Gasteiner Talgeschichte: Unterschied zwischen den Versionen
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Im Jahr [[1865]] kam es zur Schließung des in den letzten Jahrzehnten chronisch defizitären "ärarischen", also vom Staat betriebenen Bergbaues. Es folgte eine von einheimischen Privatunternehmern gegründete "[[Erste Gewerkschaft Radhausberg]]", der ab [[1907]] die "[[Zweite Gewerkschaft Radhausberg]]" unter Kommerzialrat Ing. [[Ludwig Sterner-Rainer]] folgte. Als Financier stand der Züricher Großindustrielle [[Fritz Meyer]] hinter dem groß angelegten Montanprojekt. Um [[1911]] übernahm der aus Arau in der Schweiz gebürtige Dipl.-Ing. Dr. [[Karl Imhof]] - von allem Anfang an die treibende Kraft! - als alleiniger Direktor die "Zweite Gewerkschaft Radhausberg", die - nach längerem Stillstand und einem kurzen Intermezzo einer englischen Investitionsgesellschaft (Edron Trust) – im März 1938 durch Kauf in den Besitz der Preußag, einer deutschen Bergbaufirma, überging. Es war dann diese Preußag, die mit deutschem Risikokapital einen völlig neuen Bergwerksstollen am Fuß des mächtigen Radhausbergs auf nur 1 280 [[m ü. A.|Seehöhe]] von West nach Ost eintrieb. Das erhoffte edelmetallhältige Erz traf man nicht an, dafür etwas, was man nicht gesucht hatte: eine Lufttemperatur von rund 40° C und einen Gehalt an Radongas von 44 kBq/m³ in der Stollenluft. Die Kombination dieser zwei natürlichen Faktoren erwies sich als in gleicher Weise heilkräftig wie das Bad Gasteiner Thermalwasser, doch in seiner Wirkung merklich stärker. Mit der üblicherweise zehn Einfahrten umfassenden Heilstollenkur erzielen Kranke mit Leiden des rheumatischen Formenkreises ausgezeichnete Erfolge. Die Preußag zog sich nach 1945 zurück und der nun so bezeichnete "[[Gasteiner Heilstollen]]" ging in den Besitz verschiedener Institutionen der öffentlichen Hand über. Im Jahr [[1952]] gründete sich eine eigene [[Heilstollen Betriebs-Gesellschaft]], diese in enger Zusammenarbeit mit der weiter bestehenden "Erzbergbau Radhausberg"-Gesellschaft, der die montanistische Seite des Heilstollens bis zum heutigen Tag anvertraut ist. | Im Jahr [[1865]] kam es zur Schließung des in den letzten Jahrzehnten chronisch defizitären "ärarischen", also vom Staat betriebenen Bergbaues. Es folgte eine von einheimischen Privatunternehmern gegründete "[[Erste Gewerkschaft Radhausberg]]", der ab [[1907]] die "[[Zweite Gewerkschaft Radhausberg]]" unter Kommerzialrat Ing. [[Ludwig Sterner-Rainer]] folgte. Als Financier stand der Züricher Großindustrielle [[Fritz Meyer]] hinter dem groß angelegten Montanprojekt. Um [[1911]] übernahm der aus Arau in der Schweiz gebürtige Dipl.-Ing. Dr. [[Karl Imhof]] - von allem Anfang an die treibende Kraft! - als alleiniger Direktor die "Zweite Gewerkschaft Radhausberg", die - nach längerem Stillstand und einem kurzen Intermezzo einer englischen Investitionsgesellschaft (Edron Trust) – im März 1938 durch Kauf in den Besitz der Preußag, einer deutschen Bergbaufirma, überging. Es war dann diese Preußag, die mit deutschem Risikokapital einen völlig neuen Bergwerksstollen am Fuß des mächtigen Radhausbergs auf nur 1 280 [[m ü. A.|Seehöhe]] von West nach Ost eintrieb. Das erhoffte edelmetallhältige Erz traf man nicht an, dafür etwas, was man nicht gesucht hatte: eine Lufttemperatur von rund 40° C und einen Gehalt an Radongas von 44 kBq/m³ in der Stollenluft. Die Kombination dieser zwei natürlichen Faktoren erwies sich als in gleicher Weise heilkräftig wie das Bad Gasteiner Thermalwasser, doch in seiner Wirkung merklich stärker. Mit der üblicherweise zehn Einfahrten umfassenden Heilstollenkur erzielen Kranke mit Leiden des rheumatischen Formenkreises ausgezeichnete Erfolge. Die Preußag zog sich nach 1945 zurück und der nun so bezeichnete "[[Gasteiner Heilstollen]]" ging in den Besitz verschiedener Institutionen der öffentlichen Hand über. Im Jahr [[1952]] gründete sich eine eigene [[Heilstollen Betriebs-Gesellschaft]], diese in enger Zusammenarbeit mit der weiter bestehenden "Erzbergbau Radhausberg"-Gesellschaft, der die montanistische Seite des Heilstollens bis zum heutigen Tag anvertraut ist. | ||
