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| | Flucht ist von je her die Reaktion von Mensch und Tier, wenn - in die Enge getrieben - kein anderer Ausweg möglich scheint. Flucht ist immer der Versuch, einer schon eine Weile andauernden und als unerträglich erlebten Situation, oder einem akut auftretenden, als unauflöslich empfundenen Konflikt zu entkommen. Die Flucht als Mittel zur erhofften Erlösung aus einer Not wird von jeher von einzelnen Menschen oder von ganzen Gruppen gewählt. Manche Fluchtversuche mögen von langer Hand geplant sein, andere erfolgen spontan und völlig unvorbereitet. | | Flucht ist von je her die Reaktion von Mensch und Tier, wenn - in die Enge getrieben - kein anderer Ausweg möglich scheint. Flucht ist immer der Versuch, einer schon eine Weile andauernden und als unerträglich erlebten Situation, oder einem akut auftretenden, als unauflöslich empfundenen Konflikt zu entkommen. Die Flucht als Mittel zur erhofften Erlösung aus einer Not wird von jeher von einzelnen Menschen oder von ganzen Gruppen gewählt. Manche Fluchtversuche mögen von langer Hand geplant sein, andere erfolgen spontan und völlig unvorbereitet. |
| | ==Kriegsdienst und Zwangsarbeit als Ausgangslage== | | ==Kriegsdienst und Zwangsarbeit als Ausgangslage== |
| − | Eine sehr kleine Anzahl von Angehörigen der [[Deutsche Wehrmacht|Deutschen Wehrmacht]] hatte den Mut, ihren Truppenverband unerlaubt zu verlassen und zum Feind überzulaufen oder nicht mehr aus dem Urlaub zurückzukehren. Ihre Desertion endete sehr oft tödlich. Ein in Salzburg bekanntes Beispiel sind die [[SS-Todesschwadron jagte Deserteure am Böndlsee|''Goldegger Deserteure'']]. In Österreich wurden Wehrmachts-Deserteure generell erst in den letzten Jahren juristisch rehabilitiert und deren Leistung für die Wiedererstehung und Unabhängigkeit unseres Staates , erst mehr als 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges offiziell anerkannt. | + | Eine sehr kleine Anzahl von Angehörigen der [[Deutsche Wehrmacht|Deutschen Wehrmacht]] hatte den Mut, ihren Truppenverband unerlaubt zu verlassen und zum Feind überzulaufen oder nicht mehr aus dem Urlaub zurückzukehren. Ihre Desertion endete sehr oft tödlich. Ein in Salzburg bekanntes Beispiel sind die [[SS-Todesschwadron jagte Deserteure am Böndlsee|''Goldegger Deserteure'']]. In Österreich wurden Wehrmachts-Deserteure generell erst in den letzten Jahren juristisch rehabilitiert und deren Leistung für die Wiedererstehung und Unabhängigkeit unseres Staates, erst mehr als 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges offiziell anerkannt. |
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| − | Millionen von Kriegsgefangenen und zivilen ausländische Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen wurden in der [[Nationalsozialismus|nationalsozialistischen Diktatur]] gegen ihren Willen interniert und zur Zwangsarbeit verpflichtet. Die meisten von ihnen hatten naturgemäß den Wunsch in die Heimat zurück zu kehren oder jedenfalls die Freiheit wieder zu erlangen. Dennoch wagten in der Regel nur einzelne die Flucht, da diese wenig aussichtsreich und in jedem Fall hochriskant war. | + | Millionen von Kriegsgefangenen und zivilen ausländische Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen wurden in der [[Nationalsozialismus|nationalsozialistischen Diktatur]] gegen ihren Willen interniert und zur Zwangsarbeit verpflichtet. Die meisten von ihnen hatten naturgemäß den Wunsch in die Heimat zurück zu kehren oder jedenfalls die Freiheit wieder zu erlangen. Dennoch wagten in der Regel nur einzelne die Flucht, da diese wenig aussichtsreich und in jedem Fall hochriskant war. |
