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| | == Einleitung == | | == Einleitung == |
| − | *''Trinkwasser'' ist ein unverzichtbares Lebensmittel zum Trinken und Kochen für die Bevölkerung, aber auch zur Körperhygiene wie sie in den [[Salzburger Badehäuser]]n angeboten wurde und zum Wäschewaschen. | + | *''Trinkwasser'' ist ein unverzichtbares Lebensmittel<ref>Quelle dieser Bezeichung [https://www.sozialministerium.at/site/Gesundheit/Reiseinfos_Verbrauchergesundheit/Ernaehrung_und_Lebensmittel/Trinkwasser/ www.sozialministerium.at], abgefragt am 7. Mai 2019</ref> zum Trinken und Kochen für die Bevölkerung, aber auch zur Körperhygiene wie sie in den [[Salzburger Badehäuser]]n angeboten wurde und zum Wäschewaschen. |
| | *''Brauchwasser'' dient dem Gebrauch für verschiedene Zwecke, z. B. dem Frischhalten und dem Saubermachen auf [[Märkte in der Stadt Salzburg|Märkten]] (Fischkalter), zum Bewässern der Gärten, zur Abfallbeseitigung und Straßenreinigung, als Kühlmittel oder Löschwasser(reserve). | | *''Brauchwasser'' dient dem Gebrauch für verschiedene Zwecke, z. B. dem Frischhalten und dem Saubermachen auf [[Märkte in der Stadt Salzburg|Märkten]] (Fischkalter), zum Bewässern der Gärten, zur Abfallbeseitigung und Straßenreinigung, als Kühlmittel oder Löschwasser(reserve). |
| | *''Nutzwasser'' dient dem Antrieb von [[Mühle]]n, Sägewerken oder Hebemaschinen, es wird als Produktionsmittel von [[Brauereien (historisch)|Brauereien]], Handwerkern und Gewerben genutzt und es ist ein Transportweg. | | *''Nutzwasser'' dient dem Antrieb von [[Mühle]]n, Sägewerken oder Hebemaschinen, es wird als Produktionsmittel von [[Brauereien (historisch)|Brauereien]], Handwerkern und Gewerben genutzt und es ist ein Transportweg. |
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| − | Die Versorgung mit Trinkwasser einerseits und Brauch- und Nutzwasser anderseits erfolgte früher oft getrennt. Die Errichtung getrennter Brauch- und Trinkwasserleitungen nach 1900 hat sich nicht bewährt, der unwirtschaftlich gewordene Betrieb der Versorgung mit Brauchwasser wurde eingestellt. Seit etwa [[1930]] besteht in der Stadt Salzburg (abgesehen von wenigen Randlagen) ein einziges öffentliches System zur Trinkwasserversorgung, | + | Die Versorgung mit Trinkwasser einerseits und Brauch- und Nutzwasser anderseits erfolgte früher oft getrennt. Die Errichtung getrennter Brauch- und Trinkwasserleitungen nach 1900 hatte sich nicht bewährt, der unwirtschaftlich gewordene Betrieb der Versorgung mit Brauchwasser wurde eingestellt. Seit etwa [[1930]] besteht in der Stadt Salzburg (abgesehen von wenigen Randlagen) ein einziges öffentliches System zur Trinkwasserversorgung bestehend. Zwei Grundwasserwerken (529 l/sec Konsensmenge), acht Quellen (95 l/sec Konsensmenge), 872 Kilometer Wasserleitungen und neun Hochbehälter (Speichervolumen: 50 896 m³) bilden heute jene Infrastruktur, über die in der Stadt Salzburg und einigen benachbarten Gemeinden mehr als 155 000 Kunden mit rund zwölf Millionen Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr versorgt werden, das fast unbehandelt aus den Leitungen kommt. |
