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| | Als Landeshauptmann machte er sich vor allem um die [[Salzburger Festspiele]] verdient. In seine Amtszeit fiel der Umbau der großen gedeckten [[Winterreitschule]] durch Architekt [[Eduard Hütter]] zum ersten [[Großes Festspielhaus|Festspielhaus]] [[1925]], der zweite Umbau [[1926]], sowie der dritte und grundlegende Umbau des Festspielhauses durch [[Clemens Holzmeister]] im Jahr [[1937]], bei dem auf Wunsch von [[Arturo Toscanini]] der Zuschauerraum um 180° gedreht wurde. Diese Drehung machte einen Bühnenhausanbau notwendig, wofür Landeshauptmann Rehrl sogar sein Geburtshaus im (heutigen) [[Toscanini-Hof]] abreißen ließ. | | Als Landeshauptmann machte er sich vor allem um die [[Salzburger Festspiele]] verdient. In seine Amtszeit fiel der Umbau der großen gedeckten [[Winterreitschule]] durch Architekt [[Eduard Hütter]] zum ersten [[Großes Festspielhaus|Festspielhaus]] [[1925]], der zweite Umbau [[1926]], sowie der dritte und grundlegende Umbau des Festspielhauses durch [[Clemens Holzmeister]] im Jahr [[1937]], bei dem auf Wunsch von [[Arturo Toscanini]] der Zuschauerraum um 180° gedreht wurde. Diese Drehung machte einen Bühnenhausanbau notwendig, wofür Landeshauptmann Rehrl sogar sein Geburtshaus im (heutigen) [[Toscanini-Hof]] abreißen ließ. |
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| − | Im [[März]] [[1930]] beschloss der Landtag unter ihm den Bau der [[Großglockner Hochalpenstraße]]. Noch am [[30. August]] des selben Jahres eröffnete Franz Rehrl mit dem ersten Sprengschuss in [[Fusch an der Großglocknerstraße|Ferleiten]] den Baubeginn dieses ehrgeizigen Straßenbauprojektes der österreichischen Zwischenkriegszeit, das [[1935]] fertiggestellt wurde. Zuvor überquerte er aber als erster an der Seite des Straßenerbauers [[Franz Friedrich Wallack|Hofrat Wallacks]] am [[22. September]] [[1934]] diesen Alpenübergang, noch bevor er für die Öffentlichkeit freigegeben war. | + | Rehrl galt als konsensbereiter Politiker, der sich nach den Februar-Unruhen des Jahres [[1934]] in Österreich für die verfolgten Sozialdemokraten einsetzte. Historiker beschreiben ihn als einen Menschen mit „ausgeprägtem, ebenso zähem wie phantasievollem Sinn für das ökonomisch Machbare“, als einen Typ von Unternehmer, dem allen Widerständen zum Trotz „die Durchsetzung neuer Kombinationen gelingt“. |
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| | + | =====Großglockner Hochalpenstraße und Tauernkraftwerke===== |
| | + | Dr. Rehrl war auch die treibende Kraft bei den Vorbereitungen zum Bau der [[Großglockner Hochalpenstraße]]. Im [[März]] [[1930]] beschloss der Landtag unter ihm den Bau der Großglockner Hochalpenstraße. Noch am [[30. August]] des selben Jahres eröffnete Franz Rehrl mit dem ersten Sprengschuss in [[Fusch an der Großglocknerstraße|Ferleiten]] den Baubeginn dieses ehrgeizigen Straßenbauprojektes der österreichischen Zwischenkriegszeit, das [[1935]] fertiggestellt wurde. Zuvor überquerte er aber als erster an der Seite des Straßenerbauers [[Franz Friedrich Wallack|Hofrat Wallacks]] am [[22. September]] [[1934]] diesen Alpenübergang, noch bevor er für die Öffentlichkeit freigegeben war. |
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| | Darüber hinaus gilt er als Initiator der Errichtung der [[Gaisbergstraße]] und der [[Alpenstraße]] sowie des Baus des [[Tauernkraftwerke Kaprun|Tauernkraftwerk]]es und des [[Kraftwerk Bärenwerk|Fuscher Bärenwerkes]]. | | Darüber hinaus gilt er als Initiator der Errichtung der [[Gaisbergstraße]] und der [[Alpenstraße]] sowie des Baus des [[Tauernkraftwerke Kaprun|Tauernkraftwerk]]es und des [[Kraftwerk Bärenwerk|Fuscher Bärenwerkes]]. |
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| − | Rehrl galt als konsensbereiter Politiker, der sich nach den Februar-Unruhen des Jahres [[1934]] in Österreich für die verfolgten Sozialdemokraten einsetzte. Historiker beschreiben ihn als einen Menschen mit „ausgeprägtem, ebenso zähem wie phantasievollem Sinn für das ökonomisch Machbare“, als einen Typ von Unternehmer, dem allen Widerständen zum Trotz „die Durchsetzung neuer Kombinationen gelingt“. | + | =====Hintergründe===== |
| | + | Einer der Gründe, weshalb Dr. Rehrl in den [[1920er]] und [[1930er]] Jahren sich so vehement für den Bau der Großglockner Hochalpenstraße eingesetzt hatte, war die Vision der Errichtung eines Skizentrums in der [[Glocknergruppe]]. Die sollte mit der neuen Straße erschlossen werden. Eine weitere Idee von Dr. Rehrl war, dass diese Straße zur Errichtung einer riesigen Tauernkraftwerkgruppe von jenen Betreibern gebaut und bezahlt werden sollte; dann hätte sie später vom Land Salzburg ohne Kosten übernommen werden sollen und neben der Ausflugsstraßenfunktion auch für das Skigebiet als Zubringer dienen. |