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| | Der immer wieder vorgekommene Tod Einzelner im elektrisch geladenen Stacheldrahtzaun eines [[Konzentrationslager]]s war die Flucht aus einem unerträglich gewordenen Leben oder das Ergebnis einer gezielten Hetzjagd durch SS-Schergen. | | Der immer wieder vorgekommene Tod Einzelner im elektrisch geladenen Stacheldrahtzaun eines [[Konzentrationslager]]s war die Flucht aus einem unerträglich gewordenen Leben oder das Ergebnis einer gezielten Hetzjagd durch SS-Schergen. |
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| | Bekanntestes Beispiel für eine Massenflucht war jene einer großen Gruppe sowjetrussischer Internierter aus dem [[Konzentrationslager Mauthausen]], bekannt unter der Bezeichnung ''Mühlviertkler Hasenjagd''. SS-Schergen und Einheimische machten gemeinsam Jagd auf diese Menschen und brachten alle bis auf wenige, die von anderen Menschen vor Ort gerettet wurden, um. | | Bekanntestes Beispiel für eine Massenflucht war jene einer großen Gruppe sowjetrussischer Internierter aus dem [[Konzentrationslager Mauthausen]], bekannt unter der Bezeichnung ''Mühlviertkler Hasenjagd''. SS-Schergen und Einheimische machten gemeinsam Jagd auf diese Menschen und brachten alle bis auf wenige, die von anderen Menschen vor Ort gerettet wurden, um. |
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| − | ''Auf der Flucht erschossen'' lautete das Schicksal einer bisher unbekannten Anzahl an Deserteuren, Regimegegnern, Kriegsgefangenen und zivilen ausländischen Zwangsarbeitern, die in der NS-Zeit interniert waren. „Auf der Flucht erschossen“ konnte sich auf real Vorgefallenes beziehen oder aber auch der Tarnung willkürlicher Tötungen, die damit legitimiert werden sollten, dienen. | + | ''Auf der Flucht erschossen'' lautete das Schicksal einer bisher unbekannten Anzahl an Deserteuren, Regimegegnern, Kriegsgefangenen und zivilen ausländischen Zwangsarbeitern, die in der NS-Zeit interniert waren. „Auf der Flucht erschossen“ konnte sich auf real Vorgefallenes beziehen oder aber auch der Tarnung willkürlicher Tötungen, die damit legitimiert werden sollten, dienen. |
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| | ==Fluchtgründe== | | ==Fluchtgründe== |
| | Fluchtgrund war bei Wehrmachtsangehörigen der Unwille , weiterhin für dieses Unrechtsregime zu töten. Bei ausländischen Arbeitern und Kriegsgefangenen waren es meist die Arbeits- und Lebensverhältnisse, die nicht selten von Ausbeutung, menschenunwürdiger Behandlung und schlechter Versorgung geprägt waren. Auslöser für die Umsetzung bereits bestehender Fluchtpläne war wohl eine Gelegenheit, die genutzt wurde. Anlass für eine spontane Flucht konnte ebenfalls eine plötzlich auftretende Gelegenheit oder ein Konflikt mit dem Dienstgeber oder einem Lager-Aufsichtsorgan sein. | | Fluchtgrund war bei Wehrmachtsangehörigen der Unwille , weiterhin für dieses Unrechtsregime zu töten. Bei ausländischen Arbeitern und Kriegsgefangenen waren es meist die Arbeits- und Lebensverhältnisse, die nicht selten von Ausbeutung, menschenunwürdiger Behandlung und schlechter Versorgung geprägt waren. Auslöser für die Umsetzung bereits bestehender Fluchtpläne war wohl eine Gelegenheit, die genutzt wurde. Anlass für eine spontane Flucht konnte ebenfalls eine plötzlich auftretende Gelegenheit oder ein Konflikt mit dem Dienstgeber oder einem Lager-Aufsichtsorgan sein. |