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Dr. med. '''Karl Erich Rienzner''' (* [[1. August]] [[1899]] in der [[Stadt Salzburg]]) war ein Salzburger Facharzt.
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Dr. med. '''Karl Erich Rienzner''' (* [[1. August]] [[1899]] in der [[Stadt Salzburg]]; † [[27. März]] [[1978]] ebenda) war ein Salzburger Facharzt.
    
== Leben ==
 
== Leben ==
 
=== Eltern ===
 
=== Eltern ===
Sein Vater Dr. [[Karl Riezner]] stammte aus Leisach in [[Osttirol]] und war Arzt. Am [[21. November]] [[1898]] heiratete als 28-jähriger die 22-jährige Nothburg(a) Fi(e)chtner, Tochter des Innsbrucker Metzgermeisters Josef Fi(e)chtner, in der Innsbrucker Pfarrkirche St. Jakob.  
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Sein Vater Dr. [[Karl Rienzner]] stammte aus Leisach in [[Osttirol]] und war Arzt. Am [[21. November]] [[1898]] heiratete als 28-jähriger die 22-jährige Nothburg(a) Fi(e)chtner, Tochter des Innsbrucker Metzgermeisters Josef Fi(e)chtner, in der Innsbrucker Pfarrkirche St. Jakob.  
    
Die beiden zogen in die Stadt Salzburg, wo sie in der [[Sigmund-Haffner-Gasse]] 14 wohnten. Dort hatte Dr. Rienzner auch seine Facharztpraxis für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten. Darüber hinaus war er als k.k. Sanitätsassistent bzw. -konzipist für die [[Salzburger Landesregierung]] tätig.  
 
Die beiden zogen in die Stadt Salzburg, wo sie in der [[Sigmund-Haffner-Gasse]] 14 wohnten. Dort hatte Dr. Rienzner auch seine Facharztpraxis für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten. Darüber hinaus war er als k.k. Sanitätsassistent bzw. -konzipist für die [[Salzburger Landesregierung]] tätig.  
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Am [[12. Mai]] [[1938]] stellte Karl Rienzner den Antrag um Aufnahme in die [[NSDAP]]. Er wurde mit der Nummer 6.343.921 rückwirkend per [[1. Mai]] 1938 in die Partei aufgenommen.
 
