Änderungen

Zur Navigation springen Zur Suche springen
keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 2: Zeile 2:       −
Aussehen
+
'''Aussehen'''
 
Der Salzburger Hanswurst (oder auch: Hanswurscht)  trägt traditionell einen ziegelroten Wams, eine naturfarbene (gelbe) Lederhose, seine typischen Attribute sind der hohe, grüne (Spitz-)Hut, die eine Narrenkappe ist und zwei „schneidige“ Federn hat, und seine Pritsche.  
 
Der Salzburger Hanswurst (oder auch: Hanswurscht)  trägt traditionell einen ziegelroten Wams, eine naturfarbene (gelbe) Lederhose, seine typischen Attribute sind der hohe, grüne (Spitz-)Hut, die eine Narrenkappe ist und zwei „schneidige“ Federn hat, und seine Pritsche.  
   −
Herkunft
+
 
 +
'''Herkunft'''
 
Der Salzburger Hanswurscht ist eine Figur, dessen Wurzeln ins Hochmittelalter zurückreichen. Damals war er eine, im Brauchtum mit vielschichtigen Aufgaben betraute Begleitfigur vor allem bei den Schwerttänzen. Diese Funktion hat sich auch bis heute erhalten. Heute ist der Hanswurst noch immer eine unverzichtbare Figur beim historischen Salzburger Bindertanz­, dem Zunfttanz der Faßbinder, der als Reiftanz, geflochten aus immergrünen Buchsbaumzweigen gebunden, ausgeführt wird. Dieser Männertanz hat sich geschichtlich aus einer Tages­version des besonders feierlichen nächtlichen Schwerttanzes entwickelt. In der Tradition des Schwerttanzes selbst findet man den Hanswurscht heute z.B. auch noch beim Böcksteiner Schwerttanz (Gastein), auch wenn er sich dort einfach Narr nennt, in rot/weiß (die traditionellen Kultfarben) gewandet ist, wie er auch statt der Pritsche ein „Narrenzepter“ hat.  
 
Der Salzburger Hanswurscht ist eine Figur, dessen Wurzeln ins Hochmittelalter zurückreichen. Damals war er eine, im Brauchtum mit vielschichtigen Aufgaben betraute Begleitfigur vor allem bei den Schwerttänzen. Diese Funktion hat sich auch bis heute erhalten. Heute ist der Hanswurst noch immer eine unverzichtbare Figur beim historischen Salzburger Bindertanz­, dem Zunfttanz der Faßbinder, der als Reiftanz, geflochten aus immergrünen Buchsbaumzweigen gebunden, ausgeführt wird. Dieser Männertanz hat sich geschichtlich aus einer Tages­version des besonders feierlichen nächtlichen Schwerttanzes entwickelt. In der Tradition des Schwerttanzes selbst findet man den Hanswurscht heute z.B. auch noch beim Böcksteiner Schwerttanz (Gastein), auch wenn er sich dort einfach Narr nennt, in rot/weiß (die traditionellen Kultfarben) gewandet ist, wie er auch statt der Pritsche ein „Narrenzepter“ hat.  
    
Später, bis weit in das 18. Jahrhundert hinein, war der Hanswurst von den Jahrmarktbesuchern heiß geliebter Begleiter der Ärzte und Quack­salber auf den „Arztständlbühnen“. Dort suchte er als „Lustigmacher“ auf den Pawlatschen der Jahr­märkte die Patienten und Zuschauer von den oft durchaus schmerzlichen Geschehnissen der vor Ort auf der Bühne hinter einem Sichtschutz Behandelten, noch lautstärker mit seinem Klamauk und seinen Possen abzulenken. Vor allem hatte er die Aufgabe, die Neugier der Jahrmarkt-/Kirtagsbesucher auf die Heilkünste des Behandlers, des Arztes, Baders, Wundarztes, Wund- und Steinschneiders, Zahnbrechers etc. zu lenken. Damals mußte sich der Arzt noch am freien Markt gegen viele Mitbewerber behaupten.
 
