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Die in das [[Innergebirg|Gebirge]] zurückweichenden SS-Truppen sprengten gegen Ende des Krieges insgesamt sieben Brücken: die [[Saalachbrücke Salzburg-Freilassing|Saalachbrücke]] in [[Rott]] in Salzburg-[[Liefering]], die [[Gartenauer Brücke|Almbrücke]] in [[Hallein]]-[[Gartenau]], die [[Niederalm Brücke]] auf der Gemeindegrenze [[Niederalm]] in [[Anif]] und [[Taxach]] in Hallein, die [[Tauglbrücke]] auf der Gemeindegrenze [[Vigaun]] und [[Kuchl]], die [[Salzachbrücke]] und [[Lammerbrücke (Golling)|Lammerbrücke]] in [[Golling]] und die [[Lammerbrücke (Abtenau)|Lammerbrücke]] in [[Voglau (Abtenau)|Voglau]] in [[Abtenau]].<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=san&datum=19460321&seite=3&query=%22br%C3%BCcke%22 ANNO], [[Salzburger Nachrichten]], 21. März 1946, Seite 3</ref>
 
Die in das [[Innergebirg|Gebirge]] zurückweichenden SS-Truppen sprengten gegen Ende des Krieges insgesamt sieben Brücken: die [[Saalachbrücke Salzburg-Freilassing|Saalachbrücke]] in [[Rott]] in Salzburg-[[Liefering]], die [[Gartenauer Brücke|Almbrücke]] in [[Hallein]]-[[Gartenau]], die [[Niederalm Brücke]] auf der Gemeindegrenze [[Niederalm]] in [[Anif]] und [[Taxach]] in Hallein, die [[Tauglbrücke]] auf der Gemeindegrenze [[Vigaun]] und [[Kuchl]], die [[Salzachbrücke]] und [[Lammerbrücke (Golling)|Lammerbrücke]] in [[Golling]] und die [[Lammerbrücke (Abtenau)|Lammerbrücke]] in [[Voglau (Abtenau)|Voglau]] in [[Abtenau]].<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=san&datum=19460321&seite=3&query=%22br%C3%BCcke%22 ANNO], [[Salzburger Nachrichten]], 21. März 1946, Seite 3</ref>
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== Amerikanische Truppen im Anmarsch ==
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== Kampflose Übergabe der Stadt Salzburg an die amerikanische Truppen ==
 
Am [[3. Mai]] 1945 gab es erste geheime Parteiengespräche: Im [[Café Posthof]] in der [[Kaigasse]] in der [[Altstadt]] von Salzburg berieten sozialistische Vertrauensleute über erste mögliche Maßnahmen nach dem Ende der NS-Herrschaft; in der Villa des Primararztes Josef Wegleitner kamen die Christlich-Sozialen [[Adolf Schemel]] und [[Martin Huber]] sowie der Sozialist [[Anton Neumayr (senior)|Anton Neumayr]] zu einem ersten Gespräch zusammen.
 
Am [[3. Mai]] 1945 gab es erste geheime Parteiengespräche: Im [[Café Posthof]] in der [[Kaigasse]] in der [[Altstadt]] von Salzburg berieten sozialistische Vertrauensleute über erste mögliche Maßnahmen nach dem Ende der NS-Herrschaft; in der Villa des Primararztes Josef Wegleitner kamen die Christlich-Sozialen [[Adolf Schemel]] und [[Martin Huber]] sowie der Sozialist [[Anton Neumayr (senior)|Anton Neumayr]] zu einem ersten Gespräch zusammen.
    
Gauleiter [[Gustav Adolf Scheel]] hatte sich an diesem Tag bereits hinten den [[Pass Lueg]] in die Gemeinde [[Goldegg]] zurückgezogen, ebenso wie die SS vom [[Obersalzberg]]. Diese Truppen wollten unbedingt noch weiterkämpfen, obwohl die amerikanische Panzerspitze bereits über das [[Bayern|bayerische]] [[Piding]] hinaus in Richtung Salzburg vorgestoßen war. Angeblich standen 200 viermotorige Bomber bereit, um Salzburg aus der Luft anzugreifen und in Schutt und Asche zu legen (was aber in den Bereich der Legenden zu verweisen ist).
 
