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| | Der rühriger Salzburger [[Landeshauptmann]] Dr. [[Franz Rehrl]] erkannte einerseits die Hilflosigkeit der österreichischen Bundesregierung, die Wirtschaft mangels Budgetmittel anzukurbeln und versuchte von sich aus, der Wirtschaftskrise durch Salzburger Impulse zu helfen. Doch Anfang der [[1930er]] Jahre traf die Wirtschaftskrise endgültig auch Salzburg. Der [[Kupfererzbergbau]] in [[Mitterberghütten]] wurde [[1931]] stillgelegt, die [[Halleiner Papierfabrik]] waren mehrmals vom Konkurs bedroht. Die Arbeitslosigkeit stieg auf 32 Prozent. Dazwischen liegende [[Landtagswahlen]] brachten den Nationalsozialisten deutliche Gewinne. | | Der rühriger Salzburger [[Landeshauptmann]] Dr. [[Franz Rehrl]] erkannte einerseits die Hilflosigkeit der österreichischen Bundesregierung, die Wirtschaft mangels Budgetmittel anzukurbeln und versuchte von sich aus, der Wirtschaftskrise durch Salzburger Impulse zu helfen. Doch Anfang der [[1930er]] Jahre traf die Wirtschaftskrise endgültig auch Salzburg. Der [[Kupfererzbergbau]] in [[Mitterberghütten]] wurde [[1931]] stillgelegt, die [[Halleiner Papierfabrik]] waren mehrmals vom Konkurs bedroht. Die Arbeitslosigkeit stieg auf 32 Prozent. Dazwischen liegende [[Landtagswahlen]] brachten den Nationalsozialisten deutliche Gewinne. |
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| − | In diesem wirtschaftlichen Umfeld fand Großdeutsches Gedankengut fruchtbaren Boden. Schon 1931 waren Gastredner wie Reichsführer-SS-Heinrich Himmler bei Kundgebungen in ganz Österreich vor Tausenden von Zuhörern aufgetreten. Polizeimeldungen aus dem Jahr 1932 sagen, dass die Zahl der eingeschriebenen NS-Mitglieder von 2 960 im Februar auf 4 612 im Juni angestiegen waren. In Salzburg kam es zu einer Politik in neuem Stil: mit einer gezielten Propaganda verkürzter Informationen wurden Behauptungen und Forderungen formuliert und artikuliert. Aggressive Gesprächston und Angriffe an die Mitglieder der [[Salzburger Landesregierung]] waren Alltag. Denunziationen, Lügen und Schmährufe ("Franzl, der Dicke" (Anmerk: Franz Rehrl), der "Pfeifen-Rehrl") gehörten zum Repertoire der Nationalsozialisten. | + | In diesem wirtschaftlichen Umfeld fand Großdeutsches Gedankengut fruchtbaren Boden. Schon 1931 waren Gastredner wie Reichsführer-[[SS]]-Heinrich Himmler bei Kundgebungen in ganz Österreich vor Tausenden von Zuhörern aufgetreten. Polizeimeldungen aus dem Jahr 1932 sagen, dass die Zahl der eingeschriebenen NS-Mitglieder von 2 960 im Februar auf 4 612 im Juni angestiegen waren. In Salzburg kam es zu einer Politik in neuem Stil: mit einer gezielten Propaganda verkürzter Informationen wurden Behauptungen und Forderungen formuliert und artikuliert. Aggressive Gesprächston und Angriffe an die Mitglieder der [[Salzburger Landesregierung]] waren Alltag. Denunziationen, Lügen und Schmährufe ("Franzl, der Dicke" (Anmerk: Franz Rehrl), der "Pfeifen-Rehrl") gehörten zum Repertoire der Nationalsozialisten. |
