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[[Datei:Lager Niederalm Kriegsflüchtlinge.jpg|thumb|Flüchtlingsfamilien vor einer Lagerbaracke.]]Dieser Artikel berichtet über die '''Geschichte''' der [[Flachgau]]er Gemeinde [[Anif]].
== Ur- und Frühgeschichte ==
Der älteste Fund, der bisher im Gemeindegebiet von Anif gemacht wurde, ist ein sogenannter Schuhleistenkeil. Dieser ist in die frühe Jung[[steinzeit]] zu datieren, also in das fünfte Jahrtausend vor Christus. Gefunden wurde es von [[Landesarchäologe]] [[Martin Hell (Landesarchäologe)|Martin Hell]] in der Nähe der ehemaligen Trasse der [[Salzburger Lokalbahn]] in Richtung [[Berchtesgaden]]. In [[Niederalm]] fand man drei Steinäxte aus der Jüngeren Steinzeit im Flussbett der [[Königsseeache]]. Sie könnten aber möglicherweise auch angeschwemmt worden sein. Auch Bronzebeile wurden im Mündungsgebiet der Königsseeache in die [[Salzach]] gefunden. Aus der Zeit um 1800 v. Chr. gibt es Funde am [[Hellbrunnerberg]], die eine Besiedlung nachweisen.
== Römerzeit und Spätantike ==
Die [[Römer]] legten Landgüter an, die vorher bereits von den [[Kelten]] bewohnt waren. So auch im Bereich der Keltensiedlung in [[Hellbrunn]]. Dieser [[Römische Gutshöfe|römische Gutshof]] wurde im Zuge der Anlage des "[[Salzburger Landesrelief]]s" [[1906]] entdeckt. Martin Hell fand [[1945]] einen "[[Römerstein]]" in der Uferböschung der Königsseeache bei Niederalm.
Man fand ein Grab aus dem [[7. Jahrhundert]] mit Grabbeigaben. Die romanische Bevölkerung ist durch ihre Gräber in Anif nachweisbar. Einen ausgedehnten Friedhofs des Früh[[mittelalter]]s wurde in der Nähe der [[Pfarrkirche Anif]] gefunden.
== Mittelalter ==
Im [[6. Jahrhundert|6.]] und 7. Jahrhundert erfolgte die Besiedlung des Flachgaus durch die [[Bajuwaren]], deren Ortsnamen durch die Endsilben ''-ing (-ingen)'' und ''-ham (-heim)'' gekennzeichnet sind. Südlich der Linie, die durch [[Gnigl]], [[Parsch]] und [[Gois (Wals-Siezenheim)|Gois]] markiert ist, finden man durchwegs romanische oder vorromanische Ortsnamen bis in das Gebiet von [[Golling an der Salzach]].
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! Entstehung der Ortsnamen Anif und Niederalm
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| Im [[Salzachtal]] bildet nur [[Puch bei Hallein]] eine Ausnahme, das auf halben Weg zwischen dem romanisch benannten Dörfen [[Rif]] und [[Oberalm (Fluss)|(Ober)Alm]] liegt. Anif rechnet man zur Gruppe der vorromanischen Ortsnamen, jedoch ist die Ableitung nicht völlig gesichert. Anif scheint um [[788]]–[[790]] unter „''Anua''“ auf, im [[10. Jahhundert]] ist „''Anaua''“ belegt, auch in den Formen „''Anva''“ und „''Anava''“, die nach gängiger Ableitung von einer keltischen Form von „''Anapa''“ kommen. In diesem Wort sind gleich zwei Gewässer enthalten: ''anos'', Sumpf und ''apa'', Wasser.
