Änderungen

312 Bytes hinzugefügt ,  10:48, 25. Dez. 2019
Erg ~~~~
Zeile 12: Zeile 12:  
Etwa hundert Jahre später griff Fürsterzbischof [[Sigismund III. Christoph Graf Schrattenbach]] den alten Gedanken wieder auf. Eine Kommission befürwortete jedoch die Errichtung eines Tunnels. Die Planung und technische Durchführung wurde [[1759]] dem Leiter des Salzburger Bauwesens, dem Baukommissar und Hofkammerrat [[Johann Elias von Geyer]] übertragen. Die Brüder Hagenauer, Architekt [[Johann Baptist Hagenauer]] und Hofbauverwalter [[Wolfgang Hagenauer]], wollten dieses Projekt ebenso umsetzen und insbesondere die Portale prunkvoll gestalten. Zwischen Geyer und den ebenfalls in erzbischöflichen Diensten stehenden Brüdern Hagenauer kam es wegen des Umfanges des Mönchsbergdurchstichs und der Fassadengestaltung der beiden Tore zu starken Differenzen. In beiden Fällen entschied sich der Erzbischof zugunsten der Brüder Hagenauer. Statt der von Geyer vorgeschlagenen 18 Schuh Breite und 24 Schuh Höhe wurden die Maße um jeweils sechs Schuh hinaufgesetzt (ein Salzburger Schuh entspricht etwa 29 Zentimetern). Der Tunnel wurde am [[14. Mai]] [[1764]] begonnen. Am [[2. September]] [[1765]] erfolgte der Durchstich des Berges und [[1766]] seine Eröffnung.   
 
Etwa hundert Jahre später griff Fürsterzbischof [[Sigismund III. Christoph Graf Schrattenbach]] den alten Gedanken wieder auf. Eine Kommission befürwortete jedoch die Errichtung eines Tunnels. Die Planung und technische Durchführung wurde [[1759]] dem Leiter des Salzburger Bauwesens, dem Baukommissar und Hofkammerrat [[Johann Elias von Geyer]] übertragen. Die Brüder Hagenauer, Architekt [[Johann Baptist Hagenauer]] und Hofbauverwalter [[Wolfgang Hagenauer]], wollten dieses Projekt ebenso umsetzen und insbesondere die Portale prunkvoll gestalten. Zwischen Geyer und den ebenfalls in erzbischöflichen Diensten stehenden Brüdern Hagenauer kam es wegen des Umfanges des Mönchsbergdurchstichs und der Fassadengestaltung der beiden Tore zu starken Differenzen. In beiden Fällen entschied sich der Erzbischof zugunsten der Brüder Hagenauer. Statt der von Geyer vorgeschlagenen 18 Schuh Breite und 24 Schuh Höhe wurden die Maße um jeweils sechs Schuh hinaufgesetzt (ein Salzburger Schuh entspricht etwa 29 Zentimetern). Der Tunnel wurde am [[14. Mai]] [[1764]] begonnen. Am [[2. September]] [[1765]] erfolgte der Durchstich des Berges und [[1766]] seine Eröffnung.   
   −
Zum Schmuck der Portale entwarf Johann Baptist Hagenauer zwei Huldigungen an den damalige Landesfürsten Sigismund Graf Schrattenbach. Auf der Stadtseite befindet sich sein Porträt-Reliefbild mit der monumentalen lateinischen Inschrift ''"Te saxa loquuntur"'' (''Von dir sprechen die Steine''). Fürsterzbischof von Schrattenbach war der einzige Erzbischof, der sich mit einem Bildnis auf einem öffentlichen Gebäude in der Innenstadt abbilden ließ. Auf der Riedenburger Seite steht über dem Wappen des Erzbischofs eine überlebensgroße Statue seines Namenspatrons, des hl. Sigismund, dargestellt als römischer Krieger mit federgeschmücktem Kronenhelm, Marschallstab und Palmzweig sowie verschiedenem Kriegsgerät. Zudem sollte in der Riedenburg das [[Bollwerk|Vorwerk]] in Form eines Ruinenparks gestaltet werden. Dieser Park wurde durch den Tod Sigismunds [[1772]] nicht mehr ausgeführt. <ref>[https://www.traunsteiner-tagblatt.de/das-traunsteiner-tagblatt/chiemgau-blaetter/chiemgau-blaetter-2019_ausgabe,-ein-meisterwerk-der-kunst-und-der-technik-_chid,876.html Traunsteiner Tagblatt, 5. Juni 2010]</ref>
+
Zum Schmuck der Portale entwarf Johann Baptist Hagenauer zwei Huldigungen an den damalige Landesfürsten Sigismund Graf Schrattenbach. Auf der Stadtseite befindet sich sein Porträt-Reliefbild mit der monumentalen lateinischen Inschrift ''"Te saxa loquuntur"'' (''Von dir sprechen die Steine''). Fürsterzbischof von Schrattenbach war der einzige Erzbischof, der sich mit einem Bildnis auf einem öffentlichen Gebäude in der Innenstadt abbilden ließ. Auf der Riedenburger Seite steht über dem Wappen des Erzbischofs eine überlebensgroße Statue seines Namenspatrons, des hl. Sigismund, dargestellt als römischer Krieger mit Feder geschmücktem Kronenhelm, Marschallstab und Palmzweig sowie verschiedenem Kriegsgerät. Zudem sollte in der Riedenburg das [[Bollwerk|Vorwerk]] in Form eines Ruinenparks gestaltet werden. Dieser Park wurde durch den Tod Sigismunds [[1772]] nicht mehr ausgeführt. <ref>[https://www.traunsteiner-tagblatt.de/das-traunsteiner-tagblatt/chiemgau-blaetter/chiemgau-blaetter-2019_ausgabe,-ein-meisterwerk-der-kunst-und-der-technik-_chid,876.html Traunsteiner Tagblatt, 5. Juni 2010]</ref>
    