Die Zeit des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]] bleibt hier ebenso ausgespart wie die Zwischenkriegszeit und der [[Zweiter Weltkrieg|Zweite Weltkrieg]]. Wer sich dafür interessiert, der sei hier ausdrücklich auf die wissenschaftlichen Forschungsarbeiten von Dr. Laurenz Krisch verwiesen. Hier genüge die Feststellung: Bad Gastein und Bad Hofgastein waren "Nazinester". Dass die [[NSDAP]] in Gastein so starken Zulauf fand, ist unter anderem besonders in Zusammenhang mit der durch [[Adolf Hitler|Hitler]]-Deutschland gegen Österreich verhängten [[1000-Mark-Sperre]] und der nachfolgenden katastrophal schlechten Besetzungslage der meisten Gasteiner Hotels zu sehen. Das fast gänzliche Fehlen der deutschen Gäste lähmte die Wirtschaft im Tal. Es gab Firmenpleiten und Arbeitslosigkeit. Der Blick ins Deutsche Reich ließ Hoffnungen auf Wendung zum Besseren aufkommen, eine Tatsache, die besonders ab 1938 der NSDAP in die Hände spielte. | Die Zeit des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]] bleibt hier ebenso ausgespart wie die [[Zwischenkriegszeit]] und der [[Zweiter Weltkrieg|Zweite Weltkrieg]]. Wer sich dafür interessiert, der sei hier ausdrücklich auf die wissenschaftlichen Forschungsarbeiten von Dr. Laurenz Krisch verwiesen. Hier genüge die Feststellung: Bad Gastein und Bad Hofgastein waren "Nazinester". Dass die [[NSDAP]] in Gastein so starken Zulauf fand, ist unter anderem besonders in Zusammenhang mit der durch [[Adolf Hitler|Hitler]]-Deutschland gegen Österreich verhängten [[1000-Mark-Sperre]] und der nachfolgenden katastrophal schlechten Besetzungslage der meisten Gasteiner Hotels zu sehen. Das fast gänzliche Fehlen der deutschen Gäste lähmte die Wirtschaft im Tal. Es gab Firmenpleiten und Arbeitslosigkeit. Der Blick ins Deutsche Reich ließ Hoffnungen auf Wendung zum Besseren aufkommen, eine Tatsache, die besonders ab 1938 der NSDAP in die Hände spielte. | ||
Im Krieg fungierte Bad Gastein als eine Art „Lazarettstadt“ für die Soldaten und nach 1945 war Bad Gastein (ebenso wie [[Bad Ischl]]) ein sogenanntes Lager für die DPs, also die "[[Displaced Persons]]", bei denen es sich zum allergrößten Teil um vertriebene ("displaced") Juden aus den europäischen Ostgebieten handelte. Als im September [[1947]] sowohl die amerikanischen Besatzungssoldaten als auch die jüdischen Lagerinsassen abzogen, standen die Hotelbesitzer vor der Aufgabe, ihre zuvor meistens vielfach überbelegten Hotels zu renovieren und auf einen Stand zu bringen, der angetan war, um neue Gäste zu einem Aufenthalt einzuladen. Ihre Bemühungen hatten nach und nach tatsächlich Erfolg. Einen wesentlichen Beitrag leistete in weiterer Folge der Bau moderner öffentlicher Großbäder, [[Felsentherme Gastein]] und [[Alpentherme Bad Hofgastein]], sowie – ganz wichtig! – der aufkommende Wintersport. | Im Krieg fungierte Bad Gastein als eine Art „Lazarettstadt“ für die Soldaten und nach 1945 war Bad Gastein (ebenso wie [[Bad Ischl]]) ein sogenanntes Lager für die DPs, also die "[[Displaced Persons]]", bei denen es sich zum allergrößten Teil um vertriebene ("displaced") Juden aus den europäischen Ostgebieten handelte. Als im September [[1947]] sowohl die amerikanischen Besatzungssoldaten als auch die jüdischen Lagerinsassen abzogen, standen die Hotelbesitzer vor der Aufgabe, ihre zuvor meistens vielfach überbelegten Hotels zu renovieren und auf einen Stand zu bringen, der angetan war, um neue Gäste zu einem Aufenthalt einzuladen. Ihre Bemühungen hatten nach und nach tatsächlich Erfolg. Einen wesentlichen Beitrag leistete in weiterer Folge der Bau moderner öffentlicher Großbäder, [[Felsentherme Gastein]] und [[Alpentherme Bad Hofgastein]], sowie – ganz wichtig! – der aufkommende Wintersport. | ||