Einfacher ist die Namensherkunft von Niederalm zu erklären. Dieser geht, so wie der Ortsname [[Oberalm]] (siehe [[Oberalm (Gewässer)]]), auf den Gewässernamen "Alm" zurück, die heutige Königsseeache. Oberalm verdankt seinen Namen dem Almfluss aus dem [[Wiestal]], Niederalm hat seinen Namen von dem Fluss aus dem [[Berchtesgadener Land]]. Der Name "Alm" bzw. historisch "Albe" dürfte eine Herleitung vom vordeutschen Begriff "Albina" (vgl. das lateinische „albus“ = weiß), bzw. dem illyrischen "Albhanta" sein und stellt eine Anspielung auf das Weiß des kalkhaltigen Wassers, bzw. des weißen Bachbettes dar.<ref>Quelle 1: [[Oberalm (Gewässer)#Begriffsgeschichte]] mit dortiger Quelle [https://bufus.sbg.ac.at/PDF/FlussverlaufSalzach_2.pdf bufus.sbg.ac.at pdf], Seite 6; Quelle 2: Hofrat DI [[Johann Wiesenegger|Hans Wiesenegger]], Referatsleiter des [[Hydrographischer Dienst des Landes Salzburg|Hydrographischen Dienstes des Landes Salzburg]]; Quelle 3: Chronik von Anif, [[Heinz Dopsch]], Seite 60 und 61</ref>
In der [[Anifer Chronik]] schreibt [[Heinz Dopsch]], Seite 57: ''... verdankt Niederalm der Königsseeache, die auch als Alm bezeichnet wird, seinen Namen. Dir Form Alm [...] geht auf eine ältere, weit verbreitete indogermanische Gruppe für Gewässernamen mit der Bedeutung "weiß" zurück. [...] Die Alm-Gewässer in der Umgebung von Salzburg tragen <nowiki>vor</nowiki>[[Römer|römische]] Namen, die von den [[Romanen]] übernommen und an die [[Bajuwaren|Bayern]] weitergegeben wurden. [...] Der Name des benachbarten Ortes Rif [...] geht auf das lateinische Wort "ripa", "Flussufer", zurück.'' Seite 60: ''... Im Gegensatz zu Anif ist die erste Nennung des Ortes Niederalm nicht exakt zu bestimmen. Da sowohl Oberalm als auch Niederalm nach den Flüssen, an denen sie liegen, den Namen ''Albina'' führen, muss es in den meisten Fällen offen bleiben, ob sich eine Nennung auf Oberalm oder Niederalm bezieht...'' [...] Seite 61: ''Während das erstgenannte Oberalm einfach als ''Albina'' erscheint, folgt kurz darauf Niederalm in der Form von ''Albina inferior''.
Die Ache wurde auch als "Niedere Albe" bezeichnet, die in [[Niederalm]] am orografisch linken Ufer der Salzach mündet. Dies vielleicht zur Unterscheidung von der [[Oberalm (Gewässer)|"Oberen Albe"]], die durch [[Oberalm]] fließt am orografisch rechten Ufer der Salzach mündet.
Die Bezeichnung ''Königsseeache'' oder ''Königssee-Ache'' ist erst seit Mitte des [[19. Jahrhundert]] gebräuchlich.
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788 wurde auch erstmals urkundlich "die Kirche bei Anif" erwähnt. In einem Verzeichnis des [[Benediktiner-Erzabtei St. Peter|Erzstifts St. Peter]] wird Anif dann um [[1100]] wieder erwähnt. Auch die [[Benediktinerinnenabtei Nonnberg]] erwähnt in Dokumenten Besitzungen in Anif und Niederalm. Niederalm wurde für die [[Niederalm#Geschichte#Salzgewinnung der Fürstpropstei Berchtesgaden in Niederalm|Salzgewinnung]] der [[Fürstpropstei Berchtesgaden]] von Bedeutung.
Vom [[Mittelalter]] erhalten steht mitten im Ort gegenüber dem heutigen [[Hotel Friesacher]] der [[Taiding]]<nowiki>tisch</nowiki>, mit der Inschrift: "''Historische Thingstätte (später Landschranne) Anif. Hier wurde im Mittelalter am Montag nach [[Georgitag|Georgi]] das Taiding abgehalten, das Landrecht verkündet, Recht gesprochen.''" Allerdings handelt es sich bei diesem [Anifer] Taidingtisch um kein Original.
Vom [[14. Jahrhundert]] bis [[1805]] gehörte ''Anif'' zum [[Pfleggericht Glanegg]].
== Die Entstehung einer eigenständigen Gemeinde Anif ==
Anif als Gemeinde wurde mit dem Ortsteil Niederalm erst [[1894]] durch ein Gesetz vom [[17. Juli]] von der Marktgemeinde [[Grödig]] getrennt. Später entwickelte sich noch der Ortsteil Neu Anif. Der erste [[Bürgermeister der Gemeinde Anif]] hieß [[Matthias Schnöll]]. Auf ihn folgte 1898 [[Rupert Mayr (senior)|Rupert Mayr]].