Bis ins spätere [[19. Jahrhundert]] war das Neutor von einem Zwinger geschützt, der mit einem Steckentor (d. h. mit Palisaden) geschlossen werden konnte. Um 1830 bestanden auf der Südseite noch ein k.k. Maut- und ein k.k. Wachhaus.
 
Bis ins spätere [[19. Jahrhundert]] war das Neutor von einem Zwinger geschützt, der mit einem Steckentor (d. h. mit Palisaden) geschlossen werden konnte. Um 1830 bestanden auf der Südseite noch ein k.k. Maut- und ein k.k. Wachhaus.
    
== Kurioses ==
 
== Kurioses ==
An beiden Einfahrtseiten des Sigmundstores waren um 1896 Schilder angebracht mit der Aufschrift: „''Peitschenknallen verboten''“. Das war zweifellos sinnvoll, denn der schussähnlich wirkende Knall hätte so manches Pferd zum Durchgehen veranlasst.<ref>Quelle: Persönliches Gespräch von [[Benutzer:Gattermair]] mit [[Hans Seefeldner]]</ref>  
+
An beiden Seiten der Einfahrt zum Sigmundstor waren um 1896 Schilder angebracht mit der Aufschrift: „''Peitschenknallen verboten''“. Das war zweifellos sinnvoll, denn der schussähnlich wirkende Knall hätte so manches Pferd zum Durchgehen veranlasst.<ref>Quelle: Persönliches Gespräch von [[Benutzer:Gattermair]] mit [[Hans Seefeldner]]</ref>  
    
Im Neutor betrug Anfang der Motorisierung um 1900 die zulässige Höchstgeschwindigkeit für Fahrzeuge sechs Stundenkilometer<ref>Quelle ''Kronland Salzburg, historische Fotografien von 1850 bis 1918,'' [[Salzburger Museum Carolino Augusteum]], Wolfram Morath (Hrsg.), 2000, ISBN 3-901014-68-3</ref>
 
Im Neutor betrug Anfang der Motorisierung um 1900 die zulässige Höchstgeschwindigkeit für Fahrzeuge sechs Stundenkilometer<ref>Quelle ''Kronland Salzburg, historische Fotografien von 1850 bis 1918,'' [[Salzburger Museum Carolino Augusteum]], Wolfram Morath (Hrsg.), 2000, ISBN 3-901014-68-3</ref>
    
