Kobler-Spängler-Briefe von 1870: Unterschied zwischen den Versionen
| Zeile 242: | Zeile 242: | ||
<hr> | <hr> | ||
==== Brief vom 23. Dezember 1870 von | ==== Brief vom 23. Dezember 1870 von Antonia Spängler an Franz Spängler in Mödling ==== | ||
Brief von [ | Brief vom 23. Dezember 1870 von Mutter [[Antonia Spängler]] an ihren Sohn [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Mödling; [?] = fraglich:<br /> | ||
''Salzburg 23. 12. 70: Mein innigstgeliebter Franz! Wie leid thut es mir, daß du diese Weihnachten nicht bey uns zubringen kannst, ich freute mich schon lange auf diese Zeit, in der Hoffnung meinen lieben Franz zu sehen- aber wie es in der Welt geht, man darf sich auf nichts freuen- in gottes Nahmen, man muß sich in das unabenderliche fügen. Alle bedauern schon dein nicht kommen, beyliegend sende ich dir eine ungesottene Zunge, vieleicht kannst du selbe in deinen Ofen sieden es ist auch die Suppe dann sehr gut. Ich hoffe es soll auch die Zunge sehr gut sein aber sie muß so lange gesotten werden bis sie weich ist und gut schellen'' [schälen] ''läßt warm essen ist viel gesünder als kalt, und grumberne'' [Kartoffeln] ''kann dazu. Lasse dir selbe recht gut schmecken. Auch sende ich anliegend 5 fl damit du dir kauffen kannst was du wilst auch habe ich die Stützeln gestrückt damit du zu die Komissionen etwas warmmes hast, die Stiefl wird Otto das nächste mahl bringen die Krägen zu ändern wird sehr schwer fallen weil in der Mitte Rückwerts ein Knopfloch ist alles weg zu nehmen wird zu viel sein, ich werde sehen was sich machen laßt. Ich denke sie sind beim Bügeln in die Weite gezogen worden.'' | ''Salzburg 23. 12. 70: Mein innigstgeliebter Franz! Wie leid thut es mir, daß du diese Weihnachten nicht bey uns zubringen kannst, ich freute mich schon lange auf diese Zeit, in der Hoffnung meinen lieben Franz zu sehen- aber wie es in der Welt geht, man darf sich auf nichts freuen- in gottes Nahmen, man muß sich in das unabenderliche fügen. Alle bedauern schon dein nicht kommen, beyliegend sende ich dir eine ungesottene Zunge, vieleicht kannst du selbe in deinen Ofen sieden es ist auch die Suppe dann sehr gut. Ich hoffe es soll auch die Zunge sehr gut sein aber sie muß so lange gesotten werden bis sie weich ist und gut schellen'' [schälen; Anm.] ''läßt warm essen ist viel gesünder als kalt, und grumberne'' [Kartoffeln; Anm.] ''kann dazu. Lasse dir selbe recht gut schmecken. Auch sende ich anliegend 5 fl damit du dir kauffen kannst was du wilst auch habe ich die Stützeln gestrückt damit du zu die Komissionen etwas warmmes hast, die Stiefl wird Otto das nächste mahl bringen die Krägen zu ändern wird sehr schwer fallen weil in der Mitte Rückwerts ein Knopfloch ist alles weg zu nehmen wird zu viel sein, ich werde sehen was sich machen laßt. Ich denke sie sind beim Bügeln in die Weite gezogen worden.'' | ||
''Lieber Franz es ist zu viel daß du mir noch etwas kaufen laßest, da du mir ja ohnehin schon die hübsche Jophe geschückt hast. Ich danke dir recht herzlich dafür. Ich wünsche dir von ganzen Herzen recht glückliche Feyertage, und auch ein recht glückliches neues Jahr, ich denke zwar daß wir bis dahin noch schreiben aber man kann nicht gewißes sagen ziehe frei ja jetzt die Wollenen Sechel an sowol Baumwoll als auch die Schafwollsocken. Den es ist hier sehr kalt, vieleicht ist es auch dort so. Lieber Franz dir noch herzlich dankend und dir noch alles gute wünschend verbleibe ich in aller Liebe deine dich segnende Mutter Spängler – Alle Bekanten bedauern dein nicht kommen die beiden Langer haben schon verabredet wan sie dich einladen, so sagte sie mir von einer ¼ Stund. Der Kriefant [?] Minna wurde gestern Abends um ½ 9 Uhr [e]in neugemachter Mantl und eine hübsche Jophe gestollen vom Nagl an der Thür. –'' [Mit anderer Schrift; der Bruder Otto:] ''An meinen lieben Franz. Lieber Franz! Eben bei Schluß des Briefes fällt mir ein, wenn du etwa ein Klezenbrod wolltest, so bitte ich es zu vermelden; es würde mir ein Vergnügen sein, dir eins zu senden.'' | ''Lieber Franz es ist zu viel daß du mir noch etwas kaufen laßest, da du mir ja ohnehin schon die hübsche Jophe geschückt hast. Ich danke dir recht herzlich dafür. Ich wünsche dir von ganzen Herzen recht glückliche Feyertage, und auch ein recht glückliches neues Jahr, ich denke zwar daß wir bis dahin noch schreiben aber man kann nicht gewißes sagen ziehe frei ja jetzt die Wollenen Sechel an sowol Baumwoll als auch die Schafwollsocken. Den es ist hier sehr kalt, vieleicht ist es auch dort so. Lieber Franz dir noch herzlich dankend und dir noch alles gute wünschend verbleibe ich in aller Liebe deine dich segnende Mutter Spängler – Alle Bekanten bedauern dein nicht kommen die beiden Langer haben schon verabredet wan sie dich einladen, so sagte sie mir von einer ¼ Stund. Der Kriefant [?] Minna wurde gestern Abends um ½ 9 Uhr [e]in neugemachter Mantl und eine hübsche Jophe gestollen vom Nagl an der Thür. –'' [Mit anderer Schrift; der Bruder Otto:] ''An meinen lieben Franz. Lieber Franz! Eben bei Schluß des Briefes fällt mir ein, wenn du etwa ein Klezenbrod wolltest, so bitte ich es zu vermelden; es würde mir ein Vergnügen sein, dir eins zu senden.'' | ||