters - deine Fanni.'' <small>[quer groß über die Karte:]</small> Aus deinem Brief erfahre ich noch nicht, wann du hieher kom[s]t/ Bitte um Antwort  
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Fanni Spängler an Franz Spängler:<br />''Salzburg, 13./8. 1885. Lieber Mann! Heute hoffte ich zu hören an welchem Tag und welche Stunde du kommen wirst. Ich freue mich schon so sehr auf dich doch der Brief kommt mal erst Abends. Ich hoffe diese Zeilen sind die lezten für dich wohl nach Pottenstein. Wenn du nicht direkt fährst so schreibe mir wohin ich dir Post restant schreiben kann. Einerseits wünsch ich dir eine kleine Reise herzlich gerne, doch meine Selbstsucht wünscht du mögest Sonntag früh hier eintreffen. Heute erwartet man wieder einmal das Dampfschiff doch stinkt es leider wieder nach dem Schlachthause. Uns geht es gut, Franz schwimmt fleißig. Gestern habe ich Mutter angetragen, hierher mir Anna mitgeben, die auch an XXmut leidet, vielleicht wäre für diese Luftveränderung gut. mündlich weiters - deine Fanni.'' <small>[quer groß über die Karte:]</small> Aus deinem Brief erfahre ich noch nicht, wann du hieher kom[s]t/ Bitte um Antwort  
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Correspondenz-Karte An „Herrn Doctor Franz Spängler - kk Bezirksrichter“ in „Pottenstein a.d. Triesting“; gestempelt Salzburg 13. 8. und Pottenstein 14. 8.
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Correspondenz-Karte An „Herrn Doctor Franz Spängler - kk Bezirksrichter“ in „Pottenstein a. d. Triesting“; gestempelt Salzburg 13. 8. und Pottenstein 14. 8.
    
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
 
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Fanni Spängler an Franz Spängler:<br /> ''Salzburg, 16./8.1885. Lieber Mann! Zu einer angenehmen Uberraschung bekam ich heute deine Karte; ich hatte gedacht du werdest meine Unterlassungssünde bestrafen und mir auch nicht schreiben. Ich danke dir dafür. Aber nun wird es doch Anderentag [?] bleiben mit der Abreise. Heute sprach ich sie vor Sattler, sie freut sich schon dich zu sehen. Hofrat Chiari sah ich neulich, von Weitem. Eduard Zillner [?] soll auch diese Woche kommen, es geht ihm bedeutend besser in Lofer. Ludwig und Julius Spängler sah ich heute. Ludwig reist heute wieder fort. Alles trägt mir Grüße an dich auf und theilt mein Mißvergnügen über die sträfliche Verkürzung deines Urlaubes. Sonst geht es gut. Großmutter kräftigt sich etwas. Sie ist recht freundlich. die anderen grüßen. Deine alte Unzufriedene  
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Fanni Spängler an Franz Spängler:<br />''Salzburg, 16./8.1885. Lieber Mann! Zu einer angenehmen Uberraschung bekam ich heute deine Karte; ich hatte gedacht du werdest meine Unterlassungssünde bestrafen und mir auch nicht schreiben. Ich danke dir dafür. Aber nun wird es doch Anderentag [?] bleiben mit der Abreise. Heute sprach ich sie vor Sattler, sie freut sich schon dich zu sehen. Hofrat Chiari sah ich neulich, von Weitem. Eduard Zillner [?] soll auch diese Woche kommen, es geht ihm bedeutend besser in Lofer. Ludwig und Julius Spängler sah ich heute. Ludwig reist heute wieder fort. Alles trägt mir Grüße an dich auf und theilt mein Mißvergnügen über die sträfliche Verkürzung deines Urlaubes. Sonst geht es gut. Großmutter kräftigt sich etwas. Sie ist recht freundlich. die anderen grüßen. Deine alte Unzufriedene  
    
Correspondenz-Karte An „Herrn Doctor Franz Spängler - kk Bezirksrichter“ in „Pottenstein a. d. Triesting“; gestempelt Salzburg 16. 8. und Pottenstein [unleserlich].  
 
