Franz Rehrl: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Datei:Franz Rehrl von Anton Faistauer 1927.jpg|thumb|Franz Rehrl von [[Anton Faistauer]] [[1927]].]]
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[[Datei:Franz Rehrl von Anton Faistauer 1927.jpg|thumb|Franz Rehrl von [[Anton Faistauer]] [[1927]]]]
[[Hofrat|Wirklicher Hofrat]]<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19341102&query=%22Alois+Wagenbichler%22&ref=anno-search&seite=1 ANNO], [[Salzburger Chronik]], Ausgabe vom 2. Februar 1934, Seite 1</ref> Dr. '''Franz Rehrl''' (* [[4. Dezember]] [[1890]] in der [[Stadt Salzburg]]; † [[23. Jänner]] [[1947]] ebenda)<ref>[https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/salzburg/salzburg-dompfarre/TFBXV+/?pg=452 Taufbuch der Dompfarre Salzburg, Band XV, S. 446.]</ref> war Jurist und Politiker der [[Christlichsoziale Partei|Christlichsozialen Partei]] Österreichs sowie von [[1922]] bis [[1938]] [[Landeshauptmann]] von [[Land Salzburg (Gebietskörperschaft)|Salzburg]].  
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[[Hofrat|Wirklicher Hofrat]]<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19341102&query=%22Alois+Wagenbichler%22&ref=anno-search&seite=1 ANNO], [[Salzburger Chronik]], Ausgabe vom 2. Februar 1934, Seite 1</ref> Dr. '''Franz Rehrl''' (* [[4. Dezember]] [[1890]] in der [[Stadt Salzburg]]; † [[23. Jänner]] [[1947]] ebenda)<ref>[https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/salzburg/salzburg-dompfarre/TFBXV+/?pg=452 Taufbuch der Dompfarre Salzburg, Band XV, S. 446.]</ref> war Jurist und Politiker der [[Christlichsoziale Partei|Christlichsozialen Partei]] Österreichs sowie von [[1922]] bis [[1938]] [[Landeshauptmann]] von [[Land Salzburg (Gebietskörperschaft)|Salzburg]].
  
 
== Politische Karriere bis 1938 ==
 
== Politische Karriere bis 1938 ==
Rehrl wurde als Sohn eines Zimmermannes des [[Benediktiner-Erzabtei St. Peter|Benediktinerstifts St. Peter]] in Salzburg geboren und besuchte hier die Volksschule und das [[Akademisches Gymnasium|Gymnasium]], wo er [[1910]] maturierte.<ref>[[400 Jahre Akademisches Gymnasium Salzburg]]</ref> Nach seinem juristischen Studium an der Universität [[Wien]] und einer Verwaltungsausbildung trat Franz Rehrl [[1915]] in den Salzburger Landesdienst ein. Kurz darauf wurde er [[Politischer Sekretär|Sekretär]] des damaligen Landeshauptmannes [[Alois Winkler (Priester)|Alois Winkler]] und gehörte nach dem [[Ersten Weltkrieg]] der provisorischen [[Landesregierung]] Salzburgs an. [[1919]] wurde er Abgeordneter zum [[Salzburger Landtag]], zudem war er von [[1919]] bis [[1922]] [[Landeshauptmann-Stellvertreter]]. Mit [[1. Dezember]] [[1920]] wurde Dr. Franz Rehrl für die [[Christlichsoziale Partei]] in den österreichischen Bundesrat berufen wobei er diese Funktion bis zum [[31. Mai]] [[1932]] inne hatte und in den Jahren 1922, [[1927]] und [[1931]] dreimal zum Vorsitzenden des Bundesrats gewählt wurde. 1922 erfolgte im Alter von erst 31 Jahren seine Ernennung zum Salzburger Landeshauptmann.  
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Rehrl wurde als Sohn eines Zimmermanns des [[Benediktiner-Erzabtei St. Peter|Benediktinerstifts St. Peter]] in Salzburg geboren und besuchte hier die Volksschule sowie das [[Akademisches Gymnasium|Gymnasium]], wo er [[1910]] maturierte.<ref>[[400 Jahre Akademisches Gymnasium Salzburg]]</ref> Nach seinem juristischen Studium an der Universität [[Wien]] und einer Verwaltungsausbildung trat Franz Rehrl [[1915]] in den Salzburger Landesdienst ein. Kurz darauf wurde er [[Politischer Sekretär|Sekretär]] des damaligen Landeshauptmannes [[Alois Winkler (Priester)|Alois Winkler]] und gehörte nach dem [[Ersten Weltkrieg]] der provisorischen [[Landesregierung]] Salzburgs an. [[1919]] wurde er Abgeordneter zum [[Salzburger Landtag]]; zudem war er von [[1919]] bis [[1922]] [[Landeshauptmann-Stellvertreter]]. Mit dem [[1. Dezember]] [[1920]] wurde Dr. Franz Rehrl für die [[Christlichsoziale Partei]] in den österreichischen Bundesrat berufen, wobei er diese Funktion bis zum [[31. Mai]] [[1932]] innehatte und in den Jahren 1922, [[1927]] und [[1931]] dreimal zum Vorsitzenden des Bundesrats gewählt wurde. 1922 erfolgte im Alter von erst 31 Jahren seine Ernennung zum Salzburger Landeshauptmann.
  
[[Datei:Salzburg Altstadt 1933b.jpg|thumb|Hier markiert das ehemalige Geburtshaus von Dr. Franz Rehrl, das er 1937 für den Umbau des ersten [[Salzburger Festspielhaus]]es abreißen ließ. Heute ist dort der [[Toscaninihof]] und das [[Bühnenhaus Haus für Mozart]].]]
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[[Datei:Salzburg Altstadt 1933b.jpg|thumb|Hier markiert das ehemalige Geburtshaus von Dr. Franz Rehrl, das er 1937 für den Umbau des ersten [[Salzburger Festspielhaus]]es abreißen ließ. Heute befinden sich dort der [[Toscaninihof]] und das [[Bühnenhaus des Haus für Mozart]].]]
  
