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Der Einmarsch der Nazis wurde zu einer Katastrophe für die Familie Schwarz. Ihr Vater war zu diesem Zeitpunkt Richter in Troppau, tschechisch Opava, das von Hitler-Deutschland schon 1938 besetzt wurde. Eines Tages kam der Gerichtsdiener und überreichte ihm ein Kuvert, adressiert an Dr. Rudolf Schwarz. Darin befand sich ein offizielles Schreiben, mit einer frist- und pensionslosen Entlassung wegen der Abstammung seiner Frau. Nun folgte neben dem sozialen Abstieg auch wirtschaftliche Not. Als „Judenabstämmling“ hatte auch Dorli, eine „Vierteljüdin“, unter Demütigungen zu leiden. Ein besonders eifriger Lehrer in ihrer Schule „''radierte mit ihrem Gesicht die Tafel''“. Der Druck auf den Vater wurde immer größer und so ließ er sich dann von ihrer Mutter wegen ihrer jüdischen Herkunft scheiden, lebte aber weiterhin im selben Haus. „''Als wir nach dem Krieg nach Wien gekommen sind, ist das Erste, was meine Eltern gemacht haben, zum Standesamt zu gehen und sich wieder trauen zu lassen.''“ schilderte Dr. Mayer-Maly im Sommer 2020 in einem Interview mit [[Vladimir Vertlib]] für "Die Presse" (Quelle dieses Artikels).
 
Der Einmarsch der Nazis wurde zu einer Katastrophe für die Familie Schwarz. Ihr Vater war zu diesem Zeitpunkt Richter in Troppau, tschechisch Opava, das von Hitler-Deutschland schon 1938 besetzt wurde. Eines Tages kam der Gerichtsdiener und überreichte ihm ein Kuvert, adressiert an Dr. Rudolf Schwarz. Darin befand sich ein offizielles Schreiben, mit einer frist- und pensionslosen Entlassung wegen der Abstammung seiner Frau. Nun folgte neben dem sozialen Abstieg auch wirtschaftliche Not. Als „Judenabstämmling“ hatte auch Dorli, eine „Vierteljüdin“, unter Demütigungen zu leiden. Ein besonders eifriger Lehrer in ihrer Schule „''radierte mit ihrem Gesicht die Tafel''“. Der Druck auf den Vater wurde immer größer und so ließ er sich dann von ihrer Mutter wegen ihrer jüdischen Herkunft scheiden, lebte aber weiterhin im selben Haus. „''Als wir nach dem Krieg nach Wien gekommen sind, ist das Erste, was meine Eltern gemacht haben, zum Standesamt zu gehen und sich wieder trauen zu lassen.''“ schilderte Dr. Mayer-Maly im Sommer 2020 in einem Interview mit [[Vladimir Vertlib]] für "Die Presse" (Quelle dieses Artikels).
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Die Konflikte jener Zeit erfasste die ganze Familie. Eine Tante war überzeugte Nationalsozialistin und ein Cousin des Vaters war Hans Krebs, Gauleiter des Sudetenlandes (und zuletzt General der Infanterie, und letzter Generalstabschef des Heeres im Zweiten Weltkrieg). Dieser hohe NS-Funktionär war aber keinesfalls bereit, seinem jüdisch versippten Verwandten zu helfen. Aber schließlich durfte Vater Richard Schwarz, wenn auch degratiert vom Landesgerichtsrat zu einem Bezirksrichter, wieder in seinem Beruf arbeiten. Die Mutter wurde zwangskriegsverpflichtet und arbeitete in einer Munitionsfabrik, wobei sie jederzeit mit ihrer Verhaftung rechnen musste. Gegen Kriegsende wurde der Vater sogar noch zum Volkssturm eingezogen, wo er für das von ihm verhasste NS-Regime in den Endkampf ziehen musste. Sie judizierte er tagsüber und in der Nacht lag er in Schützengräben. Dabei zog er sich eine offene Tuberkulose zu und kam so schwer krank er nach Brünn.
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Die Konflikte jener Zeit erfasste die ganze Familie. Eine Tante war überzeugte Nationalsozialistin und ein Cousin des Vaters war Hans Krebs, Gauleiter des Sudetenlandes (und zuletzt General der Infanterie, und letzter Generalstabschef des Heeres im Zweiten Weltkrieg). Dieser hohe NS-Funktionär war aber keinesfalls bereit, seinem jüdisch versippten Verwandten zu helfen. Aber schließlich durfte Vater Richard Schwarz, wenn auch degradiert vom Landesgerichtsrat zu einem Bezirksrichter, wieder in seinem Beruf arbeiten. Die Mutter wurde zwangskriegsverpflichtet und arbeitete in einer Munitionsfabrik, wobei sie jederzeit mit ihrer Verhaftung rechnen musste. Gegen Kriegsende wurde der Vater sogar noch zum Volkssturm eingezogen, wo er für das von ihm verhasste NS-Regime in den Endkampf ziehen musste. So judizierte er tagsüber und in der Nacht lag er in Schützengräben. Dabei zog er sich eine offene Tuberkulose zu und kam so schwer krank nach Brünn.
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Das Ende des Kriegs erlebte die Familie Schwarz in Brünn. Nicht die vorrückenden Soldaten der Roten Armee machten damals der Vierzehnjährigen Angst, sondern ihre tschechischen Mitbürgern. Es waren dann auch Tschechen, die sie einige Wochen später zusammen mit ihrer Mutter, einer Tante und einem drei Jahre jüngeren Cousin aus ihrem Haus holen und mit anderen Deutschen zusammen in Richtung Österreich getrieben wurden. Dr. Mayer-Maly erinnerte sich in dem Interview, dass man sie durch die Vororte von Brünn trieb, Frauen, Kinder, alte Männer; wer starb, blieb einfach im Straßengraben liegen. Bei den Tätern, die sich „Partisanen“ nannten, waren Widerstandskämpfer der letzten Monate vor Kriegsende. Viele von ihnen hatten noch Anfang Mai [[1945]] für die deutschen Besatzer gearbeitet.
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Das Ende des Kriegs erlebte die Familie Schwarz in Brünn. Nicht die vorrückenden Soldaten der Roten Armee machten damals der Vierzehnjährigen Angst, sondern ihre tschechischen Mitbürger. Es waren dann auch Tschechen, die sie einige Wochen später zusammen mit ihrer Mutter, einer Tante und einem drei Jahre jüngeren Cousin aus ihrem Haus holten und mit anderen Deutschen zusammen in Richtung Österreich getrieben haben. Dr. Mayer-Maly erinnerte sich in dem Interview, dass man sie durch die Vororte von Brünn trieb, Frauen, Kinder, alte Männer; wer starb, blieb einfach im Straßengraben liegen. Bei den Tätern, die sich „Partisanen“ nannten, waren Widerstandskämpfer der letzten Monate vor Kriegsende. Viele von ihnen hatten noch Anfang Mai [[1945]] für die deutschen Besatzer gearbeitet.
    
