Die Pieridae (Weißlinge) sind eine Familie aus der Insektenordnung der Lepidoptera (Schmetterlinge).

Grünader-Weißling, Männchen der Sommergeneration, Krimml.

Allgemeine Beschreibung

Weltweit sind rund 1150 Arten beschrieben worden (Savela 2024), in Europa sind es 51 Arten (wikipedia 2024). Die Falter sind klein bis groß (Flügelspannweite bis über 10 cm). Vorherrschende Farben der Flügel sind weiß, gelb oder orange mit dunkelgrauer bis schwarzer Flecken- oder Aderzeichnung. Selten kommen bei tropischen Arten auch Rot- oder Blautöne vor, während das Grün auf der Unterseite mancher Arten durch eine Mischung gelber und schwarzer Schuppen vorgetäuscht wird.

Typische Weißlinge sind eher schwache Flieger mit gaukelndem Flug, manche Gruppen, wie etwa die Gattung Colias, sind aber kräftige und ausdauernde Flieger, die auch zu weiten Wanderungen befähigt sind. Mit Ausnahme der arktischen und antarktischen Region kommen Pieridae in allen terrestrischen Lebensräumen vor, besonders reich sind sie in den Tropen vertreten. Manche Arten dringen aber auch in Steppen- und Wüstengebiete vor und erreichen im Hochgebirge über 4000 m Höhe.

Die Raupen der Pieridae sind meist einfach, in Grüntönen gehalten mit feiner, kurzer und schütterer Behaarung. Nahrungspflanzen der Raupen sind in Europa oft Brassicaceae oder Fabaceae, jene der Zitronenfalterarten leben aber auf Rhamnaceae. Die Raupen des Baumweißlings schließlich fressen gemeinschaftlich an Rosengewächsen. Letztere können selten in ungeheuren Massen auftreten und an Obstkulturen schädlich werden. Eine solche Massenvermehrung beschreibt vermutlich auch Theodor Storm in seiner Novelle "Der Schimmelreiter", wenn er als Vorboten des nahenden Unglücks von "wie ein Schnee, ein groß Geschmeiß" und von "Blutregen" schreibt. Die Falter des Baumweißlings geben nach dem Schlüpfen aus der Puppe nämlich einen Tropen blutroten Harns ab, bevor sie wegfliegen. Aber auch die Raupen der Kohlweißlinge können gelegentlich in Monokulturen von Kraut und Kohl Schaden anrichten. Die Puppen der Pieridae sind Gürtelpuppen, ruhen also mehr oder weniger aufrecht mit einem Gespinstfaden um die Leibesmitte.

Geschichte der Erforschung im Land

Storch (1868) führt in seinem "Catalogus Faunae Saliburgensis" 16 Arten der Pieridae für Salzburg auf, wobei Colias chrysotheme und Colias myrmidone allerdings nicht Bestandteil der Salzburger Schmetterlingsfauna sind (siehe auch Embacher 1990a). Zudem wird statt "Pieris daplidice" heute Pontia edusa als seltener Wanderfalter für Salzburg geführt.

Richter (1875) fügt dieser Aufzählung noch die in Salzburg sicher fehlende [8Pieris ergane]] (damals als Variation von Pieris rapae angesehen) hinzu, bezweifelt aber bereits das Vorkommen der urspünglich von Nickerl (1845) gemeldeten C. chrysotheme, nicht aber jenes von C. myrmidone. Das Vorkommen von [8Pieris ergane]] wird dann auch von Haidenthaler (1929) bereits angezweifelt. Ebenso schließt Haidenthaler C. chrysotheme und C. myrmidone aus der Landesfauna aus.

Zu den nun gesicherten 14 Arten kommen in jüngerer Zeit noch die beiden folgenden "kryptischen" Arten hinzu: Leptidea juvernica und Colias alfacariensis. Beide sind nur durch Genitaluntersuchung (L. juvernica) oder durch ihre Raupenstadien (C. alfacariensis) sicher zu erkennen. Diese 16 Arten führen dann auch Huemer & Tarmann (1993, noch ohne L. juvernica) sowie Embacher et al. (2011) und Huemer (2013) für Salzburg auf. Vermutlich als Folge der Klimaerwärmung fand 2017 schließlich noch Pieris mannii seinen Weg nach Salzburg. Diese vor allem im Mittelmeerraum und SW-Europa verbreitete Art konnte in den 2010er Jahren ihr Verbreitungsgebiet weit nach Mitteleuropa ausdehnen und ist jetzt auch dauernder Faunenbestandteil von Salzburg (siehe auch Embacher et al. 2025).