Später, bis weit in das 18. Jahrhundert hinein, war der Hanswurst von den Jahrmarktbesuchern heiß geliebter Begleiter der Ärzte und Quack­salber auf den „Arztständlbühnen“. Dort suchte er als „Lustigmacher“ auf den Pawlatschen der Jahr­märkte die Patienten und Zuschauer von den oft durchaus schmerzlichen Geschehnissen der vor Ort auf der Bühne hinter einem Sichtschutz Behandelten, noch lautstärker mit seinem Klamauk und seinen Possen abzulenken. Vor allem hatte er die Aufgabe, die Neugier der Jahrmarkt-/Kirtagsbesucher auf die Heilkünste des Behandlers, des Arztes, Baders, Wundarztes, Wund- und Steinschneiders, Zahnbrechers etc. zu lenken. Damals mußte sich der Arzt noch am freien Markt gegen viele Mitbewerber behaupten.
   −
Wiederbelebung des Hanswurst-Brauchtums
+
'''
Dank Kommerzialrat Erwin Markl, die Verbindungen des Salzburger Hanswurscht zu seinen Wurzeln besonders lebendig geblieben bzw. 1977 wiederbelebt worden, treibt es ihn doch noch sehr lebendig und ebenso hungrig wie durstig als immer noch gern gesehene, lebende Symbolfigur, jedes Jahr um den 24.9. am Salzburger Rupertikirtag , abgehalten zu Ehren des Landespatrons der Salzburger, der „Hl. Rupert“, um! Auch die Salzachschiffer von Lauffen kamen in den Wintern auf Ihrer Bühne, dem Laufener Schiffertheater, nicht ohne ihren, den Salzburger Hanswurscht aus. Diesem kommt ein nicht unbeträchtlicher Gutteil dafür zu, daß der Hanswurscht zu einer salzburgtypischen Lokalfigur wurde.  Salzburg wurde bekanntlich erst 1815/16 Österreichisch, bis dahin war es ein zumächst reiches, später dann aber leider doch verarmtes, deutsches Erzbistum weshalb genau genommen auch Mozart, der bekanntlich vom 27. Jänner 1756 bis 5. Dezember 1791 lebte, nie Österreicher, wohl aber unbestreitbar Salzburger war. Laufen fiel auch erst 1816 völlig unspektakulär durch Verzicht Metternichs endgültig an Bayern.
+
Wiederbelebung des Hanswurst-Brauchtums'''
 +
Dank Kommerzialrat Erwin Markl sind die Verbindungen des Salzburger Hanswurscht zu seinen Wurzeln besonders lebendig geblieben und  1977 wiederbelebt worden. Seit damals tritt der Hanswurst jährlich beim Rupertikirtag auf. Auch die Salzachschiffer von Laufen kamen in den Wintern auf ihre Bühne, dem Laufener Schiffertheater, nicht ohne den Salzburger Hanswurscht aus.  
    