Dem so genannten Todesmarsch von Brünn, Teil der kollektiven Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung aus [[Mähren]], der am [[30. Mai]] 1945, kann die Familie Schwarz mit Glück entkommen. Ihnen blieb die wochenlange Lagerhaft der Vertriebenen an der Grenze, die bis Anfang Juli dauerte, erspart. Dr. Mayer-Maly erzählte, dass sie noch einige Tage zuvor, es war zu Pfingsten, in einer Schule mit anderen Deutschen unter katastrophalen Umständen in einer Schule gefangen gehalten wurden. Weder Sitzen noch Liegen war in diesen Räumen möglich, in denen fünfzig Personen eingesperrt worden waren. Die Toiletten liefen über und in den Nächten ließen die tschechischen Wachen Russen zu den Frauen hinein. Doch die weiblichen Mitglieder der Familie Schwarz bleiben unangetastet.
 
Dem so genannten Todesmarsch von Brünn, Teil der kollektiven Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung aus [[Mähren]], der am [[30. Mai]] 1945, kann die Familie Schwarz mit Glück entkommen. Ihnen blieb die wochenlange Lagerhaft der Vertriebenen an der Grenze, die bis Anfang Juli dauerte, erspart. Dr. Mayer-Maly erzählte, dass sie noch einige Tage zuvor, es war zu Pfingsten, in einer Schule mit anderen Deutschen unter katastrophalen Umständen in einer Schule gefangen gehalten wurden. Weder Sitzen noch Liegen war in diesen Räumen möglich, in denen fünfzig Personen eingesperrt worden waren. Die Toiletten liefen über und in den Nächten ließen die tschechischen Wachen Russen zu den Frauen hinein. Doch die weiblichen Mitglieder der Familie Schwarz bleiben unangetastet.
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