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| | [[Datei:Wurmwinkl_Alm.jpg|thumb|[[Wurmwinkl-Alm]] in der [[Osterhorngruppe]]]] | | [[Datei:Wurmwinkl_Alm.jpg|thumb|[[Wurmwinkl-Alm]] in der [[Osterhorngruppe]]]] |
| | [[Datei:Glücksschweinchen im Ferleitental.jpg|thumb|[[Hausschwein]] auf einer Alm im Ferleitental]] | | [[Datei:Glücksschweinchen im Ferleitental.jpg|thumb|[[Hausschwein]] auf einer Alm im Ferleitental]] |
| − | Unter '''Almwirtschaft''' versteht man die Sommerbewirtschaftung höher gelegener Fluren mit Vieh. | + | Unter '''Almwirtschaft''' versteht man die Sommerbewirtschaftung von hoch gelegenen Weideflächen, d.h. von Fluren außerhalb des Dauersiedlungsraumes mit Vieh. |
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| | == Herkunft des Wortes == | | == Herkunft des Wortes == |
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| | == Die Alm == | | == Die Alm == |
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| − | Als "Alm" versteht von man Vieh beweidete Flächen, die sich meistens oberhalb der Baumgrenze im Bergland befinden. Durch Jahrhundert lange, mühsame Bewirtschaftung dieser meist hochgelegenen Flächen wurde eine Kulturlandschaft von enormem Wert erhalten. Auf vielen Almen findet man auch [[Almgebäude]] oder [[Almwüstung]]en, noch bestehende oder Überreste ehemaliger Hütten oder kleiner Viehställe bzw. -unterstände ([[Scherm]]) oder andere Wirtschaftsgebäude, sowie sog. [[Pferch]]e und [[Steinhag]]e, sie bestehen (bestanden) aus [[Klaubsteinmauer|Klaubsteinen]]. Steinhage dienen einerseits der Abgrenzung und dem Schutz der Tiere vor abschüssigem Gelände und andererseits der Freihaltung der Weideflächen von Steinen. Pferche oder ''Pfrenger'' dienten dem Zusammenhalten des Viehs bei Schlechtwetter, während der Nacht und vor einem [[Viehtrieb]]. | + | Als "Alm" versteht von man Vieh beweidete Flächen, die sich meistens im hochmontanen und subalpinen Raum, bei Schafalmen (und vereinzelt von Jungviehalmen) auch von Flächen oberhalb der Wald- und Baumgrenze im alpinen Raum befinden. Durch Jahrhundert lange, (z.T. bis zu vier Jahrtausende zurückverfolgbarer) mühsame Bewirtschaftung dieser immer hochgelegenen Flächen wurde eine Kulturlandschaft von hohem Wert erhalten. Auf vielen Almen findet man auch [[Almgebäude]] oder [[Almwüstung]]en, noch bestehende oder Überreste ehemaliger Hütten oder kleiner Viehställe bzw. -unterstände ([[Scherm]]) oder andere Wirtschaftsgebäude, sowie sog. [[Pferch]]e und [[Steinhag]]e, sie bestehen (bestanden) aus [[Klaubsteinmauer|Klaubsteinen]]. Steinhage dienen einerseits der Abgrenzung und dem Schutz der Tiere vor abschüssigem Gelände und andererseits der Freihaltung der Weideflächen von Steinen. Pferche oder ''Pfrenger'' dienten dem Zusammenhalten des Viehs bei Schlechtwetter, während der Nacht und vor einem [[Viehtrieb]]. |
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| | Die Almen sind in der Sommerzeit bewirtschaftet, das Vieh wird vom Tal auf die Almen getrieben. Im Herbst findet der [[Almabtrieb]] statt, bei dem die meisten Tiere geschmückt und geschlossen wieder in die Täler getrieben werden, wo bei den Schafen noch die [[Schafischoad]] erforderlich ist. Heute erfolgen Almauf- und Abtrieb immer öfter mittels Traktor und Anhänger. Die landwirtschaftliche Bewirtschaftung einer Alm wird "Sennerei" genannt und hat auch im Salzburger Land eine lange Tradition. In den Gebirgsbezirken finden sich auf den Almen neben den [[Hausschaf]]en häufig noch das autochthone [[Pinzgauer Rind]] und neben dem [[Haflinger Pferd]] auch das [[Noriker Pferd]]. Auf manchen Almen werden auch noch [[Hausschwein]]e und zwecks Frischeiern auch einige Exemplare der Gattung [[Haushuhn]] gehalten. | | Die Almen sind in der Sommerzeit bewirtschaftet, das Vieh wird vom Tal auf die Almen getrieben. Im Herbst findet der [[Almabtrieb]] statt, bei dem die meisten Tiere geschmückt und geschlossen wieder in die Täler getrieben werden, wo bei den Schafen noch die [[Schafischoad]] erforderlich ist. Heute erfolgen Almauf- und Abtrieb immer öfter mittels Traktor und Anhänger. Die landwirtschaftliche Bewirtschaftung einer Alm wird "Sennerei" genannt und hat auch im Salzburger Land eine lange Tradition. In den Gebirgsbezirken finden sich auf den Almen neben den [[Hausschaf]]en häufig noch das autochthone [[Pinzgauer Rind]] und neben dem [[Haflinger Pferd]] auch das [[Noriker Pferd]]. Auf manchen Almen werden auch noch [[Hausschwein]]e und zwecks Frischeiern auch einige Exemplare der Gattung [[Haushuhn]] gehalten. |