Von den Arztständlbühnen, aber auch vom Schiffertheater ist der Salzburger  HanswurschtAnfang des 18. Jhdt. durch J. A. Stranitzky (1676 – 1726), selbst immatrikulierter Zahnarzt und begnadeter Stegreifkomödiant, in Sprache und äußerem Erscheinungsbild inspiriert von den Lungauer Sauschneidern auf die Theaterbühne des Wiener Kärntnertortheaters, und damit auch auf die Bühnen des deutschen Volkstheaters, gekommen. Dort trug er stets sein Herz auf der Zunge, sprach spontan aus was er dachte und nahm sich dabei auch kein Blatt vor dem Mund. Dort erklärte er auch immer „ein Salzburger Bauer“ zu sein, vom „Geschlecht der Sauschneider“, daher der Bezug zum „Salzburger Lungau“, abzustammen oder stellte sonst einen Bezug zu seiner „Salzburger Herkunft“ her. Der Salzburger Hanswurscht, vor allem auch im deutschen Volkstheater, dem Kärnertortheater, sprach auch immer aus, wo dem einfachen Volk der Schuh drückte. Die Obrigkeit hatte den Vorteil, daß sie mit ihm eine unverzichtbare Informationsquelle hatte, seine ehrlich unverblümten Sager hingegen mit einem „laßt in nur reden den „Hanswurschten“ abtun konnte. Eine Redewendung, die bis heute eine geflügelte blieb. Gleichzeitig hatten die einfachen Leut´, die Bürger, das Volk am Land, eine Art Ventil. Somit war der  Salzburger Hanswurscht auch immer ein gesellschaftlich äußerst wichtiges Bindeglied im Volk und vor allem auch zwischem dem Volk und "denen da oben". Viele Menschen konnten sich, wie auch ihr geheimstes Denken und Fühlen, in ihm wiederkennen. Schließlich gelangte er sogar noch in der Figur des erdverbundenen, alles irdische und „fleischliche“, Mädchen, gutes Essen sowie Trinken und Plaudereien liebenden, mit allen menschlichen Schwächen  aber auch Liebenswürdigkeiten versehenen, ebenso gutgläubigen wie bauernschlauen, liebenswerten und frohsinnigen Freigeist und farbenfrohen Vogel(„Freiheit“)­menschen Papageno durch die Oper (W.A. Mozart – Zauberflöte) auf die Weltbühnen und zu weltweiter Bekanntheit! Nicht selten hört man, wenn er sich zur Festspieleröffnungszeit (Salzburger Fackeltanz) unters Volk gen Residenzplatz mischt, „schau, der Papageno“. Daran erkennt man auch wie authentisch diese Figur, von Schikaneder (1751-1812) librettistisch und von Mozart musikalisch, in der Zauberflöte beschrieben ist; auch wenn er ihn in der Oper ein Federkleid schmückt. Auch sind diese Reaktionen ein Beleg für die gemeinsamen archaischen Wurzeln des Salzburger Hanswurschtes und des Papagenos. Es zeigt auch wie tief die Figur noch immer im Urgedächtnis der Menschen verhaftet ist! Schikaneder selbst spielte bei der Uraufführung, 1791 im „Schikanedertheater“ wie es die Wiener bald nannten, dem Freihaustheater (Theater an der Wieden), das er von 1789 bis 12.6.1801 (Abschiedsvorstellung; mit der Zauberflöte) leitete, den Papageno, Mozart dirigierte und dessen Schwester Constanze spielte und sang damals am 30. September die Königin der Nacht. Allein im Kärntnertortheater, das J.A. Stranitzky 1711 als der Hanswurst, Pritschenmeister wie man ihn, den Prinzipal, heute Theaterdirektor, nannte und als Begründer des deutschen Volkstheaters groß machte, und in dem Schikaneder auch (ab 1785) spielte, wurde die Zauberflöte von 1801 (Ende Schikaneder- Freihaustheater) bis 1812 knapp 140 Mal aufgeführt.  Auch Don Giovanni (Libretto von Da Ponte) nannte seinen Diener Leporello  am Ende der 12. Szene des 3. Aktes "Oh, veccio buffonissimo! = Oh, alter Hanswurst!", einen "Hanswurst" als dieser vor der Inschrift unter Statue des Kompturs, des späteren steinernen Gastes, erschauderte.
 