== Modernisierungen ab dem 19. Jahrhundert ==
[[1896]] erhielt Anif ein Postamt mit ''öffentlicher Sprechstelle'', dem ersten Telefonanschluss. Private Telefonanschlüsse kamen erst viel später. So erhielt das [[Gemeindeamt Anif|Gemeindeamt]] erst [[1928]] einen Telefonanschluss.
Im Herbst [[1901]] errichtete eine ''Gasbeleuchtungsanstalt'' die erste künstliche Straßenbeleuchtung. Dieses Gaswerk musste jedoch bereits [[1909]] wieder stillgelegt werden.
Die erste Hochspannungsleitung mit 3 000 Volt führt durch den Ort auf der Linie der Anifer Kirche Richtung [[Überackerhof]] und durch Niederalm. Sie wurde kurz vor Ausbruch des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]] errichtet.
Durch das Aufkommen von Fahrrädern gegen Ende des [[19. Jahrhundert]]s musste manche Gehwege für Fahrräder wegen Häufung von Unfällen gesperrt werden. Die Gemeinde Anif führte [[1897]] die verpflichtende Nummerierung von Fahrrädern ein. Die jährliche Gebühr dafür betrug zwei [[Krone]]n.
Die wohl bedeutendste Modernisierung dieser Zeit war die Errichtung der Strecke für die [[Dampftramway]], die [[1886]] ihren Betrieb aus der [[Stadt Salzburg]] kommend bis [[St. Leonhard (Grödig)|St. Leonhard]] aufnahm. [[1910]] wurde die Strecke dann bis zur Station [[Drachenloch]] elektrifiziert.
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! Lokalbahnpläne
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| Die [[Lokale Agenda 21 Salzburg]] Ende des 20. Jahrhunderts war nicht die erste gescheiterte Lokalbahn-Planung zwischen der Stadt Salzburg und [[Hallein]]. Bereits [[1919]] fasste man einen Plan zur Errichtung einer Bahnverbindung von Anif nach Hallein. [[1920]] erhielt die [[Salzburger Eisenbahn- und Tramwaygesellschaft]] vom Staatsamt für Verkehrswesen die Bewilligung zur „''Vornahme technischer Vorarbeiten für eine Lokalbahn von Anif nach Hallein für die Dauer eines Jahres''“. Das Projekt scheiterte letztendlich an der Finanzierung in der damaligen tristen [[Zwischenkriegszeit]].
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Die Straßenbeläge waren bis in die [[1930er]]-Jahre noch aus Sand. Über die Salzach gab es ein Zille, mit der man bis in die späten [[1950er]]-Jahre nach [[Elsbethen]] übersetzen konnte. Sie befand sich beim Überfuhrtwirt (in Elsbethen).
== Das 20. Jahrhundert ==
=== Der Erste Weltkrieg ===
Anfang [[1915]] entstand im heutigen Neu-Anif das [[Lager Niederalm]] für Flüchtlinge als Teil des [[Lager Grödig|Lagers Grödig]]. Neu-Anif bestand damals noch nicht, es gab nur den Namen [[Niederalm]] als Ortsbezeichnung. Ab [[1919]] wurden Teile des Lagers Niederalm als ''Lehrlingserholungsheim Niederalm-Grödig'' genutzt. Nach [[1938]] war dort eine "Führerschule" für die Hitlerjugend untergebracht. In den Jahren [[1944]]–[[1945|45]] wurden wiederum [[Asylwerber in Salzburg|Flüchtlinge]] in den noch bestehenden Baracken untergebracht. In dieser Zeit erhielt die Barackensiedlung den Namen ''Schwabenlager''.
=== Die Zeit der ersten Republik ===
Im [[Wasserschloss Anif]] nahm der bayerische König Ludwig III. am [[7. November]] [[1918]] Zuflucht, während in München der Freistaat Bayern ausgerufen wurde. Am [[12. November]] folgte dann seine [[Anifer Erklärung]].
[[1922]] verlor die Gemeinde das Gebiet von [[Hellbrunn]] und Teile der [[Alpenstraße (Salzburg)|Alpenstraße]] ([[Porsche Alpenstraße]]) an die Stadt Salzburg.
[[1928]] wurden bei Aushubarbeiten Gräber aus der zweiten Hälfte des [[7. Jahrhundert]]s entdeckt.