Als Landeshauptmann machte er sich zunächst um die [[Salzburger Festspiele]] verdient. In seine Amtszeit fielen der Umbau der großen gedeckten [[Winterreitschule]] durch Architekt [[Eduard Hütter]] zum ersten [[Haus für Mozart|Festspielhaus]] [[1925]], der zweite Umbau [[1926]], sowie der dritte und grundlegende Umbau des Festspielhauses durch [[Clemens Holzmeister]] im Jahr [[1937]], bei dem auf Wunsch von [[Arturo Toscanini]] der Zuschauerraum um 180° gedreht wurde. Diese Drehung machte einen [[Bühnenhaus Haus für Mozart|Bühnenhausanbau]] notwendig, wofür Rehrl sogar sein Geburtshaus im (heutigen) [[Toscanini-Hof]] abreißen ließ.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19370415&query=%22Festspielhaus%22&ref=anno-search&seite=4 ANNO], "[[Salzburger Chronik]]", Ausgabe vom 15. April 1937, Seite 4</ref>
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Als Landeshauptmann machte er sich zunächst um die [[Salzburger Festspiele]] verdient. In seine Amtszeit fielen der Umbau der großen, gedeckten [[Winterreitschule]] durch Architekt [[Eduard Hütter]] zum ersten [[Haus für Mozart|Festspielhaus]] [[1925]], der zweite Umbau im Jahr [[1926]] sowie der dritte und grundlegende Umbau des Festspielhauses durch [[Clemens Holzmeister]] im Jahr [[1937]], bei dem auf Wunsch von [[Arturo Toscanini]] der Zuschauerraum um 180° gedreht wurde. Diese Drehung machte einen Bühnenhausanbau notwendig, wofür Rehrl sogar sein Geburtshaus im (heutigen) [[Toscaninihof]] abreißen ließ.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19370415&query=%22Festspielhaus%22&ref=anno-search&seite=4 ANNO], "[[Salzburger Chronik]], Ausgabe 15. April 1937, Seite 4</ref>
  
 
Rehrl galt als konsensbereiter Politiker, der sich nach den [[Februaraufstand|Februar-Unruhen]] des Jahres [[1934]] in Österreich für die verfolgten Sozialdemokraten einsetzte. Historiker beschreiben ihn als einen Menschen mit "ausgeprägtem, ebenso zähem wie phantasievollem Sinn für das ökonomisch Machbare", als einen Typ von Unternehmer, dem allen Widerständen zum Trotz "die Durchsetzung neuer Kombinationen gelingt".
 
Rehrl galt als konsensbereiter Politiker, der sich nach den [[Februaraufstand|Februar-Unruhen]] des Jahres [[1934]] in Österreich für die verfolgten Sozialdemokraten einsetzte. Historiker beschreiben ihn als einen Menschen mit "ausgeprägtem, ebenso zähem wie phantasievollem Sinn für das ökonomisch Machbare", als einen Typ von Unternehmer, dem allen Widerständen zum Trotz "die Durchsetzung neuer Kombinationen gelingt".
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=== Projekte von Rehrl ===
 
=== Projekte von Rehrl ===
Rehrl gilt als Initiator der Errichtung der [[L 108 Gaisberg Landesstraße|Gaisbergstraße]], der ersten ausschließlich für touristische Zwecke erbauten Mautstraße Österreichs, der [[Alpenstraße (Salzburg)|Alpenstraße]] in der Stadt Salzburg, der [[Schmittenhöhebahn]] sowie des Baus des [[Tauernkraftwerke Kaprun|Tauernkraftwerk]]es und des [[Kraftwerk Bärenwerk|Fuscher Bärenwerkes]].
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Rehrl gilt als Initiator der Errichtung der [[L 108 Gaisberg Landesstraße|Gaisbergstraße]], der ersten ausschließlich für touristische Zwecke erbauten Mautstraße Österreichs, der [[Alpenstraße (Salzburg)|Alpenstraße]] in der Stadt Salzburg, der [[Schmittenhöhebahn]] sowie des Baus des [[Tauernkraftwerke Kaprun|Tauernkraftwerks]] und des [[Kraftwerk Bärenwerk|Fuscher Bärenwerks]].
  
 
=== Großglockner Hochalpenstraße und Tauernkraftwerke ===
 
=== Großglockner Hochalpenstraße und Tauernkraftwerke ===
Das Lebenswerk Rehrls war jedoch der Bau der [[Großglockner Hochalpenstraße]], bei dem er die treibende Kraft in der [[Baugeschichte der Großglockner Hochalpenstraße|Baugeschichte]] war.  
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Das Lebenswerk Rehrls war jedoch der Bau der [[Großglockner Hochalpenstraße]], bei dem er die treibende Kraft der [[Baugeschichte der Großglockner Hochalpenstraße|Baugeschichte]] war.
  
 
<blockquote>''Oberbaurat Ing. Wallack hätte den Plan und den Gedanken dieses Straßenzuges mit sich ins Grab genommen, wenn sich ihm nicht ein schöpferischer Wille zugesellt hätte, der nun im vollsten Sinne des Wortes als der eigentliche Schöpfer dieser Straße vor uns steht, Landeshauptmann Dr. Rehrl.''</blockquote>
 
<blockquote>''Oberbaurat Ing. Wallack hätte den Plan und den Gedanken dieses Straßenzuges mit sich ins Grab genommen, wenn sich ihm nicht ein schöpferischer Wille zugesellt hätte, der nun im vollsten Sinne des Wortes als der eigentliche Schöpfer dieser Straße vor uns steht, Landeshauptmann Dr. Rehrl.''</blockquote>
  
[[Datei:Grossglockner_Hochalpenstrasse_Baugeschichte_06.jpg|thumb|[[Großglockner Hochalpenstraße Baugeschichte]], [[Landeshauptmann]] Dr. Franz Rehrl, am [[23. September]] [[1934]] bei der Eröffnung der Straße bis zum [[Fuscher Törl]], (links im Hintergrund die [[Edelweißstraße]] zur [[Edelweißspitze]], Rehrl steht neben der [[Dr.-Franz-Rehrl-Haus|Baubaracke]] beim [[Parkplatz Fuscher Törl I]].]]
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[[Datei:Grossglockner_Hochalpenstrasse_Baugeschichte_06.jpg|thumb|[[Großglockner Hochalpenstraße Baugeschichte]], [[Landeshauptmann]] Dr. Franz Rehrl am [[23. September]] [[1934]] bei der Eröffnung der Straße bis zum [[Fuscher Törl]] (links im Hintergrund die [[Edelweißstraße]] zur [[Edelweißspitze]]; Rehrl steht neben der [[Dr.-Franz-Rehrl-Haus|Baubaracke]] beim [[Parkplatz Fuscher Törl I]]).]]
[[Datei:Edelweissspitze Eroeffnung 1934 08.jpg|thumb|Das Bild wurde auf der [[Edelweißspitze]] beim [[Trigonometrischer Punkt|trigonometrischen Punkt]] aufgenommen und zeigt  unterhalb des trigonometrischen Punktes Bundeskanzler [[Kurt Schuschnigg]], rechts neben ihm Bundespräsident Wilhelm Miklas, Ministerialrat Dr. Otto Steyrer (Profil), Landeshauptmann Dr. [[Franz Rehrl]], Präsident des österreichischen Verkehrsbüros Dr. Franz Georg Strafella und Oberbaurat Ing. [[Franz Wallack]].]]
 
