| | Franz (Francesco) Castelli(* 1796; † 1832) aus Brescia in Oberitalien schreibt 1821 und 1827 aus „Peterwardein“ in Serbien bzw. aus (dem ebenfalls in dieser Zeit unter österreichischem Einfluss stehenden) Venedig fünf Briefe an seine Verlobte Fanny Kobler (*1796; † 1886) [[Franziska Kobler]] in Salzburg; sie sind beide etwa 25 bis 30 Jahre alt. Sie heiraten nicht, bleiben aber im Kontakt. Er stirbt, bevor er eine Familie ernähren kann. Ihre (uneheliche) Tochter ist [[Zäzilia Amalia Kobler]] (* 1821; † 1848). Sie, die in ihrer Jugend in Salzburg auch als „Fräulein Castelli“ angeschrieben wird und den Salzburger Stadtarzt Dr. [[Richard Franz Schlegel]] heiratet - auch er schreibt sie unter dem Namen „Amalia Castelli, in der Hölle“ an -, stirbt 14 Tage nach der Geburt der Tochter Fanni Schlegel. Großmutter Fanny, „Höllbräuin“ in Salzburg (Besitzerin des Gasthauses „[[Höllbräu]]“ oder „Gasthof und Brauhaus zur Hölle“; heute „[[Hotel Altstadt Radisson Blu]]“, vgl. auch Dopsch, 1996, S. 189 mit Abb.), wechselt über viele Jahre hinweg Briefe mit ihrer Enkelin Fanni Schlegel(* 1848; † 1905) [Franziska Schlegel]], verh. Spängler. Auch bei sehr unterschiedlicher Schreibweise in den Briefen vereinheitliche ich zu Großmutter „Fanny“ [Kobler] und Enkelin „Fanni“ [Schlegel / Spängler]. In den Briefen ist viel von ‚Gesundheit’, ‚Tod im Kindbett’ usw. die Rede. Das ist nicht zufällig und nicht nur allgemeines Gesprächstema der Zeit, sondern wohl auch auf die besondere Beziehung beider Frauen zueinander zurückzuführen. | | Franz (Francesco) Castelli(* 1796; † 1832) aus Brescia in Oberitalien schreibt 1821 und 1827 aus „Peterwardein“ in Serbien bzw. aus (dem ebenfalls in dieser Zeit unter österreichischem Einfluss stehenden) Venedig fünf Briefe an seine Verlobte Fanny Kobler (*1796; † 1886) [[Franziska Kobler]] in Salzburg; sie sind beide etwa 25 bis 30 Jahre alt. Sie heiraten nicht, bleiben aber im Kontakt. Er stirbt, bevor er eine Familie ernähren kann. Ihre (uneheliche) Tochter ist [[Zäzilia Amalia Kobler]] (* 1821; † 1848). Sie, die in ihrer Jugend in Salzburg auch als „Fräulein Castelli“ angeschrieben wird und den Salzburger Stadtarzt Dr. [[Richard Franz Schlegel]] heiratet - auch er schreibt sie unter dem Namen „Amalia Castelli, in der Hölle“ an -, stirbt 14 Tage nach der Geburt der Tochter Fanni Schlegel. Großmutter Fanny, „Höllbräuin“ in Salzburg (Besitzerin des Gasthauses „[[Höllbräu]]“ oder „Gasthof und Brauhaus zur Hölle“; heute „[[Hotel Altstadt Radisson Blu]]“, vgl. auch Dopsch, 1996, S. 189 mit Abb.), wechselt über viele Jahre hinweg Briefe mit ihrer Enkelin Fanni Schlegel(* 1848; † 1905) [Franziska Schlegel]], verh. Spängler. Auch bei sehr unterschiedlicher Schreibweise in den Briefen vereinheitliche ich zu Großmutter „Fanny“ [Kobler] und Enkelin „Fanni“ [Schlegel / Spängler]. In den Briefen ist viel von ‚Gesundheit’, ‚Tod im Kindbett’ usw. die Rede. Das ist nicht zufällig und nicht nur allgemeines Gesprächstema der Zeit, sondern wohl auch auf die besondere Beziehung beider Frauen zueinander zurückzuführen. |
