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| | =====Vom Zugvogel zum Standvogel===== | | =====Vom Zugvogel zum Standvogel===== |
| | Die Graugans ist an sich ein Zugvogel, der üblicherweise im Winter nach Süden zieht. In den letzten Jahrzehnten neigen Graugänse immer häufiger dazu auch weiter im Norden zu überwintern, besonders in den Niederlanden oder überhaupt in den nicht zu weit nördlich gelegenen Brutgebieten und werden dadurch zu Standvögeln. Auslöser dafür ist eine intensive Landwirtschaft, die auch im Winterhalbjahr genügend Nahrung bietet, der im Norden geringere Jagddruck sowie möglicherweise auch der Klimawandel. „Bis vor wenigen Jahrzehnten überwinterten noch fast alle Graugänse in den Marismas des Guadalquivirs und in Tunesien um den Ischkeul-See sowie in Westalgerien. Wenn sie auf ihrem Zug sind, bilden sie eine charakteristische V-Formation. Die Wanderungsrouten der Graugans sind nicht genetisch fixiert, sondern werden in den verschiedenen Teilpopulationen tradiert. Neben dem Zug in die Überwinterungsquartiere gibt es einen sogenannten Mauserzug, der nicht brütende Tiere zu bestimmten Mauserplätzen führt. Seit den sechziger Jahren hat sich das Oostvaardersplassen zum wichtigsten Mauserplatz Europas entwickelt.“ | | Die Graugans ist an sich ein Zugvogel, der üblicherweise im Winter nach Süden zieht. In den letzten Jahrzehnten neigen Graugänse immer häufiger dazu auch weiter im Norden zu überwintern, besonders in den Niederlanden oder überhaupt in den nicht zu weit nördlich gelegenen Brutgebieten und werden dadurch zu Standvögeln. Auslöser dafür ist eine intensive Landwirtschaft, die auch im Winterhalbjahr genügend Nahrung bietet, der im Norden geringere Jagddruck sowie möglicherweise auch der Klimawandel. „Bis vor wenigen Jahrzehnten überwinterten noch fast alle Graugänse in den Marismas des Guadalquivirs und in Tunesien um den Ischkeul-See sowie in Westalgerien. Wenn sie auf ihrem Zug sind, bilden sie eine charakteristische V-Formation. Die Wanderungsrouten der Graugans sind nicht genetisch fixiert, sondern werden in den verschiedenen Teilpopulationen tradiert. Neben dem Zug in die Überwinterungsquartiere gibt es einen sogenannten Mauserzug, der nicht brütende Tiere zu bestimmten Mauserplätzen führt. Seit den sechziger Jahren hat sich das Oostvaardersplassen zum wichtigsten Mauserplatz Europas entwickelt.“ |
| − | Außerhalb von Paarungs- und Brutzeit leben Graugänse im Kollektiv und formieren sich in großen Schwärmen. Graugänse bilden bereits im Herbst des zweiten Kalenderjahres Paare, brüten aber selten vor dem Erreichen des vierten Kalenderjahres. Graugänse zeichnen sich durch Paartreue aus, nach Verlust des Partners gehen sie jedoch eine neue Partnerschaft ein. Sie brüten in einem sehr lockeren Kolonienverband, bei dem zwischen den einzelnen Brutnestern ein größerer Abstand besteht.
| + | Außerhalb von Paarungs- und Brutzeit leben Graugänse im Kollektiv und formieren sich in großen Schwärmen. Graugänse bilden bereits im Herbst des zweiten Kalenderjahres Paare, brüten aber selten vor dem Erreichen des vierten Kalenderjahres. Graugänse zeichnen sich durch Paartreue aus, nach Verlust des Partners gehen sie jedoch eine neue Partnerschaft ein. Sie brüten in einem sehr lockeren Kolonienverband, bei dem zwischen den einzelnen Brutnestern ein größerer Abstand besteht. |
| | Das Nest befindet sich in einer flachen Nestmulde, die mit einer dünnen Schicht Daunen ausgelegt wird, wobei in sehr feuchten Brutgebieten auch eine Anhäufung von Sumpfpflanzen als Nest dienen kann. Die Brut beginnt je nach Standort Mitte März bis Ende April, wobei die Graugänse in nördlicheren Regionen erst im späten April mit der Eiablage anfangen. Wird das Gelege zerstört, legen Graugänse kein zweites Gelege an. | | Das Nest befindet sich in einer flachen Nestmulde, die mit einer dünnen Schicht Daunen ausgelegt wird, wobei in sehr feuchten Brutgebieten auch eine Anhäufung von Sumpfpflanzen als Nest dienen kann. Die Brut beginnt je nach Standort Mitte März bis Ende April, wobei die Graugänse in nördlicheren Regionen erst im späten April mit der Eiablage anfangen. Wird das Gelege zerstört, legen Graugänse kein zweites Gelege an. |