== Kunst ==
 
== Kunst ==
Am Nordportal befinden sich links und rechts Reliefs der Medusa. Nach der griechischen Mythologie war Medusa eine Schöonheit, der Männer und Götter erlagen. Der Gott Poseidon nahm sie auf dem Altar der Pallas Athene mit Gewalt. Die eifersüchtige Göttin verwandelte daraufhin Medusa in ein Ungeheuer mit Schlangenhaar. Wer sie anschaute wurde versteinert. Erst der Held Perseus konnte sie bezwingen, indem er ihr einen Spiegel vorhielt und sie enthauptete.  
+
Am Stadtportal an der Ostseite des Neutores befinden sich links und rechts je ein ''"Medusa"''-[[:Kategorie:Datei:Relief|Relief]]. In der griechischen Mythologie war Medusa eine Schönheit, der die Männer und die Götter gleichermaßen erlagen. Doch sie verweigerte sich. Der Gott Poseidon nahm sie auf dem Altar der Pallas Athene mit Gewalt. Die eifersüchtige Göttin verwandelte daraufhin Medusa in ein Ungeheuer mit Schlangenhaar. Wer sie anschaute, wurde versteinert. Erst der Held Perseus konnte sie bezwingen, indem er ihr einen Spiegel vorhielt und Medusa enthauptete. Das Haupt der toten Medusa diente fortan dem Helden Perseus und später auch dem Helden Herakles als schützendes Amulett und Waffe zugleich. Der Zauber der Pallas Athene wirkte ja weiter.  
   −
Aber warum Medusen auf dem Neutorportal? Johann Baptist Hagenauer hatte in Italien studiert. Das inspirierte ihn wohl zu klassizistischeren Formen. Medusenhäupter dienten als Abwehrzauber, als Schutz vor Unheil und dem bösen Blick. Ihre Rolle in Salzburg ist am ehesten mit der von Wächterinnen zu erklären.<ref>Quelle [[Salzburger Nachrichten]] vom 8. November 2019, ein Beitrag von [[Daniele Pabinger]] in der Kolumne [[Kulturklauberin]];</ref>
+
Warum zwei Medusen am Neutor? Johann Baptist Hagenauer hatte in Italien studiert. Das inspirierte ihn wohl zu Formen und Bildschmuck der klassischen Antike (=Renaissance). Ihre Funktion am Neutor ist am ehesten mit der von Wachen zu erklären. Der böse Blick der beiden Medusen soll als Schutz vor Unheil dienen.<ref>Quelle [[Salzburger Nachrichten]] vom 8. November 2019, ein Beitrag von [[Daniele Pabinger]] in der Kolumne [[Kulturklauberin]];</ref>
    
Für die Statue des hl. Sigismund als Bekrönung des Tores am Riedenburger Portal wurde ein 14 Schuh hohen [[Marmor]]blocks von einem Steinbruch am [[Untersberg]] geholt. Der Transport gestaltete sich dramatisch. Neunzehn Paar Pferde zogen den Block in Tagesetappen zu jeweils zehn bis zwölf Schritt. Als der Transport dann die Stadt erreicht hatte, waren die Straßen dichtgedrängt von Schaulustigen gefüllt.<ref>Quelle [https://www.traunsteiner-tagblatt.de/das-traunsteiner-tagblatt/chiemgau-blaetter/chiemgau-blaetter-2019_ausgabe,-ein-meisterwerk-der-kunst-und-der-technik-_chid,876.html www.traunsteiner-tagblatt.de], abgefragt 20. Dezember 2019</ref>
 
Für die Statue des hl. Sigismund als Bekrönung des Tores am Riedenburger Portal wurde ein 14 Schuh hohen [[Marmor]]blocks von einem Steinbruch am [[Untersberg]] geholt. Der Transport gestaltete sich dramatisch. Neunzehn Paar Pferde zogen den Block in Tagesetappen zu jeweils zehn bis zwölf Schritt. Als der Transport dann die Stadt erreicht hatte, waren die Straßen dichtgedrängt von Schaulustigen gefüllt.<ref>Quelle [https://www.traunsteiner-tagblatt.de/das-traunsteiner-tagblatt/chiemgau-blaetter/chiemgau-blaetter-2019_ausgabe,-ein-meisterwerk-der-kunst-und-der-technik-_chid,876.html www.traunsteiner-tagblatt.de], abgefragt 20. Dezember 2019</ref>