== 21. Jahrhundert ==
[[2019]] feiert Anif das 125-Jahr-Jubiläum der Gründung der eigenständigen Gemeinde. Die Einwohnerzahl hat sich von 700 Bürgerinnen und Bürgern zu Beginn auf derzeit 4 200 Personen versechsfacht.<ref>[http://anwendung/lkorrj/Index?cmd=detail_ind&nachrid=62065 Salzburger Landeskorrespondenz, 02.08.2019]</ref>
=== Neubau Seniorenwohnhaus Anif auf geschichtsträchtigem Boden ===
Der von der regierenden ÖVP Anif 2008 beschlossene Neubau des Seniorenheims Anif auf einem 8 000 m² großen Grundstück in [[Niederalm]] neben dem [[Schloss Lasseregg]] brachte eine kleine Sensation mit sich. Bei Vorgrabungen entdeckte man Reste eines [[Bajuwaren|bajuwarischen]] Dorfes, das man zwischen dem [[5. Jahrhundert|5.]] und [[8. Jahrhundert]]n. Chr. datiert. Bekannt war ja, dass die Bajuwaren in Salzburg herrschten. [[Rupert von Worms]], der als Landespatron hl. Rupert in die Geschichte einging, wurde vom [[Baiernherzöge in Salzburg|Baiernherzog]] [[Theodo II.]] nach Salzburg berufen. Darüber hinaus, so Univ.-Prof. Dr. [[Heinz Dopsch]] in der Anifer Chronik, nahm man bisher an, dass die Orte südlich der Linie von [[Gnigl]], [[Parsch]] und [[Gois (Wals-Siezenheim)|Gois]] der [[Kelten|keltischen]] Namensgebung zuzurechnen waren.
Aus dieser Sicht erscheint der Fund eines bajuwarischen Dorfes, noch dazu besonderer Größe, tatsächlich eine echte Sensation zu sein. Leider sind die bisher gefundenen Reste optisch so gering, dass sie fotografisch nicht darstellbar sind. Aber die Forscher erhoffen sich nun neue Erkenntnisse über die Besiedlung von Anif Niederalm-<ref>Quelle Recherchen von [[Benutzer:Peter Krackowizer|Peter]] im Frühjahr 2009</ref>
=== Generationendorf Lasseregg ===
: ''Hauptartikel [[Generationendorf Lasseregg]]
Allerdings wurde der ursprünglich Zweck, ein Seniorenheim auf diesem Grundstück zu errichten, nach politischen Streitereien und einer Volksbefragung wieder geändert in eine Wohnanlage für junge Familie, was sich aber Anfang 2011 abermals aus finanziellen Gründen änderte. Das bestehende Seniorenheim soll saniert und modernisiert werden.
=== Anif 2015: Salzburgs Promi-Ort muss sich neu orientieren ===
* [[Anif: Salzburgs Promi-Ort muss sich neu orientieren]], eine Bestandsaufnahme im Mai 2015 vor den [[Bürgermeister der Gemeinde Anif|Bürgermeisterwahlen]] aufgrund des Todes des amtierenden Bürgermeisters Dr. [[Hans Krüger]].
== Fremdenverkehr ==
Noch in den [[1910er]]-Jahren lehnte der Anifer Gemeindeausschuss eine Werbung für eine ''Englische Reklame Bublikation'' [sic!] ab, ''indem ganz wenig Sommerwohnungen in der Gemeinde sind.'' Um zahlungskräftige Touristen anzulocken begann Anif erst in den [[1920er]]-Jahren mit zaghafter Werbung. Es standen [[Ansichtskarten von Salzburg|Ansichtskarten]], unter anderem eine Ansichtskarte [[1932]] nach einem Gemälde von [[Franz Kulstrunk]]. Doch dazu meinte der Anifer Pfarrer [[Josef Kapeller]] [[1926]] „''Der [[Fremdenverkehr]] wächst sich zu einem regelrechten Götzen aus. Die ganze Presse, auch die christliche, weiß er vor sein Joch zu spannen...''“
== Brände ==
: [[1867]]: Großbrand in Anif
: [[1985]], [[4. September]]: Großbrand beim Madlbauer
: [[1989]], [[10. September]]: Großbrand im Zentrum von Anif
: [[1999]], [[9. August]]: Großbrand beim Kastnerbauern
== Weblink ==
* [https://akon.onb.ac.at/#center=u23r9k6qg1cf&zoom=15&query=Salzburg akon.onb.ac.at], historische Ansichtskarten von Anif
== Quelle ==
{{Quelle Anif Geschichte}}
==== Einzelnachweise ====
<references/>
[[Kategorie:Flachgau]]
[[Kategorie:Anif]]
[[Kategorie:Geschichte]]