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| − | '''Joseph Ernst Ritter von Koch-Sternfeld''' (* [[25. März]] [[1778]] [[Wagrain]]; † [[29. Juni]] [[1866]] [[Tittmoning]] im [[Rupertiwinkel]]) war ein salzburgisch-[[Bayern|bayrischer]] Beamter, Geograf, Historiker und Schriftsteller. | + | '''Joseph Ernst Ritter von Koch-Sternfeld''' (* [[25. März]] [[1778]] in [[Wagrain]]; † [[29. Juni]] [[1866]] in [[Tittmoning]] im [[Rupertiwinkel]]) war ein salzburgisch-[[Bayern|bayrischer]] Beamter, Geograf, Historiker und Schriftsteller. |
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| | == Herkunft== | | == Herkunft== |
| − | Sein Vater war Johann [[Koch von Sternfeld|Koch]], [[Pfleger|Burgpfleger]] zu [[Wagrain]], später Landrichter in [[Radstadt]] sowie Burgpfleger und Lehenspropst in [[Mittersill]]; dessen Mutter entstammte der gegen Ende des [[18. Jahrhundert]]s ausgestorbenen Familie [[Konhauser von Sternenfeld]]. | + | Sein Vater war Johann [[Koch von Sternfeld|Koch]], [[Pfleger|Burgpfleger]] in [[Wagrain]], später Landrichter in [[Radstadt]] sowie Burgpfleger und Lehenspropst in [[Mittersill]]; dessen Mutter entstammte der gegen Ende des [[18. Jahrhundert]]s ausgestorbenen Familie [[Konhauser von Sternenfeld]]. |
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| − | Seine Mutter, Anna Theresia, geb. [[Salzmann]], entstammte einer geachteten Bauernfamilie aus dem [[Pinzgau]], die Besitzungen bei [[Saalfelden]] und in [[Zell am See]] hatte. | + | Seine Mutter, Anna Theresia, geb. [[Salzmann]], entstammte einer geachteten Bauernfamilie aus dem [[Pinzgau]], die Besitzungen in [[Saalfelden]] und in [[Zell am See]] hatte. |
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| | ==Werdegang== | | ==Werdegang== |
| − | Nach dem Besuch des Gymnasiums in [[Salzburg]] studierte er an der [[Universität Salzburg]] zunächst Bergbaukunde und Mineralogie, sattelte jedoch auf das Studium der Rechte um. | + | Nach dem Besuch des [[Geschichte des Benediktiner-, Staats- und Akademischen Gymnasiums|Gymnasiums]] in [[Salzburg]] studierte er an der [[Benediktineruniversität Salzburg]] zunächst Bergbaukunde und Mineralogie, sattelte jedoch auf das Studium der Rechte um. |
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| − | Nach Vollendung des Studiums und einjähriger Praxis am [[Landesgericht Salzburg|Salzburger Stadtgericht]] wurde er als Akzessist beim [[Bezirksgericht Gastein]] angestellt. [[1802]] wurde er nach Salzburg als Sekretär im Hofratskollegium berufen und in demselben Jahr von Erzbischof [[Hieronymus Graf Colloredo]] mit dem Prädikat "Edler von Sternfeld" in den Adelsstand (sowie später durch ein Diplom des Pfalzgrafen Truchseß-Zeil in den Adelsstand) erhoben. | + | Nach Vollendung des Studiums und einjähriger Praxis am [[Landesgericht Salzburg|Salzburger Stadtgericht]] wurde er als Akzessist beim [[Bezirksgericht Gastein]] angestellt. [[1802]] wurde er nach Salzburg als Sekretär im Hofratskollegium berufen und in demselben Jahr von [[Fürsterzbischof]] [[Hieronymus Graf Colloredo]] mit dem Prädikat "Edler von Sternfeld" in den Adelsstand (sowie später durch ein Diplom des Pfalzgrafen Truchseß-Zeil in den Adelsstand) erhoben. |
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| − | In Salzburg lernte Koch-Sternfeld den Syndikus Hieronimus von Kleimayrn (Sohn des Hofkanzlers, Juristen und Historikers [[Johann Franz Thaddäus von Kleimayrn]]) sowie den Schuldirektor, Geschichtsschreiber und Schriftsteller Professor [[Franz Michael Vierthaler]] kennen, welcher ihm die Veröffentlichung seiner ersten schriftstellerischen Werke ermöglichte. | + | In Salzburg lernte Koch-Sternfeld den Syndikus Hieronimus von [[Kleimayrn]] (Sohn des Hofkanzlers, Juristen und Historikers [[Johann Franz Thaddäus von Kleimayrn]]) sowie den Schuldirektor, Geschichtsschreiber und Schriftsteller Professor [[Franz Michael Vierthaler]] kennen, welcher ihm die Veröffentlichung seiner ersten schriftstellerischen Werke ermöglichte. |
