Josef Klaus (Politiker): Unterschied zwischen den Versionen
→Weblink: tippo |
Remora (Diskussion | Beiträge) KKeine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 2: | Zeile 2: | ||
[[Datei:Klaus Josef 1966 01.jpg|thumb|Josef Klaus bei einer Wahlveranstaltung 1966 in Hallein]] | [[Datei:Klaus Josef 1966 01.jpg|thumb|Josef Klaus bei einer Wahlveranstaltung 1966 in Hallein]] | ||
[[Datei:Klaus Josef 1966 02.jpg|thumb|Josef Klaus bei einem Betriebsbesuch im Wahlkampf 1966 gemeinsam mit [[Landeshauptmann]] [[Hans Lechner]]]] | [[Datei:Klaus Josef 1966 02.jpg|thumb|Josef Klaus bei einem Betriebsbesuch im Wahlkampf 1966 gemeinsam mit [[Landeshauptmann]] [[Hans Lechner]]]] | ||
Dr. '''Josef Klaus''' (* [[15. August]] [[1910]] in Kötschach-Mauthen, [[Kärnten]]; † [[25. Juli]] [[2001]] in Wien) war Rechtsanwalt, [[ÖVP]]-Politiker, Vizebürgermeister von [[Hallein]], [[Salzburg (Bundesland)|Salzburg]]er [[Landeshauptmann]] und österreichischer Bundeskanzler. | Dr. '''Josef Klaus''' (* [[15. August]] [[1910]] in Kötschach-Mauthen, [[Kärnten]]; † [[25. Juli]] [[2001]] in Wien) war Rechtsanwalt, [[ÖVP]]-Politiker, [[Vizebürgermeister]] von [[Hallein]], [[Salzburg (Bundesland)|Salzburg]]er [[Landeshauptmann]] und österreichischer [[Bundesminister|Bundeskanzler]]. | ||
== Leben == | == Leben == | ||
Josef Klaus wurde am [[15. August]] [[1910]] in Kötschach-Mauthen in [[Kärnten|Oberkärnten]] geboren. Sein Vater war dort Bäckermeister. Seine Mutter musste – nachdem der Vater 1914 bis 1920 im [[Erster Weltkrieg|Krieg]] und in Gefangenschaft war und zwei Jahre später starb – vier Kinder alleine aufziehen. Sie lehrte Klaus die Liebe zu Büchern und zur Natur. | Josef Klaus wurde am [[15. August]] [[1910]] in Kötschach-Mauthen in [[Kärnten|Oberkärnten]] geboren. Sein Vater war dort Bäckermeister. Seine Mutter musste – nachdem der Vater von 1914 bis 1920 im [[Erster Weltkrieg|Krieg]] und in Gefangenschaft war und zwei Jahre später starb – vier Kinder alleine aufziehen. Sie lehrte Klaus die Liebe zu Büchern und zur Natur. | ||
Nach dem Besuch des Gymnasiums in Klagenfurt studierte Klaus in Wien Jus. Nach der Promotion wurde er Sekretär von Josef Staud, dem damaligen Vorsitzenden der | Nach dem Besuch des Gymnasiums in Klagenfurt studierte Klaus in Wien Jus. Nach der Promotion wurde er Sekretär von Josef Staud, dem damaligen Vorsitzenden der [[ständestaat]]lichen Einheitsgewerkschaft. Klaus wechselte dann in die (ebenfalls durch das ständestaatliche Regime gleich geschaltete) Arbeiterkammer. | ||
Seiner im Jahr [[1936]] geschlossenen Ehe mit der Halleiner Kaufmannstochter Erna, geb. Seywald, entsprossen insgesamt fünf Kinder. | Seiner im Jahr [[1936]] geschlossenen Ehe mit der Halleiner Kaufmannstochter Erna, geb. Seywald, entsprossen insgesamt fünf Kinder. | ||
| Zeile 18: | Zeile 18: | ||
==Politische Laufbahn== | ==Politische Laufbahn== | ||
===Vizebürgermeister von Hallein=== | ===Vizebürgermeister von Hallein=== | ||
