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''Woher rührt der ewige Streit? Er vermute, "große Organisationen haben ein Elefantengedächtnis", sagt Hans Kollmann. Daher sei denkbar, dass dies eine bis in die 1930er-Jahre zurückreichende "tradierte Störung" sei.
 
''Woher rührt der ewige Streit? Er vermute, "große Organisationen haben ein Elefantengedächtnis", sagt Hans Kollmann. Daher sei denkbar, dass dies eine bis in die 1930er-Jahre zurückreichende "tradierte Störung" sei.
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''In den 1930er-Jahren stand [[Österreich]] unter Kuratel des Völkerbundes, der die junge Republik mit Anleihen vor dem Bankrott rettete. Der nach Wien entsandte Völkerbund-Kommissar habe eine repressive Budgetpolitik erzwungen und über den Rechnungshof das Finanzministerium unter Druck gesetzt, berichtet Hans Kollmann. Daher seien oft die Wogen hochgegangen, immer wieder habe der Bundeskanzler ein Machtwort sprechen müssen. Erst [[Engelbert Dollfuß]] und dann [[Kurt Schuschnigg]] (beide [[Christlichsoziale Partei|Christlichsozial]]) sprachen sich stets für die Salzburger Festspiele aus. Von Engelbert Dollfuß ist sogar das Zitat aus 1934 überliefert: "Ein Nichtabhalten der Festspiele wäre gleichbedeutend mit dem Niederholen der österreichischen Fahne. Halten Sie die Fahne hoch!" Und Dollfuß habe als Erster die Bedeutung der Salzburger Festspiele für Österreich erkannt, "dass sie nicht nur Salzburger Angelegenheit sind", sagt Hans Kollmann. Damit habe er Österreich von dem unter [[Nationalsozialismus|NS-Herrschaft]] stehenden [[Deutschland]] abgrenzen wollen.
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''In den [[1930er]]-Jahren stand [[Österreich]] unter Kuratel des Völkerbundes, der die junge Republik mit Anleihen vor dem Bankrott rettete. Der nach Wien entsandte Völkerbund-Kommissar habe eine repressive Budgetpolitik erzwungen und über den Rechnungshof das Finanzministerium unter Druck gesetzt, berichtet Hans Kollmann. Daher seien oft die Wogen hochgegangen, immer wieder habe der Bundeskanzler ein Machtwort sprechen müssen. Erst [[Engelbert Dollfuß]] und dann [[Kurt Schuschnigg]] (beide [[Christlichsoziale Partei|Christlichsozial]]) sprachen sich stets für die Salzburger Festspiele aus. Von Engelbert Dollfuß ist sogar das Zitat aus 1934 überliefert: "Ein Nichtabhalten der Festspiele wäre gleichbedeutend mit dem Niederholen der österreichischen Fahne. Halten Sie die Fahne hoch!" Und Dollfuß habe als Erster die Bedeutung der Salzburger Festspiele für Österreich erkannt, "dass sie nicht nur Salzburger Angelegenheit sind", sagt Hans Kollmann. Damit habe er Österreich von dem unter [[Nationalsozialismus|NS-Herrschaft]] stehenden [[Deutschland]] abgrenzen wollen.
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''Weitere Schützenhilfe für die Salzburger Festspiele kam vom [[Landeshauptmann]] [[Franz Rehrl]] (Christlichsozial). Über diesen zog Finanzminister Ludwig Draxler (Heimwehr) im Jänner 1936 in einer Ministerratssitzung her: Rehrl vertrete einen lächerlichen Rechtsstandpunkt, wolle offenbar die Bundesregierung tyrannisieren und habe einen Brief geschrieben, der "das Unglaublichste darstellt, was ich jemals gesehen habe". Dem widersetzte sich der festspielfreundliche Beamte des Unterrichtsministeriums und spätere Minister Hans Pernter der gleich auch dem Rechnungshof jegliche Kompetenz in "Theaterdingen" absprach.
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''Weitere Schützenhilfe für die Salzburger Festspiele kam vom [[Landeshauptmann]] [[Franz Rehrl]] (Christlichsozial). Über diesen zog Finanzminister Ludwig Draxler ([[Heimwehr]]) im Jänner 1936 in einer Ministerratssitzung her: Rehrl vertrete einen lächerlichen Rechtsstandpunkt, wolle offenbar die Bundesregierung tyrannisieren und habe einen Brief geschrieben, der "das Unglaublichste darstellt, was ich jemals gesehen habe". Dem widersetzte sich der festspielfreundliche Beamte des Unterrichtsministeriums und spätere Minister Hans Pernter der gleich auch dem Rechnungshof jegliche Kompetenz in "Theaterdingen" absprach.
    
''Angestachelt wurde die Kontroverse der 1930er-Jahre durch einen Skandal der [[Österreichische Bundesbahnen|Bundesbahnen]]. Diese hatten einen Geheimfonds von rund 816.000 [[Schilling]] angelegt, aus dem - neben Renumerationen für den eigenen Vorstand und Rennpreisen für den Jockey-Klub - das Unterrichtsministerium 40.000 Schilling für die Salzburger Festspiele bekam. Das Platzen des Skandals habe sogar Ende 1930 die Bundesregierung zum Rücktritt genötigt, berichtet Hans Kollmann.
 
''Angestachelt wurde die Kontroverse der 1930er-Jahre durch einen Skandal der [[Österreichische Bundesbahnen|Bundesbahnen]]. Diese hatten einen Geheimfonds von rund 816.000 [[Schilling]] angelegt, aus dem - neben Renumerationen für den eigenen Vorstand und Rennpreisen für den Jockey-Klub - das Unterrichtsministerium 40.000 Schilling für die Salzburger Festspiele bekam. Das Platzen des Skandals habe sogar Ende 1930 die Bundesregierung zum Rücktritt genötigt, berichtet Hans Kollmann.

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