| Zeile 11: |
Zeile 11: |
| | | | |
| | === Franz Castelli === | | === Franz Castelli === |
| − | Franz ''Francesco'' Castelli<ref>„Castelli“ dürfte ein verbreitete Name sein. Kaum Verwandtschaft besteht mit dem [[Wien]]er Ignaz Franz Castelli (* [[1781]]; † [[1862]]), der selbst über seine Familie in "''Aus dem Leben eines Wiener Phäaken [[1781]]–[[1862]]. Die Memoiren des I. F. Castelli''" neu hrsg. von Adolf Saager, 3. Auflage, Stuttgart (o.J.), S. 37 schreibt „''Mein Name hat zwar italienischen Klang, und es wäre wohl zu vermuten, dass meine Voreltern Italiener gewesen seien, aber ich habe darüber nie etwas Gewisses erfahren können, denn mein Vater selbst wusste über seine Ahnenleiter nichts weiter, als dass sein Vater ein ehrsamer Schneidermeister in der Leopoldstadt [Wien] gewesen sei.''“</ref> aus Brescia in Oberitalien, schreibt [[1821]] und [[1827]] aus Peterwardein (damals [[Habsburgermonarchie]], heute Novi Sad) in [[Serbien]] und aus (dem ebenfalls in dieser Zeit unter österreichischem Einfluss stehenden) [[Venedig]] fünf Briefe an seine Verlobte Fanny Kobler in Salzburg. Sie heiraten nicht, bleiben aber im Kontakt. Er, Landvermesser beim Militär, im „Genie Korps“ (Pioniere) im Rang eines Oberleutnants, stirbt, bevor er eine Familie ernähren kann. | + | Franz ''Francesco'' Castelli<ref>In Verbindung mit „Ariernachweis“ und „Ahnenpass“ wird die Identität von Nr. 78 [= „Geneanet“ oholzapfel: Sosa 78] Franz Castelli für die Familie wichtig. Aus den Belegen bei den Kobler-Spängler-Briefen ([[Kobler-Spängler-Briefe]]) [dort nicht abgedruckt]] ergibt sich, dass „Rudl“ Widerhofer am 27. Dezember 1938 aus Innsbruck an Franziska Spängler schreibt. Er bedankt sich für den Brief über die Ahnen, hinter denen er „wie der Geier“ her ist. Selbst will er entsprechende Geburtsscheine besorgen und fragt nach „Castelli“. (Die Schwester von Franzi Spängler, Toni Spängler, * 1879; † 1918, heiratete Rudolf von Widerhofer, * 1876; † 1940.) „Tante Franzi“ [Franziska Spängler] wäre eine „noch prächtigere Tante“, wenn sie „den Kerl ermitteln“ könnte; er fragt, ob sie irgendein Dokument hätte und bittet Grüße auch an Holzapfel auszurichten. Dazu gehört ein Brief an Franzi Spängler, Krems, Ringstr. 2, [Poststempel] 2. Oktober 1939, von Otto Dafert ([Stempel:] Dozent Dr. Otto Dafert, Wien 27, Trunnerstraße 1), mit maschinenschriftlichen Blättern und einem Brief (vergleiche [[Kobler-Spängler-Briefe]], dort nicht abgedruckt): „Wien, am 2. Oktober 1939“ an Franzi [Franziska Spängler] mit der Abschrift des Taufscheines von Franz Castelli; ebenso ein Blatt von Otto [Dafert] vom 13. Februar 1939 wegen des Totenscheins von Castelli mit dem Geburtsjahr 1798; der Vater wäre Offizier gewesen. Ein Blatt liegt bei, italienisch, datiert Brescia 1939, die maschinenschriftliche Abschrift vom Taufschein „Francesco Filastro“ Castelli, Sohn des Giovanni Antonio Castelli und der Rosa, Tochter des Giovanni Palini, Brescia 18. Juli 1796, ausgestellt 1939. - „Castelli“ dürfte ein verbreitete Name sein. Kaum Verwandtschaft besteht mit dem [[Wien]]er Ignaz Franz Castelli (* [[1781]]; † [[1862]]), der selbst über seine Familie in ''Aus dem Leben eines Wiener Phäaken [[1781]]–[[1862]]. Die Memoiren des I. F. Castelli'' neu hrsg. von Adolf Saager, 3. Auflage, Stuttgart (o.J.), S. 37 schreibt ''Mein Name hat zwar italienischen Klang, und es wäre wohl zu vermuten, dass meine Voreltern Italiener gewesen seien, aber ich habe darüber nie etwas Gewisses erfahren können, denn mein Vater selbst wusste über seine Ahnenleiter nichts weiter, als dass sein Vater ein ehrsamer Schneidermeister in der Leopoldstadt [Wien] gewesen sei.''