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[[Bild:Salzwelten_Hallein_02.jpg|thumb|Platz nehmen und los geht's]]
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[[Bild:Salzwelten_Hallein_03.jpg|thumb|Erfahrene Bergmänner, wie Rudolf Meisl, Standortleiter, erklären die Vorgänge im Berg und die Geschichte des [[Salzbergbau]]s]]
[[Bild:Salzwelten_Hallein_03.jpg|thumb|Erfahrene Bergmänner, wie Rudolf Meisl, Standortleiter, erklären die Vorgänge im Berg und die Geschichte des [[Salzbergbau]]s]]
[[Bild:Salzwelten_Hallein_04.jpg|thumb|Altar bereits im Berginneren, dem [[Rupert von Worms|Hl. Rupert]] gewidmet]]
[[Bild:Salzwelten_Hallein_04.jpg|thumb|Altar bereits im Berginneren, dem [[Rupert von Worms|hl. Rupert]] gewidmet]]
[[Bild:Salzwelten_Hallein_05.jpg|thumb|unterirdische Grenzüberschreitung]]
[[Bild:Salzwelten_Hallein_05.jpg|thumb|unterirdische Grenzüberschreitung]]
[[Bild:Salzwelten_Hallein_06.jpg|thumb|alte Soleführungen]]
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Hatte man zu vorchristlicher Zeit das Gestein in Brocken aus dem Berg geholt, brachte das so genannte Laugverfahren, das nun angewandt wurde, deutliche Erleichterung und höhere Ausbeute. Dabei wurden zunächst kleine Hohlräume im Berg geschaffen, die man mit Wasser voll laufen ließ. Nach etwa drei Wochen der Auslaugung des Gesteins wurde die Sole mit bestenfalls 26 Prozent Salzgehalt abgepumpt bzw. abgelassen und in Salzpfannen verdampft. Zurück blieb Grobsalz.  
Hatte man zu vorchristlicher Zeit das Gestein in Brocken aus dem Berg geholt, brachte das so genannte Laugverfahren, das nun angewandt wurde, deutliche Erleichterung und höhere Ausbeute. Dabei wurden zunächst kleine Hohlräume im Berg geschaffen, die man mit Wasser voll laufen ließ. Nach etwa drei Wochen der Auslaugung des Gesteins wurde die Sole mit bestenfalls 26 Prozent Salzgehalt abgepumpt bzw. abgelassen und in Salzpfannen verdampft. Zurück blieb Grobsalz.  


So wurden in Hallein 1542 rund 22&nbsp;000 Tonnen Salz produziert (im Vergleich: [[Bad Reichenhall|Reichenhall]]: 12&nbsp;000 Tonnen, [[Hallstatt]]: 11&nbsp;000 Tonnen, Aussee 10&nbsp;000 Tonnen und [[Marktschellenberg|Schellenberg]]: 5&nbsp;000 Tonnen). Vor dem [[Salzkrieg 1611]] steigerte Erzbischof [[Wolf Dietrich von Raitenau]] die Produktion auf 36&nbsp;000 Tonnen<ref>dieser Produktionswert wurde erst wieder in den [[1960er]] Jahren erreicht!</ref>. Nach der Auseinandersetzung sank aber die jährliche Produktion auf einen Durchschnittswert von 22&nbsp;000 Tonnen.
So wurden in Hallein 1542 rund 22&nbsp;000 Tonnen Salz produziert (im Vergleich: [[Bad Reichenhall|Reichenhall]]: 12&nbsp;000 Tonnen, [[Hallstatt]]: 11&nbsp;000 Tonnen, Aussee 10&nbsp;000 Tonnen und [[Marktschellenberg|Schellenberg]]: 5&nbsp;000 Tonnen). Vor dem [[Salzkrieg 1611]] steigerte Fürsterzbischof [[Wolf Dietrich von Raitenau]] die Produktion auf 36&nbsp;000 Tonnen<ref>dieser Produktionswert wurde erst wieder in den [[1960er]] Jahren erreicht!</ref>. Nach der Auseinandersetzung sank aber die jährliche Produktion auf einen Durchschnittswert von 22&nbsp;000 Tonnen.