| − | Zwei Grundwasserwerke (529 l/sec Konsensmenge), acht Quellen (95 l/sec Konsensmenge), 872 Kilometer Wasserleitungen und neun Hochbehälter (Speichervolumen: 50 896 m³) bilden heute jene Infrastruktur, über die in der Stadt Salzburg und einigen benachbarten Gemeinden mehr als 155 000 Kunden mit rund zwölf Millionen Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr versorgt werden, das fast unbehandelt aus den Leitungen kommt. | |
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| | == Geschichte der Wasserversorgung bis 1870 == | | == Geschichte der Wasserversorgung bis 1870 == |
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| | === Ziehbrunnen === | | === Ziehbrunnen === |
| − | Größere und kleinere (Haus-)[[Brunnen in der Stadt Salzburg|Brunnen]], in aller Regel Ziehbrunnen verteilt über die Stadt, stellten über etliche Jahrhunderte die Wasserversorgung sicher. Das Grundwasser in der Stadt und in Zisternen gesammeltes (Regen-)Wasser musste für die Versorgung der Bevölkerung ausreichen. Insgesamt gab es im Spät[[mittelalter]] vierzehn Brunnen in der linken [[Altstadt]] und vier in der [[Altstadt (rechtes Salzachufer)|Altstadt am rechten Ufer]] der Salzach<ref>[[Franz Valentin Zillner]]: Geschichte der Stadt Salzburg, I. Buch, Seite 158</ref>. | + | Größere und kleinere (Haus-)[[Brunnen in der Stadt Salzburg|Brunnen]], in aller Regel Ziehbrunnen, verteilt über die Stadt, stellten über etliche Jahrhunderte die Wasserversorgung sicher. Das Grundwasser in der Stadt und in Zisternen gesammeltes (Regen-)Wasser musste für die Versorgung der Bevölkerung ausreichen. Insgesamt gab es im Spät[[mittelalter]] vierzehn Brunnen in der linken [[Altstadt]] und vier in der [[Altstadt (rechtes Salzachufer)|Altstadt am rechten Ufer]] der [[Salzach]]<ref>[[Franz Valentin Zillner]]: Geschichte der Stadt Salzburg, I. Buch, Seite 158</ref>. |
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| | : '''Altstadt, links der Salzach''' | | : '''Altstadt, links der Salzach''' |
| − | * Ziehbrunnen am Markt (genannt nach 1300), ([[Alter Markt]]) → seit 1488: [[Florianibrunnen]] mit Trinkwasser | + | * Ziehbrunnen am Markt, genannt nach 1300, [[Alter Markt]], seit [[1488]] [[Florianibrunnen]] mit Trinkwasser |
| − | * Admontbrunnen (auch Admuntbrunnen, 1347 genannt) oder Spitalbrunnen (1408) ([[Bürgerspitalgasse]]) | + | * Admontbrunnen, auch Admuntbrunnen, [[1347]] genannt, oder Spitalbrunnen ([[1408]]), [Bürgerspitalgasse]] |
| − | * (Ziehbrunnen in der Sporergasse, (genannt 1348), ([[Goldgasse]]) | + | * Ziehbrunnen in der ''Sporergasse'', genannt [[1348]], [[Goldgasse]] |
| − | * (Ziehbrunnen bei der Schranne (1366 urkundlich) ([[Waagplatz]]) | + | * Ziehbrunnen bei der [[Schranne]], [[1366]] urkundlich genannt, [[Waagplatz]] |
| − | * (Ziehbrunnen im [[Georg-Trakl-Haus]] | + | * [[Ziehbrunnen Innenhof Waagplatz 1a]], um 1200 errichtet |
| − | * Stadtbrunnen (1370–1415) auf dem [[Rathausplatz]] (verächtlich damals z.T. "Judenbrunnen" genannt). | + | * Stadtbrunnen ([[1370]]–[[1415]]) auf dem [[Rathausplatz (Stadt Salzburg)|Rathausplatz]], verächtlich damals z. T. "Judenbrunnen" genannt |
| − | * Ziehbrunnen am Kolbenstain, (genannt 1525), [[Gstättengasse]]; → heute: [[Marienbrunnen]] (mit Wasser des Almkanales) | + | * Ziehbrunnen am Kolbenstain, genannt [[1525]], [[Gstättengasse]], heute [[Marienbrunnen]] mit Wasser des [[Almkanal]]s |
| − | * Fischmarktbrunnen (1548), Fischkalter (genannt 1599–1783) ([[Hagenauerplatz]]) → heute: [[Wilder-Mann-Brunnen]] | + | * Fischmarktbrunnen ([[1548]]), Fischkalter, genannt [[1599]]–[[1783]] am [[Hagenauerplatz]], heute [[Wilder-Mann-Brunnen]] |
