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| | Unter dem Mattseeer [[Fremdenverkehrspionier]] Dr. [[Heinrich Wallmann]] begann mit der Gründung der [[Badegesellschaft in Mattsee|Badegesellschaft]] und des [[Saison-Verein in Mattsee|Saison-Vereins]] der [[Fremdenverkehr]] in Mattsee einen Aufschwung. | | Unter dem Mattseeer [[Fremdenverkehrspionier]] Dr. [[Heinrich Wallmann]] begann mit der Gründung der [[Badegesellschaft in Mattsee|Badegesellschaft]] und des [[Saison-Verein in Mattsee|Saison-Vereins]] der [[Fremdenverkehr]] in Mattsee einen Aufschwung. |
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| − | Für das Wiener Bürgertum, das weder einen Urlaub am Meer in Abbazia (Opatija) oder in [[Bad Ischl]] in Betracht zogen, wurde Mattsee mit seinen drei Seen zum beliebten Sommerfrische-Ziel. Zu den ersten Sommerfrischlern zählte auch [[Anton Breitner]]. | + | Für das Wiener Bürgertum, das weder einen Urlaub am Meer in Abbazia (kroatisch ''Opatija'') oder in [[Bad Ischl]] in Betracht zogen, wurde Mattsee mit seinen drei Seen zum beliebten Sommerfrische-Ziel. Zu den ersten Sommerfrischlern zählte auch [[Anton Breitner]]. |
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| | Die ersten Sommerfrischler dürften 1857 nach Mattsee gekommen sein. Für den Sommer [[1909]] waren 1 256 Sommergäste registiert worden. Dazu kam noch das Dienstpersonal mit 75 Personen. | | Die ersten Sommerfrischler dürften 1857 nach Mattsee gekommen sein. Für den Sommer [[1909]] waren 1 256 Sommergäste registiert worden. Dazu kam noch das Dienstpersonal mit 75 Personen. |
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| | Damit setzte auch ein Deutschnationalismus ein, der starke antisemtische Züge aufwies. Auch Mattsee blieb seit seinen [[Fremdenverkehr]]<nowiki>sanfängen</nowiki> nicht von derartigen Einflüssen verschont. Bereits [[1889]] musste der Vorstand des Mattseers Saison-Vereins in einer Stellungnahme in Anlehnung an dieses Staatsgrundgesetz der Gleichstellung darauf hinweisen "''jeder Sommergast - ob Jude oder Christ, der anständig lebt, ist gleich zu achten.''" Mit der Ernennung des jüdischen Schriftstellers [[Adalbert Goldschneider]] zum Ehrenmitglied des Saison-Vereins wollte dieser ein deutliches politisches Signal setzen. | | Damit setzte auch ein Deutschnationalismus ein, der starke antisemtische Züge aufwies. Auch Mattsee blieb seit seinen [[Fremdenverkehr]]<nowiki>sanfängen</nowiki> nicht von derartigen Einflüssen verschont. Bereits [[1889]] musste der Vorstand des Mattseers Saison-Vereins in einer Stellungnahme in Anlehnung an dieses Staatsgrundgesetz der Gleichstellung darauf hinweisen "''jeder Sommergast - ob Jude oder Christ, der anständig lebt, ist gleich zu achten.''" Mit der Ernennung des jüdischen Schriftstellers [[Adalbert Goldschneider]] zum Ehrenmitglied des Saison-Vereins wollte dieser ein deutliches politisches Signal setzen. |
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| − | Der [[Erster Weltkrieg|Erste Weltkrieg]] unterbrach die Sommerfrische. Nach Ende des Krieges verloren viele Menschen ihr Geld, weil sie in Kriegsanleihen investiert hatten. Diese riesigen Geldverluste schob man auch den Juden die Schuld zu. Um 1920 begannen immer mehr Orte in Österreich mit "wir sind Judenfrei" zu werben, um damit gute Geschäfte zu machen. Größere Fremdenverkehrsorte wie [[Bad Ischl]], [[Bad Gastein]], [[Zell am See]] oder <span style="color:green">Bad Aussee</span><ref>siehe Ennstalwiki → [[enns:Bad Aussee]]</ref><ref>{{ennswiki}}</ref> hielten nicht viel davon und waren zumindest während der Sommersaison "judenfreundlich". Nicht so Orte im Salzburger [[Flachgau]]. | + | Der [[Erster Weltkrieg|Erste Weltkrieg]] unterbrach die Sommerfrische. Nach Ende des Krieges verloren viele Menschen ihr Geld, weil sie in Kriegsanleihen investiert hatten. Diese riesigen Geldverluste schob man auch den Juden die Schuld zu. Um 1920 begannen immer mehr Orte in Österreich mit "wir sind Judenfrei" zu werben, um damit gute Geschäfte zu machen. Größere Fremdenverkehrsorte wie Bad Ischl, [[Bad Gastein]], [[Zell am See]] oder <span style="color:green">Bad Aussee</span><ref>siehe Ennstalwiki → [[enns:Bad Aussee]]</ref><ref>{{ennswiki}}</ref> hielten nicht viel davon und waren zumindest während der Sommersaison "judenfreundlich". Nicht so Orte im Salzburger [[Flachgau]]. |
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| | Seekirchen und Mattsee taten sich hierbei hervor und warben mit ihren judenfreien Orte um (Wiener) Sommerfrischler. Dieser Antisemitismus ging maßgeblich vom Juristen und Reichstagsabgeordneten Dr. [[Julius Sylvester]] aus, der sich in Seekirchen niedergelassen hatte. Sein in [[Zell am Wallersee]] gegründete Zweigverein des [[Deutschösterreichischer Schutzverein Antisemiten-Bund|Deutschösterreichischen Schutzvereins Antisemiten-Bund]] führte im Frühjahr [[1925]] zur Gründung einer Ortsgruppe in Mattsee. Hier war es der in Wien geborenen und in Mattsee praktiziernde Arzt Dr. [[Arnold Mannlicher]] (* 1880; † 1958), der die treibende Kraft dieses Zweigvereins wurde. | | Seekirchen und Mattsee taten sich hierbei hervor und warben mit ihren judenfreien Orte um (Wiener) Sommerfrischler. Dieser Antisemitismus ging maßgeblich vom Juristen und Reichstagsabgeordneten Dr. [[Julius Sylvester]] aus, der sich in Seekirchen niedergelassen hatte. Sein in [[Zell am Wallersee]] gegründete Zweigverein des [[Deutschösterreichischer Schutzverein Antisemiten-Bund|Deutschösterreichischen Schutzvereins Antisemiten-Bund]] führte im Frühjahr [[1925]] zur Gründung einer Ortsgruppe in Mattsee. Hier war es der in Wien geborenen und in Mattsee praktiziernde Arzt Dr. [[Arnold Mannlicher]] (* 1880; † 1958), der die treibende Kraft dieses Zweigvereins wurde. |