</ref> aus Brescia in Oberitalien, schreibt [[1821]] und [[1827]] aus Peterwardein (damals [[Habsburgermonarchie]], heute Novi Sad) in [[Serbien]] und aus (dem ebenfalls in dieser Zeit unter österreichischem Einfluss stehenden) [[Venedig]] fünf Briefe an seine Verlobte Fanny Kobler in Salzburg. Sie heiraten nicht, bleiben aber im Kontakt. Er, Landvermesser beim Militär, im „Genie Korps“ (Pioniere) im Rang eines Oberleutnants, stirbt, bevor er eine Familie ernähren kann. |
| | | | |
| − | Castelli schreibt aus Salzburg am [[31. Dezember]] [[1820]] an [[Seraphin Kobler]]. Er beichtet dem Vater Kobler das „Unglück“, den „Unfall“, bittet aber, nicht nur dem „bösen Zorn“ zu folgen. Nach drei Jahren erwartet er zum Hauptmann zu avancieren; er will eine zivile Stelle als Kreis-Ingenieur suchen und kann dann auch seine Familie ernähren. Im Augenblick „darf“ er sich in „politischer“ wie in ökonomischer Hinsicht nicht verehelichen. Ein Brief an Fanny Kobler, datiert „''Venizia 20 marzo''“ [20. März 1832, im Jahr seines Todes], berichtet von seiner Krankheit. Er will nach Brescia reisen, um seine Krankheit pflegen zu lassen. Für März und April zahlt er „''16 t. C. M.''“ (Taler ''courante'' Münze) „''ich wünschte der Amalia Hunderte geben zu können''“, aber wegen seiner Krankheit muss er dem Arzt viel bezahlen. | + | Castelli schreibt aus Salzburg am [[31. Dezember]] [[1820]] an [[Seraphin Kobler]]. Er beichtet dem Vater Kobler das „Unglück“, den „Unfall“, bittet aber, nicht nur dem „bösen Zorn“ zu folgen. Nach drei Jahren erwartet er zum Hauptmann zu avancieren; er will eine zivile Stelle als Kreis-Ingenieur suchen und kann dann auch seine Familie ernähren. Im Augenblick „darf“ er sich in „politischer“ wie in ökonomischer Hinsicht nicht verehelichen. Ein Brief an Fanny Kobler, datiert ''Venizia 20 marzo'' [20. März 1832, im Jahr seines Todes], berichtet von seiner Krankheit. Er will nach Brescia reisen, um seine Krankheit pflegen zu lassen. Für März und April zahlt er ''16 t. C. M.'' (Taler ''courante'' Münze) ''ich wünschte der Amalia Hunderte geben zu können'', aber wegen seiner Krankheit muss er dem Arzt viel bezahlen. |
| | | | |
| − | Die (uneheliche) Tochter ist Zäzilia Amalia und wird in ihrer Jugend in Salzburg als „''Fräulein Castelli''“ angeschrieben. Auch der Salzburger Stadtarzt Dr. Richard Schlegel, der sie später heiratet, schreibt sie unter dem Namen „''Amalia Castelli, in der Hölle''“ an. Einige Beispiele, auch von anderen Briefpartnern: | + | Die (uneheliche) Tochter ist Zäzilia Amalia und wird in ihrer Jugend in Salzburg als ''Fräulein Castelli'' angeschrieben. Auch der Salzburger Stadtarzt Dr. Richard Schlegel, der sie später heiratet, schreibt sie unter dem Namen ''Amalia Castelli, in der Hölle'' an. Einige Beispiele, auch von anderen Briefpartnern: |
| | | | |
| − | „''A Demoiselle la Demoiselle Amélie Castelli, Stadt, [[Judengasse]] N. 67, Salzburg. Trés aimable Amélie! La grande estime, quelle m’inspirent Vos prééminentes qualités, a reveillé en moi ce tendre sentiment, que le createur des mondes a planté dans nos coeurs, pour nous faire heureux […] Votre très intime amant Anonyme.“ [ohne Datum, Salzburg; Siegel mit Wappen, nicht Richard Schlegel].