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| | In einer großen Wahlkundgebung 1932 der Nationalsozialisten im [[Kurhausbetriebe der Stadt Salzburg|Kurhaus]] wurde die NSDAP nicht als Wirtschaftspartei, sondern als Weltanschauung dargestellt. Bei der Wahl am [[24. April]] kamen dann auch die NS auf 20 Prozent der Stimmen und sechs Mandate, die Christlichsozialen auf zwölf Mandate und die Sozialdemokraten auf acht Mandate. Karl Scharizer wurde illegaler Gauleiter von Salzburg. [[Tamsweg]] und [[Zell am See]] lagen im österreichischen Spitzenfeld, was die Organisation der NSDAP anbelangte. | | In einer großen Wahlkundgebung 1932 der Nationalsozialisten im [[Kurhausbetriebe der Stadt Salzburg|Kurhaus]] wurde die NSDAP nicht als Wirtschaftspartei, sondern als Weltanschauung dargestellt. Bei der Wahl am [[24. April]] kamen dann auch die NS auf 20 Prozent der Stimmen und sechs Mandate, die Christlichsozialen auf zwölf Mandate und die Sozialdemokraten auf acht Mandate. Karl Scharizer wurde illegaler Gauleiter von Salzburg. [[Tamsweg]] und [[Zell am See]] lagen im österreichischen Spitzenfeld, was die Organisation der NSDAP anbelangte. |
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| | Im [[Kleines Festspielhaus|Salzburger Festspielhaus]] wurde die ''entartete Kunst'' von [[Anton Faistauer]] entfernt, die Fresken wurden abgenommen und in einem Depot gelagert. | | Im [[Kleines Festspielhaus|Salzburger Festspielhaus]] wurde die ''entartete Kunst'' von [[Anton Faistauer]] entfernt, die Fresken wurden abgenommen und in einem Depot gelagert. |
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| − | Die Konzerttätigkeit in Salzburg und die Festspiele wurden unter neuen Vorzeichen weitergeführt. 1939 wurden ''Dichtertage'' abgehalten. Neben anderen waren eingeladen Erwin Guido Kolbenheyer, [[Karl Heinrich Waggerl]], Josef Weinheber und [[Karl Springenschmid]]. | + | Die Konzerttätigkeit in Salzburg und die [[Salzburger Festspiele]] wurden unter neuen Vorzeichen weitergeführt. 1939 wurden ''Dichtertage'' abgehalten. Neben anderen waren eingeladen Erwin Guido Kolbenheyer, [[Karl Heinrich Waggerl]], Josef Weinheber und [[Karl Springenschmid]]. |
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| | ==Weniger Christliche Feiertage == | | ==Weniger Christliche Feiertage == |
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| | ==Kleine Gemeinden wurden in größere eingegliedert, Ortsbezeichnungen geändert== | | ==Kleine Gemeinden wurden in größere eingegliedert, Ortsbezeichnungen geändert== |
| | [[Eingemeindungen]]: Im Raum der Stadt Salzburg wurden Umgebungsgemeinden in die Stadt Salzburg einbezogen. Bisher eigenständige Gemeinden wie | | [[Eingemeindungen]]: Im Raum der Stadt Salzburg wurden Umgebungsgemeinden in die Stadt Salzburg einbezogen. Bisher eigenständige Gemeinden wie |
| − | *[[Bucheben]], heute zu [[Rauris]] gehörend, | + | *[[Gemeinde Bucheben]], heute zu [[Rauris]] gehörend, |
| | *[[Weng (Goldegg)]], heute nur mehr Ortsteil von [[Goldegg]], | | *[[Weng (Goldegg)]], heute nur mehr Ortsteil von [[Goldegg]], |
| | *[[St. Georgen (Bruck)|St. Georgen im Pinzgau]], | | *[[St. Georgen (Bruck)|St. Georgen im Pinzgau]], |
| − | *[[Embach]], heute Ortsteil von [[Lend]] | + | *[[Gemeinde Embach]], heute Ortsteil von [[Lend]] |
| − | *[[Eschenau]], heute Ortsteil von [[Taxenbach]], | + | *[[Gemeinde Eschenau]], heute Ortsteil von [[Taxenbach]], |
| − | wurden anderen Gemeinden zugeschlagen. Auch Ortsbezeichnungen wurden vereinzelt abgeändert, z.B. [[St. Johann im Pongau]], das über Anordnung des herrschenden Regimes nun "Markt Pongau" hieß. Fast alle Eingemeindungen blieben nach dem Ende des Nationalsozialismus weiter bestehen, sie wurden nicht rückgängig gemacht. | + | wurden anderen Gemeinden zugeschlagen. Auch Ortsbezeichnungen wurden vereinzelt abgeändert, z. B. [[St. Johann im Pongau]], das über Anordnung des herrschenden Regimes nun "Markt Pongau" hieß. Fast alle Eingemeindungen blieben nach dem Ende des Nationalsozialismus weiter bestehen, sie wurden nicht rückgängig gemacht. |