===Die Stollen===
===Die Stollen===
[[1315]] begann man den sanft geneigten ''Hoswasch''- (auch ''Raitenhaslach'' genannten) Stollen anzufahren, [[1320]] den ''Linderberg-Stollen'' und den ''Goldeggerberg-Stollen''; später folgten noch der ''Melltheuer-Tagschurf'' und andere Stollen wie der ''Johann-Jakobberg-Stollen''.
: ''Hauptartikel [[Salzbergwerksstollen am Dürrnberg]]''
[[1315]] begann man den sanft geneigten ''[[Hoswasch-Stollen|Hoswasch]]''- (auch ''Raitenhaslach'' genannten) Stollen anzufahren, [[1320]] den ''[[Linderberg-Stollen]]'' und den ''[[Goldeggerberg-Stollen]]''; später folgten noch der ''[[Melltheuer Tagschurf]]'' und andere Stollen wie der ''[[Jakobberg-Stollen|Johann-Jakobberg-Stollen]]''.


===Männer im Salz===
===Männer im Salz===
[[Franz Dückher]], der Salzburger Chronist, berichtet in seiner [[Saltzburgische Chronica]] von zwei Männern im Salz. [[1573]] wurde der der erste [[Männer im Salz|Mann im Salz]] gefunden, eine Leiche eines in keltischen Zeit verunglückten und in Salz konservierten Bergmannes. Aber der Salzburger Historiker [[Herbert Klein]] korrigierte dann das Funddatum auf das Jahr [[1577]]<ref>Quelle * [[Gertraud Steiner]] ''Salz als Attraktion - Der Dürrnberg und seine Geschichte'', 1998, [[Otto Müller Verlag]], ISBN 3-7013-0969-8</ref>. Dückher berichtet noch von einem zweiten Fund [[1616]] in der Regierungszeit von Erzbischof [[Paris Graf Lodron]].
[[Franz Dückher]], der Salzburger Chronist, berichtet in seiner [[Saltzburgische Chronica]] von zwei Männern im Salz. [[1573]] wurde der der erste [[Männer im Salz|Mann im Salz]] gefunden, eine Leiche eines in keltischen Zeit verunglückten und in Salz konservierten Bergmannes. Aber der Salzburger Historiker [[Herbert Klein]] korrigierte dann das Funddatum auf das Jahr [[1577]]<ref>Quelle [[Gertraud Steiner]] ''Salz als Attraktion - Der Dürrnberg und seine Geschichte'', 1998, [[Otto Müller Verlag]], ISBN 3-7013-0969-8</ref>. Dückher berichtet noch von einem zweiten Fund [[1616]] in der Regierungszeit von Erzbischof [[Paris Graf Lodron]].


===Reichtum und Kriege===
===Reichtum und Kriege===
: ''siehe auch: [[Salzkrieg]]''
: ''siehe auch: [[Salzkrieg]]''
Die [[Salzburger Erzbischöfe]], die mehr als die Hälfte ihrer Einkünfte aus dem [[Salzhandel]] auf der [[Salzach]] erwirtschafteten, waren natürlich an einer Monopolstellung interessant. Im Osten, im [[Salzkammergut]], besaßen die Habsburger die Salzminen, im [[Berchtesgadener Land]] hatten die bayerischen Könige Einfluss. Durch geschickte Preispolitik gelang es so den Erzbischöfen im [[16. Jahrhundert]] eine Vormachtstellung im gesamten [[Ostalpen]]<nowiki>raum</nowiki> zu bekommen. Vor allem Reichenhall litt unter dieser Wirtschaftspolitik. Es kam auch zu [[Salzkrieg]]en, deren prominentestes Opfer Erzbischof [[Wolf Dietrich von Raitenau]] wurde. Nachdem die Habsburger ihre Salzminen besser vermarkteten und über Linz Zugang zu Böhmen bekam, ging Salzburg der wichtige Absatzmarkt Böhmen (der über Salzach, Inn und [[Passau]] versorgt wurde) verloren.  
Die [[Salzburger Erzbischöfe]], die mehr als die Hälfte ihrer Einkünfte aus dem [[Salzhandel]] auf der [[Salzach]] erwirtschafteten, waren natürlich an einer Monopolstellung interessant. Im Osten, im [[Salzkammergut]], besaßen die Habsburger die Salzminen, im [[Berchtesgadener Land]] hatten die bayerischen Könige Einfluss. Durch geschickte Preispolitik gelang es so den Erzbischöfen im [[16. Jahrhundert]] eine Vormachtstellung im gesamten [[Ostalpen]]<nowiki>raum</nowiki> zu bekommen. Vor allem Reichenhall litt unter dieser Wirtschaftspolitik. Es kam auch zu [[Salzkrieg]]en, deren prominentestes Opfer Fürsterzbischof [[Wolf Dietrich von Raitenau]] wurde. Nachdem die Habsburger ihre Salzminen besser vermarkteten und über Linz Zugang zu Böhmen bekam, ging Salzburg der wichtige Absatzmarkt Böhmen (der über Salzach, Inn und [[Passau]] versorgt wurde) verloren.  