Gauleiter [[Gustav Adolf Scheel]] hatte sich an diesem Tag bereits hinten den [[Pass Lueg]] in die Gemeinde [[Goldegg]] zurückgezogen, ebenso wie die SS vom [[Obersalzberg]]. Diese Truppen wollten unbedingt noch weiterkämpfen, obwohl die amerikanische Panzerspitze bereits über das [[Bayern|bayerische]] [[Piding]] hinaus in Richtung Salzburg vorgestoßen war. Angeblich standen 200 viermotorige Bomber bereit, um Salzburg aus der Luft anzugreifen und in Schutt und Asche zu legen (was aber in den Bereich der Legenden zu verweisen ist).
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Kampfkommandant der Stadt Salzburg, Oberst [[Hans Lepperdinger]], verweigerte in den frühen Morgenstunden des [[4. Mai]] die Annahme des Befehls von General Max von Bork zur Verteidigung der Stadt. Er gab um 06 Uhr über Rundfunk seine Entscheidung bekannt, die Stadt den US-Truppen kampflos übergeben zu wollen. Schon um 06:30 Uhr gelingt es Parlamentären, mit den US-Truppen an der [[Saalachbrücke Salzburg-Freilassing]] nach [[Freilassing]] Kontakt aufzunehmen und die kampflose Übergabe der Stadt anzubieten. Ein amerikanischer Offizier kam in die Stadt, um die Richtigkeit des Übergabeangebots zu prüfen. Kurz danach fuhr Oberst Lepperdinger mit einigen Offizieren zur [[Saalach-Eisenbahnbrücke]], wo um 09:30 Uhr die konkreten Übergabeverhandlungen stattfanden. Um 11:30 Uhr überquerte der erste amerikanische Panzer die [[Staatsbrücke]] und amerikanische Truppen der 3. Infanterie-Division und der 106. Kavallerie-Gruppe mit Panzern und Kraftwagen aller Art zogen in die Stadt ein.  
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Kampfkommandant der Stadt Salzburg, Oberst [[Hans Lepperdinger]], verweigerte in den frühen Morgenstunden des [[4. Mai]] die Annahme des Befehls von General Max von Bork zur Verteidigung der Stadt.  
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In der Nacht zum [[4. Mai]] 1945 hielt Lepperdinger im Befehlsstollen eine eingehende Stabsbesprechung mit allen anwesenden Offizieren ab, gab ihnen seinen Entschluss, die Stadt Salzburg nicht zu verteidigen, sondern kampflos zu übergeben, bekannt und erlangte ihr Einverständnis zu dieser befehlswidrigen Vorgangsweise. Um 06 Uhr Früh gab Lepperdingers über Rundfunk seine Entscheidung an die Bevölkerung von Salzburg bekannt, die Stadt den US-Truppen kampflos übergeben zu wollen. Diese Nachricht wurde im Laufe des 4. Mai 1945 wiederholt im Radio durchgegeben:<blockquote>''"Vor Wochen habe ich das Amt des Kampfkommandanten in Salzburg übernommen. Ich habe schon damals gewusst, dass ich einer schicksalhaften Stunde entgegengehe und dass es in meiner Hand liegen wird, namenloses Leid für die Bevölkerung unserer Stadt verhüten zu können. Mein ganzes Streben ging dahin, alle zuständigen Stellen von der Sinnlosigkeit einer Verteidigung der Stadt zu überzeugen. Noch gestern Nachmittag hatte ich die volle Zustimmung von General Ringel und des Gauleiters Scheel, die Stadt unter allen Umständen von Feindeinwirkungen zu schützen. Gestern Abend dann übernahm General von Bork den Befehl über meinen Abschnitt mit und befahl mir, die Stadt Salzburg zu verteidigen, obwohl er weder die militärische Lage in Salzburg und Umgebung, noch die innere Lage der Stadt, in der sich 80&nbsp;000 Menschen und etwa 7&nbsp;000 Verwundete befinden, beurteilen kann. Dieser Befehl stellt einen Wahnsinn dar, wie ihn nur militärische Unfähigkeit und völlige menschliche Verantwortungslosigkeit gebären kann. Ich habe mich daher entschlossen, diesen Befehl, an den mich seit dem Tode des Führers kein Eid mehr bindet, nicht auszuführen. Ich erkläre die letzte freie deutsche Stadt zur offenen Stadt und biete den Amerikanern die Übergabe an. Wie schwer mir dieser Entschluss wurde, kann nur ein Soldat begreifen. Salzburger, ich tue es für euch, steht bedingungslos zu mir, so wie es alle meine Offiziere und die gesamte Polizei tun. Ich bin überzeugt, dass alle anständigen deutschen Offiziere und auch der amerikanische Oberbefehlshaber meine Ehre als Offizier und auch als Mensch nicht anzweifeln werden." ''</blockquote>
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Schon um 06:30 Uhr gelang es Parlamentären, mit den US-Truppen an der [[Saalachbrücke Salzburg-Freilassing]] nach [[Freilassing]] Kontakt aufzunehmen und die kampflose Übergabe der Stadt anzubieten. Ein amerikanischer Offizier kam in die Stadt, um die Richtigkeit des Übergabeangebots zu prüfen. Kurz danach fuhr Oberst Lepperdinger mit einigen Offizieren zur [[Saalach-Eisenbahnbrücke]], wo um 09:30 Uhr die konkreten Übergabeverhandlungen stattfanden. Um 11:30 Uhr überquerte der erste amerikanische Panzer die [[Staatsbrücke]] und amerikanische Truppen der 3. Infanterie-Division und der 106. Kavallerie-Gruppe mit Panzern und Kraftwagen aller Art zogen in die Stadt ein.  
    
Um 13:30 Uhr sprach Brigadegeneral Robert N. Young mit Oberst Hans Lepperdinger im [[Hotel Österreichischer Hof]]. Ab 13:45 Uhr wurde durch Lautsprecher ein Ausgehverbot ab 18 Uhr und für den nächsten Tag eine Ausgeherlaubnis von 11 bis 13 Uhr angeordnet. Alle Geschäfte und Gaststätten blieben geschlossen. Die Amerikaner beschlagnahmten für ihre Zwecke sofort Häuser und Wohnungen, die von den Bewohnern innerhalb weniger Stunden geräumt werden mussten. Es gab Klagen der Bevölkerung über die gewaltsame Abnahme von Uhren und Wertgegenständen durch amerikanische Soldaten und andere Übergriffe.  
 
Um 13:30 Uhr sprach Brigadegeneral Robert N. Young mit Oberst Hans Lepperdinger im [[Hotel Österreichischer Hof]]. Ab 13:45 Uhr wurde durch Lautsprecher ein Ausgehverbot ab 18 Uhr und für den nächsten Tag eine Ausgeherlaubnis von 11 bis 13 Uhr angeordnet. Alle Geschäfte und Gaststätten blieben geschlossen. Die Amerikaner beschlagnahmten für ihre Zwecke sofort Häuser und Wohnungen, die von den Bewohnern innerhalb weniger Stunden geräumt werden mussten. Es gab Klagen der Bevölkerung über die gewaltsame Abnahme von Uhren und Wertgegenständen durch amerikanische Soldaten und andere Übergriffe.  

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