| Zeile 2: |
Zeile 2: |
| | [[Datei:Salzburgische Gebiete in Tirol.jpeg|thumb|Territoriale Entwicklung Tirols 15.bis 20. Jahrhundert]] | | [[Datei:Salzburgische Gebiete in Tirol.jpeg|thumb|Territoriale Entwicklung Tirols 15.bis 20. Jahrhundert]] |
| | [[File:HeuhütteZillertal.jpg|thumb|Heuhütte Zillertal]] | | [[File:HeuhütteZillertal.jpg|thumb|Heuhütte Zillertal]] |
| − | Das '''Zillertal''' ist ein etwa 50 km langes Seitental des Inntals, des Haupttales [[Nordtirol]]s. Mit dem [[Gerlostal]] stellt es eine Verbindung des Inntals - über den [[Gerlospass]] und die [[Gerlos Alpenstraße]] - mit dem zu [[Salzburg (Bundesland)|Salzburg]] gehörenden [[Pinzgau]] dar. | + | Das '''Zillertal''' ist ein etwa 50 km langes Seitental des Inntals, des Haupttales [[Nordtirol]]s. Mit dem [[Gerlostal]] stellt es eine Verbindung des Inntals – über den [[Gerlospass]] und die [[Gerlos Alpenstraße]] – mit dem zu [[Salzburg (Bundesland)|Salzburg]] gehörenden [[Pinzgau]] dar. |
| | | | |
| | ==Geschichte== | | ==Geschichte== |
| Zeile 15: |
Zeile 15: |
| | Schon sehr früh, nämlich [[739]] n. Chr., wurde der Zillerfluss als Diözesangrenze zwischen dem [[Erzbistum Salzburg]] und dem Bistum Brixen-Säben festgelegt. | | Schon sehr früh, nämlich [[739]] n. Chr., wurde der Zillerfluss als Diözesangrenze zwischen dem [[Erzbistum Salzburg]] und dem Bistum Brixen-Säben festgelegt. |
| | | | |
| − | Das Zillertal unterstand demnach zwar zur Gänze der Landeshoheit des [[Fürsterzbischof]]s von Salzburg, gehörte also zum Land Salzburg und nicht zum Land Tirol; kirchlich trennte jedoch der Fluss Ziller das Tal in einen zur [[Erzdiözese Salzburg]] gehörenden östlichen und einen zur [[Diözese Brixen]] gehörenden westlichen Teil; demnach waren die Kirchsprengel | + | Das Zillertal unterstand demnach zwar zur Gänze der Landeshoheit des [[Fürsterzbischof]]s von Salzburg, gehörte also zum [[Erzstift Salzburg|Land Salzburg]] und nicht zum Land Tirol; kirchlich trennte jedoch der Fluss Ziller das Tal in einen zur [[Erzdiözese Salzburg]] gehörenden östlichen und einen zur [[Diözese Brixen]] gehörenden westlichen Teil; demnach waren die Kirchsprengel |
| | * [[Pfarre Zell am Ziller|Zell]], [[Pfarre Mayrhofen|Mayrhofen]], [[Pfarre Brandberg im Zillertal|Brandberg]], [[Pfarre Gerlos|Gerlos]], [[Pfarre Stumm|Stumm]] und [[Pfarre Hart im Zillertal|Hart]] salzburgisch, | | * [[Pfarre Zell am Ziller|Zell]], [[Pfarre Mayrhofen|Mayrhofen]], [[Pfarre Brandberg im Zillertal|Brandberg]], [[Pfarre Gerlos|Gerlos]], [[Pfarre Stumm|Stumm]] und [[Pfarre Hart im Zillertal|Hart]] salzburgisch, |
| | * Fügen, Hippach, Finkenberg und Tux hingegen brixnerisch.<ref name="Hübner"/> | | * Fügen, Hippach, Finkenberg und Tux hingegen brixnerisch.<ref name="Hübner"/> |
| | | | |
| − | [[1816]] kam das seit [[1810]] zum bayerischen [[Salzachkreis]] gehörende Salzburg, ohne dem Zillertal und dem [[Brixental]] (diese kamen zu Tirol), ohne [[Berchtesgaden]] und ohne dem später so genannten [[Rupertiwinkel]] (wurden an Bayern angeschlossen) an das [[Österreich#Kaisertum Österreich|Kaisertum Österreich]]. Im Jahr [[1818]] entschied Papst Pius VII. über die Grenzziehung zwischen der Erzdiözese Salzburg und der Diözese Brixen dahingehend, dass die seit ältester Zeit zu Salzburg gehörenden Teile des Zillertales bei Salzburg zu bleiben hätten. Dieser Teil der Erzdiözese bildete das Gebiet des neu errichteten [[Dekanat Zell am Ziller|Dekanats Zell am Ziller]]. Auch diese zugunsten des Erzistums Salzburg erfolgende kirchliche Grenzziehung geschah zur Zufriedenheit der Bevölkerung (zumal die Verkehrslage Brixens aus der Sicht dieses Landesteils verhältnismäßig ungünstig ist). | + | [[1816]] kam das seit [[1810]] zum bayerischen [[Salzachkreis]] gehörende Salzburg, ohne das Zillertal und das [[Brixental]] (diese kamen zu Tirol), ohne [[Berchtesgaden]] und ohne den später so genannten [[Rupertiwinkel]] (diese blieben bei [[Bayern]]) zum [[Österreich#Kaisertum Österreich|Kaisertum Österreich]]. Im Jahr [[1818]] entschied Papst Pius VII. über die Grenzziehung zwischen der Erzdiözese Salzburg und der Diözese Brixen dahingehend, dass die seit ältester Zeit zu Salzburg gehörenden Teile des Zillertales bei Salzburg zu bleiben hätten. Dieser Teil der Erzdiözese bildete das Gebiet des neu, bzw. neuerlich, errichteten [[Dekanat Zell am Ziller|Dekanats Zell am Ziller]]. Auch diese zugunsten des Erzbistums Salzburg erfolgende kirchliche Grenzziehung geschah zur Zufriedenheit der Bevölkerung (zumal die Verkehrslage Brixens aus der Sicht dieses Landesteils verhältnismäßig ungünstig ist). |
