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| | ==Vom Bau der Schleppbahn bis zum Abriss== | | ==Vom Bau der Schleppbahn bis zum Abriss== |
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| − | ===Planung, Kommissionierung, Genehmigung, Enteignung=== | + | =====Planung, Kommissionierung, Genehmigung, Enteignung===== |
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| | Eine der wesentlichen Baustelleneinrichtungen der Kraftwerksgruppe Glockner-Kaprun war die Schleppbahn. Vor deren Errichtung waren einerseits Planung, Kommissionierung und Genehmigung erforderlich, andererseits die Enteignung der Grundbesitzer. Ein Geschädigter war die Familie Gildemeister, die außer dem [[Schloss Fischhorn]] eine große, damals bereits sehr modern geführte Landwirtschaft besaßen. | | Eine der wesentlichen Baustelleneinrichtungen der Kraftwerksgruppe Glockner-Kaprun war die Schleppbahn. Vor deren Errichtung waren einerseits Planung, Kommissionierung und Genehmigung erforderlich, andererseits die Enteignung der Grundbesitzer. Ein Geschädigter war die Familie Gildemeister, die außer dem [[Schloss Fischhorn]] eine große, damals bereits sehr modern geführte Landwirtschaft besaßen. |
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| | Die Bewilligung zum Bau und Betrieb der Schleppbahn wurde vom Reichsverkehrsminister am [[28. November]] [[1939]] erteilt. | | Die Bewilligung zum Bau und Betrieb der Schleppbahn wurde vom Reichsverkehrsminister am [[28. November]] [[1939]] erteilt. |
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| − | ===Bau, Trassenverlauf und Einsatz der Arbeiter=== | + | =====Bau, Trassenverlauf und Einsatz der Arbeiter===== |
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| | Im Jänner [[1941]] wurde mit dem Bau der Schleppbahntrasse begonnen, im April oder Mai [[1943]] konnte sie fertig gestellt werden. <ref>Anmerkung des Verfassers: zum Fertigstellungszeitpunkt gibt es unterschiedliche Angaben</ref>. Die Trasse führte vom Bahnhof [[Bruck an der Großglocknerstraße|Bruck]] - [[Fusch an der Großglocknerstraße|Fusch]] nach Kaprun. Die Trasse verlief zuerst eben, dann mit einigen Steigungen und einer S-Kurve Richtung Westen, bzw. Süd-Westen. Im Ortsbereich von Kaprun erfolgte ein 130 m langer Tunnelbau zur Untertunnelung des Kirchbichls. Die Bahn war normalspurig, 6,8 km lang und endete im so genannten ''Kapruner Winkl'', wo sich ein dreigleisiger Endbahnhof befand. Eines der Gleise führte zum 250 m weiter südlich gelegenen Krafthaus, ein zweites zur Freiluftschaltanlage am orographisch rechten [[Salzach]]ufer. | | Im Jänner [[1941]] wurde mit dem Bau der Schleppbahntrasse begonnen, im April oder Mai [[1943]] konnte sie fertig gestellt werden. <ref>Anmerkung des Verfassers: zum Fertigstellungszeitpunkt gibt es unterschiedliche Angaben</ref>. Die Trasse führte vom Bahnhof [[Bruck an der Großglocknerstraße|Bruck]] - [[Fusch an der Großglocknerstraße|Fusch]] nach Kaprun. Die Trasse verlief zuerst eben, dann mit einigen Steigungen und einer S-Kurve Richtung Westen, bzw. Süd-Westen. Im Ortsbereich von Kaprun erfolgte ein 130 m langer Tunnelbau zur Untertunnelung des Kirchbichls. Die Bahn war normalspurig, 6,8 km lang und endete im so genannten ''Kapruner Winkl'', wo sich ein dreigleisiger Endbahnhof befand. Eines der Gleise führte zum 250 m weiter südlich gelegenen Krafthaus, ein zweites zur Freiluftschaltanlage am orographisch rechten [[Salzach]]ufer. |
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| | Sie wurden hauptsächlich von französischen Kriegsgefangenen durchgeführt. Die Arbeiten erfolgten bei unzureichender Bekleidung und Ausrüstung auch in den strengen Wintermonaten der Winter [[1940]]/[[1941]], [[1941]]/[[1942]] und [[1942]]/[[1943]]. Das heutige Salzachbrückenwirtshaus, seinerzeit Barackenwirt genannt, erinnert noch an die damaligen Arbeiterbaracken. Zur Befestigung des Trassenunterbaues wurde Schotter aus dem [[Diabaswerk Saalfelden]] und Moränenschotter aus dem Aushub des Krafthauses aufgeschüttet. | | Sie wurden hauptsächlich von französischen Kriegsgefangenen durchgeführt. Die Arbeiten erfolgten bei unzureichender Bekleidung und Ausrüstung auch in den strengen Wintermonaten der Winter [[1940]]/[[1941]], [[1941]]/[[1942]] und [[1942]]/[[1943]]. Das heutige Salzachbrückenwirtshaus, seinerzeit Barackenwirt genannt, erinnert noch an die damaligen Arbeiterbaracken. Zur Befestigung des Trassenunterbaues wurde Schotter aus dem [[Diabaswerk Saalfelden]] und Moränenschotter aus dem Aushub des Krafthauses aufgeschüttet. |
