Fastenzeit
Die alpenländische Tradition unterscheidet zwischen zwei Fastenzeiten:
- die Adventzeit, die den Fasching unterbricht
- die 40‑tägige Fastenzeit nach dem Aschermittwoch
Allgemeines
Im Mittelalter umfasste das Jahr rund 100 Sonn- und Feiertage sowie etwa 160 Fasttage. Dazu gehörten neben Freitagen und Samstagen die kirchlich vorgeschriebenen Bußzeiten vor Ostern, der Advent vor Weihnachten und etwa 20 freiwillige Fasttage. Heute sind davon nur mehr der Aschermittwoch und der Karfreitag verpflichtend.
Geschichte der 40‑tägigen Fastenzeit
Je nach Zählweise dauert die Fastenzeit 44 Tage (mit Sonntagen) oder 38 Tage (ohne Sonntage). Sie dient der Vorbereitung auf das Osterfest. Die Zahl 40 verweist auf mehrere biblische Vorbilder: die Dauer der Sintflut (Genesis 7,4 ff), den Aufenthalt des Mose auf dem Sinai (Exodus 34,28), die 40‑jährige Wüstenwanderung Israels (Josua 5,6), den Weg des Propheten Elija zum Horeb (1 Könige 19,8) und das 40‑tägige Fasten Jesu (Matthäus 4,2).
Von Beginn an hatte die Fastenzeit eine soziale Komponente: Erspartes wurde den Armen gespendet. Während Christen im 2. Jahrhundert am Karfreitag und Karsamstag völlig auf Speisen und Getränke verzichteten, legte das Konzil von Nicäa (325) fest, dass man nur abends etwas essen durfte, jedoch weder Wein noch Fleisch. In vielen Regionen waren auch Eier und Milchprodukte verboten.
Am Aschermittwoch wird das Aschenkreuz gespendet. Ein weiterer zentraler Brauch ist der Kreuzweg. In Jerusalem zogen Christen am Karfreitag über die Via Dolorosa, wo die Orte der Passion mit Stationes markiert waren. In nahezu jeder katholischen Kirche finden sich bis heute 14 Kreuzwegstationen.
Interessantes
Das Augustiner Bräustübl Mülln schenkt ein spezielles Fastenbier ausschließlich zwischen Aschermittwoch und Ostern aus. Auch die Stieglbrauerei bietet in dieser Zeit ein nährreiches Spezialbier an.
Besonderheiten der Fastenzeit
- Am Beginn der Fastenzeit, am Aschermittwoch, einem strengen Fasttag, gibt es heute den Heringsschmaus.
- Besonderheiten der Fastenzeit sind Fastenkrippen und Fastentücher; hier ist die einzige Wechselkrippe im Bundesland Salzburg zu nennen, die eine eigene Fastenzeitkrippendarstellung kennt. Sie befindet sich in der Filialkirche zum hl. Michael in der Salzburger Altstadt.
Quellen
- Buch Salzburger Brauch, Seite 131f
- Franz X. Bischof: Fasten und Fastenzeit in der Kirchengeschichte, in: LThK³, Bd. 3, Freiburg 1995.
- Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 540.
- Josef Andreas Jungmann: Missarum Sollemnia, Bd. 1, Freiburg 1951.
- Konzil von Nicäa (325), Kanon 5.
- Adolf Adam: Grundriss der Liturgie, Freiburg 1985.
- Via Dolorosa – Tradition und Stationsgeschichte, Franziskanerkustodie des Heiligen Landes.
- Augustiner Bräustübl Mülln – Offizielle Angaben zur Fastenbier‑Ausgabe.
- Stieglbrauerei – Produktinformationen zum Fastenbier.