| − | * [[Ziehbrunnen St. Peter|Ziehbrunnen]] im Hof der Benediktiner-Erzabtei St. Peter | + | * [[Ziehbrunnen St. Peter|Ziehbrunnen]] im [[Stiftshof St. Peter|Stiftshof]] der [[Benediktiner-Erzabtei St. Peter]] |
| − | * Ziehbrunnen am Nunbergweg (1568 errichtet), ([[Festungsgasse]]); → heute: [[Festungsgassen-Brunnen]]v mit Trinkwasser | + | * Ziehbrunnen am ''Nunbergweg'', [[1568]] errichtet, [[Festungsgasse]], heute [[Festungsgassen-Brunnen]] mit Trinkwasser |
| − | * [[Ziehbrunnen Kapitelplatz|Ziehbrunnen]] beim [[Domkloster]] (1933 zugeschüttet), ([[Kapitelplatz]]) | + | * [[Ziehbrunnen Kapitelplatz|Ziehbrunnen]] beim [[Domkloster]], [[1933]] zugeschüttet, [[Kapitelplatz]] |
| − | * Ziehbrunnen am Haufen (genannt 1659–1842) ([[Mozartplatz]]) | + | * Ziehbrunnen am ''Haufen'', genannt [[1659–[[1842]], [[Mozartplatz]] |
| − | * Ziehbrunnen im Bierbräuhaus am Kai → heute: [[Amtsgebäude Kaigasse 14–16]] | + | * Ziehbrunnen im ''Bierbräuhaus am Kai'', heute [[Amtsgebäude Kaigasse 14–16]] |
| − | * Ziehbrunnen in der Pfeifergasse, ([[Dr.-Wilfried-Haslauer-Platz]]) → heute nächstgelegen [[Gedenkbrunnen Kaigasse]] | + | * Ziehbrunnen in der Pfeifergasse, [[Dr.-Wilfried-Haslauer-Platz]], heute in der Nähe befindet sich der [[Gedenkbrunnen Kaigasse]] |
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| | : '''Altstadt, rechts der Salzach''' | | : '''Altstadt, rechts der Salzach''' |
| − | * (Ziehbrunnen bei [[Andräkirche|Kirche St. Andreas]], | + | * (Ziehbrunnen bei [[Stadtpfarrkirche St. Andrä#Die ursprüngliche Andräkirche|Kirche St. Andreas]], |
| − | * Glimpfenbrunnen, Brunnen in der Sebastiangasse, ([[St.-Sebastians-Kirche]]) | + | * Glimpfenbrunnen, Brunnen in der Sebastiangasse, [[St.-Sebastians-Kirche]] |
| − | * Brunnen im Unteren Brückenviertel, ([[Steingasse]]) → heute (am Äußeren Stein) [[Engelwirtsbrunnen]]. | + | * Brunnen im Unteren Brückenviertel, [[Steingasse]], heute am [[Äußerer Stein|Äußeren Stein]] der [[Engelwirtsbrunnen]] |
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| | : '''Festung Hohensalzburg''' | | : '''Festung Hohensalzburg''' |
| − | Die [[Festung Hohensalzburg]], deren Bauanfänge wohl in der zweiten Hälfte des [[11. Jahrhundert]]s liegen, war von Anfang an so geplant, dass sie sich autark versorgen konnte. Ein ausgeklügeltes Dach- und Dachrinnensystem sammelte das auch früher reichlich vorhandene [[Salzburger Schnürlregen|Regenwasser]] in einer oder mehreren ''Zisternen''. Diese reichten für die Versorgung der Festung stets aus. | + | Die Wasserversorgung der [[Festung Hohensalzburg]], deren Bauanfänge wohl in der zweiten Hälfte des [[11. Jahrhundert]]s liegen, war von Anfang an so geplant, dass sie sich autark versorgen konnte. Ein ausgeklügeltes Dach- und Dachrinnensystem sammelte das auch früher reichlich vorhandene [[Salzburger Schnürlregen|Regenwasser]] in einer oder mehreren Zisternen. Diese reichten für die Versorgung der Festung stets aus. |
| | * [[Keutschach-Zisterne (Festung Hohensalzburg)|Keutschach-Zisterne]] | | * [[Keutschach-Zisterne (Festung Hohensalzburg)|Keutschach-Zisterne]] |
| | * eine weitere Zisterne Leonhard Keutschachs (heute kaum einsehbar) | | * eine weitere Zisterne Leonhard Keutschachs (heute kaum einsehbar) |
