Lochen am See: Unterschied zwischen den Versionen
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== Flughafen Lochen == | == Flughafen Lochen == | ||
Im Zuge einer Debatte um die Neuerrichtung des [[Salzburg Airport W. A. Mozart]] war [[1974]] Lochen im Gespräch als möglicher Standort. | Im Zuge einer Debatte um die Neuerrichtung des [[Salzburg Airport W. A. Mozart]] war [[1974]] Lochen im Gespräch als möglicher Standort. | ||
In den OÖ Nachrichten konnte man am [[28. August]] 1974 in einen Zeitungsartikel lesen: ''...Die Hemdärmeln krempelt man im oberen Innviertel auf, seitdem bekannt ist, dass Lochen als Standort für einen neuen Salzburger Flughafen ausersehen sei. Mit Dreschflegeln, Heugabeln und Sensen - so zwei Bürgermeister - will man sich notfalls wehren!...'' | In den OÖ Nachrichten konnte man am [[28. August]] 1974 in einen Zeitungsartikel lesen: ''...Die Hemdärmeln krempelt man im oberen Innviertel auf, seitdem bekannt ist, dass Lochen als Standort für einen neuen Salzburger Flughafen ausersehen sei. Mit Dreschflegeln, Heugabeln und Sensen - so zwei Bürgermeister - will man sich notfalls wehren!...'' | ||
==Geschichtliches== | ==Geschichtliches== | ||
[[Datei:Lochen060213.jpg|thumb|Erinnerungstafel an letzte Hinrichtung in Lochen]] | [[Datei:Lochen060213.jpg|thumb|Erinnerungstafel an letzte Hinrichtung in Lochen]] | ||
[[Bayern]] übte in Lochen Gerichtsbarkeit über Salzburger Untertanen aus. Salzburger Delinquenten wurden bis ins [[18. Jahrhundert]] auf Lochener Gebiet durch bayerische Scharfrichter geköpft. Die letzte Hingerichtete war erst 16 Jahre alt. | |||
Die Innviertler Gemeinde Lochen, die sich seit 2012 mit dem Zusatz "am See" auszeichnen darf, endet auf einer Länge von vier Kilometern unmittelbar am Ufer des gänzlich Salzburger [Mattsees. Sogar ein gemeindeeigenes Strandbad gibt es mit dem Betreten des kühlen Nass bereits eine Grenzüberschreitung ins Salzburgische. | |||
Die Innviertler Gemeinde Lochen, die sich seit | |||
Salzburg | [[1398]] erwarb das [[Erzstift Salzburg]] als letzte bedeutende Salzburger Gebietserweiterung die [[Passau|passauische]] [[Pfleggericht Mattsee|Herrschaft Mattsee]]. Diese bestand nach verschiedenen Änderungen schließlich aus den Ämtern Mattsee, Lochen, [[Schleedorf]], [[Obertrum]], [[Seeham]] und [[Berndorf]]. Im Norden war Lochen vom Herzogtum Bayern umgeben. Untertanen und Grundbesitz des Gebiets von Lochen waren zwischen bayerischer und salzburgischer Herrschaft aufgeteilt. Und damit nicht genug: Einige der Bewohner Lochens standen direkt unter der Grundherrschaft des [[Stift Mattsee|Stifts Mattsee]], waren aber dem Erzstift Salzburg gegenüber wehrpflichtig. | ||
Die unklaren Grenzverhältnisse wussten auch Räuberbanden für sich auszunutzen, gegen sie wurden sowohl von bayerischer als auch von Salzburger Seite Grenzstreifen ausgeschickt. Der Lochener Heimatforscher [[Herbert Handlechner]] berichtet auch von einem regelrechten Streit um die Leiche eines beim Wildern getöteten [[Friedburg]]ers, die von beiden Seiten beansprucht wurde. Selbstmörder, die sich erhängt hatten, hingen oft mehrere Tage unter Bewachung, bis Zuständigkeit und Umstände geklärt waren. | |||