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| − | Da es mit neuen technischen Geräten schwierig und teilweise auch unmöglich ist, Almflächen zu mähen und pflegen und viele Bauern die Viehwirtschaft einstellen, sind heutzutage viele Almen gefährdet. Sobald eine Almfläche nämlich im Sommer nicht mehr regelmäßig von Vieh beweidet wird, breiten sich auf den Almflächen unerwünschte Pflanzen aus und die Almgrenze (das ist die Flurgrenze zwischen Alm und Wald) geht höher - die von vielen Generationen mühevoll erarbeitete und erhaltene Kulturlandschaft geht also Stück für Stück verloren. Ehemalige Almgebiete wieder zur Alm zu machen ist ein jahrzehntelanger, wenn nicht sogar jahrhundertelanger Prozess. Es gibt bereits Verbände, die sich für den Erhalt von Almen einsetzen und dementsprechend auch um Förderungen für die Almbewirtschafter ansuchen. | + | Da es mit neuen technischen Geräten schwierig und teilweise auch unmöglich ist, Almflächen zu schwenden und zu pflegen und viele Bauern die Viehwirtschaft einstellen, sind viele Almen gefährdet. Wenn eine Almfläche im Sommer nicht mehr regelmäßig von Vieh beweidet wird, breiten sich auf den Almflächen Sträucher und Bäume aus, die Flächen verwalden und die Almgrenze (das ist die Flurgrenze zwischen Alm und Wald) steigt höher - die von vielen Generationen mühevoll erarbeitete und erhaltene Kulturlandschaft geht Stück für Stück verloren. Ehemalige Almgebiete wieder zur Alm zu machen ist mit langer und aufwändiger Arbeit verbunden. Heute wird die Almbewirtschaftung in der Regel über die Landwirtschaftsförderung (in Österreich die AMA) gefördert. Ein Problem der Almbewirtschaftzung ist aber nicht nur die Aufgabe von Almen, sondern auch die Intensivierung und damit Entwertung von Almböden. Die Planierung undf nachfolgend die Düngung mit Gülle - oft vom Talboden auf die Alm hinauf gebracht bedeutet einen entscheidenden Verlust an Biotop- und Artenvielfalt aber auch einen Verlust für den Erholungswert. |
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| | * siehe auch: [[Holzfindling]] | | * siehe auch: [[Holzfindling]] |
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| | == Almpersonal == | | == Almpersonal == |
| − | Im Gegensatz zu den Almen in Ostösterreich war die Milchverarbeitung und die Beaufsichtigung des Viehs in Westösterreich Frauensache, von regionalen Unterschieden - wie im [[Oberpinzgau]] - abgesehen. Die Sennerin (auch Sendin, Brentlerin oder Schwoagerin genannt) war meist eine unverheiratete Bauerntochter. Bei Bedarf stand ihr eine Magd ([[Dienstboten|Dirn]]) zur Seite. Die Beaufsichtigung des Viehs auf der Hochweide war dem Hirten (Halter) übertragen. Kleinvieh wurde Kindern (Geißern oder Hiatabubn) anvertraut. Neben Vieh und Kleinvieh, das auf der Alm geweidet wurde, hatte die Sennerin oft auch eine Katze dabei, hielt ein paar [[Haushuhn|Hühner]] für den Eigenbedarf an Eiern und oft auch ein oder mehrere [[Hausschwein]]e, die neben dem Stall auch einen Auslauf im Freien hatten. | + | Im Gegensatz zu den Almen in Ostösterreich war die Milchverarbeitung und die Beaufsichtigung des Viehs in Westösterreich oft Frauensache, von regionalen Unterschieden - wie im [[Oberpinzgau]] - abgesehen. Die Sennerin (auch Sendin, Brentlerin oder Schwoagerin genannt) war meist eine unverheiratete Bauerntochter. Bei Bedarf stand ihr eine Magd ([[Dienstboten|Dirn]]) zur Seite. Die Beaufsichtigung des Viehs auf der Hochweide war dem Hirten (Halter) übertragen. Kleinvieh wurde Kindern (Geißern oder Hiatabubn) anvertraut. Neben Vieh und Kleinvieh, das auf der Alm geweidet wurde, hatte die Sennerin oft auch eine Katze dabei, hielt ein paar [[Haushuhn|Hühner]] für den Eigenbedarf an Eiern und oft auch ein oder mehrere [[Hausschwein]]e, die neben dem Stall auch einen Auslauf im Freien hatten. |
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| | Die Sennerin genoss auf der Alm eine beachtliche soziale Stellung. Sie war Herrin über das Vieh und das Personal und darum war für Frauen die Tätigkeit als Sennerin begehrt. Die notwendigen Kenntnisse wurden den Mädchen schon von Kindesbeinen an beigebracht. | | Die Sennerin genoss auf der Alm eine beachtliche soziale Stellung. Sie war Herrin über das Vieh und das Personal und darum war für Frauen die Tätigkeit als Sennerin begehrt. Die notwendigen Kenntnisse wurden den Mädchen schon von Kindesbeinen an beigebracht. |