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| | Geboren im Schrattenbach'schen Haus zu Graz im Sack, verlor der geschwisterlose Max Gandolph früh seine Mutter, Helena geb. von Schrattenbach (1585-1623). | | Geboren im Schrattenbach'schen Haus zu Graz im Sack, verlor der geschwisterlose Max Gandolph früh seine Mutter, Helena geb. von Schrattenbach (1585-1623). |
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| − | Ein [[Erklärungen früherer Bezeichnungen und Ausdrücke#O| Oheim]] war der Salzburger [[Domherr]] Wolf Wilhelm v. Schrattenbach († 1654), der auch fürsterzbischöflicher [[Erklärungen früherer Bezeichnungen und Ausdrücke#K|Kammer]]präsident und Senior des [[Domkapitel]]s war – über ihn kam die für Max Gandolph wegweisende Verbindung zum Salzburger Hof zustande. | + | Ein [[Erklärungen früherer Bezeichnungen und Ausdrücke#O| Oheim]] war der Salzburger [[Domherr]] Wolf Wilhelm v. Schrattenbach († 1654), der auch fürsterzbischöflicher [[Erklärungen früherer Bezeichnungen und Ausdrücke#K|Kammer]]präsident und Senior des [[Domkapitel]]s war – über ihn kam die für Max Gandolph wegweisende Verbindung zum Salzburger Hof zustande. |
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| | Ein Cousin war der Prager Kardinal-Erzbischof Ernst Adalbert von [[Harrach_Adelsgeschlecht|Harrach]] (1598-1667). | | Ein Cousin war der Prager Kardinal-Erzbischof Ernst Adalbert von [[Harrach_Adelsgeschlecht|Harrach]] (1598-1667). |
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| | Max Gandolph initiierte verschiedene Maßnahmen im Sinne der katholischen Gegenreformation. | | Max Gandolph initiierte verschiedene Maßnahmen im Sinne der katholischen Gegenreformation. |
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| − | Unter Erzbischof Max Gandolph brach ein neuer [[Protestantenvertreibung|Verfolgungssturm]] gegen die [[Protestanten]] im Lande aus. | + | Unter seiner Regierung brach ein neuer [[Protestantenvertreibung|Verfolgungssturm]] gegen die [[Protestanten]] im Lande aus. |
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| − | Zunächst gründete er neue Vikariate in den abgelegenen Gebirgstälern, um dort die katholische Religion zu stärken. Nachdem die Missionierungsversuche im [[Osttirol|osttiroler]], damals salzburgischen Defereggental und bei den [[Salzbergwerk Dürrnberg|Dürrnberg]]er Bergknappen –erfolglos geblieben waren, schritt der Erzbischof zur [[Protestantenvertreibung | Ausweisung der Protestanten]]. | + | Zunächst gründete er neue Vikariate in den abgelegenen Gebirgstälern, um dort die katholische Religion zu stärken. Nachdem die Missionierungsversuche im [[Osttirol|osttiroler]], damals salzburgischen Defereggental und bei den [[Salzbergwerk Dürrnberg|Dürrnberg]]er Bergknappen erfolglos geblieben waren, schritt der Erzbischof zur [[Protestantenvertreibung | Ausweisung der Protestanten]]. |
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| − | In den Jahren 1684 bis 1686 wurden insgesamt 691 [[Protestanten]] wegen ihres Bekenntnisses aus dem Defereggental vertrieben. Um [[1685]] und [[1686]] wurden auch die von [[Joseph Schaitberger]] angeführten Bergknappen schließlich zur [[Protestantenvertreibung#Der Auszug der Protestanten|Auswanderung]] gezwungen. | + | In den Jahren 1684 bis 1686 wurden insgesamt 691 [[Protestanten]] wegen ihres Bekenntnisses aus dem Defereggental vertrieben. Um [[1685]] und [[1686]] wurden auch die von [[Joseph Schaitberger]] angeführten Dürrnberger Bergknappen schließlich zur [[Protestantenvertreibung#Der Auszug der Protestanten|Auswanderung]] gezwungen. |
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| | Die Kinder der ausgewiesenen Protestanten wurden allerdings zurückbehalten; Väter, die ihre Söhne heimlich zu entführen suchten, wurden zur Galeerenstrafe verurteilt. Erst das Eingreifen des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688) ermöglichte es den Kindern, ihren Eltern nachzufolgen. | | Die Kinder der ausgewiesenen Protestanten wurden allerdings zurückbehalten; Väter, die ihre Söhne heimlich zu entführen suchten, wurden zur Galeerenstrafe verurteilt. Erst das Eingreifen des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688) ermöglichte es den Kindern, ihren Eltern nachzufolgen. |
