Gasteinertal: Unterschied zwischen den Versionen
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Das '''Gasteinertal''', selten auch ''Gasteiner Tal'', ist ein 40 Kilometer langes Tal im [[Pongau]] im [[Bundesland Salzburg]] und wird von der [[Gasteiner Ache]] durchzogen. | Das '''Gasteinertal''', selten auch ''Gasteiner Tal'', ist ein 40 Kilometer langes Tal im [[Pongau]] im [[Bundesland Salzburg]] und wird von der [[Gasteiner Ache]] durchzogen. | ||
== | ==Geografie == | ||
Die Gemeinden im Gasteinertal von Norden nach Süden sind [[Dorfgastein]], [[Bad Hofgastein]] und [[Bad Gastein]]. Im Bad Gasteiner Ortsteil [[Böckstein]] zweigt das [[Naßfeldtal]] nach Südwesten in Richtung [[Goldberggruppe]] ab. Dort befindet sich der [[Gasteiner Heilstollen]]. Nach Osten erstreckt sich von Böckstein das [[Anlauftal]]. Im Norden mündet das Gasteinertal bei [[Lend]] in das sich öffnende [[Salzachtal]]. | Die Gemeinden im Gasteinertal von Norden nach Süden sind [[Dorfgastein]], [[Bad Hofgastein]] und [[Bad Gastein]]. Im Bad Gasteiner Ortsteil [[Böckstein]] zweigt das [[Naßfeldtal]] nach Südwesten in Richtung [[Goldberggruppe]] ab. Dort befindet sich der [[Gasteiner Heilstollen]]. Nach Osten erstreckt sich von Böckstein das [[Anlauftal]]. Im Norden mündet das Gasteinertal bei [[Lend]] in das sich öffnende [[Salzachtal]]. | ||
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==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
:''Hauptartikel [[Geschichte des Gasteinertales]] | |||
:''Siehe auch [[Erwerb des Gasteinertales]] | |||
Die erste urkundliche Erwähnung Gasteins datiert etwa aus dem Jahr [[963]] und lautete ''Gastuna''. Nach einer (von mehreren) Thesen geht dieser Name auf indogermanische Sprachwurzeln zurück und bedeutet in etwa (nach [[Fritz Gruber|F. Gruber]]) "gischtender Berg" oder (nach T. Lindner) „graubrauner Fluss“. Bewiesen im strengen Sinne des Wortes ist keine der beiden Bedeutungen. | Die erste urkundliche Erwähnung Gasteins datiert etwa aus dem Jahr [[963]] und lautete ''Gastuna''. Nach einer (von mehreren) Thesen geht dieser Name auf indogermanische Sprachwurzeln zurück und bedeutet in etwa (nach [[Fritz Gruber|F. Gruber]]) "gischtender Berg" oder (nach T. Lindner) „graubrauner Fluss“. Bewiesen im strengen Sinne des Wortes ist keine der beiden Bedeutungen. | ||
Das Gasteinertal - früher und im Dialekt der einheimischen Bevölkerung teilweise heute noch | Das Gasteinertal - früher und im Dialekt der einheimischen Bevölkerung teilweise heute noch gebräuchlich ''die Gastein'' - ist das größte Seitental der [[Salzach]] und wurde bereits in [[Kelten|keltischer]] und [[Römer|römischer]] Zeit begangen und mit großer Wahrscheinlichkeit auch dünn besiedelt. Eine systematische Urbarmachung des Tales setzte jedoch erst im [[9. Jahrhundert]] gemeinsam durch [[Bajuwaren|bajuwarische]] und [[Karantanien|karantanisch]]-frühsüdslawische Siedler ein. Das Tal gehörte einst dem Stammesgeschlecht der [[Sighardinger]], und ab 1071 den Sighardinger-Abkömmlingen (nach Friedrich IV.) der Konrade, die unter dem Namen Peilsteiner besser bekannt sind. Nach dem Aussterben der Peilsteiner im Jahr [[1218]] kam Gastein an die Herzöge des [[Herzogtum Bayern|Herzogtums Bayern]]. Diese verkauften am [[10. März]] [[1297]] das damals ''Provincia Castuna'' benannte Gebiet an das [[Erzstift Salzburg]]. Nach der [[Säkularisierung]] des Erzstiftes kam das Gasteinertal als Teil des neu gebildeten Landes Salzburg zu Österreich. | ||
Die Entwicklung des in sich abgeschlossenen Tales, das bis in das [[20. Jahrhundert]] nur über Bergwege und eine schmale, erst [[1534]] angelegte Straße durch die [[Gasteiner Klamm]] zu erreichen war, wurde im Laufe der Geschichte vor allem durch die alpine [[Landwirtschaft]], das [[Gasteiner Kur (Geschichte)|Badewesen]] und den [[Bergbau]] ([[Goldbergbau|Gold]] und [[Silbererzbergbau|Silber]]) bestimmt. Die Entwicklung der Landwirtschaft lief parallel mit jener der umgebenden Tauerntäler und weist als einzige Besonderheit eine frühe extensive Vieh- und Weidewirtschaft auf, die bis in die höchsten Almregionen betrieben wurde und