Die [[Richtstätten|Richtstätte]] für ausgelieferte Salzburger befand sich im Lochener Astätt. Die Köpfstattsäule aus [[Untersberger Marmor]] erinnert noch heute an die blutige Henkerarbeit, die auf Grund und Boden eines in Astätt lebenden Salzburger Untertanen von Bayerischen Scharfrichtern vollzogen wurde. Am [[8. Februar]] [[1762]] fand die letzte Hinrichtung statt. Ein junges Mädchen wurde enthauptet, nachdem es gestohlen hatte. Aufgrund zuvor verübter Delikte musste sie um den Gegenwert eines Taschentuches ihr Leben lassen. | |||
Der [[Verein Dorfentwicklung Lochen]] hat einen 28 Kilometer langen barrierefreien Themenweg zu wichtigen Rechtsdenkmälern im Gemeindegebiet von Lochen erarbeitet. Der 2012 eröffnete [[Richtstättenweg]] führt über [[Mattsee]], [[Gebetsham]], [[Astätt]], Berham, [[Lochen]] und den [[Tannberg]]. Den tragischen "Weg eines Delinquenten" vom Mattseer Gefängnis bis zur Hinrichtung erzählen die Stationstafeln in Mattsee, Gebertsham und Astätt. | Der [[Verein Dorfentwicklung Lochen]] hat einen 28 Kilometer langen barrierefreien Themenweg zu wichtigen Rechtsdenkmälern im Gemeindegebiet von Lochen erarbeitet. Der 2012 eröffnete [[Richtstättenweg]] führt über [[Mattsee]], [[Gebetsham]], [[Astätt]], Berham, [[Lochen]] und den [[Tannberg]]. Den tragischen "Weg eines Delinquenten" vom Mattseer Gefängnis bis zur Hinrichtung erzählen die Stationstafeln in Mattsee, Gebertsham und Astätt. | ||
In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich im Ortszentrum der "Bayrische Wirt" (Gasthaus Hauer) und das ehemals salzburgische "Bräu" (Bräugasthof Kriechbaum). In Oberweißau befand sich ein bayerischer Edelsitz (Wirt z'Weissau). Es konnte vorkommen, dass Untertanen, die ihren Durst beim "falschen" Wirt stillten, von der Obrigkeit mit Rutenhieben bestraft wurden. Dieses drastische Nachspiel eines Wirthausbesuchs hatte wohl auch damit zu tun, dass die gelegentlich sich daraus entwickelnden Raufereien von Salzburger, Bayerischen und Mattseer Untertanen ein kompetenzrechtliches Wirrwarr auslösten. | |||
==Bildergalerie== | ==Bildergalerie== | ||
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* [http://www.meinbezirk.at/braunau-am-inn/kultur/lochen-am-see-eroeffnet-richtstaettenweg-d352275.html Artikel über den Richtstättenweg in Lochen am See] | * [http://www.meinbezirk.at/braunau-am-inn/kultur/lochen-am-see-eroeffnet-richtstaettenweg-d352275.html Artikel über den Richtstättenweg in Lochen am See] | ||
== | == Quellen == | ||
{{homepage|http://www.lochen.at}} | {{homepage|http://www.lochen.at}} | ||
* [http://www.geocaching.com/seek/cache_details.aspx?guid=c940d397-fdb4-4740-a699-6c4b01061348&log=y&decrypt= www.geocaching.com] | * [http://www.geocaching.com/seek/cache_details.aspx?guid=c940d397-fdb4-4740-a699-6c4b01061348&log=y&decrypt= www.geocaching.com] | ||
* Geschichtliches: | |||
:: ursprüngliche Quelle: [[Salzburger Landeskorrespondenz]] vom 6. Februar 2013 | |||
:: gleicher Text - Fundstelle in [[Kurioses über Grenzen hinweg]], Ausgabe ''Mehr Salzburger Grenzfälle'', in [[Schriftenreihe des Landes-Medienzentrums]], Sonderpublikation Nr. 249, erschienen im Dezember 2013, ISBN 978-3-85015-275-4 | |||
[[Kategorie:Oberösterreich]] | [[Kategorie:Oberösterreich]] | ||