  
So schrieb das christlichsoziale Blatt, die "[[Salzburger Chronik]]" am [[2. August]] 1935.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19350802&seite=1&zoom=33 ANNO], "Salzburger Chronik", Ausgabe vom 2. August 1935, Seite 1</ref> Diese Aussage skizziert sehr gut, weshalb Rehrl sich so vehement für den Bau der Glocknerstraße einsetzte, deren Ausführung und Fertigstellung mehrmals auf der finanziellen Kippe stand.  
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[[Datei:Edelweissspitze Eroeffnung 1934 08.jpg|thumb|Das Bild wurde auf der [[Edelweißspitze]] beim [[Trigonometrischer Punkt|trigonometrischen Punkt]] aufgenommen und zeigt unterhalb des trigonometrischen Punktes Bundeskanzler [[Kurt Schuschnigg]], rechts neben ihm Bundespräsident [[Wilhelm Miklas]], Ministerialrat Dr. Otto Steyrer (im Profil), Landeshauptmann Dr. [[Franz Rehrl]], Präsident des österreichischen Verkehrsbüros Dr. Franz Georg Strafella und Oberbaurat Ing. [[Franz Wallack]].]]
  
Allerdings stimmt die zitierte Aussage nicht, weil sich Rehrl erst [[1927]] in die Sache aktiv einbrachte. Wallack hingegen war bereits seit 1924 in die Planung involviert gewesen. Grund dafür, dass Rehrl sich erst 1927 in die Baugeschichte der Straße einklinkte, könnte seine Erfahrung mit der einfach abgelaufene Finanzierung der Gaisbergstraße gewesen sein. Sie schien Rehrl dazu ermuntert zu haben, sich nun auch aktiver für die Großglockner Hochalpenstraße einzusetzen.
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So schrieb das christlichsoziale Blatt die "[[Salzburger Chronik]]" am [[2. August]] 1935.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19350802&seite=1&zoom=33 ANNO], "Salzburger Chronik", Ausgabe vom 2. August 1935, Seite 1</ref> Diese Aussage skizziert sehr gut, weshalb Rehrl sich so vehement für den Bau der Glocknerstraße einsetzte, deren Ausführung und Fertigstellung mehrmals auf der finanziellen Kippe stand.
  
Am [[30. August]] [[1930]] konnte dann Rehrl den ersten Sprengschuss in [[Ferleiten]] auslösen, genau genommen war es seine Tochter, die kleine Traude. Das war der Baubeginn dieses ehrgeizigen Straßenbauprojektes der österreichischen [[Zwischenkriegszeit]], das [[1935]] fertiggestellt wurde. Zuvor überquerte er als erster an der Seite des Straßenerbauers [[Franz Friedrich Wallack|Wallacks]] am [[22. September]] [[1934]] diesen [[Alpenübergang]], noch bevor die Straße für die Öffentlichkeit freigegeben war ([[Erstbefahrung der Großglockner Hochalpenstraße]]).
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Allerdings stimmt die zitierte Aussage nicht, weil sich Rehrl erst [[1927]] in die Sache aktiv einbrachte. Wallack hingegen war bereits seit [[1924]] in die Planung involviert gewesen. Der Grund dafür, dass Rehrl sich erst 1927 in die Baugeschichte der Straße einklinkte, könnte seine Erfahrung mit der einfach abgelaufenen Finanzierung der Gaisbergstraße gewesen sein. Dies schien Rehrl dazu ermuntert zu haben, sich nun auch aktiver für die Großglockner Hochalpenstraße einzusetzen.
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Am [[30. August]] [[1930]] konnte dann Rehrl den ersten Sprengschuss in [[Ferleiten]] auslösen; genau genommen war es seine Tochter, die kleine Traude. Das war der Baubeginn dieses ehrgeizigen Straßenbauprojekts der österreichischen [[Zwischenkriegszeit]], das [[1935]] fertiggestellt wurde. Zuvor überquerte er als Erster an der Seite des Straßenerbauers [[Franz Friedrich Wallack|Wallack]] am [[22. September]] [[1934]] diesen [[Alpenübergang]], noch bevor die Straße für die Öffentlichkeit freigegeben war ([[Erstbefahrung der Großglockner Hochalpenstraße]]).
  
 
=== Hintergründe zum Bau der Straße ===
 
=== Hintergründe zum Bau der Straße ===
Einer der Gründe, weshalb Dr. Rehrl sich so vehement für den Bau der Großglockner Hochalpenstraße eingesetzt hatte, war die Vision der Errichtung eines Skizentrums in der [[Glocknergruppe]]. Dieses sollte mit der neuen Straße erschlossen werden. Eine weitere Idee von Dr. Rehrl war, dass diese Straße zunächst zur Errichtung einer riesigen [[Tauernkraftwerk-Projekt der 1920er-Jahre|Tauernkraftwerkgruppe]] von deren Betreibern gebaut und bezahlt werden sollte; dann hätte sie später vom Land Salzburg ohne Kosten übernommen werden und neben der Ausflugsstraßenfunktion auch für das Skigebiet als Zubringer dienen sollen.  
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Einer der Gründe, weshalb Dr. Rehrl sich so vehement für den Bau der Großglockner Hochalpenstraße eingesetzt hatte, war die Vision der Errichtung eines Skizentrums in der [[Glocknergruppe]]. Dieses sollte mit der neuen Straße erschlossen werden. Eine weitere Idee von Dr. Rehrl war, dass diese Straße zunächst zur Errichtung einer riesigen [[Tauernkraftwerk-Projekt der 1920er-Jahre|Tauernkraftwerkgruppe]] von deren Betreibern gebaut und bezahlt werden sollte; dann hätte sie später vom Land Salzburg ohne Kosten übernommen werden und neben der Ausflugsstraßenfunktion auch für das Skigebiet als Zubringer dienen sollen.
  
