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| | == Wo ist der Doktor vom Doktorwirt?== | | == Wo ist der Doktor vom Doktorwirt?== |
| − | „''Wo ist der Doktor vom Doktorwirt?''“ Diese Frage stellen die Gäste, die den zu Füßen des [[Gaisberg]]s gelegenen Aigner Hotel-Gasthof als Domizil gewählt haben, immer wieder. Aber die Antwort fällt überraschend aus: kein Mitglied der Familie Schnöll, die den Doktorwirt heute führt, hat einen akademischen Titel aufzuweisen. Doch diese Frage führt mitten hinein in die Geschichte des Anwesens. Eine Geschichte übrigens nicht nur über [[Salzburg]] und seine Umgebung, sondern auch über die vielfältigen Beziehungen der Salzburger zu den anderen Alpenländern, zu [[Bayern]] und der Schweiz. | + | „''Wo ist der Doktor vom Doktorwirt?''“ Diese Frage stellen die Gäste, die den zu Füßen des [[Gaisberg (Berg)|Gaisberg]]s gelegenen Aigner Hotel-Gasthof als Domizil gewählt haben, immer wieder. Aber die Antwort fällt überraschend aus: kein Mitglied der Familie Schnöll, die den Doktorwirt heute führt, hat einen akademischen Titel aufzuweisen. Doch diese Frage führt mitten hinein in die Geschichte des Anwesens. Eine Geschichte übrigens nicht nur über [[Salzburg]] und seine Umgebung, sondern auch über die vielfältigen Beziehungen der Salzburger zu den anderen Alpenländern, zu [[Bayern]] und der Schweiz. |
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| | ==Chronik== | | ==Chronik== |
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| | Der Name Schnöll soll aus dem Keltischen kommen. Die Vorfahren waren Salzgräber in den Minen von [[Hallein]] gewesen und hatten sich später am Wimberg als Bauern niedergelassen. „Urahne“ war Peter Schnöll. Sein Sohn Josef war eines von acht Kindern. Für alle war am heimatlichen Hof kein Auskommen. Er verließ seine Familie, kam nach Aigen, arbeitete als Kutscher im Salzburger Fuhrunternehmen Angelberger und nutzte alle Aufstiegschancen, die sich ihm boten. Bald war er (Meier) Verwalter des Taxachergutes. Und er verliebte sich in seine junge Nachbarin Elisabeth Latz. | | Der Name Schnöll soll aus dem Keltischen kommen. Die Vorfahren waren Salzgräber in den Minen von [[Hallein]] gewesen und hatten sich später am Wimberg als Bauern niedergelassen. „Urahne“ war Peter Schnöll. Sein Sohn Josef war eines von acht Kindern. Für alle war am heimatlichen Hof kein Auskommen. Er verließ seine Familie, kam nach Aigen, arbeitete als Kutscher im Salzburger Fuhrunternehmen Angelberger und nutzte alle Aufstiegschancen, die sich ihm boten. Bald war er (Meier) Verwalter des Taxachergutes. Und er verliebte sich in seine junge Nachbarin Elisabeth Latz. |
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| − | Josef und Elisabeth hatten drei Söhne: Josef, Karl und Fritz. Wie in der Generation zuvor war der älteste nicht besonders stark am Arbeiten interessiert. Er heiratete, zog in das Haus seiner Frau und war im Übrigen auch dem Alkohol zugetan. So erhielt Karl I., geb. am [[21. September]] [[1896]] den Hof. Vorher hatte er den Beruf des Zimmermanns erlernt und obwohl er von seiner Arbeit kaum leben konnte, verlobte er sich mit [[Rosalia Haslauer]]. geb. am [[19. April]] [[1898]], die vom [[Zandgut]], einem damals sehr angesehenen Anwesen am [[Gaisberg]] - stammte. | + | Josef und Elisabeth hatten drei Söhne: Josef, Karl und Fritz. Wie in der Generation zuvor war der älteste nicht besonders stark am Arbeiten interessiert. Er heiratete, zog in das Haus seiner Frau und war im Übrigen auch dem Alkohol zugetan. So erhielt Karl I., geb. am [[21. September]] [[1896]] den Hof. Vorher hatte er den Beruf des Zimmermanns erlernt und obwohl er von seiner Arbeit kaum leben konnte, verlobte er sich mit [[Rosalia Haslauer]]. geb. am [[19. April]] [[1898]], die vom [[Zandgut]], einem damals sehr angesehenen Anwesen am [[Gaisberg (Berg)|Gaisberg]] - stammte. |
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| | Die beiden hatten eine uneheliche Tochter, die jedoch mit drei Jahren an Diphterie starb. [[1927]] kam das zweite Kind zu Welt. Es war wieder eine Tochter, die auch Elisabeth hieß - die heutige ''Tante Lisi''. Das dritte Kind war ein Junge, Karl II., der heutige Chef des Doktorwirt, der in den [[1950er]] Jahren zunächst Heizungsinstallateur wurde und ursprünglich den Plan hatte, nach Kanada auszuwandern. Seiner Meinung nach konnte gut die Schwester den Hof übernehmen, in dem ja schon immer die Frauen die guten Seelen des Hauses gewesen waren. Seine Mutter, Großmutter Elisabeth, hatte bis zuletzt im "Doktorwirt" „ihren Mann gestanden“. Noch am Vorabend ihres Todes hatte sie ihr gewohntes Pfeifchen geraucht und souverän ihre Anweisungen gegeben. Dann war sie schlafen gegangen und nicht mehr aufgewacht. | | Die beiden hatten eine uneheliche Tochter, die jedoch mit drei Jahren an Diphterie starb. [[1927]] kam das zweite Kind zu Welt. Es war wieder eine Tochter, die auch Elisabeth hieß - die heutige ''Tante Lisi''. Das dritte Kind war ein Junge, Karl II., der heutige Chef des Doktorwirt, der in den [[1950er]] Jahren zunächst Heizungsinstallateur wurde und ursprünglich den Plan hatte, nach Kanada auszuwandern. Seiner Meinung nach konnte gut die Schwester den Hof übernehmen, in dem ja schon immer die Frauen die guten Seelen des Hauses gewesen waren. Seine Mutter, Großmutter Elisabeth, hatte bis zuletzt im "Doktorwirt" „ihren Mann gestanden“. Noch am Vorabend ihres Todes hatte sie ihr gewohntes Pfeifchen geraucht und souverän ihre Anweisungen gegeben. Dann war sie schlafen gegangen und nicht mehr aufgewacht. |