Correspondenz-Karte An „Herrn Doctor Franz Spängler - kk Bezirksrichter“ in „Pottenstein a. d. Triesting“; gestempelt Salzburg 16. 8. und Pottenstein [unleserlich].  
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==== Franz Spängler an Fanni Spängler ====
 
==== Franz Spängler an Fanni Spängler ====
Franz Spängler an Fanni Spängler:<br /> ''Meine liebe alte Unzufriedene! Ich muß dir heute schon jenen Titel geben, welchen du dir selbst in deiner mir soeben zugekommenen Karte beilegst. Es klingt vielleicht etwas selbstbewußt u eitel, wenn ich mich der Erwartung hingebe, daß mit meinem Erscheinen deine Unzufriedenheit ein Ende haben wird, ja ich hoffe ferner [?], daß dieser Brief etwas zur Minderung der Unzufriedenheit beitragen werde.
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Franz Spängler an Fanni Spängler:<br />''Meine liebe alte Unzufriedene! Ich muß dir heute schon jenen Titel geben, welchen du dir selbst in deiner mir soeben zugekommenen Karte beilegst. Es klingt vielleicht etwas selbstbewußt u eitel, wenn ich mich der Erwartung hingebe, daß mit meinem Erscheinen deine Unzufriedenheit ein Ende haben wird, ja ich hoffe ferner [?], daß dieser Brief etwas zur Minderung der Unzufriedenheit beitragen werde.
    
''Aber eines kann [ich] nicht recht mit der Logik vereinbar finden; du sprichst dein Mißver/gnügen über die Verzügerung meiner Abreise herbeigeführte Verlängerung unserer Trennung aus u. doch machst du mir den Vorschlag, ich solle eine kleine Reise zuerst machen u dann erst nach Salzburg kommen, also nochmals die Trennung verlängern. Wie reimt sich das zusammen? Ich will ebenselbst die Trennung nicht verlängern u. werde also morgen Abends abreisen u.s. direkt nach Salzburg/ Ich freue mich nun schon sehr auf dich, u. rechne darauf, daß du mich nicht mehXX Unzufriedene empfangen werdest.  
 
''Aber eines kann [ich] nicht recht mit der Logik vereinbar finden; du sprichst dein Mißver/gnügen über die Verzügerung meiner Abreise herbeigeführte Verlängerung unserer Trennung aus u. doch machst du mir den Vorschlag, ich solle eine kleine Reise zuerst machen u dann erst nach Salzburg kommen, also nochmals die Trennung verlängern. Wie reimt sich das zusammen? Ich will ebenselbst die Trennung nicht verlängern u. werde also morgen Abends abreisen u.s. direkt nach Salzburg/ Ich freue mich nun schon sehr auf dich, u. rechne darauf, daß du mich nicht mehXX Unzufriedene empfangen werdest.  
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==== Maria Spängler an Fanni Spängler ====
 