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| | Wilde Graugänse legen gewöhnlich vier bis sechs Eier. Nur das Weibchen brütet, das Männchen hält sich während der Brutzeit in der Nähe des Nestes auf. Nach etwa 27 bis 29 Tagen schlüpfen die Jungen, deren Aufzucht etwa 50 bis 60 Tage dauert. Die Jungtiere bleiben bis zur nächsten Brut für gewöhnlich mit den Elterntieren zusammen und sind auch später oft in deren Nähe anzutreffen. Graugänse erkennen sich hauptsächlich an ihrem individuellen Ruf. Das oft die ganze Nacht hörbare >Gänsegeschnatter< dient dem Wiederfinden der Familienmitglieder. Unter männlichen Graugänsen kann es auch zu homosexuellen Beziehungen kommen, wobei ein Weibchen in eine solche gleichgeschlechtliche Partnerschaft mit einbezogen werden kann. In solchen Fällen begatten beide Männchen das Weibchen, ein Männchen bleibt jedoch stets dominant. „Während der Aufzucht der Jungen bleibt das Trio zusammen. Danach trennt sich das Weibchen von der Gruppe, während das männliche Paar zusammen bleibt.“ | | Wilde Graugänse legen gewöhnlich vier bis sechs Eier. Nur das Weibchen brütet, das Männchen hält sich während der Brutzeit in der Nähe des Nestes auf. Nach etwa 27 bis 29 Tagen schlüpfen die Jungen, deren Aufzucht etwa 50 bis 60 Tage dauert. Die Jungtiere bleiben bis zur nächsten Brut für gewöhnlich mit den Elterntieren zusammen und sind auch später oft in deren Nähe anzutreffen. Graugänse erkennen sich hauptsächlich an ihrem individuellen Ruf. Das oft die ganze Nacht hörbare >Gänsegeschnatter< dient dem Wiederfinden der Familienmitglieder. Unter männlichen Graugänsen kann es auch zu homosexuellen Beziehungen kommen, wobei ein Weibchen in eine solche gleichgeschlechtliche Partnerschaft mit einbezogen werden kann. In solchen Fällen begatten beide Männchen das Weibchen, ein Männchen bleibt jedoch stets dominant. „Während der Aufzucht der Jungen bleibt das Trio zusammen. Danach trennt sich das Weibchen von der Gruppe, während das männliche Paar zusammen bleibt.“ |
| | Für die Ernährung der Graugänse sind niedrig bewachsene Flächen erforderlich. Einerseits wegen der von ihnen benötigten kurzen Gräser und Kräuter und andererseits auch für ihr Sicherheitsbedürfnis. Natürliche Weidesysteme mit großen Pflanzenfressern wie Rinder oder Pferde sind daher ideal. Sie fressen aber auch Wasserpflanzen und in geringem Ausmaß auch Stauden und Wurzeln. Auch herbstliche Felder nach Maiskulturen, oder Raps- und Wintergetreidekulturen sind bei Graugänsen beliebte Äsungsgebiete. | | Für die Ernährung der Graugänse sind niedrig bewachsene Flächen erforderlich. Einerseits wegen der von ihnen benötigten kurzen Gräser und Kräuter und andererseits auch für ihr Sicherheitsbedürfnis. Natürliche Weidesysteme mit großen Pflanzenfressern wie Rinder oder Pferde sind daher ideal. Sie fressen aber auch Wasserpflanzen und in geringem Ausmaß auch Stauden und Wurzeln. Auch herbstliche Felder nach Maiskulturen, oder Raps- und Wintergetreidekulturen sind bei Graugänsen beliebte Äsungsgebiete. |
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| | ==Bestandsentwicklung == | | ==Bestandsentwicklung == |
| | Anfang der 70er-Jahre war der Bestand der Graugänse an einem Tiefpunkt angelangt. Die europäische Gesamtpopulation umfasste damals nur mehr etwa 20.000 Tiere. Im Jahr 2003 ging man von einer Anzahl von ca. 250.000 Tieren aus. Diese größere Population besiedelt nicht nur angestammte Brutgebiete dichter, sondern weitete auch das Brutareal vor allem in Deutschland und in den Niederlanden aus. | | Anfang der 70er-Jahre war der Bestand der Graugänse an einem Tiefpunkt angelangt. Die europäische Gesamtpopulation umfasste damals nur mehr etwa 20.000 Tiere. Im Jahr 2003 ging man von einer Anzahl von ca. 250.000 Tieren aus. Diese größere Population besiedelt nicht nur angestammte Brutgebiete dichter, sondern weitete auch das Brutareal vor allem in Deutschland und in den Niederlanden aus. |