| | * [[Matthäus-Lang-Zisterne]] | | * [[Matthäus-Lang-Zisterne]] |
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| − | Diese alten Brunnenanlagen bestehen von Ausnahmen abgesehen nicht mehr. Viele Brunnen wurden im Laufe der Zeit aufgegeben, zugeschüttet, versetzt oder durch neue ersetzt. Im [[12. Jahrhundert]] entstehen zusätzlich zu Zisternen erste einfache Rohrleitungen. | + | Diese alten Brunnenanlagen bestehen, von Ausnahmen abgesehen, nicht mehr. Viele Brunnen wurden im Laufe der Zeit aufgegeben, zugeschüttet, versetzt oder durch neue ersetzt. Im [[12. Jahrhundert]] entstanden zusätzlich zu Zisternen erste einfache Rohrleitungen. |
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| | ===Erste Wasserleitungen, Quellbrunnen und Brunnstuben=== | | ===Erste Wasserleitungen, Quellbrunnen und Brunnstuben=== |
| − | | + | Die Qualität der Ziehbrunnen in der Stadt erwies sich gegen Ende des Mittelalters, trotz regelmäßiger Reinigung, als sehr unzureichend. Die zuerst äußerst bescheidenen hygienischen Ansprüche stiegen nach den vielen Seuchen. Deshalb wurden schrittweise große Brunnstuben (öffentliche stets gedeckte Brunnen), von denen Salzburg bald sieben aufweisen konnte, errichtet. Diese ersten öffentlichen Brunnen wurden dem Baustil ihrer Zeit öfter auch entsprechend künstlerisch gestaltet. Das [[Erzbischöfliches Brunnhaus|erzbischöfliche Brunnhaus]] und das [[städtisches Brunnhaus|städtische Brunnhaus am Gries]] waren naturgemäß selbst keine Brunnstuben, sie lieferten aber Wasser für Brunnstuben. |
| − | Die Qualität der Ziehbrunnen in der Stadt erwiese sich gegen Ende des Mittelalters - trotz regelmäßiger Reinigung als sehr unzureichend. Die zuerst äußerst bescheidenen hygienischen Ansprüche stiegen nach den vielen Seuchen. Deshalb wurden schrittweise große Brunnstuben (öffentliche stets gedeckte Brunnen), von denen Salzburg bald sieben aufweisen konnte, errichtet. Diese ersten öffentlichen Brunnen wurden dem Baustil ihrer Zeit öfter auch entsprechend künstlerisch gestaltet. Das [[Erzbischöfliches Brunnhaus|erzbischöfliche Brunnhaus]] und das [[städtisches Brunnhaus|städtische Brunnhaus am Gries]] waren naturgemäß selbst keine Brunnstuben, sie lieferten aber Wasser für Brunnstuben. | |
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| | ==== Almkanal und Almbrunnleitungen ==== | | ==== Almkanal und Almbrunnleitungen ==== |
| | :''Hauptartikel [[Almkanal]]'' | | :''Hauptartikel [[Almkanal]]'' |
| − | Der [[Denkmalgeschützte Objekte in der Stadt Salzburg|denkmalgeschützte]] Almkanal übernahm von Mitte des [[12. Jahrhundert|12.]] bis zur Mitte des [[18. Jahrhundert]]s dann eine sehr bedeutende Rolle in der Wasserversorgung der Stadt. In den Jahren [[1137]] bis [[1143]] wird der 400 m lange Stollen (“Stiftsarmstollen”) zwischen [[Mönchsberg]] und [[Festungsberg]] durchgeschlagen. Das Wasser des [[Rosittenbach]]s gelangt ab etwa 1160 direkt in die Stadt. Über fünf ''Almbrunnleitungen'', Holzleitungen aus [[Lärche]], gelangt(e) das Wasser zu etwa 80 Ausläufen an Brunnen, [[Salzburger Badehäuser|Badehäuser]], Waschhäuser und die [[Pferdeschwemme]]n. | + | Der [[Denkmalgeschützte Objekte in der Stadt Salzburg|denkmalgeschützte]] Almkanal übernahm von Mitte des [[12. Jahrhundert|12.]] bis zur Mitte des [[18. Jahrhundert]]s dann eine sehr bedeutende Rolle in der Wasserversorgung der Stadt. In den Jahren [[1137]] bis [[1143]] wird der 400 m lange [[Stiftsarmstollen]] zwischen [[Mönchsberg]] und [[Festungsberg]] durchgeschlagen. Das Wasser des [[Rosittenbach]]s gelangt ab etwa 1160 direkt in die Stadt. Über fünf ''Almbrunnleitungen'', Holzleitungen aus [[Lärche]], gelangt(e) das Wasser zu etwa 80 Ausläufen an Brunnen, [[Salzburger Badehäuser|Badehäuser]], Waschhäuser und die [[Pferdeschwemme]]n. |