Er erkannte, dass in der damaligen Wirtschaftsrezession die Ankurbelung des [[Fremdenverkehr]]s ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor wäre und vor allem dringend notwendige Devisen ins Land brächte. Seinen Intensionen kann man auch entnehmen, dass er ursprünglich [[Kärnten]] nicht am Verlauf der Großglockner Hochalpenstraße partizipieren hätte lassen wollen, damit die Devisen eben im Land Salzburg blieben. Letztlich führten Rehrls Überlegungen zu dem mehrjährigen [[Variantenstreit der Großglockner Hochalpenstraße]], in dem er schließlich nachgeben und die Planung von Oberbaurat Ing. [[Franz Friedrich Wallack]] akzeptieren musste.
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Er erkannte, dass in der damaligen Wirtschaftsrezession die Ankurbelung des [[Fremdenverkehr]]s ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor wäre und vor allem dringend notwendige Devisen ins Land brächte. Seinen Intentionen kann man auch entnehmen, dass er ursprünglich [[Kärnten]] nicht am Verlauf der Großglockner Hochalpenstraße hätte partizipieren lassen wollen, damit die Devisen eben im Land Salzburg blieben. Letztlich führten Rehrls Überlegungen zu dem mehrjährigen [[Variantenstreit der Großglockner Hochalpenstraße]], in dem er schließlich nachgeben und die Planung von Oberbaurat Ing. [[Franz Friedrich Wallack]] akzeptieren musste.
  
 
[[Datei:Großglockner Hochalpenstraße Franz Rehrl.jpg|thumb|Bild oben Dr. Franz Rehrl 1935.]]
 
[[Datei:Großglockner Hochalpenstraße Franz Rehrl.jpg|thumb|Bild oben Dr. Franz Rehrl 1935.]]
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Besondere Verdienste erwarb sich Rehrl in [[Zell am See]] im Zusammenhang mit dem Bau der Schmittenhöhebahn [[1927]] und der Stadterhebung von Zell am See im Jahr 1928. Nach einstimmigem Gemeinderatsbeschluss (Sitzung vom [[18. Jänner]] [[1928]]) wurde Dr. Franz Rehrl die [[Ehrenbürger der Stadt Zell am See|Ehrenbürgerurkunde]] von Zell am See überreicht.<ref>Sitzungsprotokolle der Stadtgemeinde Zell am See 1928–29; 1930. Sitzung am 18. 1. 1928 und Festsitzung am 28. 1. 1928; In: R. Hochhold (2013): S. 421; FN 1433</ref>
 
Besondere Verdienste erwarb sich Rehrl in [[Zell am See]] im Zusammenhang mit dem Bau der Schmittenhöhebahn [[1927]] und der Stadterhebung von Zell am See im Jahr 1928. Nach einstimmigem Gemeinderatsbeschluss (Sitzung vom [[18. Jänner]] [[1928]]) wurde Dr. Franz Rehrl die [[Ehrenbürger der Stadt Zell am See|Ehrenbürgerurkunde]] von Zell am See überreicht.<ref>Sitzungsprotokolle der Stadtgemeinde Zell am See 1928–29; 1930. Sitzung am 18. 1. 1928 und Festsitzung am 28. 1. 1928; In: R. Hochhold (2013): S. 421; FN 1433</ref>
  
Vier Häuser besaß der Landeshauptmann in Zell am See. In der Nähe eines dieser Häuser in [[Erlberg (Zell am See)|Erlberg]] wurden im Sommer [[2023]] ein Denkmal für Rehrl und eine Informationstafel aufgestellt, die daran erinnern. Die Skulptur ist Teil des Themenwegs "[[guestbook]]", der an einem Promenadenweg am [[Thumersbach]]er Seeufer über prominente Bewohner informiert.
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Der Landeshauptmann besaß vier Häuser in Zell am See. In der Nähe eines dieser Häuser in [[Erlberg (Zell am See)|Erlberg]] wurden im Sommer [[2023]] ein Denkmal für Rehrl und eine Informationstafel aufgestellt, die daran erinnern sollen. Die Skulptur ist Teil des Themenwegs "[[guestbook]]", der an einem Promenadenweg am Seeufer von [[Thumersbach]] über prominente Bewohner informiert.
  
Rehrl und seine Frau Maria ließen sich 1928 in Thumersbach nieder und kauften die Villa Alpensee. Sie befand sich beim [[Seehotel Bellevue|Hotel Bellevue]] direkt am Seeufer. [[1921]] verbrachte der englische Dichter D. H. Lawrence hier den Sommer. Die jüngere Schwester seiner Lebensgefährtin war mit dem damaligen Besitzer der Villa, dem preußischen Offizier Max von Schreibershofen, verheiratet. Die Rehrls fühlten sich dort aber nicht wohl. Angeblich war es ihnen zu laut und 1930 verkauften sie das Haus wieder. Im selben Jahr erwarb Rehrl dann die Liegenschaft Raingut in Erlberg von [[Agathe Whitehead]], wo sich Rehrl vom Zeller Architekten [[Fidelius Schmid]] ein Wohnhaus bauen ließ. Das Raingut lag ruhiger auf der sogenannten Grafleiten einige Höhenmeter über dem See. Die Familie des Torpedo-Erfinders und Werftbesitzers Robert [[Whitehead]] hatte [[1902]] den benachbarten [[Erlhof]] - heute im Eigentum der [[Familie Piëch]] - erworben, zu dem unter anderem auch das Raingut gehörte.
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Rehrl und seine Frau Maria ließen sich 1928 in Thumersbach nieder und kauften die Villa Alpensee. Sie befand sich beim [[Seehotel Bellevue|Hotel Bellevue]] direkt am Seeufer. [[1921]] verbrachte der englische Dichter D. H. Lawrence hier den Sommer. Die jüngere Schwester seiner Lebensgefährtin war mit dem damaligen Besitzer der Villa, dem preußischen Offizier Max von Schreibershofen, verheiratet. Die Rehrls fühlten sich dort jedoch nicht wohl. Angeblich war es ihnen zu laut, und 1930 verkauften sie das Haus wieder. Im selben Jahr erwarb Rehrl die Liegenschaft Raingut in Erlberg von [[Agathe Whitehead]], wo er sich vom Zeller Architekten [[Fidelius Schmid]] ein Wohnhaus bauen ließ. Das Raingut lag ruhiger, auf der sogenannten Grafleiten, einige Höhenmeter über dem See. Die Familie des Torpedo-Erfinders und Werftbesitzers Robert [[Whitehead]] hatte [[1902]] den benachbarten [[Erlhof]] - heute im Eigentum der [[Familie Piëch]] - erworben, zu dem unter anderem auch das Raingut gehörte.
  
