Änderungen

keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 18: Zeile 18:  
:::: Fazit: Es handelt sich bei der Tötung unweit von Marburg entweder um eine Hinrichtung im Auftrag der staatlichen Autorität, also des zuständigen Kurfürsten - und dann sehr wahrscheinlich mit Zustimmung von König Heinrich VII. - oder um eine Hinrichtung aufgrund einer Notwehrsituation mit Billigung des zuständigen Kurfürsten. Siehe dazu beispielsweise die Deutung im Artikel "Konrad von Marburg ist einer der ersten Inquisitoren des Mittelalters. Er errichtet ein Regime der Angst – bis eines seiner Opfer sich wehrt" unter https://www.zeit.de/zeit-geschichte/2014/03/inquisition-konrad-von-marburg . Die moderne Rezeption der Tat spricht zwar inhaltlich gegen die Erfüllung des Tatbestandes "Mord", also eine Tötung mit Heimtücke oder aus niederen Beweggründen (Tatbestandsmerkmale siehe oben), aber verwendet wohl aus juristischer Unkenntnis den Begriff "Mord" bzw. "ermordet" trotzdem unreflektiert, beispielsweise im interessanten Beitrag von Bettina Sonja Ohler in "Die Anfänge der Inquisition / Konrad von Marburg" unter https://www.grin.com/document/105666 oder im Text von Prof. Dr. Alexander Patschovsky "Konrad von Marburg: Der erbarmungslose Inquisitor" unter https://www.wissenschaft.de/magazin/weitere-themen/der-erbarmungslose-inquisitor/ .
 
:::: Fazit: Es handelt sich bei der Tötung unweit von Marburg entweder um eine Hinrichtung im Auftrag der staatlichen Autorität, also des zuständigen Kurfürsten - und dann sehr wahrscheinlich mit Zustimmung von König Heinrich VII. - oder um eine Hinrichtung aufgrund einer Notwehrsituation mit Billigung des zuständigen Kurfürsten. Siehe dazu beispielsweise die Deutung im Artikel "Konrad von Marburg ist einer der ersten Inquisitoren des Mittelalters. Er errichtet ein Regime der Angst – bis eines seiner Opfer sich wehrt" unter https://www.zeit.de/zeit-geschichte/2014/03/inquisition-konrad-von-marburg . Die moderne Rezeption der Tat spricht zwar inhaltlich gegen die Erfüllung des Tatbestandes "Mord", also eine Tötung mit Heimtücke oder aus niederen Beweggründen (Tatbestandsmerkmale siehe oben), aber verwendet wohl aus juristischer Unkenntnis den Begriff "Mord" bzw. "ermordet" trotzdem unreflektiert, beispielsweise im interessanten Beitrag von Bettina Sonja Ohler in "Die Anfänge der Inquisition / Konrad von Marburg" unter https://www.grin.com/document/105666 oder im Text von Prof. Dr. Alexander Patschovsky "Konrad von Marburg: Der erbarmungslose Inquisitor" unter https://www.wissenschaft.de/magazin/weitere-themen/der-erbarmungslose-inquisitor/ .
 
:::: Für die deutliche Notwehrsituation spräche neben der Mordbilanz des römisch beauftragten Konrad Krötenritt auch der Umstand, dass dieser sich mit dem versuchten Inquisitions-Mord an Graf Heinrich III. von Sayn und dessen Familie möglicherweise Zugriff auf dessen Pflegekinder, nämlich die Kinder der Elisabeth von Thüringen verschaffen wollte. Konrad Krötenritt war eine schlimme Gestalt.
 