Diese wirtschaftlichen Einbußen führten zu einer weiteren Verarmung der ohnehin nicht reichen Bergknappen. Vorläufiger Höhepunkt des Niedergangs des Dürrnberger Salzbergwerks waren die [[Protestantenvertreibung|Protestantenausweisungen]] in den Jahren [[1731]]/[[1732|32]], bei denen auch 780 Dürrnberger Bergknappen mit ihren Familien das Land verließen.
Diese wirtschaftlichen Einbußen führten zu einer weiteren Verarmung der ohnehin nicht reichen Bergknappen. Vorläufiger Höhepunkt des Niedergangs des Dürrnberger Salzbergwerks waren die [[Protestantenvertreibung|Protestantenausweisungen]] in den Jahren [[1731]]/[[1732|32]], bei denen auch 780 Dürrnberger Bergknappen mit ihren Familien das Land verließen.
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=== Das Ende der Salzgewinnung===
=== Das Ende der Salzgewinnung===
Am [[27. Juli]] [[1989]] wird die Soleleitung unter Tag im Rupertsberg abgedreht, am [[31. Juli]] 1989 die Salzkompressoren in der Saline auf der [[Pernerinsel]]. Die 160 Mitarbeiter, die zum Zeitpunkt der Stilllegung noch bei den Salinenbetrieben angestellt waren, trugen an diesem Tag alle schwarze Krawatten oder Armschleifen. Zuletzt wurden im Salzbergbau etwa 270&nbsp;000 m³ Sole gewonnen und daraus in der Saline 71&nbsp;000 Tonnen Industriesalz erzeugt. Der Standort war für die Österreichische Salinen AG nicht mehr rentabel, die Technik veraltet, das Salzmonopol vor dem Fall.   
Am [[27. Juli]] [[1989]] wird die Soleleitung unter Tag im [[Ruperti-Stollen]] abgedreht, am [[31. Juli]] 1989 die Salzkompressoren in der Saline auf der [[Pernerinsel]]. Die 160 Mitarbeiter, die zum Zeitpunkt der Stilllegung noch bei den Salinenbetrieben angestellt waren, trugen an diesem Tag alle schwarze Krawatten oder Armschleifen. Zuletzt wurden im Salzbergbau etwa 270&nbsp;000 m³ Sole gewonnen und daraus in der Saline 71&nbsp;000 Tonnen Industriesalz erzeugt. Der Standort war für die Österreichische Salinen AG nicht mehr rentabel, die Technik veraltet, das Salzmonopol vor dem Fall.   


Die rund 200 Grundbesitzer über den Gruben auf österreichischer und bayerischer Seite haben heute noch ein Recht auf Arbeit im Berg. Das erstritten sie sich nach der Privatisierung der Salinen AG [[1997]]. Verbrieft sind diese "Schichtrechte" in der [[Salinenkonvention]] aus [[1829]], dem ältesten Staatsvertrag zwischen Österreich und [[Bayern]]. [[2002]] stellte der Oberste Gerichtshof den aufrechten Bestand dieser Rechte fest. Im Alltag lassen sie sich freilich nicht ummünzen. Auch [[Salzdeputat]]e, 56 Kilo pro Jahr, stehen den Schichtberechtigten zu. Die Salinen Austria liefern das Salz aus Ebensee. Zusätzlich gibt es noch das "Kopfsalz" – 6,5 Kilo pro Kopf – für die Familien aller ehemaligen Salinenbediensteten.<ref> [[Salzburger Nachrichten]], 24. Juli 2009</ref>
Die rund 200 Grundbesitzer über den Gruben auf österreichischer und bayerischer Seite haben heute noch ein Recht auf Arbeit im Berg. Das erstritten sie sich nach der Privatisierung der Salinen AG [[1997]]. Verbrieft sind diese "Schichtrechte" in der [[Salinenkonvention]] aus [[1829]], dem ältesten Staatsvertrag zwischen Österreich und [[Bayern]]. [[2002]] stellte der Oberste Gerichtshof den aufrechten Bestand dieser Rechte fest. Im Alltag lassen sie sich freilich nicht ummünzen. Auch [[Salzdeputat]]e, 56 Kilo pro Jahr, stehen den Schichtberechtigten zu. Die Salinen Austria liefern das Salz aus Ebensee. Zusätzlich gibt es noch das "Kopfsalz" – 6,5 Kilo pro Kopf – für die Familien aller ehemaligen Salinenbediensteten.<ref> [[Salzburger Nachrichten]], 24. Juli 2009</ref>