Rehrl kaufte [[1932]] noch ein weiteres Haus am [[Kalvarienberg Zell am See|Kalvarienberg]] auf der Zeller Seeseite und errichtete in Thumersbach eine Bootshütte, wo er ein Motorboot einstellte. Eine detaillierte Auflistung seiner Besitztümer enthält eine Verfügung der [[Nationalsozialisten]], mit der Rehrl [[1939]] enteignet wurde. Später beteiligte er sich an Umsturzplänen und wurde verhaftet. Das Raingut riss sich der Kriegsverbrecher Otto Wächter unter den Nagel. Nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Krieg]] gelang es ihm, sich vier Jahre lang in [[Almhütte]]n in der Gegend zu verstecken. Rehrls Seegrundstück ging an Reichsstatthalter [[Arthur Seyß-Inquart]], der [[1946]] in Nürnberg zum Tode verurteilt wurde. Erst [[1949]] bekam Rehrls Familie das Raingut zurück. Davor hatten es die Amerikaner noch als Bordell genutzt. Franz Rehrl selbst erlebte das nicht mehr. Er kehrte schwer gezeichnet aus der Nazihaft zurück und starb [[1947]]. Das Haus ist noch heute im Besitz seiner Nachfahren.
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Rehrl kaufte [[1932]] noch ein weiteres Haus am [[Kalvarienberg Zell am See|Kalvarienberg]] auf der Zeller Seeseite und errichtete in Thumersbach eine Bootshütte, in der er ein Motorboot einstellte. Eine detaillierte Auflistung seiner Besitztümer findet sich in einer Verfügung der [[Nationalsozialisten]], mit der Rehrl [[1939]] enteignet wurde. Später beteiligte er sich an Umsturzplänen und wurde daraufhin verhaftet. Das Raingut eignete sich der Kriegsverbrecher Otto Wächter an. Nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Krieg]] gelang es ihm, sich vier Jahre lang in Almhütten in der Gegend zu verstecken. Rehrls Seegrundstück ging an Reichsstatthalter [[Arthur Seyß-Inquart]], der [[1946]] in Nürnberg zum Tode verurteilt wurde. Erst [[1949]] bekam Rehrls Familie das Raingut zurück. Zuvor hatten es die Amerikaner als Bordell genutzt. Franz Rehrl selbst erlebte das nicht mehr. Er kehrte schwer gezeichnet aus der Haft der Nationalsozialisten zurück und starb [[1947]]. Das Haus ist noch heute im Besitz seiner Nachfahren.
  
Weniger bekannt ist, dass Rehrl schon vor seiner Zeit als Landeshauptmann [[1916]] das oberhalb des Rainguts gelegene Grafleitengut gekauft hatte, aber nie bewohnte. Verkäufer war der Landwirt Georg Illmer, der mit seiner Familie im Februar [[1917]] in seinen Heimatort [[Werfenweng]] zurückkehren wollte. Seine Ururenkelin Susanne Huber hat die Geschichte in ihrem auf Tatsachen beruhenden Roman "Und der See schweigt" aufgeschrieben. Sie sei so in ihrer Familie erzählt worden, sagt sie. Demnach hatte Illmer den Kaufpreis im Dezember 1916 von Rehrl erhalten und das Geld versteckt. Wo, sagte er nicht einmal seiner Frau. Aber Illmer ertrank am [[20. Jänner]] 1917 mit vier seiner Kinder und zwei [[Dienstboten]], als sie frühmorgens mit einem Kahn über den See zur Messe fuhren. Die Leichen wurden nie gefunden, obwohl Agathe Whitehead Taucher aus der Stadt Salzburg kommen ließ.
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Weniger bekannt ist, dass Rehrl schon vor seiner Zeit als Landeshauptmann [[1916]] das oberhalb des Rainguts gelegene Grafleitengut gekauft hatte, jedoch nie bewohnte. Verkäufer war der Landwirt Georg Illmer, der mit seiner Familie im Februar [[1917]] in seinen Heimatort [[Werfenweng]] zurückkehren wollte. Seine Ururenkelin Susanne Huber hat die Geschichte in ihrem auf Tatsachen beruhenden Roman "Und der See schweigt" aufgeschrieben. Diese Geschichte sei in ihrer Familie so überliefert worden, sagt sie. Demnach hatte Illmer den Kaufpreis im Dezember 1916 von Rehrl erhalten und das Geld versteckt. Wo, verriet er nicht einmal seiner Frau. Doch Illmer ertrank am [[20. Jänner]] 1917 mit vier seiner Kinder und zwei [[Dienstboten]], als sie frühmorgens mit einem Kahn über den See zur Messe fuhren. Die Leichen wurden nie gefunden, obwohl [[Agathe Whitehead]] Taucher aus der Stadt Salzburg anfordern ließ.
  
Verschwunden blieb trotz verzweifelter Suche auch das Geld. Illmers Frau und die überlebenden Kinder konnten dank Rehrl aber auf dem Hof bleiben. Er habe ihnen die Pacht gestundet und zwei Ziegen gebracht, damit sie über den ersten Winter kamen, erzählt Susanne Huber. Auch das Vieh war ja schon verkauft. [[1931]] kaufte Georg Illmers Sohn Simon das Gut mithilfe eines Kredits von Rehrl zurück. Eines der Konten, das die Nazis Rehrl abnahmen, trug den Namen "Simon Illmer". Erst [[1948]] oder 1949 tauchte bei Umbauarbeiten auch jenes Geld wieder auf, das Rehrl 1916 an Illmer gezahlt hatte. Es war in einem Geheimfach auf der Rückseite eines Bauernschranks. Was der Familie Illmer jahrzehntelange Armut und Plagerei erspart hätte, war nur mehr ein Bündel wertloser Kronen.
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Verschwunden blieb trotz verzweifelter Suche auch das Geld. Illmers Frau und die überlebenden Kinder konnten dank Rehrl aber auf dem Hof bleiben. Er habe ihnen die Pacht gestundet und zwei Ziegen gebracht, damit sie über den ersten Winter kamen, erzählt Susanne Huber. Auch das Vieh war ja schon verkauft. [[1931]] kaufte Georg Illmers Sohn Simon das Gut mithilfe eines Kredits von Rehrl zurück. Eines der Konten, das die Nazis Rehrl abnahmen, trug den Namen "Simon Illmer". Erst [[1948]] oder 1949 tauchte bei Umbauarbeiten auch jenes Geld wieder auf, das Rehrl 1916 an Illmer gezahlt hatte. Es war in einem Geheimfach auf der Rückseite eines Bauernschranks. Was der Familie Illmer jahrzehntelange Armut und Plagerei erspart hätte, war nur noch ein Bündel wertloser Kronen.
  