Kenntnisstand der Gruppe in Salzburg

In Salzburg ist der Artenbestand vollständig erfasst und auch die faunistische Bestandsaufnahme ist in allen Landesteilen sehr gut dokumentiert. Trotzdem passieren immer wieder Überraschungen, wie die Einwanderung des Karstweißlings (Pieris mannii) im Jahr 2017 gezeigt hat. Der Vorstoß dieser süd- und südwesteuropäischen Art nach Mitteleuropa ist eindeutig eine Folge der Klimaerwärmung. Aber auch biochemische und genetische Untersuchungen führen gelegentlich zur Entdeckung "neuer" Arten, wie im Falle des Senfweißlings (Leptidea), bei dem Ende des letzten Jahrtausends erkannt wurde, dass es sich eigentlich um drei habituell nicht unterscheidbare Arten handelt, von denen zwei auch in Salzburg vorkommen. Mit Stand 1.1.2025 sind in Salzburg somit folgende 17 Arten nachgewiesen (Embacher et al. 2025):

lateinischer Name
Leptidea juvernica
Leptidea sinapis
Gonepteryx rhamni
Colias hyale
Colias alfacariensis
Colias phicomone
Colias croceus
Colias palaeno
Aporia crataegi
Pontia callidice
Pontia edusa
Pieris brassicae
Pieris rapae
Pieris mannii
Pieris napi
Pieris bryoniae
Anthocharis cardamines

Für Salzburg publizierte Arten, die mangels an Belegen oder wegen Bestimmungsfehlern etc. aus früheren Faunenlisten gelöscht werden mussten:

In seiner grundlegenden Arbeit über zweifelhafte Lepidopterenfunde, besonders aus dem 19. Jahrhundert und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zählt Embacher (1990a) auch vier Arten der Pieridae auf, die nach damaligem Kenntnisstand aus der Liste der Salzburger Schmetterlinge zu eliminieren waren.

lateinischer Name
Colias myrmidone
Colias chrysotheme
Pontia daplidice
Pieris ergane

Weiterführende Informationen

Über das SALZBURGWIKI-Projekt Fauna und Flora
Das SALZBURGWIKI-Projekt Fauna und Flora möchte eine Übersicht über alle Pflanzen-, Pilz- und Tierarten des Landes Salzburg erstellen. Wer eine Art beschreiben will, kann sich die hier hinterlegte Formatvorlage kopieren und für einen neuen Artikel verwenden. Im Abschnitt "Material und Methoden" wird erklärt, wann deutsche und wann lateinische Namen als Artikelnamen verwendet werden sollen.
  Pieridae – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im SALZBURGWIKI

Quellen

  • Embacher, G. 1990a. Kritische Bemerkungen zu zweifelhaften Lepidopterenfunden inklusive Nachtrag zur Bibliographie der Schmetterlingsfauna des Landes Salzburg. Entomofauna 11 (11): 177-213.
  • Embacher, G., P. Gros, M. E. Kurz, M. A. Kurz & C. Zeller-Lukashort 2011. Die Schmetterlinge des Landes Salzburg. Teil I: Systematisches Verzeichnis mit Verbreitungsangaben für die geologischen Zonen des Landes (Insecta: Lepidoptera). Mitteilungen aus dem Haus der Natur 19: 3-87.
  • Embacher, G., S. Flechtmann, P. Gros & M. Kurz 2025. Die Schmetterlinge des Landes Salzburg. Teil I: Systematische und revidierte Liste mit Verbreitungsangaben für die geologischen Zonen des Landes. 2., neu bearbeitete Auflage, Haus der Natur, Naturkundliche Gesellschaft, Salzburg.
  • Haidenthaler, L. 1929. Ein Beitrag zur Macrolepidopterenfauna des Landes Salzburg, zugleich Versuch der Aufstellung eines neuen Verzeichnisses dieser Fauna. Societas entomologica 44 (1-9). Stuttgart: 1-3, 5-7, 9-10, 15-17, 19, 23-24, 27-28, 30-32, 33-35.
  • Huemer, P. & G. Tarmann 1993. Die Schmetterlinge Österreichs (Lepidoptera). Systematisches Verzeichnis mit Verbreitungsangaben für die einzelnen Bundesländer. Beilageband 5 zu den Veröffentlichungen des Museums Ferdinandeum, Innsbruck: 1-224.
  • Huemer, P. 2013. Die Schmetterlinge Österreichs (Lepidoptera). Systematische und faunistische Checkliste. Studiohefte 12. Tiroler Landesmuseum Innsbruck: 304 pp.
  • Nickerl, O. 1845. Beitrag zur Lepidopterenfauna von Oberkärnten und Salzburg. Stettiner Entomologische Zeitschrift 6: 57-63, 89-96, 104-108.
  • Richter, J. A. 1875. Systematisches Verzeichnis der Schmetterlinge des Kronlandes Salzburg (Makrolepidoptera). Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 15: 57-94.
  • Savela, M. 2024. Lepidoptera and some other life forms. URL. www.funet.fi/pub/sci/bio/life/intro.html [online: 2024.05.01].
  • Storm, T. 1888. Der Schimmelreiter, Reclam Universal-Bibliothek, Nr. 6015 [2], Stuttgart
  • Storch, F. 1868. Catalogus Faunae Salisburgensis (Lepidoptera). Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 8: 284-298.
  • Seite „Weißlinge“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 18. Dezember 2023, 02:54 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Wei%C3%9Flinge&oldid=240283972 [online 2024.05.01]