| | | | |
| − | Im kirchlich salzburgischen Teil des Zillertales lagen und liegen insbesondere die Orte Straß i. Z., Bruck am Ziller, Hart i. Z., Zell am Ziller, Stumm und [[Mayrhofen]] i. Z.; während insbesondere Fügen, Ried i. Z. und Aschau i. Z. jenseits der Diözesan- und Flussgrenze liegen. | + | Im kirchlich salzburgischen Teil des Zillertales lagen und liegen insbesondere die Orte [[Straß im Zillertal]], [[Bruck am Ziller]], [[Hart im Zillertal]], [[Zell am Ziller]], [[Stumm]] und [[Mayrhofen]]; während insbesondere Fügen, Ried im Zillertal und (großteils) Aschau im Zillertal jenseits der Diözesan- und Flussgrenze liegen. |
| | | | |
| | Die alte Diözesangrenze sei auch heute noch daran erkennbar, dass auf der westlichen ehemals Brixner Seite (heute Diözese Innsbruck) die Kirchtürme vorwiegend rot, auf der östlichen Salzburger Seite jedoch grün eingedeckt sind. Die grüne Farbe entsteht durch die Verwendung von Kupfer für die Dächer, das die (reichere) Diözese Salzburg für ihre Kirchen verwenden konnte, während das Bistum Brixen sparsamer sein musste und mit Ziegeldächern vorliebnahm.<ref>Wikipedia-Artikel [http://de.wikipedia.org/wiki/Zillertal#Geschichte Zillertal].</ref>. Diese im Wikipedia erzählte Geschichte ist in Wirklichkeit eine alte Legende bzw. eine phantasievolle Deutung! | | Die alte Diözesangrenze sei auch heute noch daran erkennbar, dass auf der westlichen ehemals Brixner Seite (heute Diözese Innsbruck) die Kirchtürme vorwiegend rot, auf der östlichen Salzburger Seite jedoch grün eingedeckt sind. Die grüne Farbe entsteht durch die Verwendung von Kupfer für die Dächer, das die (reichere) Diözese Salzburg für ihre Kirchen verwenden konnte, während das Bistum Brixen sparsamer sein musste und mit Ziegeldächern vorliebnahm.<ref>Wikipedia-Artikel [http://de.wikipedia.org/wiki/Zillertal#Geschichte Zillertal].</ref>. Diese im Wikipedia erzählte Geschichte ist in Wirklichkeit eine alte Legende bzw. eine phantasievolle Deutung! |
| Zeile 29: |
Zeile 29: |
| | Den Zillertaler Protestanten, die die erzbischöfliche Bekämpfung der Ketzerei überdauert hatten und im Jahr 1816 Tiroler geworden waren, wurden (auf Betreiben der in Tirol maßgeblichen erzkatholischen Kreise, aber auch des Salzburger Erzbischofs [[Augustin Johann Joseph Gruber|Augustin Gruber]] (* [[1763]]; † [[1835]]), die Begünstigungen des Toleranzpatentes [[Joseph II.|Kaiser Josephs II.]] vorenthalten. | | Den Zillertaler Protestanten, die die erzbischöfliche Bekämpfung der Ketzerei überdauert hatten und im Jahr 1816 Tiroler geworden waren, wurden (auf Betreiben der in Tirol maßgeblichen erzkatholischen Kreise, aber auch des Salzburger Erzbischofs [[Augustin Johann Joseph Gruber|Augustin Gruber]] (* [[1763]]; † [[1835]]), die Begünstigungen des Toleranzpatentes [[Joseph II.|Kaiser Josephs II.]] vorenthalten. |
| | | | |
| − | So brachen am [[31. August]] [[1837]] 427 Zillertaler [[Protestantenvertreibung|Protestanten]], die sich weigerten, katholisch zu werden, auf zur Wanderung in eine neue Heimat: 416 nach (Preußisch-)[[Tschechien#Historische Bezüge, Salzburgbezug|Schlesien]], 11 nach [[Kärnten]] und in die [[Steiermark]]. | + | So brachen am [[31. August]] [[1837]] 427 Zillertaler [[Protestantenvertreibung|Protestanten]], die sich weigerten, katholisch zu werden, zur Wanderung in eine neue Heimat auf: 416 nach ([[Deutschland+Preußen|Preußisch]]-)[[Schlesien]], 11 nach [[Kärnten]] und in die [[Steiermark]]. |
| | | | |
| | ==Andenken== | | ==Andenken== |