vom [[12. Jahrhundert]] bis zum frühen [[14. Jahrhundert]] ihren Höhepunkt durchlief. Der erste Hinweis auf die Nutzung der bekannten [[Gasteiner Heilquellen]] findet sich bereits in dem um das Jahr [[1230]] stammenden Badegedicht '' | Die Entwicklung des in sich abgeschlossenen Tales, das bis in das [[20. Jahrhundert]] nur über Bergwege und eine schmale, erst [[1534]] angelegte Straße durch die [[Gasteiner Klamm]] zu erreichen war, wurde im Laufe der Geschichte vor allem durch die alpine [[Landwirtschaft]], das [[Gasteiner Kur (Geschichte)|Badewesen]] und den [[Bergbau]] ([[Goldbergbau|Gold]] und [[Silbererzbergbau|Silber]]) bestimmt. Die Entwicklung der Landwirtschaft lief parallel mit jener der umgebenden Tauerntäler und weist als einzige Besonderheit eine frühe extensive Vieh- und Weidewirtschaft auf, die bis in die höchsten Almregionen betrieben wurde und vom [[12. Jahrhundert]] bis zum frühen [[14. Jahrhundert]] ihren Höhepunkt durchlief. Der erste Hinweis auf die Nutzung der bekannten [[Gasteiner Heilquellen]] findet sich bereits in dem um das Jahr [[1230]] stammenden Badegedicht "''Die Graserin in der Gastein''", wahrscheinlich aus der Feder des für die mittelhochdeutsche Literatur bedeutsamen Dichters [[Neidhart von Reuental]]. Der älteste eindeutig gesicherte Hinweis auf eine medizinische Nutzung der [[Thermalquelle]]n stammt aus dem Jahr [[1350]]. Die gesicherte Nennung der [[Preimskirche]] zum Jahr [[1333]] lässt indirekt auf einen Badebetrieb schließen. [[1492]] stiftet [[Conrad Strochner]] ein '[[Armenbadspital in Wildbadgastein |Armenpad]]' bzw 'Badespital' und begründet die heute noch tätige [[Stiftung Kurtherme Badehospiz Bad Gastein]]. | ||
Im Laufe der Geschichte und vor allem durch die Entwicklung zum [[Kurort|Kur-]] und Badeort wurde das Gasteinertal von vielen berühmten Gästen besucht. Dazu gehören unter anderem Kaiser Friedrich III. im [[15. Jahrhundert]] und der bekannte Arzt [[Paracelsus]] im [[16. Jahrhundert]]. Die bekanntesten Gäste des [[19. Jahrhundert]]s waren Kaiser [[Franz Joseph I.]] | Im Laufe der Geschichte und vor allem durch die Entwicklung zum [[Kurort|Kur-]] und Badeort wurde das Gasteinertal von [[Prominente Kurgäste im Gasteinertal|vielen berühmten Gästen]] besucht. Dazu gehören unter anderem Kaiser [[Friedrich von Tirol|Friedrich III.]] im [[15. Jahrhundert]] und der bekannte Arzt [[Paracelsus]] im [[16. Jahrhundert]]. Die bekanntesten Gäste des [[19. Jahrhundert]]s waren Kaiser [[Franz Joseph I.]], Kaiserin [[Elisabeth von Österreich]], Kaiser [[Wilhelm I.]] von Deutschland und Fürst [[Otto von Bismarck]]. Kaiser Wilhelm absolvierte zwischen [[1863]] und [[1887]] insgesamt zwanzig Badekuren. Kaiserbegegnungen zwischen Kaiser Franz Joseph I. und Kaiser Wilhelm gab es in den Jahren [[1879]], [[1881]], [[1885]], [[1886]] und 1887. | ||
Die ersten wesentlichen Impulse zur Entwicklung des modernen [[Alpinismus]] gab [[ | Die ersten wesentlichen Impulse zur Entwicklung des modernen [[Alpinismus]] gab Erzherzog [[Johann von Österreich]], dessen Initiative u. a. die hochalpine [[Badgasteiner Hütte|Schutzhütte]] am Gipfel des [[Gamskarkogel]]s zu verdanken ist. Ein weiterer Markstein in der Geschichte Gasteins war [[1904]] der Nachweis von [[Radon]], einem schwach radioaktiven Edelgas, im [[Gasteiner Thermalwasser]] durch den bekannten französischen Chemiker Pierre Curie. Mit Fertigstellung der [[Tauernbahn]] im Jahr 1909 begann allmählich das Einsetzen des Tourismus der sich bis Mitte der [[1930er]]-Jahre vorwiegend noch auf die Sommermonate beschränkte. Von etwa 1865 bis 1975 entwickelt die klassische [[Gasteiner Kur]] eine Blütezeit. | ||
Einen wesentlichen Impuls für den Wintertourismus stellte die [[Ski-WM Badgastein 1958]] am [[Graukogel]] in ''Badgastein'' (damalige Schreibweise) dar. Ab diesem Zeitpunkt war das Gasteinertal auch als Zwei-Saisonen-Ort etabliert. | Einen wesentlichen Impuls für den Wintertourismus stellte die [[Ski-WM Badgastein 1958]] am [[Graukogel]] in ''Badgastein'' (damalige Schreibweise) dar. Ab diesem Zeitpunkt war das Gasteinertal auch als Zwei-Saisonen-Ort etabliert. | ||