Am [[12. Mai]] [[1938]] stellte Karl Rienzner den Antrag um Aufnahme in die [[NSDAP]]. Er wurde mit der Nummer 6.343.921 rückwirkend per [[1. Mai]] 1938 in die Partei aufgenommen.
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Neben der NSDAP gehörte er laut eigenen Angaben im Entnazifizierungsverfahren vom Frühjahr 1939 bis [[25. August]] [[1939]] auch der SA an, er war „als Mitglied des NS-Ärztebundes als Musterungsarzt kommandiert“. Weitere Hinweise über seine Tätigkeit für die SA konnten nicht gefunden werden. Nach dem „Anschluß“ wurde er zur Wehrmacht einberufen, denn im Oktober 1938 inserierte er im „Salzburger Volksblatt“: „Dr. Karl Rienzner jun., Mirabellplatz 6, vom Militärdienst wieder zurück!“24 Möglicherweise hing die Einberufung des Arztes mit der militärischen Mobilmachung im Rahmen der Sudetenkrise zusammen; ein Beleg dafür liegt jedoch nicht vor. Nur wenige Wochen nach seiner Rückkehr, im Dezember 1938, brachte Hildegard Rienzner in Salzburg die gemeinsame Tochter zur Welt25. Vermutlich im Kontext seiner Ernennung zum Primararzt am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder trat er am 30. Juni 1939 aus der katholischen Kirche aus26. Laut eigenen Angaben war Karl Rienzner vom 25. August 1939 bis 1945 als Wehrmachtsarzt im Range eines Stabsarztes der Reserve am Reservelazarett I, zu dem das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder mit Kriegsbeginn umfunktioniert wurde, tätig. Die ersten Wochen des Krieges war er allerdings an der Front. „Den Polenfeldzug habe ich als Unterarzt bei einer Sanitätskompanie mitgemacht.“27
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Neben der NSDAP gehörte er laut eigenen Angaben im Entnazifizierungsverfahren vom Frühjahr 1939 bis [[25. August]] [[1939]] auch der SA an und war „''als Mitglied des NS-Ärztebundes als Musterungsarzt kommandiert''“. Weitere Hinweise über seine Tätigkeit für die SA konnten nicht gefunden werden.  
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== Quelle ==
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Nach dem „Anschluss“ wurde er zur Wehrmacht einberufen, war aber im Oktober 1938 vom Militärdienst wieder zurück! Möglicherweise hing die Einberufung des Arztes mit der militärischen Mobilmachung im Rahmen der Sudetenkrise zusammen; ein Beleg dafür liegt jedoch nicht vor.
* [https://www.stadt-salzburg.at/pdf/dr__karl_erich_rienzner.pdf www.stadt-salzburg.at]
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Nur wenige Wochen nach seiner Rückkehr, im Dezember 1938, brachte Hildegard Rienzner in Salzburg die gemeinsame Tochter zur Welt.
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Vermutlich im Kontext seiner Ernennung zum Primararzt am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder trat er am [[30. Juni]] [[1939]] aus der katholischen Kirche aus.
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Laut eigenen Angaben war Karl Rienzner vom 25. August 1939 bis 1945 als Wehrmachtsarzt im Range eines Stabsarztes der Reserve am Reservelazarett I, zu dem das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder mit Kriegsbeginn umfunktioniert wurde, tätig. Die ersten Wochen des Krieges war er allerdings an der Front. „''Den Polenfeldzug habe ich als Unterarzt bei einer Sanitätskompanie mitgemacht.''“
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=== Entnazifizierung ===
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Nachdem Rienzer nach Ende des Krieges am [[13. Juni]] [[1945]] in der [[Dompfarre]] wieder der katholischen Kirche beitrat, verließ er sie abermals Jahrzehnte später, am [[18. Jänner]] [[1970]].
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Am [[31. Mai]] [[1946]] gab er bei der Kartenstelle Innere Stadt das Meldeblatt zur Registrierung der Nationalsozialisten ab. Darin führte er aus, „''von ? Mai 1938 bis August 1938''“ Parteianwärter und von „''20. August 1938 bis 1945''“ Mitglied der NSDAP gewesen zu sein. Möglicherweise handelte es sich beim [[20. August]] 1938 um jenen Tag, an dem ihm die Mitgliedskarte ausgehändigt wurde. Dass er Mitte Mai 1938 um Aufnahme angesucht und eine Nummer aus dem „Illegalenblock“ erhalten hatte, fand im Entnazifizierungsverfahren keine Erwähnung, mit dem Fragezeichen bei der Angabe des Datums verschleierte er dies zusätzlich. An Grundbesitz gab Rienzner an, einen Anteil am Haus „Bismarkstr 18 (sic)“, heute ''Schwarzstraße'' 18, und ein Stockwerk im Haus [[Goldgasse]] 19 zu besitzen.
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Gleichzeitig mit dem Meldeblatt legte er ein Ansuchen um Streichung bzw. Nichtaufnahme in die Liste der Nationalsozialisten vor, das er im Zuge seiner ersten, im Akt nicht erhaltenen Registrierung bereits am [[7. Jänner]] [[1946]] aufgesetzt und der Staatspolizei in Salzburg übermittelt hatte. Darin gab er zunächst seine Personalien und den beruflichen Werdegang an und wiederholte anschließend seine Angaben zur Parteimitgliedschaft. „''Ausserdem war ich als Mitglied des NS-Ärztebundes, dem ich seit August 1938 angehörte, zwei Mal als ‚Musterungsarzt‘ für die SA tätig. Meine Tätigkeit hatte ich als Arzt und in keiner politischen Funktion auszuüben. (…) Ich bin politisch nie in Erscheinung getreten und habe jedwelche politische Tätigkeit abgelehnt. (…) Anderen Organisationen habe ich nicht angehört und bin, wie schon erwähnt, auch während der Nazizeit nur meiner ärztlichen Tätigkeit nachgekommen und habe in der Wahl meiner Patienten nie nach deren politischen (sic) Vergangenheit gefragt.''“