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| − | Allerdings wurden anfangs nur das [[Domkapitel]], das [[Benediktiner-Erzabtei St. Peter|Benediktiner-Erzstift St. Peter]] und die [[Fürstenstadt|erzbischöflichen Einrichtungen]] mit "Fließwasser" versorgt. Die [[Bürgerstadt]] hingegen musste sich mit anderem Wasser behelfen. Seuchen waren an der Tagesordnung. Auch bei [[Brände Stadt Salzburg|Bränden]] fehlte Löschwasser, was mit mit zu den verheerenden Ausmaßen von Stadtbränden beitrug. | + | Allerdings wurden anfangs nur das [[Domkapitel]], das [[Benediktiner-Erzabtei St. Peter|Benediktiner-Erzstift St. Peter]] und die [[Fürstenstadt|erzbischöflichen Einrichtungen]] mit "Fließwasser" versorgt. Die [[Bürgerstadt]] hingegen musste sich mit anderem Wasser behelfen. Seuchen waren an der Tagesordnung. Auch bei [[Brände Stadt Salzburg|Bränden]] fehlte Löschwasser, was mit zu den verheerenden Ausmaßen von Stadtbränden beitrug. |
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| − | Ab [[1286]] wurde der Bau eines fünf Kilometer langen Durchstichkanales vom Rosittenbach durch den Wald von Kattenau ([[Gartenau]]) zur [[Königsseeache]] – auch Alm oder Almfluss genannt – begonnen, der in [[Sankt Leonhard (Grödig)|Sankt Leonhard]] in [[Grödig]] an der Grenze zu [[Bayern]] ([[Berchtesgadener Land]]) endet. Seither führt dieses Meisterwerk mittelalterlicher Ingenieurskunst auch das Wasser der Königsseeache in die Stadt Salzburg. Die Wassermenge war für die [[Salzburger Wirtschaft]] als Antrieb für die zahlreichen Mühlen und Hammerwerke ebenso bedeutend wie zur Trink- und Abwasserentsorgung. | + | Ab [[1286]] wurde der Bau eines fünf Kilometer langen Durchstichkanales vom Rosittenbach durch den Wald von Kattenau ([[Gartenau]]) zur [[Königsseeache]] – auch Alm oder Almfluss genannt – begonnen, der in [[St. Leonhard (Grödig)|St. Leonhard]] in [[Grödig]] an der Grenze zu [[Bayern]] ([[Berchtesgadener Land]]) endet. Seither führt dieses Meisterwerk mittelalterlicher Ingenieurskunst auch das Wasser der Königsseeache in die Stadt Salzburg. Die Wassermenge war für die [[Salzburger Wirtschaft]] als Antrieb für die zahlreichen [[Mühle]]n und [[Hammerwerk]]e ebenso bedeutend wie zur Trink- und Abwasserentsorgung. |
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| − | [[1335]] gestattete Erzbischof [[Friedrich III. von Leibnitz]] Wasser vom Müllner Arm des Almkanales bis zum [[Bürgerspital St. Blasius]] zu leiten. Von [[1335]] bis [[1387]] wurde der städtische Arm des Almkanals vom [[Müllner Arm]] nach [[Mülln]] abzweigend errichtet und der [[Stiftsarmstollen]] durch den Mönchsberg geschlagen, der das Wasser von der [[Riedenburg]] zum [[Bürgerspital St. Blasius|Bürgerspital]] und weiter in die Salzach brachte. | + | [[1335]] gestattete Erzbischof [[Friedrich III. von Leibnitz]] Wasser vom Müllner Arm des Almkanales bis zum [[Bürgerspital St. Blasius]] zu leiten. Von [[1335]] bis [[1387]] wurde der städtische Arm des Almkanals vom [[Müllner Arm]] nach [[Mülln]] abzweigend errichtet und der Stiftsarmstollen durch den Mönchsberg geschlagen, der das Wasser von der Riedenburg zum Bürgerspital und weiter in die Salzach brachte. |