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| | ==Wer ist Nationalsozialist?== | | ==Wer ist Nationalsozialist?== |
| − | Auf die Frage ''Wie werde ich Nationalsozialist?'' antwortete Karl Springenschmid mit ''Nationalsozialistisch ist, wer sich in einem Tun und Handeln ausschließlich nach jenen Grundsätzen richtet, die der Führer in seiner Lehre dargelegt hat!'' | + | Auf die Frage "''Wie werde ich Nationalsozialist?''" antwortete Karl Springenschmid mit "''Nationalsozialistisch ist, wer sich in einem Tun und Handeln ausschließlich nach jenen Grundsätzen richtet, die der Führer in seiner Lehre dargelegt hat!''" |
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| − | Die Euphorie in Salzburg wurde durch Besuchen von Göring und Hitler noch gesteigert. Bei Hitlers Besuch am [[6. April]] 1938 meinte dieser: ..''Nur ein Beethoven, Deutschlands und Österreichs gemeinsamer großer Sohn, wäre imstande, den Jubel, der seit Tagen die österreichischen Lande durchtobt, in die Gewalt musikalischer Rhythmen einzufangen..''<ref>Quelle des Zitats - [[Salzburger Zeitung]], 7. April 1938</ref>. | + | Die Euphorie in Salzburg wurde durch Besuchen von Göring und Hitler noch gesteigert. Bei Hitlers Besuch am [[6. April]] 1938 meinte dieser: "''... Nur ein Beethoven, Deutschlands und Österreichs gemeinsamer großer Sohn, wäre imstande, den Jubel, der seit Tagen die österreichischen Lande durchtobt, in die Gewalt musikalischer Rhythmen einzufangen...''"<ref>Quelle des Zitats - [[Salzburger Zeitung]], 7. April 1938</ref>. |
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| | ==Inhaftierungen== | | ==Inhaftierungen== |
| − | Besonders hart traf es die Russen im [[Kriegsgefangenenlager "Markt Pongau"]], wie [[St. Johann im Pongau]] in der Zeit des NS-Regimes hieß. Für die Zigeuner gab es in Salzburg - [[Riedenburg]] (Rosittengründe) ein Lager ([[Zigeunerlager Maxglan]]), in dem viele ihr Leben ließen. Insgesamt 13.000 oppositionell gesinnte Personen wurden zwischen [[1938]] und [[1945]] verhaftet, darunter prominente Politiker wie der langjährige Landeshauptmann [[Franz Rehrl|Dr. Franz Rehrl]]. [[1942]] wurden acht Eisenbahner, die der Widerstandsbewegung angehörten, hingerichtet. Zeitweise wurden drei [[KZ-Nebenlager im Pinzgau]] geführt. | + | Besonders hart traf es die Russen im [[Kriegsgefangenenlager "Markt Pongau"]], wie [[St. Johann im Pongau]] in der Zeit des NS-Regimes hieß. Für die Zigeuner gab es in Salzburg - [[Riedenburg]] (Rosittengründe) ein Lager ([[Zigeunerlager Maxglan]]), in dem viele ihr Leben ließen. Insgesamt 13.000 oppositionell gesinnte Personen wurden zwischen [[1938]] und [[1945]] verhaftet, darunter prominente Politiker wie der langjährige Landeshauptmann Dr. [[Franz Rehrl]]. [[1942]] wurden acht Eisenbahner, die der Widerstandsbewegung angehörten, hingerichtet. Zeitweise wurden drei [[KZ-Nebenlager im Pinzgau]] geführt. |
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| | ==Euthanasie und Zwangssterilisierung== | | ==Euthanasie und Zwangssterilisierung== |
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| | ==Bauwahn== | | ==Bauwahn== |
