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| | [[1858]] heiratete er in Konstanz die Advokatentochter Maria Spinnhirn, und [[1861]] übersiedelte die Familie nach Salzburg. Sie hatten vier Kinder: Marie (* 1861; † 1927), Thekla (* 1862; † 1931), Friedrich (* 1866; † 1919) und Fanny (*1876; † 1907); | | [[1858]] heiratete er in Konstanz die Advokatentochter Maria Spinnhirn, und [[1861]] übersiedelte die Familie nach Salzburg. Sie hatten vier Kinder: Marie (* 1861; † 1927), Thekla (* 1862; † 1931), Friedrich (* 1866; † 1919) und Fanny (*1876; † 1907); |
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| − | ==Baldi & Würthle== | + | ==Baldi & Würthle== |
| − | :'' Hauptartikel: [[Baldi & Würthle]]'' | + | :'' Hauptartikel: [[Baldi & Würthle]]'' |
| − | In Salzburg gründete er am [[15. Jänner]] [[1862]] zusammen mit Gregor Baldi eine fotografische Anstalt in der [[Riedenburg]] ([[Villa Baldi]], Villa Almegg, auch Hitzgern Hof, ehemalige [[Weißgeschirr-Manufactur in der Riedenburg]], heute [[Riedenburger Straße]] 10). Die Firma [[Baldi & Würthle]] war bald für die Landschaftsfotografie sehr bekannt. | + | In Salzburg gründete er am [[15. Jänner]] [[1862]] zusammen mit Gregor Baldi eine fotografische Anstalt in der [[Riedenburg]] ([[Villa Baldi]], Villa Almegg, auch Hitzgern Hof, ehemalige [[Weißgeschirr-Manufactur in der Riedenburg]], heute [[Riedenburger Straße]] 10). Die Firma [[Baldi & Würthle]] war bald für die Landschaftsfotografie sehr bekannt. |
| | + | [[Datei:Rainer-Hütte im Kapruner Tal um 1890.jpg|thumb|Die [[Rainerhütte]] im [[Kapruner Tal]] um 1890, eine Aufnahme von Würthle & Spinnhirn.]] |
| | + | {{PAGENAME}} zählte auch zu den Pionieren der Bergfotografie. So konnte [[Gustav Jaegermayer]] im Auftrag der Firma Baldi & Würthle [[1863]] bei der [[Großglockner (Berg)|Großglockner-Expedition]] 84 Aufnahmen aus dem [[Glocknergruppe|Glocknergebiet]] mitbringen. |
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| − | {{PAGENAME}} zählte auch zu den Pionieren der Bergfotografie. So konnte [[Gustav Jaegermayer]] im Auftrag der Firma Baldi & Würthle [[1863]] bei der [[Großglockner (Berg)|Großglockner-Expedition]] 84 Aufnahmen aus dem [[Glocknergruppe|Glocknergebiet]] mitbringen.