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| − | [[1803]] besuchte er zu weiterer Ausbildung die Universität Göttingen in Deutschland; nach einer längeren Reise durch Norddeutschland und Österreich kehrte er im nächsten Jahr nach Salzburg zurück. Als Ergebnis der Reise verfasste er den "''Versuch über Nahrung und Unterhalt eines zivilisierten Staates''" (München [[1805]]), für den er bei einem Preisausschreiben der kaiserlich-russischen ökonomischen Gesellschaft in St. Petersburg, Russland, den zweiten Preis, dann auch weitere Ehrungen erhielt. Eine Berufung an die Universitäten Berlin und Salzburg lehnte er jedoch ab. | + | [[1803]] besuchte er zu weiterer Ausbildung die Universität Göttingen in Deutschland; nach einer längeren Reise durch Norddeutschland und Österreich kehrte er im nächsten Jahr nach Salzburg zurück. Als Ergebnis der Reise verfasste er den "''Versuch über Nahrung und Unterhalt eines zivilisierten Staates''" (München 1805), für den er bei einem Preisausschreiben der kaiserlich-russischen ökonomischen Gesellschaft in St. Petersburg, [[Russland]], den zweiten Preis, dann auch weitere Ehrungen erhielt. Eine Berufung an die Universitäten Berlin und Salzburg lehnte er jedoch ab. |
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| − | 1805 wurde er zum Assessor oder Regierungsrat der neuen [[Kurfürstentum Salzburg|kurfürstlichen Regierung in Salzburg]] befördert und hatte das Referat über Straßen- und Wasserbau, Polizei, Gewerbe und Handel, Zensur, Theater sowie über die Heilanstalten zu betreuen. [[1806]] – Salzburg gehörte noch vorübergehend zu Österreich – wurde unter seiner Leitung die Straße von [[Ried im Innkreis]] nach [[Leopoldskron-Moos]] vollendet. [[1935]] wurde die einstige Feldgasse in [[Riedenburg]] im [[Salzburg]]er Stadteil [[Maxglan]] nach Joseph Ernst Ritter von Koch-Sternfeld in [[Koch-Sternfeld-Gasse]] umbenannt. | + | [[1805]] wurde er zum Assessor oder Regierungsrat der neuen [[Kurfürstentum Salzburg|kurfürstlichen Regierung in Salzburg]] befördert und hatte das Referat über Straßen- und Wasserbau, Polizei, Gewerbe und Handel, Zensur, Theater sowie über die Heilanstalten zu betreuen. [[1806]] – Salzburg gehörte noch vorübergehend zu [[Österreich#Kaisertum Österreich|Österreich]] – wurde unter seiner Leitung die Straße von [[Ried im Innkreis]] nach [[Leopoldskron-Moos]] vollendet. |
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| − | [[1810]], als Salzburg mit [[Berchtesgaden]] an [[Bayern]] fiel, wurde Koch-Sternfeld königlich bayerischer Finanzrat; nebenbei war ihm die Verwaltung des [[Salzburger Landesarchiv|Archivs]] übertragen. Nun sammelte er die durch die Kriegswirren stark reduzierten Akten der verschiedenen Ämter und legte in Salzburg das Zentralarchiv an. | + | [[1810]], als Salzburg mit [[Berchtesgaden]] an das [[Königreich Bayern]] fiel, wurde Koch-Sternfeld königlich bayerischer Finanzrat; nebenbei war ihm die Verwaltung des [[Salzburger Landesarchiv|Archivs]] übertragen. Nun sammelte er die durch die Kriegswirren stark reduzierten Akten der verschiedenen Ämter und legte in Salzburg das Zentralarchiv an. |
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| − | [[1815]] wurde er zum Direktor des neu gegründeten bayrischen historisch-statistisch-topographischen Büros in München berufen. Er gab die "''Zeitschrift für Geschichte, Geographie und Topographie von Bayern''" (München 1816/1817, 8 Bände) heraus. | + | [[1815]] wurde er zum Direktor des neu gegründeten bayrischen historisch-statistisch-topographischen Büros in [[München]] berufen. Er gab die "''Zeitschrift für Geschichte, Geographie und Topographie von Bayern''" (München 1816/1817, acht Bände) heraus. |
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| | [[1817]] wurde er als Generalkommissar der Grenzregulierungskommission mit Österreich zugeteilt. | | [[1817]] wurde er als Generalkommissar der Grenzregulierungskommission mit Österreich zugeteilt. |
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| | Neben seiner amtlichen stand eine akademische Laufbahn. Zum Mitglied der Münchener Akademie wurde Koch-Sternfeld [[1812]] gewählt. [[1826]] wurde er zum Honorarprofessor für Geographie und Statistik in München ernannt. Schon [[1828]] gab er aber sein Lehramt wieder auf, um sich seiner schriftstellerischen Tätigkeit mehr widmen zu können. | | Neben seiner amtlichen stand eine akademische Laufbahn. Zum Mitglied der Münchener Akademie wurde Koch-Sternfeld [[1812]] gewählt. [[1826]] wurde er zum Honorarprofessor für Geographie und Statistik in München ernannt. Schon [[1828]] gab er aber sein Lehramt wieder auf, um sich seiner schriftstellerischen Tätigkeit mehr widmen zu können. |