| − | Ein weiterer Briefkomplex stammt aus der Familie von Dr.jur. Franz Spängler (* 1839; † 1912) [[Franz (II.) Xaver Gregor Spängler]], der Fanni Schlegel heiratet. Er ist in Salzburg geboren, wird nach dem Studium in Graz und Wien Richter an verschiedenen Orten in und bei Wien, zuletzt in Krems an der Donau. Er wechselt unzählige Briefe mit seiner Verlobten und späteren Frau, manchmal mehrmals in der Woche. Mit der Mutter Antonia Spängler (1803 –1882), geb. Lürzer von Zehendthal [[Lürzer von Zechenthal]], gibt es ebenfalls einen intensiven Briefwechsel, auch mit Zusätzen des Bruders [[Otto Spängler ]] (* 1841; † 1919), Sparkassen-Direktor in Salzburg und verheiratet mit mit Aloisia Duregger, Tochter von [[Johann Alois Duregger]]. Die Familie Duregger, Antonia Spängler und Otto Spängler wohnen in den Stockwerken übereinander im Dureggerhaus [Antretterhaus]] am Mozartplatz 4, nicht weit von der „Höllbräu“, wo die „Großmutter“ Fanny Kobler lebt. Der spätere Landgerichtsdirektor Spängler schreibt an Fanni Schlegel (1871) bzw. an seine Frau Fanni Spängler zwischen 1882 [und davor] bis 1890 häufig Karten und Briefe. Sie antwortet bzw. schreibt ihm, z. B. aus den Sommerferien mit den Kindern in Salzburg, in langen Briefen, die vieles widerspiegeln: Sorgen mit den Kindern, Nähe und (gesellschaftlich anerzogene) Ferne zum Ehegatten, aber auch höchst ‚moderne’ Gleichberechtigung in der Entscheidung über Dinge des Alltags. Vieles ist Zeitkolorit, aber auch Individuelles, z. B. sind ihre Briefe nicht ohne Ironie, die er offenbar weniger versteht. Hier beziehen sich die Briefe vielfach lückenlos aufeinander. Viel ist von ‚Ordnung‘ die Rede, was auf Sicherheit und Übersichtlichkeit im täglichen Leben zielt. ‚Ordnung‘ sind die Regelung der Hochzeit, Herrichten der Aussteuer, Einrichten der Wohnung, aber auch: das zur Ruhe Kommen nach außergewöhnlichen Ereignissen. Häufig wird Gesundheit angesprochen und getragen ist der sehr intensive Briefwechsel von einer starken Gott-Ergebenheit und einer Alltagsfrömmigkeit, die wohl nicht nur verbal ist („..., so Gott will,...“). | + | Ein weiterer Briefkomplex stammt aus der Familie von Dr.jur. Franz Spängler (* 1839; † 1912) [[Franz (II.) Xaver Gregor Spängler]], der Fanni Schlegel heiratet. Er ist in Salzburg geboren, wird nach dem Studium in Graz und Wien Richter an verschiedenen Orten in und bei Wien, zuletzt in Krems an der Donau. Er wechselt unzählige Briefe mit seiner Verlobten und späteren Frau, manchmal mehrmals in der Woche. Mit der Mutter Antonia Spängler (1803 –1882), geb. Lürzer von Zehendthal [[Lürzer von Zechenthal]], gibt es ebenfalls einen intensiven Briefwechsel, auch mit Zusätzen des Bruders [[Otto Spängler ]] (* 1841; † 1919), Sparkassen-Direktor in Salzburg und verheiratet mit mit Aloisia Duregger, Tochter von [[Johann Alois Duregger]]. Die Familie Duregger, Antonia Spängler und Otto Spängler wohnen in den Stockwerken übereinander im Dureggerhaus [[Antretterhaus]] am Mozartplatz 4, nicht weit von der „Höllbräu“, wo die „Großmutter“ Fanny Kobler lebt. Der spätere Landgerichtsdirektor Spängler schreibt an Fanni Schlegel (1871) bzw. an seine Frau Fanni Spängler zwischen 1882 [und davor] bis 1890 häufig Karten und Briefe. Sie antwortet bzw. schreibt ihm, z. B. aus den Sommerferien mit den Kindern in Salzburg, in langen Briefen, die vieles widerspiegeln: Sorgen mit den Kindern, Nähe und (gesellschaftlich anerzogene) Ferne zum Ehegatten, aber auch höchst ‚moderne’ Gleichberechtigung in der Entscheidung über Dinge des Alltags. Vieles ist