:::: Für die deutliche Notwehrsituation spräche neben der Mordbilanz des römisch beauftragten Konrad Krötenritt auch der Umstand, dass dieser sich mit dem versuchten Inquisitions-Mord an Graf Heinrich III. von Sayn und dessen Familie möglicherweise Zugriff auf dessen Pflegekinder, nämlich die Kinder der Elisabeth von Thüringen verschaffen wollte. Konrad Krötenritt war eine schlimme Gestalt.
:::: "In einer päpstlichen Reform der Ketzerverfolgung sah Papst Gregor IX. die Chance, Macht und Ansehen des Heiligen Stuhls zu stärken. Auf Kosten der Ortsbischöfe. Nur ihm, nur dem Papst selber sollte sie verantwortlich sein, die neue, zentrale, streng legale Inquisition. In Deutschland sollte die Reform beginnen. 1231 ernannte der Papst den Beichtvater der heiligen Elisabeth von Thüringen, den Weltpriester Konrad von Marburg, zum Inquisitor für ganz „Teutonia“. Es war eine personelle Fehlentscheidung schlimmster Art. Wohl galt Konrad von Marburg als unbestechlich und als unerschrocken gegenüber weltlichen Behörden. Aber schon als Beichtvater der heiligen Elisabeth zeigte er merkwürdige Regungen. „Usque ad camisiam – bis aufs Hemd“ ausgezogen, musste sich die 18-jährige Heilige zu seinen Füssen niederwerfen, worauf Konrad sie persönlich auspeitschte oder sie durch seine Knechte prügeln ließ, während er selber genussreich den Bußpsalm Miserere sang. Es lag in der Logik eines solchen Charakters, dass ihm die neue Würde eines Inquisitors für Teutonien wahnsinnig in den Kopf stieg. Statt, wie ihm der Papst aufgetragen hatte, eine korruptionsfreie Gerichtsbarkeit gegen die Ketzer aufzubauen, raste Ketzermeister Konrad in einem wahren Amoklauf quer durch Deutschland. [...] Und so ging es, Ketzer mordend, Ketzer brennend, quer durchs deutsche Land. Bis endlich, am 30. Juli 1233, ein paar couragierte Edelleute – durchaus fromme katholische Laien – den amoklaufenden Inquisitor packten und ihn, wohl in der Nähe von Marburg, totschlugen. Durch ganz Deutschland ging, wie stets in solchen Fällen, der Aufschrei der Erleichterung: Nie wieder so etwas! Nie wieder Inquisition! [...] Was die deutschen Inquisitoren betrifft, so brauchten sie gar nicht in den Streik zu treten. Sie waren regelrecht ausgesperrt. Wohl hatte der Papst aus den Dominikanerklöstern von Straßburg, Salzburg und Köln neue Inquisitoren für Deutschland bestellt. Nach dem Amoklauf Konrads von Marburg schlug ihnen jedoch ein solcher Hass entgegen, nicht nur aus dem Volk, sondern auch aus den staatlichen Behörden, dass sie keinen Finger mehr gegen die Ketzer rühren konnten."  https://www.vatican-magazin.de/epaper/streik-bei-der-heiligen-inquisition-10-2017.html
+
:::: "In einer päpstlichen Reform der Ketzerverfolgung sah Papst Gregor IX. die Chance, Macht und Ansehen des Heiligen Stuhls zu stärken. Auf Kosten der Ortsbischöfe. Nur ihm, nur dem Papst selber sollte sie verantwortlich sein, die neue, zentrale, streng legale Inquisition. In Deutschland sollte die Reform beginnen. 1231 ernannte der Papst den Beichtvater der heiligen Elisabeth von Thüringen, den Weltpriester Konrad von Marburg, zum Inquisitor für ganz „Teutonia“. Es war eine personelle Fehlentscheidung schlimmster Art. Wohl galt Konrad von Marburg als unbestechlich und als unerschrocken gegenüber weltlichen Behörden. Aber schon als Beichtvater der heiligen Elisabeth zeigte er merkwürdige Regungen. „Usque ad camisiam – bis aufs Hemd“ ausgezogen, musste sich die 18-jährige Heilige zu seinen Füssen niederwerfen, worauf Konrad sie persönlich auspeitschte oder sie durch seine Knechte prügeln ließ, während er selber genussreich den Bußpsalm Miserere sang. Es lag in der Logik eines solchen Charakters, dass ihm die neue Würde eines Inquisitors für Teutonien wahnsinnig in den Kopf stieg. Statt, wie ihm der Papst aufgetragen hatte, eine korruptionsfreie Gerichtsbarkeit gegen die Ketzer aufzubauen, raste Ketzermeister Konrad in einem wahren Amoklauf quer durch Deutschland. [...] Und so ging es, Ketzer mordend, Ketzer brennend, quer durchs deutsche Land. Bis endlich, am 30. Juli 1233, ein paar couragierte Edelleute – durchaus fromme katholische Laien – den amoklaufenden Inquisitor packten und ihn, wohl in der Nähe von Marburg, totschlugen. Durch ganz Deutschland ging, wie stets in solchen Fällen, der Aufschrei der Erleichterung: Nie wieder so etwas! Nie wieder Inquisition!".
 +
:::: Und nach der Einsetzung der Dominkaner als Leiter der Inquisition durch die römische Kirche: "Päpstliche Beamte, sogenannte Pönitentiare, kamen regelmäßig nach Norden gereist, um bereits überführten und verurteilten Ketzern gegen viel Geld römische Freisprüche zu verkaufen. 1249, nach sechzehn Jahren redlichem Bemühen, wurde es den Dominikanern von Toulouse zuviel. Sie traten in den Streik. Sofort griff der Streik auf „la France“ über, das heutige Nordfrankreich. Was die deutschen Inquisitoren betrifft, so brauchten sie gar nicht in den Streik zu treten. Sie waren regelrecht ausgesperrt. Wohl hatte der Papst aus den Dominikanerklöstern von Straßburg, Salzburg und Köln neue Inquisitoren für Deutschland bestellt. Nach dem Amoklauf Konrads von Marburg schlug ihnen jedoch ein solcher Hass entgegen, nicht nur aus dem Volk, sondern auch aus den staatlichen Behörden, dass sie keinen Finger mehr gegen die Ketzer rühren konnten."  https://www.vatican-magazin.de/epaper/streik-bei-der-heiligen-inquisition-10-2017.html
 