1939 wurden die Besitzungen Rehrls nach dessen Absetzung als Landeshauptmann als "volks­ und staatsfeindliches Vermögen" eingezogen. Erst im Mai 1949 erstattete man diese Güter den Töchtern Rehrls, Eleonore und Ehrentrudis, zurück.<ref>Verfügung vom 19. 4. 1939, Amtsgericht Zell am See: Dr. Franz Rehrl; Einziehung des Vermögens. F. Hölzl (1989): 1200 Jahre Zell am See; Bd. 2, S. 75–78. Demnach hatte während des Krieges die Frau des Gouverneurs von Krakau, Vizegouverneurs von Polen und Generalleutnant der SS, Otto Gustav (von) Wächter, das Gut in Thumersbach bewohnt. Vgl. ebd.,S. 78. In: R. Hochhold (2013): S. 425; FN 1603</ref>
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1939 wurden die Besitzungen Rehrls nach dessen Absetzung als Landeshauptmann als "volks- und staatsfeindliches Vermögen" eingezogen. Erst im Mai 1949 erstattete man diese Güter den Töchtern Rehrls, Eleonore und Ehrentrudis, zurück.<ref>Verfügung vom 19. 4. 1939, Amtsgericht Zell am See: Dr. Franz Rehrl; Einziehung des Vermögens. F. Hölzl (1989): 1200 Jahre Zell am See; Bd. 2, S. 75–78. Demnach hatte während des Krieges die Frau des Gouverneurs von Krakau, Vizegouverneurs von Polen und Generalleutnant der SS, Otto Gustav (von) Wächter, das Gut in Thumersbach bewohnt. Vgl. ebd., S. 78. In: R. Hochhold (2013): S. 425; FN 1603</ref>
  
 
[[Datei:Stille-Nacht-Kapelle 1937.jpg|thumb|Einweihung der [[Stille-Nacht-Kapelle]] am [[15. August]] [[1937]], v. l. Bundeskanzler [[Kurt Schuschnigg]] und [[Landeshauptmann]] [[Franz Rehrl]] bei strömendem Regen auf dem Weg von der Pfarrkirche in den Stille-Nacht-Bezirk.]]
 
[[Datei:Stille-Nacht-Kapelle 1937.jpg|thumb|Einweihung der [[Stille-Nacht-Kapelle]] am [[15. August]] [[1937]], v. l. Bundeskanzler [[Kurt Schuschnigg]] und [[Landeshauptmann]] [[Franz Rehrl]] bei strömendem Regen auf dem Weg von der Pfarrkirche in den Stille-Nacht-Bezirk.]]
  
==Inhaftierung und Rückkehr nach Österreich (1938-1947)==
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==Inhaftierung und Rückkehr nach Österreich (1938–1947)==
Als Folge des [[Anschluss]]es Österreichs an das Deutsche Reich wurde er kurz nach dem am [[12. März]] [[1938]] erfolgten Einmarsch der deutschen Truppen in Salzburg seines Amtes enthoben und vorübergehend in Haft genommen.  
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Als Folge des [[Anschluss]]es Österreichs an das Deutsche Reich wurde er kurz nach dem am [[12. März]] [[1938]] erfolgten Einmarsch der deutschen Truppen in Salzburg seines Amtes enthoben und vorübergehend in Haft genommen.
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Im [[August]] [[1943]] versuchte der Jesuitenpater [[Augustin Rösch]] im Auftrag von Helmuth James Graf von Moltke, ihn für eine Beteiligung an dem geplanten politischen Umsturz zu gewinnen. Trotz seines aufgrund eines Diabetes-Leidens bereits angeschlagenen Gesundheitszustandes ließ er sich als politischer Beauftragter für den Wehrkreis XVIII (Salzburg) vorschlagen. Nach dem Scheitern des Attentats wurde er am [[25. Juli]] [[1944]] in [[Zell am Ziller]] verhaftet und im Berliner Zellengefängnis Lehrter Straße bis zum Ende des Krieges inhaftiert.
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Im August [[1945]] kehrte er schwer gezeichnet nach Salzburg zurück, wo er am 23. Jänner 1947 an den Folgen der Haft und daraus resultierenden langen, schmerzhaften Leiden um 20:30 Uhr verstarb.<ref>Details zum Tod in der "[[Salzburger Wochenschau]]", Jahrgang 1947, Ausgabe 5/6 vom 9. Februar</ref> Er wurde in Salzburg auf dem [[Friedhof Morzg|Stadtteilfriedhof]] [[Morzg]] in einem Ehrengrab beigesetzt.
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Im selben Jahr löste sein Bruder [[Josef Rehrl]] den seit 1945 amtierenden Landeshauptmann [[Albert Hochleitner]] ab und übte diese Funktion selbst bis [[1949]] aus.
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== Rede von Hans Hofmann-Montanus am Grab des Altlandeshauptmannes ==
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Die Rede von [[Hofrat]] [[Hans Hofmann-Montanus]] am Grab des Altlandeshauptmannes:<[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svz&datum=19470820&query=%22Schmittenh%c3%b6hebahn%22&ref=anno-search&seite=1 ANNO], "[[Salzburger Volkszeitung]]", Ausgabe vom 20. August 1947, Seite 1</ref>
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<blockquote>''"Ein Vater des Landes".<br />
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''Hofrat Hofmann-Montanus am Grabe des Alt- Landeshauptmannes.<br />
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''Im Rahmen der Weihestunden des [[Salzburger Landesverkehrsamt|Landes­verkehrsamtes]] in Salzburg für die [[Salzburger Festspiele 1947|Festspiel­presse 1947]] sprach Landesverkehrsdirektor Hof­rat Hans Hofmann-Montanus am Grabe des Anlandeshauptmannes Dr. Franz Rehrl am Friedhof zu Morzg.<br />
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''Der Mann in dem Grabe hier schloß am 23. Jänner des gegenwärtigen Jahres als ein spätes Opfer des deutschen Nationalismus für immer seine Augen. Wenn an dem Grabe nur in kargen Worten geschrieben steht, wer und was der Mann war, so ist es längst über die Heimatgrenzen hinaus bekannt, daß er, Lan­deshauptmann Dr. Franz Rehrl, dem Volke in Salzburg als der Umgestalter seines Lan­des an einer Zeitenwende erwuchs, die der erste Weltkrieg herbeigeführt hatte.<br />
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''Die wirtschaftliche Erschließung des Bun­deslandes Salzburg sollte von der Landes­hauptstadt ihren Ausgang nehmen. Für den Wirtschaftspolitiker Franz Rehrl konnte es nicht zweifelhaft sein, daß jegliche produktiv-erschließerische Arbeit Investitionsmittel vor­aussetzt. Kaum war sein gewaltiger, auf Jahrzehnte hinaus berechneter Aufschließungsplan fertig, da errichtete er den [[Tourismusförderungsfonds des Landes Salzburg|Salz­burger Fremdenverkehrsförderungfonds]], einen allein für die Fremdenverkehrsförderung be­stimmten Landesfonds, der jährlich aus einer Reingewinnabgabe der leistungsfähigsten Fremdenverkehrsbetriebe des Landes sich er­neuern sollte.<br />
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''Der Fremdenverkehrsförderungsfonds wurde zum finanziellen Garanten für jene Schöp­fungen Rehrls, die dem Lande einen gehobe­nen Platz unter den namhaftesten Fremden­verkehrsländern Europas sichern sollten. Zu­ nächst entstand die Gaisberg-Autostraße vom Weichbilde der Stadt bis auf den Gipfel ihres Hausberges. Die Schmittenhöhe-Seilschwebe­bahn von Zell am See bis auf den Gipfel der Schmittenhöhe folgte unmittelbar. Als die Salzburger Festspiele durch unzulängliche Kapitalisierung des Festspielhausbaues in Be­drängnis geraten waren, sanierte Franz Rehrl den Bau und festigte zugleich die materiellen Stützen der jährlichen Festspiele. Nebenbei bahnte er die "[[Salzburger Dolomitenstraße]]", einen Kraftfahrweg vom [[Salzachtal]]e bis an den Fuß des [[Dachsteingebirge]]s.<br />
  