| + | ''A Demoiselle la Demoiselle Amélie Castelli, Stadt, [[Judengasse]] N. 67, Salzburg. Trés aimable Amélie! La grande estime, quelle m’inspirent Vos prééminentes qualités, a reveillé en moi ce tendre sentiment, que le createur des mondes a planté dans nos coeurs, pour nous faire heureux […] Votre très intime amant Anonyme.'' [ohne Datum, Salzburg; Siegel mit Wappen, nicht Richard Schlegel]. |
| | | | |
| − | „''Fräulein Fräulein Amalie v Castelli zu Salzburg, Judengasse Nr. 67.'' <small>[heute Nr. 15]</small> ''1. Stock. Meine philosophische Freundin! Sage mir nur was für ein Geist in Dich gefahren ist''“ [… Warasdin, Datum nicht erkennbar; anderes Wappen-Siegel].
| + | ''Fräulein Fräulein Amalie v Castelli zu Salzburg, Judengasse Nr. 67.'' <small>[heute Nr. 15]</small> ''1. Stock. Meine philosophische Freundin! Sage mir nur was für ein Geist in Dich gefahren ist'' [… Warasdin, Datum nicht erkennbar; anderes Wappen-Siegel]. |
| | | | |
| − | „''Fräulein Malli Kobler. Im Gasthofe zur Hölle XXX Judengasse Nr. 67. Salzburg. Verehrtes Fräulein, Mit dem innigsten Bedauern vernehmen wir von Ihnen die Kunde von dem Dahinscheiden Ihres theuren Vaters. So mußte schon so bald der harte Schlag treffen XXX''“ [… Salzburg 1841].
| + | ''Fräulein Malli Kobler. Im Gasthofe zur Hölle XXX Judengasse Nr. 67. Salzburg. Verehrtes Fräulein, Mit dem innigsten Bedauern vernehmen wir von Ihnen die Kunde von dem Dahinscheiden Ihres theuren Vaters. So mußte schon so bald der harte Schlag treffen XXX'' [… Salzburg 1841]. |
| | | | |
| − | „''A Mademoiselle Mademoiselle Amalie de Castelli à Salzburg, abzugeben in Kobler’s Brauhause. Liebes Malchen! Wieder ist heute die Stunde der Postankunft trostlos nun hingeschwunden – Nichts bringend, das mich beglücken sollte […] Richard''“ [Schlegel; Kufstein 1843].
| + | ''A Mademoiselle Mademoiselle Amalie de Castelli à Salzburg, abzugeben in Kobler’s Brauhause. Liebes Malchen! Wieder ist heute die Stunde der Postankunft trostlos nun hingeschwunden – Nichts bringend, das mich beglücken sollte […] Richard'' [Schlegel; Kufstein 1843]. |
| | | | |
| − | „''Fräulein Amalia Castelli Wohlgeboren. Mein innigst geliebtes Malchen! «Was du heute thun kannst, verschiebe nich auf Morgen» daher geliebter Engel soll sich bey mir in Allem […] Dein innigster Verehrer Richard. 12. 5. [1]845.''“
| + | ''Fräulein Amalia Castelli Wohlgeboren. Mein innigst geliebtes Malchen! «Was du heute thun kannst, verschiebe nich auf Morgen» daher geliebter Engel soll sich bey mir in Allem […] Dein innigster Verehrer Richard. 12. 5. [1]845.'' |
| | | | |
| − | „''An Fräulein Amalia Castelli Wohlgeboren in Loco. Guten Morgen! Liebes gutes Malchen! Ueberzeugt von deiner herzlichen Theilnahme will ich Dir so früh als möglich Nachricht von meinem Befinden geben. Gestern abends hatte ich etwas stärkeres Fieber […] 16. 10. 1845 Richard [Schlegel]''“
| + | ''An Fräulein Amalia Castelli Wohlgeboren in Loco. Guten Morgen! Liebes gutes Malchen! Ueberzeugt von deiner herzlichen Theilnahme will ich Dir so früh als möglich Nachricht von meinem Befinden geben. Gestern abends hatte ich etwas stärkeres Fieber […] 16. 10. 1845 Richard [Schlegel]'' |
| | | | |
| − | „''An Fräulein Fräulein Amalia Castelli Wohlgeboren in der Hölle. NB Nur für Dich! Innigste geliebtes Mauserl! Es ist doch höchst sonderbar […] Dein kopfloser Richard. 8. 12. [1]845.''“
| + | ''An Fräulein Fräulein Amalia Castelli Wohlgeboren in der Hölle. NB Nur für Dich! Innigste geliebtes Mauserl! Es ist doch höchst sonderbar […] Dein kopfloser Richard. 8. 12. [1]845.'' |
| | | | |
| | === Großmutter Fanny „Höllbräuin“ === | | === Großmutter Fanny „Höllbräuin“ === |