:::: "Das Land aber atmet auf, "in heiterer Milde", wie die Chronisten verzeichnen. Auf Konrad folgt in Deutschland lange Zeit kein neuer Ketzerrichter." ( https://www.zeit.de/zeit-geschichte/2014/03/inquisition-konrad-von-marburg ) - die Hinrichtung des bösartigen Massenmörders Konrad Krötenritt sei es aufgrund eines pfalzgräflichen Richterspruches, sei es im Sinne einer pfalzgräflich und königlich geduldeten Notwehrmaßnahme durch die Grafen von Sayn und ihre wackeren Dernbacher Ritter war erfolgreich. --[[Benutzer:Hagenau|Hagenau]] ([[Benutzer Diskussion:Hagenau|Diskussion]]) 15:36, 21. Sep. 2019 (UTC)
 
:::: "Das Land aber atmet auf, "in heiterer Milde", wie die Chronisten verzeichnen. Auf Konrad folgt in Deutschland lange Zeit kein neuer Ketzerrichter." ( https://www.zeit.de/zeit-geschichte/2014/03/inquisition-konrad-von-marburg ) - die Hinrichtung des bösartigen Massenmörders Konrad Krötenritt sei es aufgrund eines pfalzgräflichen Richterspruches, sei es im Sinne einer pfalzgräflich und königlich geduldeten Notwehrmaßnahme durch die Grafen von Sayn und ihre wackeren Dernbacher Ritter war erfolgreich. --[[Benutzer:Hagenau|Hagenau]] ([[Benutzer Diskussion:Hagenau|Diskussion]]) 15:36, 21. Sep. 2019 (UTC)
76

Bearbeitungen