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| − | Er zog zunächst nach [[Altötting]], dann nach Geratsdorf, nach dem Kloster Au am Inn, das er käuflich erworben hatte. Länger hielt er sich im Schloss Lampoting am [[Waginger See]] und im [[Kloster Höglwörth]] bei [[Piding]] auf. [[1847]] erwarb er in [[Tittmoning]] ein kleines Haus, in dem er seine wertvolle Sammlung unterbrachte. In einem Nebenbau verwahrte er seine reiche Bibliothek und das ansehnliche Archiv. Er lebte nun ganz für seine literarische Tätigkeit. | + | Er zog zunächst nach [[Altötting]], dann nach Geratsdorf und später in das [[Kloster Au am Inn]], das er käuflich erworben hatte. Länger hielt er sich im [[Schloss Lampoting]] am [[Waginger See]] und im [[Kloster Höglwörth]] bei [[Piding]] auf. [[1847]] erwarb er in [[Tittmoning]] ein kleines Haus, in dem er seine wertvolle Sammlung unterbrachte. In einem Nebenbau verwahrte er seine reiche Bibliothek und das ansehnliche Archiv. Er lebte nun ganz für seine literarische Tätigkeit. |
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| | ==Familie== | | ==Familie== |
| − | 1810 heiratete Koch-Sternfeld die Tochter des Salzburgers Protomedikus [[Josef von Barisani]] (* 1756). Der Ehe entstammten drei Kinder: ein Sohn Josef (* 19.7.1811 in Salzburg, später Landrichter in Altötting) und zwei Töchter: Ida (* 24. März 1816 München; † 14. August 1884 ebenda) und Emma (* 14. Dezember 1817 München; † 20. Februar 1843 München). Die Ehe wurde im Jahre 1824 geschieden. | + | 1810 heiratete Koch-Sternfeld die Tochter des Salzburgers Protomedikus [[Josef von Barisani]] (* 1756). Der Ehe entstammten drei Kinder: ein Sohn Josef (* 19. Juli 1811 in Salzburg, später Landrichter in Altötting) und zwei Töchter: Ida (* 24. März 1816 in München; † 14. August 1884 ebenda) und Emma (* 14. Dezember 1817 in München; † 20. Februar 1843 ebenda). Die Ehe wurde im Jahre 1824 geschieden. |
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| | + | == Ehrungen == |
| | + | [[1935]] wurde die einstige Feldgasse im [[Salzburg]]er Stadtteil [[Riedenburg]] nach Joseph Ernst Ritter von Koch-Sternfeld in [[Koch-Sternfeld-Gasse]] umbenannt. |
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| | ==Schriftstellerische Tätigkeit== | | ==Schriftstellerische Tätigkeit== |
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| | * [[Franz Martin]]: „[[Hundert Salzburger Familien]]“ (1946) | | * [[Franz Martin]]: „[[Hundert Salzburger Familien]]“ (1946) |
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| − | [[Kategorie:Person|Koch-Sternfeld, Joseph Ernst Ritter von]]
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| − | [[Kategorie:Geschichte (Person)|Koch-Sternfeld, Joseph Ernst Ritter von]] | + | [[Kategorie:Person]] |
| − | [[Kategorie:Person (Geschichte)|Koch-Sternfeld, Joseph Ernst Ritter von]] | + | [[Kategorie:Person (Geschichte)]] |
| − | [[Kategorie:Historiker|Koch-Sternfeld, Joseph Ernst Ritter von]] | + | [[Kategorie:Geschichte (Person)]] |
| − | [[Kategorie:Geograf|Koch-Sternfeld, Joseph Ernst Ritter von]] | + | [[Kategorie:Person (Wissenschaft)]] |
| − | [[Kategorie:Person (Kunst)|Koch-Sternfeld, Joseph Ernst Ritter von]] | + | [[Kategorie:Historiker]] |
| − | [[Kategorie:Schriftsteller|Koch-Sternfeld, Joseph Ernst Ritter von]] | + | [[Kategorie:Geograf]] |
| − | [[Kategorie:Ausgroaste|Koch-Sternfeld, Joseph Ernst Ritter von]] | + | [[Kategorie:Beamter]] |
| − | [[Kategorie:Salzburgs Töchter und Söhne|Koch-Sternfeld, Joseph Ernst Ritter von]] | + | [[Kategorie:Person (Kunst)]] |
| − | [[Kategorie:Pongau|Koch-Sternfeld, Joseph Ernst Ritter von]] | + | [[Kategorie:Schriftsteller]] |
| − | [[Kategorie:Wagrain|Koch-Sternfeld, Joseph Ernst Ritter von]] | + | [[Kategorie:Ausgroaste]] |
| | + | [[Kategorie:Salzburgs Töchter und Söhne]] |
| | + | [[Kategorie:Pongau]] |
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