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| − | ===Betrieb der Schleppbahn=== | + | =====Betrieb der Schleppbahn===== |
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| | Die Schleppbahn diente hauptsächlich dem Transport von Baumaterial, vor allem von Zement und Betonzusatzmitteln. Der Zement stammte aus den Portlandwerken in Kirchbichl in Tirol und wurde von Kufstein in Erzwaggons über die [[Westbahn]] nach Bruck-Fusch transportiert, wo die Waggons von der Lok der Schleppbahn übernommen und zur Umladestation in Kaprun weitergeführt wurden. Dazu wurden zwischen Kufstein und Bruck-Fusch eigene Züge nach gesondertem Fahrplan eingesetzt. In den Jahren [[1953]] bis [[1955]] waren es 6800 Erzwaggonladungen in 360 Zügen mit offenem Zement. Der Sack-Zement wurde in so genannten ''G-Waggons'' geliefert. In den ersten Betriebsjahren diente die Schleppbahn aber auch dem Transport der Arbeiter, der in entliehenen alten Tramwagen erfolgte. Die Aufgaben der anfangs eingesetzten Dampflok erfüllte später eine 360 PS starke Diesellokomotive. An Waggons waren je ein vier- und ein zweiachsiger Plattformwagen und zwei Niederbordwagen im Einsatz. Die Intensität des Betriebes der Bahn war während der Bauphasen hoch und reduzierte sich nach Fertigstellung der großen Kraftwerksanlagen auf gelegentliche Fahrten. Neben den angeführten Baumaterialien wurden mit der Schleppbahn auch große Maschinen und Maschinenteile nach Kaprun geliefert, z.B. am [[19. Mai]] [[1951]] „Läufer“ der Fa. Elin mit 160 Tonnen Eigengewicht. | | Die Schleppbahn diente hauptsächlich dem Transport von Baumaterial, vor allem von Zement und Betonzusatzmitteln. Der Zement stammte aus den Portlandwerken in Kirchbichl in Tirol und wurde von Kufstein in Erzwaggons über die [[Westbahn]] nach Bruck-Fusch transportiert, wo die Waggons von der Lok der Schleppbahn übernommen und zur Umladestation in Kaprun weitergeführt wurden. Dazu wurden zwischen Kufstein und Bruck-Fusch eigene Züge nach gesondertem Fahrplan eingesetzt. In den Jahren [[1953]] bis [[1955]] waren es 6800 Erzwaggonladungen in 360 Zügen mit offenem Zement. Der Sack-Zement wurde in so genannten ''G-Waggons'' geliefert. In den ersten Betriebsjahren diente die Schleppbahn aber auch dem Transport der Arbeiter, der in entliehenen alten Tramwagen erfolgte. Die Aufgaben der anfangs eingesetzten Dampflok erfüllte später eine 360 PS starke Diesellokomotive. An Waggons waren je ein vier- und ein zweiachsiger Plattformwagen und zwei Niederbordwagen im Einsatz. Die Intensität des Betriebes der Bahn war während der Bauphasen hoch und reduzierte sich nach Fertigstellung der großen Kraftwerksanlagen auf gelegentliche Fahrten. Neben den angeführten Baumaterialien wurden mit der Schleppbahn auch große Maschinen und Maschinenteile nach Kaprun geliefert, z.B. am [[19. Mai]] [[1951]] „Läufer“ der Fa. Elin mit 160 Tonnen Eigengewicht. |
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| − | ===Einstellung, Auflassung und Abriss=== | + | =====Einstellung, Auflassung und Abriss===== |
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| | Der Betrieb der Schleppbahn durch die TKW wurde im Jahr [[1969]] eingestellt. Die Betriebsführung wurde mittels Vertragsabschluss im Jahr [[1969]] der ÖBB überlassen. Nun gab es nur mehr Fahrten zur Instandhaltung der Trasse, u.a. zum Einsatz von Unkrautvertilgungsmitteln. Am [[24. Juni]] [[1985]] erfolgte der Vorstandsbeschluss der [[Tauernkraftwerke AG|TKW]] über die Auflassung der Bahn. Die Gleisanlagen wurden erst im Jahr [[1988]] abgebaut. Das Schienenmaterial konnte von der IG Museumstramway, Betreiber der Museumsbahn in Mariazell, erworben werden. <ref>Anmerkung des Verfassers: Die Mariazeller-Museumsbahn führt vom Bahnhof Mariazell, der im Gemeindebereich von St. Sebastian – die nördlichste Gemeinde der Steiermark – liegt, zum Erlaufsee</ref>. | | Der Betrieb der Schleppbahn durch die TKW wurde im Jahr [[1969]] eingestellt. Die Betriebsführung wurde mittels Vertragsabschluss im Jahr [[1969]] der ÖBB überlassen. Nun gab es nur mehr Fahrten zur Instandhaltung der Trasse, u.a. zum Einsatz von Unkrautvertilgungsmitteln. Am [[24. Juni]] [[1985]] erfolgte der Vorstandsbeschluss der [[Tauernkraftwerke AG|TKW]] über die Auflassung der Bahn. Die Gleisanlagen wurden erst im Jahr [[1988]] abgebaut. Das Schienenmaterial konnte von der IG Museumstramway, Betreiber der Museumsbahn in Mariazell, erworben werden. <ref>Anmerkung des Verfassers: Die Mariazeller-Museumsbahn führt vom Bahnhof Mariazell, der im Gemeindebereich von St. Sebastian – die nördlichste Gemeinde der Steiermark – liegt, zum Erlaufsee</ref>. |