1948 wurde Josef Klaus Bezirksobmann der [[ÖVP]] | 1948 wurde Josef Klaus Bezirksobmann der [[ÖVP]] für den [[Tennengau]]. | ||
Nach den für die ÖVP erfolgreichen Gemeinderatswahlen vom 30. Oktober 1949 wurde er Vizebürgermeister von [[Hallein]] – dies aber nur für weniger als einen Monat: | Nach den für die ÖVP erfolgreichen [[Gemeinderatswahlen|Gemeinderatswahlen]] vom 30. Oktober 1949 wurde er Vizebürgermeister von [[Hallein]] – dies aber nur für weniger als einen Monat: | ||
===Landeshauptmann von Salzburg=== | ===Landeshauptmann von Salzburg=== | ||
Am 9. Oktober 1949 hatte die ÖVP bei Nationalrats- und Landtagswahlen die absolute Mandatsmehrheit verloren, sodass „neue Männer“ gesucht wurden. Der Salzburger Wirtschaftsbund-Obmann [[Michael Haslinger]] empfahl den noch weitgehend unbekannten Klaus, den er als tüchtigen Anwalt in einem | Am 9. Oktober 1949 hatte die ÖVP bei Nationalrats- und Landtagswahlen die absolute Mandatsmehrheit verloren, sodass „neue Männer“ gesucht wurden. Der [[Salzburger Wirtschaftsbund]]-Obmann [[Michael Haslinger]] empfahl den noch weitgehend unbekannten Klaus, den er als tüchtigen Anwalt in einem Zivilprozess kennengelernt und der in Hallein einen erfolgreichen Wahlkampf geführt hatte. | ||
Am [[1. Dezember]] [[1949]] wurde Klaus im Alter von 39 Jahren zum [[Landeshauptmann]] von Salzburg gewählt. | Am [[1. Dezember]] [[1949]] wurde Klaus im Alter von 39 Jahren zum [[Landeshauptmann]] von Salzburg gewählt. | ||
| Zeile 51: | Zeile 51: | ||
** Ausbau der Salzachstufe mit dem [[Kraftwerk Wagrain - St. Johann]], Neu- bzw. Ausbau des [[Kraftwerks Murfall|Kraftwerk Murfall]], des [[Speicherkraftwerk Rotgüldensee|Rotgüldensee-]] und des [[Kraftwerk Bärenwerk|Kraftwerks Bärenwerk]], | ** Ausbau der Salzachstufe mit dem [[Kraftwerk Wagrain - St. Johann]], Neu- bzw. Ausbau des [[Kraftwerks Murfall|Kraftwerk Murfall]], des [[Speicherkraftwerk Rotgüldensee|Rotgüldensee-]] und des [[Kraftwerk Bärenwerk|Kraftwerks Bärenwerk]], | ||
** Bau der Umspannwerke Hagenau, [[Angertal]], [[Mauterndorf]], | ** Bau der Umspannwerke Hagenau, [[Angertal]], [[Mauterndorf]], | ||
** Ausbau des Leitungsnetzes für die Stromversorgung, z.B. die Elektrifizierung des Tauernpasses. | ** Ausbau des Leitungsnetzes für die Stromversorgung, z.B. die Elektrifizierung des [[Radstädter Tauernpass|Tauernpasses]]. | ||
* Auf dem Gebiet des Straßenbaus: | * Auf dem Gebiet des Straßenbaus: | ||
** Ausbau der Autobahn bis zur Landesgrenze, | ** Ausbau der [[Autobahn]] bis zur Landesgrenze, | ||
* | * [[Bundesstraße]]n im [[Gasteinertal]], im [[Mitterpinzgau]], in [[Höllbichl]] und im [[Salzkammergut]], | ||
** eine Reihe von | ** eine Reihe von [[Landesstraße]]n. | ||
* Gründung oder Erhaltung industrieller oder gewerblicher Betriebe: | * Gründung oder Erhaltung industrieller oder gewerblicher Betriebe: | ||
** Erhaltung der [[Saline Hallein]], | ** Erhaltung der [[Saline Hallein]], | ||
| Zeile 67: | Zeile 67: | ||