==== Maria Spängler an Fanni Spängler ====
Verwandte [Maria Spängler; mehrere Möglichkeiten] an Fanni Spängler [Nr. 19]: [Linz, ca. 1885]<br /> ''Liebe Freunde! Wenn ich mich auf m. Mann verlasse, daß er Euere liebenswürdigen Aufmerksamkeit durch die Sendung zu einigen Dankzeilen kommt, so täusche ich mich gewöhnlich und so thue ich es ganz für ihn; es hat uns sehr interessirt von Eurem geselligen Leben und erfolgreichem Unterbungen [-nehmungen] hiezu zu lesen; überhaupt steht unsere Ansicht fest, daß es für jeden Ort von Nutzen und ein Glück ist wo Franz hinkomt! Wie lebt Ihr denn sonst immer? Werdet Ihr heuer nicht nach Salzburg reisen und wann? Sehen wir Euch hier? Wir waren vom 22/6 bis 10/7 wieder oben; meine Zeit war aber recht gekütt [?] da m. Schwester sehr leidend war u. noch ist an Lungen u. Herzleiden. Wir sind gesund, Franz seit der Rückkehr tüchtig in Suplirung eingespannt. Mit den allerherzlichsten Grüßen von uns allen an Euch alle lieben Eure Verwanten in Linz  
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Verwandte [Maria Spängler; mehrere Möglichkeiten] an Fanni Spängler [Nr. 19]: [Linz, ca. 1885]<br />''Liebe Freunde! Wenn ich mich auf m. Mann verlasse, daß er Euere liebenswürdigen Aufmerksamkeit durch die Sendung zu einigen Dankzeilen kommt, so täusche ich mich gewöhnlich und so thue ich es ganz für ihn; es hat uns sehr interessirt von Eurem geselligen Leben und erfolgreichem Unterbungen [-nehmungen] hiezu zu lesen; überhaupt steht unsere Ansicht fest, daß es für jeden Ort von Nutzen und ein Glück ist wo Franz hinkomt! Wie lebt Ihr denn sonst immer? Werdet Ihr heuer nicht nach Salzburg reisen und wann? Sehen wir Euch hier? Wir waren vom 22/6 bis 10/7 wieder oben; meine Zeit war aber recht gekütt [?] da m. Schwester sehr leidend war u. noch ist an Lungen u. Herzleiden. Wir sind gesund, Franz seit der Rückkehr tüchtig in Suplirung eingespannt. Mit den allerherzlichsten Grüßen von uns allen an Euch alle lieben Eure Verwanten in Linz  
    
Briefkarte: Stempel Linz [Briefmarke entfernt] 12 XX, Wien Südbahnhof 13. 8. 85 [?], Leobendorf Bahnhof 13. 8. [?], Pottenstein 13. 8. - „für jeden Ort...“: Dr. Franz Spängler ist seit 1880 Bezirksrichter in Pottenstein, ab 1887 dann in Krems.
 
Briefkarte: Stempel Linz [Briefmarke entfernt] 12 XX, Wien Südbahnhof 13. 8. 85 [?], Leobendorf Bahnhof 13. 8. [?], Pottenstein 13. 8. - „für jeden Ort...“: Dr. Franz Spängler ist seit 1880 Bezirksrichter in Pottenstein, ab 1887 dann in Krems.
    
==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
 
==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
Fanny Kobler an Fanni Spängler: <br /> ''Salzburg den 19. Dezember 1885/ Liebe Fanni! Ich wünsche dir ein recht glückles Neues Jahr. Grüße mir deine Mutter und deine Beiden. Mir geht es Gott lob gut. Ich wünsche das ihre auch alle gesund bleibt bis auf wieder sehn. - Lase auch von dir auch bald etwas hören. Fanni Kobler.
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Fanny Kobler an Fanni Spängler: <br />''Salzburg den 19. Dezember 1885/ Liebe Fanni! Ich wünsche dir ein recht glückles Neues Jahr. Grüße mir deine Mutter und deine Beiden. Mir geht es Gott lob gut. Ich wünsche das ihre auch alle gesund bleibt bis auf wieder sehn. - Lase auch von dir auch bald etwas hören. Fanni Kobler.
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Geschrieben mit 89 Jahren von Franziska (Fanny) Kobler [Nr.79], * 1796 in Salzburg, † 12. Juni 1886, „Höllbräuin“ (siehe oben), an die Enkeltochter Fanni, seit 1872 verh. mit Franz Spängler.  
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Geschrieben mit 89 Jahren von Franziska (Fanny) Kobler [Nr. 79], * 1796 in Salzburg, † 12. Juni 1886, „Höllbräuin“ (siehe oben), an die Enkeltochter Fanni, seit 1872 verh. mit Franz Spängler.  
    
[innen ohne Datum im gleichen Brief]:  
 
[innen ohne Datum im gleichen Brief]:  

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