| + | Doch dann kam es [[1872]] zu Differenzen zwischen Baldi und Würthle, die [[1874]] zur Trennung führten. Allerdings blieb Baldi stiller Gesellschafter der Firma. Der Schwager Würthles, der Chemiker [[Hermann Spinnhirn]], trat [[1882]] in die Firma ein, und man nannte sich forthin "''Würthle & Spinnhirn''". |
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| − | Doch dann kam es [[1872]] zu Differenzen zwischen Baldi und Würthle, die [[1874]] zur Trennung führten. Allerdings blieb Baldi stiller Gesellschafter der Firma. Der Schwager Würthles, der Chemiker [[Hermann Spinnhirn]], trat [[1882]] in die Firma ein, und man nannte sich forthin "''Würthle & Spinnhirn''". | |
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| | [[1873]] erhielt {{PAGENAME}} aufgrund seiner Beteiligung an der Wiener [[Salzburg auf Weltausstellungen|Weltausstellung]] mit topografischen Fotos eine persönliche Auszeichnung mit der Fortschrittsmedaille. Auch wurde ihm das Goldene Verdienstkreuz mit der Krone durch Kaiser [[Franz Joseph I.]] verliehen. | | [[1873]] erhielt {{PAGENAME}} aufgrund seiner Beteiligung an der Wiener [[Salzburg auf Weltausstellungen|Weltausstellung]] mit topografischen Fotos eine persönliche Auszeichnung mit der Fortschrittsmedaille. Auch wurde ihm das Goldene Verdienstkreuz mit der Krone durch Kaiser [[Franz Joseph I.]] verliehen. |
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| − | ==Würthle & Spinnhirn== | + | ==Würthle & Spinnhirn== |
| | Die Landschaftsaufnahmen, vor allem Hochgebirgsaufnahmen, erlangten Weltruhm. Man begann mit der Produktion und dem Vertrieb von Ansichtskarten. Dem dazu gegründeten Verlag gehörte auch eine Lichtdruckanstalt in [[Freilassing]] (Bayern) an. Es folgten Filialbetriebe in München, Wien, ja sogar in London, England, eröffnete man ein Geschäft. In der [[Schwarzstraße]] Nr. 11 (zwischen Raiffeisenzentrale und [[Karajan]]haus, heute ist darin die ÖGUSSA angesiedelt) wurde [[1885]] ein weiteres Atelier eröffnet. [[1899]] kam dann auch ein Geschäft an die Ecke des ''[[Bazargebäude]]s des [[Hotel Österreichischer Hof|Hotels Österreichischer Hof]]''. | | Die Landschaftsaufnahmen, vor allem Hochgebirgsaufnahmen, erlangten Weltruhm. Man begann mit der Produktion und dem Vertrieb von Ansichtskarten. Dem dazu gegründeten Verlag gehörte auch eine Lichtdruckanstalt in [[Freilassing]] (Bayern) an. Es folgten Filialbetriebe in München, Wien, ja sogar in London, England, eröffnete man ein Geschäft. In der [[Schwarzstraße]] Nr. 11 (zwischen Raiffeisenzentrale und [[Karajan]]haus, heute ist darin die ÖGUSSA angesiedelt) wurde [[1885]] ein weiteres Atelier eröffnet. [[1899]] kam dann auch ein Geschäft an die Ecke des ''[[Bazargebäude]]s des [[Hotel Österreichischer Hof|Hotels Österreichischer Hof]]''. |
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| − | ==Würthle & Sohn== | + | ==Würthle & Sohn== |
| − | [[Datei:Salzburg Altstadt Hohensalzburg 1900.jpg|thumb|Eine Ansichtskarte Würthle & Sohn vor 1902.]] | + | [[Datei:Salzburg Altstadt Hohensalzburg 1900.jpg|thumb|Eine Ansichtskarte Würthle & Sohn vor 1902.]] |
| − | [[Datei:Landestheater historische Aufnahme.jpg|thumb|Historische Aufnahme des [[Salzburger Landestheater|Stadttheaters]] der [[Stadt Salzburg]]. ]] | + | [[Datei:Landestheater historische Aufnahme.jpg|thumb|Historische Aufnahme des [[Salzburger Landestheater|Stadttheaters]] der [[Stadt Salzburg]].]] |