** Einführung des neuen Schultyps des [[Werkschulheim Felbertal|Werkschulheimes Felbertal]] | ** Einführung des neuen Schultyps des [[Werkschulheim Felbertal|Werkschulheimes Felbertal]] | ||
** Schaffung des [[Pädagogisches Institut|Pädagogischen Instituts]] und der Grundlagen für die Wiedererrichtung der [[Universität Salzburg]] | ** Schaffung des [[Pädagogisches Institut|Pädagogischen Instituts]] und der Grundlagen für die Wiedererrichtung der [[Universität Salzburg]] | ||
** Errichtung von 7 000 neuen Wohnungen aufgrund des 1950 im [[Salzburger Landtag]] | ** Errichtung von 7 000 neuen Wohnungen aufgrund des 1950 im [[Salzburger Landtag]] beschlossenen Wohnbauförderungsfondsgesetzes (11.000 Menschen lebten immer noch in Barackensiedlungen) | ||
** Ausbau der Neubausiedlung [[Taxham]] in der Stadt Salzburg mit (nach Fertigstellung) 1 500 bis 1 600 Wohnungen | ** Ausbau der Neubausiedlung [[Taxham]] in der Stadt Salzburg mit (nach Fertigstellung) 1 500 bis 1 600 Wohnungen | ||
* Ausbau der Landesanstalten, wie Spitäler, Heilstätten, Jugend- und Altersheime | * Ausbau der Landesanstalten, wie Spitäler, Heilstätten, Jugend- und Altersheime | ||
| Zeile 73: | Zeile 73: | ||
* Schutz der Natur, zum Beispiel der [[Krimmler Wasserfälle]] | * Schutz der Natur, zum Beispiel der [[Krimmler Wasserfälle]] | ||
Im Dienste dieser Aufbaupolitik standen auch etliche landesgesetzliche Maßnahmen, wie | Im Dienste dieser Aufbaupolitik standen auch etliche landesgesetzliche Maßnahmen, wie z.B. | ||
*das Wohnbauförderungsfondsgesetz ( | *das Wohnbauförderungsfondsgesetz (LGBl. Nr. 29/1950) und das Wohnungsanforderungsgesetz (LGBl. Nr. 204/1949), | ||
* das Bautenbegünstigungsgesetz 1953 (Gesetz über die zeitweilige Begünstigung von der Grundsteuer für Neu-, Um- und Einbauten, | * das Bautenbegünstigungsgesetz 1953 (Gesetz über die zeitweilige Begünstigung von der Grundsteuer für Neu-, Um- und Einbauten, LGBl. Nr. 5/1953) und das Salzburger Bauerleichterungsgesetz 1959 (LGBl. Nr. 100/1959), | ||
das Salzburger Raumordnungsgesetz | das Salzburger Raumordnungsgesetz (LGBl. Nr. 19/1956) – das erste Raumordnungsgesetz eines österreichischen Bundeslandes, | ||
die Salzburger Landesbauordnung ( | die Salzburger Landesbauordnung (LGBl. Nr. 42/1952) oder | ||
* das Salzburger Naturschutzgesetz ( | * das Salzburger Naturschutzgesetz (LGBl. Nr. 45/1957 und 86/1977). | ||
===Finanzminister und Bundeskanzler=== | ===Finanzminister und Bundeskanzler=== | ||
[[1961]] holte Bundeskanzler Alfons Gorbach den als Reformer geltenden Landeshauptmann als | [[1961]] holte Bundeskanzler Alfons Gorbach den als Reformer geltenden Landeshauptmann als Finanz[[Bundesminister|minister]] in sein Regierungsteam. Klaus setzte eine harte Sparpolitik bei allen Bundesausgaben um. Sein Motto, welches er im Laufe der Zeiten oft zitierte, war: ''"Man kann nur ausgeben, was man einnimmt."'' | ||