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| | ==== Gersbergwasserleitung ==== | | ==== Gersbergwasserleitung ==== |
| − | [[1485]]/88 wurde die [[Gersbergwasserleitung ]] vom [[Gersberg]], einem Vorberg des [[Gaisberg]]s, bis zum [[Florianibrunnen]] am [[Alter Markt|Alten Markt]] gelegt. In über 2 000 [[Lärche]]<nowiki>nröhren</nowiki> leitete man das Wasser aus [[Parsch]] nördlich am [[Kapuzinerberg]] entlang in die Stadt. [[1639]] wurden in der [[Linzer Gasse]] und in Parsch Brunnstuben im Verlauf der Gersbergleitung hinzugefügt. | + | [[1485]]/88 wurde die [[Gersbergwasserleitung]] vom [[Gersberg]], einem Vorberg des [[Gaisberg]]s, bis zum Florianibrunnen am Alten Markt gelegt. In über 2 000 Lärchenröhren leitete man das Wasser aus [[Parsch]] nördlich am [[Kapuzinerberg]] entlang in die Stadt. [[1639]] wurden in der [[Linzer Gasse]] und in Parsch Brunnstuben im Verlauf der Gersbergleitung hinzugefügt. |
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| | ==== Städtisches Brunnhaus ==== | | ==== Städtisches Brunnhaus ==== |
| | :''Hauptartikel [[Städtisches Brunnhaus]]'' | | :''Hauptartikel [[Städtisches Brunnhaus]]'' |
| − | [[1548]] wurde das städtische Brunnhaus gegenüber der [[Bürgerspitalskirche St. Blasius]] am ''Gries'' als Grundwasserschöpfwerk in Betrieb genommen. | + | [[1548]] wurde das städtische Brunnhaus gegenüber der [[Bürgerspitalskirche St. Blasius]] ''am Gries'' als Grundwasserschöpfwerk in Betrieb genommen. |
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| | ==== Erzbischöfliches Brunnhaus ==== | | ==== Erzbischöfliches Brunnhaus ==== |
| | :''Hauptartikel [[Erzbischöfliches Brunnhaus]]'' | | :''Hauptartikel [[Erzbischöfliches Brunnhaus]]'' |
| − | Das erzbischöfliche Brunnhaus selbst wurde [[1664]] am Südhang des Festungsberges in Salzburg-Nonntal errichtet. Das Wasserpumpwerk förderte seit 1679 mit Hilfe des Almkanales Quellwasser aus Hellbrunn auf ein Pumphaus auf dem Festungsberg und von dort im Freispiegel weiter zur Fontäne des [[Residenzbrunnen]]s und zu höher gelegenen Häusern in Nonntal und im [[Kaiviertel]]. | + | Das erzbischöfliche Brunnhaus selbst wurde [[1664]] am Südhang des Festungsberges in Salzburg-Nonntal errichtet. Das Wasserpumpwerk förderte seit 1679 mit Hilfe des Almkanals Quellwasser aus [[Hellbrunn]] auf ein Pumphaus auf dem Festungsberg und von dort im Freispiegel weiter zur Fontäne des [[Residenzbrunnen]]s und zu höher gelegenen Häusern in Nonntal und im [[Kaiviertel]]. |
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| | ==== Fürstenbrunner Quelle ==== | | ==== Fürstenbrunner Quelle ==== |