| − | [[1892]], nach dem Tod Hermann Spinnhirns, übernahm Würthles Sohn Friedrich (jun.) diese Anteile. Das Unternehmen wurde wiederum unbenannt in "''Würthle und Sohn''". Aber der Zenit der Erfolge war überschritten und schon [[1904]] musste Friedrich Würthle junior sein Atelier an der Schwarzstraße an die Fotografen [[Eduard Bertel]] und [[Carl Pietzner]] verkaufen. Dieses wurde von Bertel geführt, und [[1907]] verkaufte Pietzner seine Anteile an Würthle & Sohn aber ganz an Bertel und schied aus der Firma. | + | [[1892]], nach dem Tod Hermann Spinnhirns, übernahm Würthles Sohn Friedrich (jun.) diese Anteile. Das Unternehmen wurde wiederum unbenannt in "''Würthle und Sohn''". Aber der Zenit der Erfolge war überschritten und schon [[1904]] musste Friedrich Würthle junior sein Atelier an der Schwarzstraße an die Fotografen [[Eduard Bertel]] und [[Carl Pietzner]] verkaufen. Dieses wurde von Bertel geführt, und [[1907]] verkaufte Pietzner seine Anteile an Würthle & Sohn aber ganz an Bertel und schied aus der Firma. |
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| | Bertel verkaufte nun seinerseits das Atelier [[1909]] an [[Karl Ellinger]], der es dann [[1916]] an [[Betty Steinhardt]] weiter verkaufte. Fr. Steinhardt war schon [[1914]] als Geschäftsführerin eingetreten und führte das Unternehmen, während Ellinger zum Militär einrücken musste. | | Bertel verkaufte nun seinerseits das Atelier [[1909]] an [[Karl Ellinger]], der es dann [[1916]] an [[Betty Steinhardt]] weiter verkaufte. Fr. Steinhardt war schon [[1914]] als Geschäftsführerin eingetreten und führte das Unternehmen, während Ellinger zum Militär einrücken musste. |
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| − | Mit dem im Familienbesitz von Würthle verbliebenen Verlag versuchte dann die Familie in Wien Fuß zu fassen. Doch [[1907]] kam es zum Konkurs. Pietzner blieb aber bei der Firma Würthle & Sohn, die als Verlagsanstalt fortgeführt wurde, Kommandist. | + | Mit dem im Familienbesitz von Würthle verbliebenen Verlag versuchte dann die Familie in Wien Fuß zu fassen. Doch [[1907]] kam es zum Konkurs. Pietzner blieb aber bei der Firma Würthle & Sohn, die als Verlagsanstalt fortgeführt wurde, Kommandist. |
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| − | ==Würthle & Sohn Nachf. Ges.m.b.H.== | + | ==Würthle & Sohn Nachf. Ges.m.b.H.== |
| − | Man wandelte das Unternehmen in eine "Gesellschaft mit beschränkter Haftung" um, die von der Tochter Friedrichs, Thekla Würthle, geführt wurde. Sein Sohn Friedrich wanderte nach Indien aus, wo er Arbeit bei der fotografischen Anstalt "Johnston & Hoffmann" in Kalkutta fand. Dort starb dieser [[1919]] in Madras, Indien, als englischer Kriegsgefangener an den Folgen geistiger Zerrüttung. | + | Man wandelte das Unternehmen in eine "Gesellschaft mit beschränkter Haftung" um, die von der Tochter Friedrichs, Thekla Würthle, geführt wurde. Sein Sohn Friedrich wanderte nach Indien aus, wo er Arbeit bei der fotografischen Anstalt "Johnston & Hoffmann" in Kalkutta fand. Dort starb dieser [[1919]] in Madras, Indien, als englischer Kriegsgefangener an den Folgen geistiger Zerrüttung. |
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| | Thekla Würthle führte zunächst das Geschäft in der Schwarzstraße Nr. 5 und 9 bis [[1911]], jenes in der Schwarzstraße Nr. 3 von [[1912]] bis [[1918]], das auch als Kunsthandlung lief. | | Thekla Würthle führte zunächst das Geschäft in der Schwarzstraße Nr. 5 und 9 bis [[1911]], jenes in der Schwarzstraße Nr. 3 von [[1912]] bis [[1918]], das auch als Kunsthandlung lief. |