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| | + | Er erkannte, dass in der damaligen Wirtschaftsrezession die Ankurbelung des [[Fremdenverkehr]]s (wie schon [[1922]] mit den ersten Salzburger Festspielen) ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor wäre. Und man kann seinen Intensionen auch entnehmen, dass er ursprünglich auch gar nicht [[Kärnten]] daran partizipieren hätte lassen wollen. |
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| | + | Auf die Nutzung der Wasserkraft zurück greifend ließ er [[1928]] ein gigantisches Projekt vorbereiten, für dessen Ausführung der Salzburger Landtag schließlich AEG Berlin gewinnen konnte: die Tauernkraftwerke sollten mit jährlich 3,3 Milliarden Kubikmeter Wasser aus dem Gebiet der [[Zentralalpen]] im Bereich der [[Hohe Tauern|Hohen Tauern]] aus [[Kärnten]], [[Osttirol]] und Salzburg 6,6 Milliarden kWh produzieren; 1.250 km Hangkanäle, 80 km Sammelkanäle, 120 km Sammelstollen in rund 2.100 [[m ü. A.]] sollten das Wasser aus einem Einzugsgebiet von etwa 2000 km² in drei Mega-Staubecken sammeln und ins [[Kapruner Tal]] leiten. Dort sollten zwei [[Wasserkraftwerke]] gespeist werden und durch gigantische Stollen - wie zweigleisige Bahntunnels - weiter nach [[Sankt Johann im Pongau]] fließen, wo ein drittes Kraftwerk errichtet werden sollte. |
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| | + | Dieses Projekt war mit 6,6 Milliarden Schilling (1928) veranschlagt gewesen und hätte im Endausbau 6,6 Milliarden kWh Strom erzeugen sollen - zum Vergleich: etwa das 2,75fache an der 1928 bestehenden österreichischen Gesamtstromproduktion! |
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| | + | Kernbestandteil dieses Megaprojekts<ref>Aber wie oft bei solchen Mammutprojekten, es fehlte schließlich am Geld und eine deutliche magere Version wurde schließlich nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] in Form der [[Tauernkraftwerke Kaprun]] realisiert</ref> war aber ein über mehrere Kilometer lange geplanter Stollen durch die [[Tauern]], die die Wassermenge von Kärntner Gebiet nach Salzburg leiten sollten. Demnach auch ein wesentlicher Kostenbestandteil. Würde sich also ein solcher Wassertunnel in Kombination mit einem Straßentunnel in die Projektierung einfügen, wäre dies ein großer Vorteil für Salzburg - und Dr. Rehrl. |
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| | + | =====Siehe auch===== |
| | + | * [[Variantenstreit der Großglockner Hochalpenstraße]] |
| | + | * [[Großglockner Hochalpenstraße/Baugeschichte#Die erste Alpenüberquerung im Automobil|Die erste Alpenüberquerung im Automobil]] |
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| | ==Inhaftierung und Rückkehr nach Österreich (1938-1947)== | | ==Inhaftierung und Rückkehr nach Österreich (1938-1947)== |
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| | Rehrl war verheiratet mit Maria Opferkuch aus Salzburg und Vater zweier Töchter. | | Rehrl war verheiratet mit Maria Opferkuch aus Salzburg und Vater zweier Töchter. |
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| − | ==Literatur und Quellen== | + | ==Fußnote== |
| − | * Wolfgang Huber (Hrsg.): Franz Rehrl. Landeshauptmann in Salzburg [[1922]] - [[1938]]. SN-Verlag Salzburg [[1975]]
| + | <references/> |
| − | {{Quelle Salzburgs Synchronik}}
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| | ==Weblinks== | | ==Weblinks== |
| | * [http://www.parlament.gv.at/portal/page?_pageid=907,180098&_dad=portal&_schema=PORTAL&P_PAD=B Eintrag parlament.gv] | | * [http://www.parlament.gv.at/portal/page?_pageid=907,180098&_dad=portal&_schema=PORTAL&P_PAD=B Eintrag parlament.gv] |
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| | * [http://www.gdw-berlin.de/bio/ausgabe_mit.php?id=173 Gedenkstätte Deutscher Widerstand] | | * [http://www.gdw-berlin.de/bio/ausgabe_mit.php?id=173 Gedenkstätte Deutscher Widerstand] |
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| | + | ==Literatur und Quellen== |
| | + | * Wolfgang Huber (Hrsg.): Franz Rehrl. Landeshauptmann in Salzburg [[1922]] - [[1938]]. SN-Verlag Salzburg [[1975]] |
| | + | {{Quelle Salzburgs Synchronik}} |
| | + | * Buch [[Großglockner Saumpfad Römerweg Hochalpenstraße]] |
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