Von den Arztständlbühnen, aber auch vom Schiffertheater ist der Salzburger  HanswurschtAnfang des 18. Jhdt. durch J. A. Stranitzky (1676 – 1726), selbst immatrikulierter Zahnarzt und begnadeter Stegreifkomödiant, in Sprache und äußerem Erscheinungsbild inspiriert von den Lungauer Sauschneidern auf die Theaterbühne des Wiener Kärntnertortheaters, und damit auch auf die Bühnen des deutschen Volkstheaters, gekommen. Dort trug er stets sein Herz auf der Zunge, sprach spontan aus was er dachte und nahm sich dabei auch kein Blatt vor dem Mund. Dort erklärte er auch immer „ein Salzburger Bauer“ zu sein, vom „Geschlecht der Sauschneider“, daher der Bezug zum „Salzburger Lungau“, abzustammen oder stellte sonst einen Bezug zu seiner „Salzburger Herkunft“ her. Der Salzburger Hanswurscht, vor allem auch im deutschen Volkstheater, dem Kärnertortheater, sprach auch immer aus, wo dem einfachen Volk der Schuh drückte. Die Obrigkeit hatte den Vorteil, daß sie mit ihm eine unverzichtbare Informationsquelle hatte, seine ehrlich unverblümten Sager hingegen mit einem „laßt in nur reden den „Hanswurschten“ abtun konnte. Eine Redewendung, die bis heute eine geflügelte blieb. Gleichzeitig hatten die einfachen Leut´, die Bürger, das Volk am Land, eine Art Ventil. Somit war der  Salzburger Hanswurscht auch immer ein gesellschaftlich äußerst wichtiges Bindeglied im Volk und vor allem auch zwischem dem Volk und "denen da oben". Viele Menschen konnten sich, wie auch ihr geheimstes Denken und Fühlen, in ihm wiederkennen. Schließlich gelangte er sogar noch in der Figur des erdverbundenen, alles irdische und „fleischliche“, Mädchen, gutes Essen sowie Trinken und Plaudereien liebenden, mit allen menschlichen Schwächen  aber auch Liebenswürdigkeiten versehenen, ebenso gutgläubigen wie bauernschlauen, liebenswerten und frohsinnigen Freigeist und farbenfrohen Vogel(„Freiheit“)­menschen Papageno durch die Oper (W.A. Mozart – Zauberflöte) auf die Weltbühnen und zu weltweiter Bekanntheit! Nicht selten hört man, wenn er sich zur Festspieleröffnungszeit (Salzburger Fackeltanz) unters Volk gen Residenzplatz mischt, „schau, der Papageno“. Daran erkennt man auch wie authentisch diese Figur, von Schikaneder (1751-1812) librettistisch und von Mozart musikalisch, in der Zauberflöte beschrieben ist; auch wenn er ihn in der Oper ein Federkleid schmückt. Auch sind diese Reaktionen ein Beleg für die gemeinsamen archaischen Wurzeln des Salzburger Hanswurschtes und des Papagenos. Es zeigt auch wie tief die Figur noch immer im Urgedächtnis der Menschen verhaftet ist! Schikaneder selbst spielte bei der Uraufführung, 1791 im „Schikanedertheater“ wie es die Wiener bald nannten, dem Freihaustheater (Theater an der Wieden), das er von 1789 bis 12.6.1801 (Abschiedsvorstellung; mit der Zauberflöte) leitete, den Papageno, Mozart dirigierte und dessen Schwester Constanze spielte und sang damals am 30. September die Königin der Nacht. Allein im Kärntnertortheater, das J.A. Stranitzky 1711 als der Hanswurst, Pritschenmeister wie man ihn, den Prinzipal, heute Theaterdirektor, nannte und als Begründer des deutschen Volkstheaters groß machte, und in dem Schikaneder auch (ab 1785) spielte, wurde die Zauberflöte von 1801 (Ende Schikaneder- Freihaustheater) bis 1812 knapp 140 Mal aufgeführt.  Auch Don Giovanni (Libretto von Da Ponte) nannte seinen Diener Leporello  am Ende der 12. Szene des 3. Aktes "Oh, veccio buffonissimo! = Oh, alter Hanswurst!", einen "Hanswurst" als dieser vor der Inschrift unter Statue des Kompturs, des späteren steinernen Gastes, erschauderte.
333

Bearbeitungen

Navigationsmenü