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| | Schon [[1915]] wurde die Hauptniederlassung in Salzburg aufgelassen, nach Wien verlegt, wo sie jedoch bereits [[1916]] liquidiert wurde. Die Nachfolgerin, die [[Galerie Würthle]] in Wien, stand um 2009 im Besitz des Zeitungsverlegers Hans Dichand. [[1912]] war bereits ein Teil des Glasplattenarchivs an die Wiener Firma "Kilophot" verkauft worden, dessen Inhaber von [[1905]] bis [[1930]] Felix Leutner war (* [[1881]]; † [[1966]]). Leutner verkaufte [[1926]] an [[Ernst Koschier]], der in Salzburg am [[Gaisberg (Berg)|Gaisberg]] auf der [[Gaisbergspitze]] in der [[Villa Pflauder]] neben dem [[Hotel Gaisbergspitze]] ein Atelier betrieb. | | Schon [[1915]] wurde die Hauptniederlassung in Salzburg aufgelassen, nach Wien verlegt, wo sie jedoch bereits [[1916]] liquidiert wurde. Die Nachfolgerin, die [[Galerie Würthle]] in Wien, stand um 2009 im Besitz des Zeitungsverlegers Hans Dichand. [[1912]] war bereits ein Teil des Glasplattenarchivs an die Wiener Firma "Kilophot" verkauft worden, dessen Inhaber von [[1905]] bis [[1930]] Felix Leutner war (* [[1881]]; † [[1966]]). Leutner verkaufte [[1926]] an [[Ernst Koschier]], der in Salzburg am [[Gaisberg (Berg)|Gaisberg]] auf der [[Gaisbergspitze]] in der [[Villa Pflauder]] neben dem [[Hotel Gaisbergspitze]] ein Atelier betrieb. |
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| − | Aber mehrere Tausend Glasplatten kamen in den Besitz von Edith Kraus, der Tochter von Ernst Koschier, die sie [[1998]] dem [[Salzburger Stadtarchiv]] verkaufte. Es besteht aus rund 6 000 Glasplatten-Negativen der Firma Würthle. | + | Aber mehrere Tausend Glasplatten kamen in den Besitz von Edith Kraus, der Tochter von Ernst Koschier, die sie [[1998]] dem [[Salzburger Stadtarchiv]] verkaufte. Es besteht aus rund 6 000 Glasplatten-Negativen der Firma Würthle. |
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| | + | == Weblinks == |
| | + | * [https://www.stadt-salzburg.at/internet/extras/popup/imggallery.aspx?id=20&doc_path=%5Cinternet%5Cbildung_kultur%5Cstadtgeschichte%5Chistorische_fotografien%5Csalzburger_fotografien_1880_1918_85870.htm Bild vom Gebäude Würthle & Sohn in der Schwarzstraße, 1892] |
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| | ==Quellen== | | ==Quellen== |
| | * ''Salzburger Fotografien 1880–1918 aus dem Atelier Würthle'', [[Schriftenreihe des Archivs der Stadt Salzburg]] 18, 2003, ISBN 3-901014-93-4 | | * ''Salzburger Fotografien 1880–1918 aus dem Atelier Würthle'', [[Schriftenreihe des Archivs der Stadt Salzburg]] 18, 2003, ISBN 3-901014-93-4 |
| − | * F. Seidl, Nekrolog, in: [[MGSLK]] [http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?apm=0&aid=slk&datum=19030006&zoom=2&seite=00000394 43, 1903, S. 394] | + | * F. Seidl, Nekrolog, in: [[MGSLK]] [http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?apm=0&aid=slk&datum=19030006&zoom=2&seite=00000394 43, 1903, S. 394] |
| | * ''[[Kronland Salzburg. Historische Fotografien von 1850 bis 1918]]'', [[Salzburger Museum Carolino Augusteum]], Wolfram Morath (Herausgeber), 2000, ISBN 3-901014-68-3 | | * ''[[Kronland Salzburg. Historische Fotografien von 1850 bis 1918]]'', [[Salzburger Museum Carolino Augusteum]], Wolfram Morath (Herausgeber), 2000, ISBN 3-901014-68-3 |
| | * [https://www.salzburgmuseum.at/index.php?id=364 www.salzburgmuseum.at Biographie Karl Friedrich Würthle] | | * [https://www.salzburgmuseum.at/index.php?id=364 www.salzburgmuseum.at Biographie Karl Friedrich Würthle] |
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| − | == Weblinks ==
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| − | * [https://www.stadt-salzburg.at/internet/extras/popup/imggallery.aspx?id=20&doc_path=%5Cinternet%5Cbildung_kultur%5Cstadtgeschichte%5Chistorische_fotografien%5Csalzburger_fotografien_1880_1918_85870.htm Bild vom Gebäude Würthle & Sohn in der Schwarzstraße, 1892]
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| | {{SORTIERUNG: Würthle, Karl Friedrich}} | | {{SORTIERUNG: Würthle, Karl Friedrich}} |