Im [[August]] [[1943]] versuchte der Jesuitenpater [[Augustin Rösch]] im Auftrag Helmuth James Graf von Moltkes ihn für eine Beteiligung bei dem geplanten politischen Umsturz zu gewinnen. Trotz seines bereits auf Grund eines Diabetes-Leidens angeschlagenen Gesundheitszustandes ließ er sich als politisch Beauftragter für den Wehrkreis XVIII (Salzburg) vorschlagen. Nach dem Scheitern des Attentats wurde er am [[25. Juli]] [[1944]] in [[Zell am Ziller]] verhaftet und im Berliner Zellengefängnis Lehrter Straße bis zum Ende des Krieges inhaftiert.  
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''Schon aber schattete das Verhängnis aus dem nationalsozialistischen Deutschland her­an. Zuerst mit der [[100-Mark-Steuer|Hundertmark-Einreise-Steuer]], bald nachher mit der [[1000-Mark-Sperre|Tausendmark-Einreisesteuer]] sollte Österreich, dem der Fremdenverkehr die Handelsbilanz aktiv machte, in die Knie gezwungen werden. "Wir müssen den deutschen Verkehr sofort durch nichtdeutschen Verkehr ersetzen, müssen die Festspiele auf breiteste internationale Basis stellen!", sagte Rehrl zu seinem Landesver­kehrsamte, dessen Gründung im Jahre [[1925]] seine früheste Maßnahme auf dem Gebiete der Fremdenverkehrspflege gewesen war. Nur Wochen standen dem Landesverkehrsamte für diese weitläufige Umschichtung zu Ge­bote. Im Frühsommer senkten sich die Schranken an der bayerischen Grenze und im August trafen Festspielgäste aus fast sämtlichen Staaten der alten und neuen Welt in Salzburg ein. Die [[Residenz|Salzburger Residenz]] wurde zur Schaubühne jener glanzvollen Fest­spiel-Empfänge, die Rehrls Antwort auf [[Adolf Hitler|Hit­lers]] Knechtungsversuche waren.<br />
  
Im August [[1945]] kehrte er schwer gezeichnet nach Salzburg zurück, wo er am 23. Jänner 1947 an den Folgen der Haft und daraus resultierenden langen schmerzhaften Leiden um 20:30 Uhr verstarb.<ref>Details Tod in der "[[Salzburger Wochenschau]]", Jahrgang 1947, Ausgabe 5/6 vom 9. Februar</ref> Er wurde in Salzburg auf dem [[Friedhof Morzg|Stadtteilfriedhof]] [[Morzg]] in einem Ehrengrab beigesetzt.  
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''Durch die Erbauung der Schmittenhöhebahn hatte Rehrl den Besuchern seines Landes zu­ erst einen mühelos-nahen Einblick in die Gletscherhochburgen der [[Glocknergruppe|Großglocknergruppe]] eröffnet. Die Schaffung der [[Mitterpinzgau|Mittelpinzgauer]] [[B 311 Pinzgauer Straße|Landesstraße]] von Salzburg-[[Lofer]] nach [[Zell am See]], einer selbst für das Bundesstraßen­netz vorbildlichen Autostrada, zielte abermals auf den [[Großglockner (Berg)|Großglockner]] hin. Dem so hart um seine Existenz ringenden Österreich mußte es freilich als eine Utopie dünken, eine Auto­straße durch das Herz der Großglockner­gruppe. vom Pinzgau nach [[Kärnten]] und [[Osttirol]], führen zu wollen, doch war Dr. Franz Rehrl jener Österreicher, der das Vaterland ermutigte, Millionen Goldschillinge für ein Werk aufzuwenden, das einem Großstaate zur Zierde gereichen würde. In dem Bundeskanzler Dr. [[Engelbert Dollfuß|Dollfuß]] fand Rehrl den Verbün­deten für die Erzwingung der finanziellen Grundlagen des erstaunlichsten Hochgebirgs-Straßenbaues Europas. Die Salzburger Festspielpresse stand ja auch heuer in dem Steingewölbe, am [[Fuscher Törl|Fuschertörl]] und sah die hölzerne Gedenktafel, die an Franz Rehrl als den Schöpfer und an Engelbert Dollfuß als den Schutzherm der Großglockner-Hochalpenstraße erinnert.<br />
  
