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'''Karl Reinthaler''' (* 18. September 1913 in Villach; † 1. August 200 in Saalfelden) war ein ehemaliger Zeitzeuge, Landtagsabgeordneter und Bürgermeister von Saalfelden.
'''Karl Reinthaler''' (* 18. September 1913 in Villach; † 1. August 200 in Saalfelden) war ein ehemaliger Zeitzeuge, Landtagsabgeordneter und Bürgermeister von Saalfelden.
== Leben ==
== Karl Reinthalers Leben ==
Karl Reinthaler, 1913 in Villach geboren, erlebte bereits als Kind die grausamen Auswirkungen des Krieges: Sein Vater, ein begeisterter Bergsteiger, verlor während des 1. Weltkrieges nach nur wenigen Wochen Fronteinsatz beide Beine. Die im Krieg nicht ausgeheilte Ruhrerkrankung forderte bald darauf ihren Tribut: Reinthaler, gerade neun Jahre alt, verlor 1922 seinen Vater. Als Vermächtnis hinterließ er seinem Sohn jenen Satz, der ihn ein Leben lang begleiten sollte: "Ich kann mein Schicksal mit der Gewissheit ertragen, dass er nie mehr in einen Krieg ziehen muss!"
Karl Reinthaler, 1913 in Villach geboren, erlebte bereits als Kind die grausamen Auswirkungen des Krieges: Sein Vater, ein begeisterter Bergsteiger, verlor während des 1. Weltkrieges nach nur wenigen Wochen Fronteinsatz beide Beine. Die im Krieg nicht ausgeheilte Ruhrerkrankung forderte bald darauf ihren Tribut: Reinthaler, gerade neun Jahre alt, verlor 1922 seinen Vater. Als Vermächtnis hinterließ er seinem Sohn jenen Satz, der ihn ein Leben lang begleiten sollte: "Ich kann mein Schicksal mit der Gewissheit ertragen, dass er nie mehr in einen Krieg ziehen muss!"
Im Laufe seiner Haftzeit leistete er für sich den Schwur, sollte er das Zuchthaus überleben, in der weiteren Folge sein Leben der Allgemeinheit zu widmen.
Im Laufe seiner Haftzeit leistete er für sich den Schwur, sollte er das Zuchthaus überleben, in der weiteren Folge sein Leben der Allgemeinheit zu widmen.
== Nach 1945 ==
== 1945: Neuanfang und politische Karriere ==
Von den Entbehrungen gezeichnet, kehrte Karl Reinthaler 1945 nach Saalfelden zurück. Der militärischen Kapitulation im Jahr 1945 folgte jedoch keineswegs die allgemein verbreitete Einsicht über den Irrweg des Nationalsozialismus. Die "Stunde Null", den vollständigen Bruch mit der NS-Vergangenheit, gab es auf der Ebene der Verfassung und der Ordnung der Institutionen, nicht aber bei den Mentalitäten und Einstellungen. Die tiefe und verbreitete Feindseligkeit der Österreicher gegenüber den Juden, die bereits im 19. Jahrhundert durch Ausgrenzung und Argwohn sichtbar wurde, konnte nicht in einer kurzen Übergangszeit verschwinden. Ebenso war es nicht sofort möglich, die tiefen Gräben zwischen den jeweiligen parteipolitischen Lagern auszuräumen. Die Konflikte der 1. Republik und die bürgerkriegsähnlichen Zustände während des Ständestaates waren dafür noch zu greifbar.
Von den Entbehrungen gezeichnet, kehrte Karl Reinthaler 1945 nach Saalfelden zurück. Der militärischen Kapitulation im Jahr 1945 folgte jedoch keineswegs die allgemein verbreitete Einsicht über den Irrweg des Nationalsozialismus. Die "Stunde Null", den vollständigen Bruch mit der NS-Vergangenheit, gab es auf der Ebene der Verfassung und der Ordnung der Institutionen, nicht aber bei den Mentalitäten und Einstellungen. Die tiefe und verbreitete Feindseligkeit der Österreicher gegenüber den Juden, die bereits im 19. Jahrhundert durch Ausgrenzung und Argwohn sichtbar wurde, konnte nicht in einer kurzen Übergangszeit verschwinden. Ebenso war es nicht sofort möglich, die tiefen Gräben zwischen den jeweiligen parteipolitischen Lagern auszuräumen. Die Konflikte der 1. Republik und die bürgerkriegsähnlichen Zustände während des Ständestaates waren dafür noch zu greifbar.
Und die Entnazifizierung bedeutete in Saalfelden keineswegs nur einen rein bürokratischen Vorgang: Opfer und Täter kannten sich dafür zu gut und waren zudem auch räumlich eng miteinander verbunden. Während rechtliche und politische Konsequenzen gezogen wurden, wurden die sozialen Auswirkungen zu ignorieren versucht und blieben oftmals ungeklärt. An seinem Entschluss, für die Allgemeinheit Positives bewirken zu wollen, hielt Reinthaler aber unbeirrt fest. 1945 wurde er in den Saalfeldener Gemeindevorstand sowie in den Salzburger Landtag gewählt. Schwerer Rheumatismus zwang ihn jedoch, 1948 seine Tätigkeit als Landtagsabgeordneter zurückzulegen. Es folgten sechzehn Jahre als Fraktionsobmann der SPÖ und acht Jahre als Vizebürgermeister, in denen er als Rechts- und Schulreferent auf sich aufmerksam machte.
Und die Entnazifizierung bedeutete in Saalfelden keineswegs nur einen rein bürokratischen Vorgang: Opfer und Täter kannten sich dafür zu gut und waren zudem auch räumlich eng miteinander verbunden. Während rechtliche und politische Konsequenzen gezogen wurden, wurden die sozialen Auswirkungen zu ignorieren versucht und blieben oftmals ungeklärt. An seinem Entschluss, für die Allgemeinheit Positives bewirken zu wollen, hielt Reinthaler aber unbeirrt fest. 1945 wurde er in den Saalfeldener Gemeindevorstand sowie in den Salzburger Landtag gewählt. Schwerer Rheumatismus zwang ihn jedoch, 1948 seine Tätigkeit als Landtagsabgeordneter zurückzulegen. Es folgten sechzehn Jahre als Fraktionsobmann der SPÖ und acht Jahre als Vizebürgermeister, in denen er als Rechts- und Schulreferent auf sich aufmerksam machte.
Ein tragischer Unfall beendete am 1. August 2000 sein Leben abrupt. Drei Tage später, am 4. August 2000, wurde der Saalfeldener Ehrenbürger unter großer Anteilnahme der Saalfeldener Bevölkerung beerdigt.
Ein tragischer Unfall beendete am 1. August 2000 sein Leben abrupt. Drei Tage später, am 4. August 2000, wurde der Saalfeldener Ehrenbürger unter großer Anteilnahme der Saalfeldener Bevölkerung beerdigt.
== Vermächtnis ==
== Karl Reinthalers Vermächtnis ==
Zweieinhalb Jahre später, setzte man ihm ein erstes Andenken: Die SPÖ Saalfelden kaufte jenes Gewerkschaftsheim, an dessen Gründung Reinthaler maßgeblich beteiligt war und benannte es nach ihm „dem Pionier der Arbeiterbewegung in Saalfelden“.
Zweieinhalb Jahre später, setzte man ihm ein erstes Andenken: Die SPÖ Saalfelden kaufte jenes Gewerkschaftsheim, an dessen Gründung Reinthaler maßgeblich beteiligt war und benannte es nach ihm „dem Pionier der Arbeiterbewegung in Saalfelden“.