| − | In der Zeit des [[Nationalsozialismus]] gab es eine Planung, am [[Kapuzinerberg]] vier große neue Gebäudekomplexe zu errichten: ein ''Gauforum'' und ein ''Sportstadion'' an Stelle von [[Kapuzinerkloster (Salzburg)|Kapuzinerkloster]]s und Klostergarten, darüber liegend ein ''Festspielhaus'', sowie eine ''Verwaltungszentrale" am höchsten Punkt vor dem [[Franziski-Schlössl]]. Aufgeschlossen werden sollten diese Bauten durch eine große Auffahrtsrampe vom [[Äußerer Stein|Äußeren Stein]] aus. Der weitere Verlauf des Krieges und das Ende der NS-Zeit verhinderte die Ausführung dieser Projekte. | + | In der Zeit des Nationalsozialismus gab es eine Planung, am [[Kapuzinerberg]] vier große neue Gebäudekomplexe zu errichten: ein ''Gauforum'' und ein ''Sportstadion'' an Stelle von [[Kapuzinerkloster (Salzburg)|Kapuzinerkloster]]s und Klostergarten, darüber liegend ein ''Festspielhaus'', sowie eine ''Verwaltungszentrale" am höchsten Punkt vor dem [[Franziski-Schlössl]]. Aufgeschlossen werden sollten diese Bauten durch eine große Auffahrtsrampe vom [[Äußerer Stein|Äußeren Stein]] aus. Der weitere Verlauf des Krieges und das Ende der NS-Zeit verhinderte die Ausführung dieser Projekte. |
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| | ==Der Krieg beginnt== | | ==Der Krieg beginnt== |
| − | Nach der Kriegserklärung am [[1. September]] [[1939]] rollte eine beispiellose Verhaftungswelle über Salzburg: In der Stadt Salzburg, [[St. Johann im Pongau]] und [[Kaprun]] kam es zu Verhaftungen unter den Arbeitern wegen angeblicher Verbreitung von Schmähschriften. Unter den Eisenbahner gab es unter dem NS-Regime 250 Verhaftungen, allein 150 im Jahr 1942. | + | Nach der Kriegserklärung am [[1. September]] [[1939]] rollte eine beispiellose Verhaftungswelle über Salzburg: In der Stadt Salzburg, St. Johann im Pongau und Kaprun kam es zu Verhaftungen unter den Arbeitern wegen angeblicher Verbreitung von Schmähschriften. Unter den Eisenbahner gab es unter dem NS-Regime 250 Verhaftungen, allein 150 im Jahr 1942. |
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| | Fußballspiele wurde zu Austragungsstätten von Prügeleien. Etwa 600 Personen gehörten der SS an, etwa 5000 zur SA. Die Lebensmittel begannen 1943 knapp zu werden. Die Zahl der Toten stieg. ''Jetzt, wo es durch den weiten Raum im Osten Aufstiegsmöglichkeiten in unendlichem Ausmaß gibt, wo jeder Bub, der in Ordnung ist, Bauer werden kann... '' (Michael Friesacher, Jänner 1943), begann die verlorene Schlacht um Stalingrad in Russland (190.000 gefallene deutsche Soldaten, 107.000 deutsche Soldaten in russischer Gefangenschaft) den unaufhaltsamen Niedergang Hitlers und des NS einzuläuten. | | Fußballspiele wurde zu Austragungsstätten von Prügeleien. Etwa 600 Personen gehörten der SS an, etwa 5000 zur SA. Die Lebensmittel begannen 1943 knapp zu werden. Die Zahl der Toten stieg. ''Jetzt, wo es durch den weiten Raum im Osten Aufstiegsmöglichkeiten in unendlichem Ausmaß gibt, wo jeder Bub, der in Ordnung ist, Bauer werden kann... '' (Michael Friesacher, Jänner 1943), begann die verlorene Schlacht um Stalingrad in Russland (190.000 gefallene deutsche Soldaten, 107.000 deutsche Soldaten in russischer Gefangenschaft) den unaufhaltsamen Niedergang Hitlers und des NS einzuläuten. |
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| | * [[Theodor Herz]] | | * [[Theodor Herz]] |
| | * [[Karl Wassing]] | | * [[Karl Wassing]] |
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| | === Pongau === | | === Pongau === |
| | * [[Kriegsgefangenenlager "Markt Pongau"]] | | * [[Kriegsgefangenenlager "Markt Pongau"]] |