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Zur Bekräftigung seiner Angaben legte er Schreiben von zwei Bürgen bei. Sowohl der Kriminalrevierinspektor Franz Thalhammer als auch der Strickwarenerzeuger Othmar Hell, die beide 1944 wegen des Verdachts der „Wehrkraftzersetzung“, der „Vorbereitung zum Hochverrat“ und anderer Delikte von der [[Gestapo]] verhaftet und in das Landesgerichtsgefängnis gebracht worden waren, bestätigten Rienzner, dass er sie während der Haftzeit nicht nur medizinisch versorgt, sondern ihnen bei diesen Gelegenheiten auch regelmäßige Treffen mit ihren Gattinnen ermöglicht habe. Zudem attestierten beide dem Arzt eine antinationalsozialistische Haltung, was in derartigen Schreiben als Standardformulierung bezeichnet werden kann. „''Es wäre mir möglich, noch viele andere weitere Zeugen namhaft zu machen''“, so Rienzner.
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Am Ende des Gesuchs stellte er eine politische Motivation für seinen Parteibeitritt in Abrede. „''Vor der Okupation (sic) Österreichs habe ich mich für den Nat.Soz. in keiner Weise betätigt, mein Beitritt zur NSDAP und zum Ärztebund erfolgte lediglich aus beruflichen Interessen um mich vor event. Nachteilen zu schützen. Vorteile habe ich aus meiner Mitgliedschaft keine gehabt.''“
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Ein halbes Jahr später war Karl Rienzner entnazifiziert.
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Dem Akt liegt ein handschriftliches Schreiben vom [[19. August]] [[1947]] bei, demzufolge Dr. Karl Rienzner „Pg. 1938–1945“ und „''S.A. v. Frühjahr 1939–August 39''“ war und nunmehr als minderbelastet eingestuft wurde. Einen Tag später stempelte der zuständige Beamte auf die Rückseite des Meldeblattes „''Vfg. [Verfügung] am 20. Aug. 1947: 1.) Minderbelastet gemäß § 17, Abs. 3 VG 1947''“. Im August 1947 und im April [[1948]] gingen Bestätigungen über die Einstufung von Karl Rienzner an die [[Salzburger Ärztekammer]].
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Nach dem Krieg war er weiterhin als Arzt tätig. Seine Ordination hatte er im Haus Rudolfskai 50. Er starb am 27. März 1978 in Salzburg an den Folgen eines Schlaganfalls.
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== Straßenbenennung ==
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Im Frühjahr [[1980]] begann die Verbauung der „Wirnsberger-Gründe“ in [[Liefering]]. Dies nahm der aus Liefering stammende Johann Kainz sen. zum Anlass, dem Club Liefering „''nach Rücksprache mit Lieferinger Jägern und Fischern''“ zu empfehlen, ein neu entstehendes Straßenstück „''Rienznerweg oder Dr. Karl Rienznerweg''“ zu benennen. „''Die ‚Rienzner‘ waren mit Liefering und mit Lieferings-Fischerei schon seit der Jahrhundertwende als Pächter und Bewirtschafter eng verbunden. Insbesonders hat der vor 2 Jahren verstorbene Med.Rat Dr. Karl Rienzner entgegenkommenderweise ein einst umstrittenes Fischereirecht am Glanbach noch vor seinem Tode im Jahre 1978 dem Besitzstand der Peter Pfenninger-Schenkung einverleibt. Gerade dadurch ist nunmehr eine einheitliche Bewirtschaftung des ganzen Glansystems erreicht und für immerwährende Zeiten zum Wohle Lieferings gesichert worden. Auch die nunmehr erfolgte Überlassung wertvoller, historisch interessanter Dokumente und Schriften aus dem Nachlaß‘ Dr. Karl Rienzners durch die Witwe Frau Hilde Rienzner spricht für diese ehrende Geste.''“ Kainz ersuchte den Club um „''Überprüfung und Weiterleitung eines diesbezügl. Antrages an den Magistrat der Stadt Salzburg''“. Dies geschah einen Monat später. „''Der Club unterstützt dieses Ansuchen seines Ausschußmitgliedes Kainz vollinhaltlich und ersucht höflichst, wenn möglich diesem Wunsch zu entsprechen.''“
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In ihrem Amtsbericht vom [[18. August]] 1980 schlug die Magistratsabteilung II unter Abteilungsvorstand Dr. [[Heinz Klier]] die Benennung von acht Straßenzügen im öffentlichen Raum vor, darunter als „Vorgang 2“ den [[Rienznerweg]], „''eine Privatstraße, an welcher derzeit mehrere Siedlungshäuser entstehen''“ und die vom [[Freudlspergerweg]] in nordwestlicher Richtung abzweigt. Die Anregung der Benennung ging laut Amtsbericht auf die Siedlungsgesellschaft zurück und „''steht im Zusammenhang mit der [[Peter Pfenninger Schenkung Liefering|Peter-Pfenninger-Stiftung]], für welche Medizinalrat Dr. Karl Rienzner viele Leistungen erbracht hat. Dr. Karl Rienzner, geb. 1.8.1899 in Salzburg, gest. 27.3.1978 in Salzburg, war u.a. Primar der Hals-, Nasen-, Ohrenabteilung des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Salzburg, Ehrenmitglied der Salzburger Ärztegesellschaft und Ehrenmitglied der Peter-Pfenninger-Stiftung. Der Benennungsvorschlag wird auch vom ‚Club Liefering‘ unterstützt.''“
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Der Vorschlag fand in allen Instanzen Zustimmung: am [[4. September]] in der Sitzung des Kulturausschusses, am [[8. September]] beim [[Stadtsenat]] und am [[12. September]] im [[Salzburger Gemeinderat|Gemeinderat]], der den von Gemeinderätin Dipl.-Vw. [[Margot Hofer]] ([[FPÖ]]) referierten Amtsvorschlag einstimmig beschloss1.
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== Quelle und Literatur ==
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* [[Johannes Hofinger]]: ''Dr. Karl Rienzner'', in: ''Die Stadt Salzburg im Nationalsozialismus. Biografische Recherchen zu NS-belasteten Straßennamen der Stadt Salzburg.'' URL: https://www.stadt-salzburg.at/pdf/dr_karl_rienzner.pdf. Version 1 – 15. 1. 2019.
    
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