Nach der Nationalratswahl im Jahre [[1962]] war er nicht mehr bereit, das Finanzministerium weiter zu führen. Ein Jahr später ([[1963]]) wurde Klaus in einer Kampfabstimmung gegen Heinrich Drimmel zum ÖVP-Bundesparteiobmann gewählt. Die damaligen "Parteireformer" der Volkspartei rund um Generalsekretär Hermann Withalm setzten schließlich durch, dass Kanzler Gorbach das Kanzleramt an Josef Klaus abgab. | Nach der Nationalratswahl im Jahre [[1962]] war er nicht mehr bereit, das Finanzministerium weiter zu führen. Ein Jahr später ([[1963]]) wurde Klaus in einer Kampfabstimmung gegen Heinrich Drimmel zum ÖVP-Bundesparteiobmann gewählt. Die damaligen "Parteireformer" der Volkspartei rund um Generalsekretär Hermann Withalm setzten schließlich durch, dass Kanzler Gorbach das Kanzleramt an Josef Klaus abgab. | ||
| Zeile 90: | Zeile 90: | ||
* [[1949]] – [[1961]]: Landeshauptmann von Salzburg | * [[1949]] – [[1961]]: Landeshauptmann von Salzburg | ||
* [[1952]] – [[1964]]: Landesparteiobmann | * [[1952]] – [[1964]]: Landesparteiobmann der ÖVP Salzburg | ||
* [[1962]] – [[1963]] und [[1966]] – [[1970]]: Abgeordneter zum Nationalrat | * [[1962]] – [[1963]] und [[1966]] – [[1970]]: [[Nationalratsabgeordneter|Abgeordneter zum Nationalrat]] | ||
* [[1960]] – [[1963]]: stellvertretender Bundesparteiobmann | * [[1960]] – [[1963]]: stellvertretender Bundesparteiobmann | ||
* [[1963]] – [[1970]]: Bundesparteiobmann der ÖVP | * [[1963]] – [[1970]]: Bundesparteiobmann der ÖVP | ||
| Zeile 109: | Zeile 109: | ||
==Ehrenbürgerschaft== | ==Ehrenbürgerschaft== | ||
* Dr. Josef Klaus wurde als Landeshauptmann für seine Verdienste um | * Dr. Josef Klaus wurde als Landeshauptmann für seine Verdienste um die Gemeinde [[Thalgau]] zum [[Ehrenbürger Gemeinde Thalgau|Ehrenbürger von Thalgau]] ernannt. Unter Anderem hatte er sich dafür eingesetzt, dass Thalgau bei der Erichtung der [[Westautobahn]] eine eigene Autobahnabfahrt erhielt. | ||
== Werke == | == Werke == | ||
| Zeile 126: | Zeile 126: | ||
== Quellen == | == Quellen == | ||
* Weinzierl Erika, [[Friedrich Steinkellner|Steinkellner Friedrich]]: ''Landespolitik seit 1949. Struktur – Träger – Ergebnisse''. In: [[Heinz Dopsch|Dopsch, Heinz]]/[[Hans Spatzenegger|Spatzenegger, Hans]] (Hrsg.): ''Geschichte Salzburgs, Stadt und Land'', Band 2, Teil 2, Neuzeit und Zeitgeschichte; [[Verlag Anton Pustet]] Salzburg 1988; ISBN 3-7025-0243-2 | * Weinzierl, Erika, [[Friedrich Steinkellner|Steinkellner, Friedrich]]: ''Landespolitik seit 1949. Struktur – Träger – Ergebnisse''. In: [[Heinz Dopsch|Dopsch, Heinz]]/[[Hans Spatzenegger|Spatzenegger, Hans]] (Hrsg.): ''Geschichte Salzburgs, Stadt und Land'', Band 2, Teil 2, Neuzeit und Zeitgeschichte; [[Verlag Anton Pustet]] Salzburg 1988; ISBN 3-7025-0243-2 | ||
* {{austriaforum|Wissenssammlungen/Biographien/Klaus,_Josef}} | * {{austriaforum|Wissenssammlungen/Biographien/Klaus,_Josef}} | ||
* Wiener Zeitung | * Wiener Zeitung | ||