| − | Bereits im [[15. Jahrhundert]] ließen sich die Fürsterzbischöfe das Quellwasser des [[Untersberg]]es mit Wasserreitern täglich frisch zur fürstlichen Tafel bringen. Wegen seiner Güte und Klarheit des Wassers aus den so genannten ''Fürstenquellen'' ([[Fürstenbrunner Quelle]]) unternahm [[1654]] [[Fürsterzbischof]] [[Guidobald Graf von Thun und Hohenstein]] den ersten Versuch, das Quellwasser unter Druck in die Stadt zu leiten. Gleichzeitig wurde der Residenzbrunnen errichtet, man leitete mit 3 237 lärchenen Röhren "Deicheln", genannt, das Wasser in die Stadt. [[1661]] war das Bauvorhaben vollendet, jedoch zerbarsten die Holzröhren bereits bei der Einweihung. Nachdem Fürsterzbischof [[Maximilian Gandolf Graf von Kuenburg]] seine geplante Wasserleitung [[1679]] aus [[Fürstenbrunn]] aus technischen Gründen zurücklegen musste, entstand die ''[[Hellbrunn]]er Wasserleitung''. [[1719]] wurde ein weiterer Versuch unternommen eine Wasserleitung von Fürstenbrunn zur bauen, noch fünf folgten. [[1738]] legte Professor [[Bernhard Stuart]] dem Domkapitel einen weiteren Plan zum Bau einer Wasserleitung vor. Es dauerte weitere 120 Jahre, bis ein solches Projekt wieder aufgegriffen wurde. | + | Bereits im [[15. Jahrhundert]] ließen sich die Fürsterzbischöfe das Quellwasser des [[Untersbergstock]]es mit Wasserreitern täglich frisch zur [[Salzburger Fürstenhof|fürstlichen Tafel]] bringen. Wegen seiner Güte und Klarheit des Wassers aus den so genannten ''Fürstenquellen'' ([[Fürstenbrunner Quelle]]) unternahm [[1654]] [[Fürsterzbischof]] [[Guidobald Graf von Thun und Hohenstein]] den ersten Versuch, das Quellwasser unter Druck in die Stadt zu leiten. Gleichzeitig wurde der Residenzbrunnen errichtet, man leitete mit 3 237 lärchenen Röhren, "Deicheln", genannt, das Wasser in die Stadt. [[1661]] war das Bauvorhaben vollendet, jedoch zerbarsten die Holzröhren bereits bei der Einweihung. Nachdem Fürsterzbischof [[Maximilian Gandolf Graf von Kuenburg]] seine geplante Wasserleitung [[1679]] aus [[Fürstenbrunn]] aus technischen Gründen zurücklegen musste, entstand die ''[[Hellbrunn]]er Wasserleitung''. [[1719]] wurde ein weiterer Versuch unternommen eine Wasserleitung von Fürstenbrunn zu bauen, noch fünf folgten. [[1738]] legte Professor Pater [[Bernhard Stuart]] dem Domkapitel einen weiteren Plan zum Bau einer Wasserleitung vor. Es dauerte weitere 120 Jahre, bis ein solches Projekt wieder aufgegriffen wurde. |
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| | ==== Gaisbergquellen ==== | | ==== Gaisbergquellen ==== |
| − | [[1649]] wurde am Gaisberg eine Quelle gefasst, dessen Wasser zum städtischen Ziegelstadel geleitet wurde. Es folgten weitere Quellfassungen [[1714]] und [[1806]] am [[Kühberg (Stadt Salzburg)|Kühberg]] und Gersberg. Die | + | [[1649]] wurde am Gaisberg eine Quelle gefasst, dessen Wasser zum städtischen Ziegelstadel geleitet wurde. Es folgten weitere Quellfassungen [[1714]] und [[1806]] am [[Kühberg (Stadt Salzburg)|Kühberg]] und Gersberg. Die ''Mirabellleitung'' vom [[Neuhauser Berg]] und vom unteren [[Judenbergalm|Judenberg]] führte zum [[Linzertor]], wo sie sich in eine Leitung zum [[Mirabellgarten]] und eine zum [[Schloss Mirabell]] teilte. Diese aus Holz bestehende Leitung bestand bis [[1919]]. |
| − | ''Mirabellleitung'' vom [[Neuhauser Berg]] und vom unteren [[Judenbergalm|Judenberg]] führte zum [[Linzertor]], wo sie sich in eine Leitung zum [[Mirabellgarten]] und eine zum [[Schloss Mirabell]] teilte. Diese aus Holz bestehende Leitung bestand bis [[1919]]. | |
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| | ==== Erste Hausanschlüsse der Neuzeit mit Wasserzins ==== | | ==== Erste Hausanschlüsse der Neuzeit mit Wasserzins ==== |