===Schaubergwerk Dürrnberg===
===Schaubergwerk Dürrnberg===
Heute kann man mit einem Grubenhunt bequem in den Stollen des Schaubergwerks einfahren, ein einzigartiges Erlebnis genießen: eine Floßfahrt über einen unterirdischen See (wo auch manchmal Konzerte mit einer einzigartigen Akustik stattfinden) und zwei Bergmannsrutschen für Mutige warten Untertags auf die Besucher.
Heute kann man mit einem Grubenhunt bequem in den Stollen des Schaubergwerks einfahren, das im [[Obersteinberg-Stollen]] eingerichtet wurde, ein einzigartiges Erlebnis genießen: eine Floßfahrt über einen unterirdischen See (wo auch manchmal Konzerte mit einer einzigartigen Akustik stattfinden) und zwei Bergmannsrutschen für Mutige warten Untertags auf die Besucher.
 
== Das 21. Jahrhundert ==
===Sanierung Eingang Jakobberg-Stollen===
Der ''Jakobberg-Stollen'' wurde im [[16. Jahrhundert]] unter [[Erzbischof]] [[Johann Jakob Khuen von Belasi]] angeschlagen und diente als Förderstollen des Steinsalzes. Man weiß, dass dieser Bereich des Dürrnbergs zu den salzreichsten Horizonten des Salzberges zählte.
 
Der dem Verfall preisgegebene Eingang wurde 2008 über eine private Initiative und mit Unterstützung durch Landesmittel und der [[Salinen Austria AG]] restauriert. Mit original-[[Marmor]]blöcken und neu aufgetragenem Schriftzug stellt der Eingang zum ''Jakobberg-Stollen'' wieder ein interessantes Zeitzeugnis der Salzgewinnung dar.<ref>Quelle: [[Salzburger Nachrichten]], 30. Oktober 2008</ref>
 
===Stolleneinsturz===
Knapp zwei Stunden musste vier Mitarbeiter der Salzwelten Hallein im Bergwerk ''Georgenberg'' am [[8. November]] [[2010]] auf ihre Rettung warten.  Bei routinemäßigen Wartungsarbeiten an Stollenabstützungen stürzten  etwa 80 Meter bergeinwärts rund zehn Kubikmeter Material ein und  schnitten den Bergmännern den Weg ins Freie ab. Sie waren gerade dabei, morsch gewordene Holzabstützungen auszutauschen, als ein Kollege ''etwas rieseln'' sah und schon war der Stollen eingestürzt.
 
Das 16 Kilometer lange Stollensystem muss jährlich nach einem Hauptbetriebsplan, der Sanierungsmaßnahmen vorschreibt, gewartet werden. Dabei werden nicht nur die hölzernen Abstützungen der Stollen kontrolliert, sondern auch der Wasserfluss im Berginneren kritisch beobachtet. Acht Wasserorte im Berg werden vom so genannten ''Wässerer'' wöchentlich kontrolliert. Denn wenn Regenwasser auf salzführende Schicht trifft, laugt es den Untergrund aus, der Boden sackt ab, es entstehen Mulden und es könnten Stollen davon bedroht sein<ref>Quelle [[Salzburger Nachrichten]], 9. November 2010</ref>


===2012: zehnmillionster Besucher ===
===2012: zehnmillionster Besucher ===
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==Siehe auch==
==Siehe auch==
* [[Salzbergwerksstollen am Dürrnberg]]
* [[Salzbergwerk Berchtesgaden]]
* [[Salzbergwerk Berchtesgaden]]
* [[Salzbergbau]]
* [[Salzbergbau]]