Zeitkolorit, aber auch Individuelles, z. B. sind ihre Briefe nicht ohne Ironie, die er offenbar weniger versteht. Hier beziehen sich die Briefe vielfach lückenlos aufeinander. Viel ist von ‚Ordnung‘ die Rede, was auf Sicherheit und Übersichtlichkeit im täglichen Leben zielt. ‚Ordnung‘ sind die Regelung der Hochzeit, Herrichten der Aussteuer, Einrichten der Wohnung, aber auch: das zur Ruhe Kommen nach außergewöhnlichen Ereignissen. Häufig wird Gesundheit angesprochen und getragen ist der sehr intensive Briefwechsel von einer starken Gott-Ergebenheit und einer Alltagsfrömmigkeit, die wohl nicht nur verbal ist („..., so Gott will,...“). |
| | Umrahmt wird diese Briefsammlung von vielen Einzelbriefen, z. B. schreibt 1826 die andere Großmutter Maria Anna Lürzer von Zehendthal (* 1774; † 1853) [[Lürzer von Zechenthal]] aus Hall in Tirol an ihren späteren Schwiegersohn [[Franz Xaver Gregor Spängler]] (* 1793; † 1854) in Salzburg. In diesem (leider nur fragmentarisch erhaltenen) Brief ist einiges von Not und Schwierigkeiten die Rede, aus denen dann doch die wohlhabende Handelsgesellschaft und spätere (bis heute existierende) [[Spänglerbank]] (Bankhaus Carl Spängler & Co AG); seit 1828) in Salzburg wurde. In den Briefen ist mehrfach die zahlreiche Spängler-Verwandtschaft in Salzburg angesprochen. Deren traditionelle gesellschaftliche Stellung in der Stadt soll hier nur durch den einen Hinweis beleuchtet werden, dass in der gleichen Generation, in der Petrus Mezger ([[Johann Peter Metzger]]) von 1775 bis 1795 Bürgermeister von Salzburg war (vgl. Dopsch, 1996, S. 351 f., S. 352 mit einem prächtigen Porträt), Franz Anton Spängler [[Franz Anton Spangler]] aus Bruneck in Südtirol (mit einem bürgerlichen Wappenbrief von 1677) im Jahre 1729 nach Salzburg zieht, dort das Bürgerrecht erwirbt, 1731 und 1744 ‚vermögende Witwen’ heiratet und schließlich 1755 in dritter Ehe Maria Traunbauerin (Trambauer, * 1730; † 1780) aus Wien, Tochter eines Kaufmanns, ehelicht. | | Umrahmt wird diese Briefsammlung von vielen Einzelbriefen, z. B. schreibt 1826 die andere Großmutter Maria Anna Lürzer von Zehendthal (* 1774; † 1853) [[Lürzer von Zechenthal]] aus Hall in Tirol an ihren späteren Schwiegersohn [[Franz Xaver Gregor Spängler]] (* 1793; † 1854) in Salzburg. In diesem (leider nur fragmentarisch erhaltenen) Brief ist einiges von Not und Schwierigkeiten die Rede, aus denen dann doch die wohlhabende Handelsgesellschaft und spätere (bis heute existierende) [[Spänglerbank]] (Bankhaus Carl Spängler & Co AG); seit 1828) in Salzburg wurde. In den Briefen ist mehrfach die zahlreiche Spängler-Verwandtschaft in Salzburg angesprochen. Deren traditionelle gesellschaftliche Stellung in der Stadt soll hier nur durch den einen Hinweis beleuchtet werden, dass in der gleichen Generation, in der Petrus Mezger ([[Johann Peter Metzger]]) von 1775 bis 1795 Bürgermeister von Salzburg war (vgl. Dopsch, 1996, S. 351 f., S. 352 mit einem prächtigen Porträt), Franz Anton Spängler [[Franz Anton Spangler]] aus Bruneck in Südtirol (mit einem bürgerlichen Wappenbrief von 1677) im Jahre 1729 nach Salzburg zieht, dort das Bürgerrecht erwirbt, 1731 und 1744 ‚vermögende Witwen’ heiratet und schließlich 1755 in dritter Ehe Maria Traunbauerin (Trambauer, * 1730; † 1780) aus Wien, Tochter eines Kaufmanns, ehelicht. |