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| | *Almosenordnung (1678) mit der Einführung eines „Bettlerkatasters“, | | *Almosenordnung (1678) mit der Einführung eines „Bettlerkatasters“, |
| | *Sauberkeitsordnung zur Vermeidung des Gassengießens und Anordnung der Reinigung vor den Häusern einmal je Woche und vor Feierlichkeiten, | | *Sauberkeitsordnung zur Vermeidung des Gassengießens und Anordnung der Reinigung vor den Häusern einmal je Woche und vor Feierlichkeiten, |
| − | *Infektionsordnung (1679) etc. | + | *Infektionsordnung (1679) usw. |
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| | ===Bautätigkeit=== | | ===Bautätigkeit=== |
| − | | + | 1669, bald nach Max Gandolphs Regierungsantritt, ereignete sich der gewaltige [[Gstättengasse#Felssturz|Bergsturz im Gstättenviertel]] zu Salzburg, der zahlreiche Menschen das Leben kostete. Zudem schlug ein Blitz in der Festung Hohensalzburg ein; seine ausgedehnte Bautätigkeit begann Max Gandolph daher mit der Errichtung der mächtigen Feuerbastei und der Absicherung der Abhänge des Festungsberges. |
| − | 1669, bald nach Max Gandolphs Regierungsantritt, ereignete sich der gewaltige Bergsturz im Gstättenviertel zu Salzburg, der zahlreiche Menschen das Leben kostete. Zudem schlug ein Blitz in der Festung Hohensalzburg ein; seine ausgedehnte Bautätigkeit begann M. G. daher mit der Errichtung der mächtigen Feuerbastei und der Absicherung der Abhänge des Festungsberges. | |
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| | An die [[Neue Residenz]] ließ er einen Südflügel für die [[Salzburger Hofbibliothek|Hofbibliothek]] anbauen. Daher kommt die heute gebräuchliche Bezeichnung "Kuenburgtrakt" oder "Max-Gandolph-Bibliothek". | | An die [[Neue Residenz]] ließ er einen Südflügel für die [[Salzburger Hofbibliothek|Hofbibliothek]] anbauen. Daher kommt die heute gebräuchliche Bezeichnung "Kuenburgtrakt" oder "Max-Gandolph-Bibliothek". |
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| | Jakob Tischler, der sogenannte "Zauberer-Jackl", und seine Mutter bestritten ihren Lebensunterhalt hauptsächlich durch Bettelei und Opferstockdiebstähle. | | Jakob Tischler, der sogenannte "Zauberer-Jackl", und seine Mutter bestritten ihren Lebensunterhalt hauptsächlich durch Bettelei und Opferstockdiebstähle. |
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| − | Anfang 1675 in Golling verhaftet, löste ihr unter der Folter erpreßtes Geständnis, sie und ihr Sohn hätten sich an Bauern, die ihnen nichts geben wollten, durch Schadenzauber gerächt, den größten Hexenprozeß in der Salzburger Landesgeschichte und auf dem Boden des heutigen Österreich aus. | + | Anfang 1675 in Golling verhaftet, löste das aus der Mutter unter der Folter erpreßte Geständnis, sie und ihr Sohn hätten sich an Bauern, die ihnen nichts geben wollten, durch Schadenzauber gerächt, den größten Hexenprozeß in der Salzburger Landesgeschichte und auf dem Boden des heutigen Österreich aus. |
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| − | Nachdem der Zauberer-Jackl selbst sich dem Behördenzugriff immer zu entziehen wusste, wurden zahlreiche vermeintlichen Komplizen, häufig Bettelkinder, durch Folter gezwungen, sich der sonderbarsten Freveltaten schuldig zu bekennen. Von insgesamt 198 Angeklagten wurden binnen sechs Jahren 133 hingerichtet, nur Kinder von weniger als zehn Altersjahren wurden geschont. | + | Nachdem der Zauberer-Jackl selbst sich dem Behördenzugriff immer zu entziehen wusste, wurden zahlreiche vermeintliche Komplizen, häufig Bettelkinder, durch Folter gezwungen, sich der sonderbarsten Freveltaten schuldig zu bekennen. Von insgesamt 198 Angeklagten wurden binnen sechs Jahren 133 hingerichtet, nur Kinder von weniger als zehn Altersjahren wurden geschont. |
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| − | Diese verdunkelte das Andenken Max Gandolphs in der Nachwelt nachhaltig. | + | Diese Affäre verdunkelte das Andenken Max Gandolphs in der Nachwelt nachhaltig. |
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| | === Nepotismus === | | === Nepotismus === |