Im selben Jahr löste sein Bruder [[Josef Rehrl]] den seit 1945 amtierenden Landeshauptmann [[Albert Hochleitner]] ab und füllte diese Funktion selbst bis [[1949]] aus.  
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[[Datei:Großglockner Hochalpenstraße Schneeräumung 2024 27.jpg|thumb|Blick vom [[Fuscher Törl]] über den " [[Törlkopf|Fuschertörlkopf]]", hinter dem sich der [[Brennkogel]] versteckt,  ganz hinten links der [[Kleinglockner|Klein]]- und der [[Großglockner (Berg)|Großglockner]], rechts davor das [[Sinwelleck]] und der [[Fuscher-Kar-Kopf]].]]
  
== Ehrungen ==
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''Der Weltsinn, mit dem Franz Rehrl begabt war, befähigte ihn zu außerordentlichen Ver­knüpfungen. So prägte sich in Ägypten der Anblick der Pyramiden von Gizeh seinem aufgeschlossenen Geiste ein. Rehrl besann sich auf die merkwürdige Ähnlichkeit des Pyramidenanblickes mit der Sicht auf die drei Gletschergipfel [[Kloben]], [[Brennkogel]] und Großglockner, die sich dem Wanderer auf der Paßhöhe des Fuschertöris gewährt. Weil nun der breite [[Törlkopf|Fuschertörlkopf]] die Anschau­ung der drei Eispyramiden behindert, be­schloß Rehrl sogleich, die Großglockner-Hochalpenstraße nicht kurzerhand über das Fuschertörl zu legen, sondern mit einer Schleife rings um den Fuschertörlkopf zu be­reichern.<br />
[[Datei:Gedenktafel_Franz_Rehrl.jpg|thumb|[[Denkmal Franz Rehrl am Max-Reinhardt-Platz in der Altstadt von Salzburg|Denkmal]] für Franz Rehrl am [[Max-Reinhardt-Platz]].]]
 
  
Rehrl erhielt [[1929]] die [[Ehrenbürger der Stadt Salzburg|Ehrenbürgerschaft]] der [[Stadt Salzburg]]. Weiters ist er [[Ehrenbürger der Gemeinde Fusch an der Großglocknerstraße]] (Ernennung am [[21. Juli]] [[1935]]) Verleihung am [[3. August]] [[1935]] anlässlich der Straßeneröffnung; am [[13. März]] [[1938]] von den [[Nationalsozialisten]] wieder aberkannt - siehe dazu die geschichtliche Erklärung im Artikel [[Ehrenbürger#Historisches|Ehrenbürger]]), [[Ehrenbürger der Gemeinde Bruck an der Großglocknerstraße]]<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19350801&query=%22Wallack+Ehrenb%c3%bcrger%22&ref=anno-search&seite=5 ANNO], "[[Salzburger Chronik]]", Ausgabe vom 1. August 1935, Seite 5</ref> (Ernennung am [[25. Juli]] 1935, Aberkennung 1938, ob nach Ende des [[Zweiten Weltkrieg]]s die Ehrenbürgerschaft neuerlich verliehen wurde, muss noch geklärt werden) und der Stadtgemeinde Zell am See<ref>Sitzungsprotokolle der Stadtgemeinde Zell am See 1928–29; 1930. Sitzung vom 18. 1. 1928. In: Hochhold, Rainer (2013): Cella in Bisontio – Zell im Pinzgau – Zell am See. Eine historische Zeitreise. Zell am See. S. 421 (FN 1433)</ref>.
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''Zu einer wirtschaftlichen Unabhängigkeit, wie sie kaum in den Zeiten der Donaumonar­chie erträumt worden war. sollten das Salz­burger Land und Österreich durch die Schaf­fung des Tauernkraftwerkes gelangen, dessen Energieströme aus Hochgebirgsgewässern Salzburgs, Kärntens und Ostirols Goldströme aus dem Ausland hereinlenken konnten. Der Beginn der wirtschaftlichen Depression in Europa unterbrach die Verwirklichung von Rehrls gigantischem Plan.<br />
  
Anlässlich der [[Eröffnung der Großglockner Hochalpenstraße]] wurde er Akademischer Ehrenbürger der Technischen Hochschule in Wien<ref>[[Eröffnung der Großglockner Hochalpenstraße#Ehrungen der technischen Hochschule Wien]]</ref> sowie [[Ehrenbürger der Gemeinde Fusch an der Großglocknerstraße|Ehrenbürger]] der Gemeinde [[Fusch an der Großglocknerstraße]].
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''Franz Rehrls Leistungen auf dem Gesamt­gebiete der Landes- und Staatsverwaltung zu würdigen, kann in dieser Stunde nicht unsere Sache sein. Hätte er in seinem so kurzen Da­sein nichts anderes vollbracht, als die Werke, die das Salzburger Land in den Rang des führenden Fremdenverkehrslandes Mittel­europas steigerten, so wäre dies genug um das Bildnis Rehrls für immer in dem Ge­dächtnistempel der größten Österreicher auf­stellen zu dürfen. Eine Kette von Leistungen für das Wohl des salzburgischen und öster­reichischen Volkes war sein Leben. Im Som­mer [[1938]], als wir beide zusammen eine, ein­ bettige Zelle des Salzburger Polizeigefangen­hauses bewohnten, sagte er mir einmal "Vielleicht sind wir an unserem Schicksal selber schuld. Wir haben zu viel geschaffen."<br />
  
Darüber hinaus wurde er auf Anregung von [[Hofrat]] [[Rudolf Dworzak]] auf einer Bürgermeisterbesprechung in der [[Bezirkshauptmannschaft Salzburg-Umgebung]] am [[4. Februar]] 1946 in allen [[Flachgau]]er Gemeinden zum Ehrenbürger ernannt.<ref>siehe [[Diskussion:Ehrenbürger der Gemeinde Strobl]]</ref>
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''Bei den Faulen, Feigen und Falschen war Rehrl gefürchtet oder gehaßt. Die Tätigen und die Aufrechten liebten ihn. Wahrlich der Va­ter seines Landes war er. Erfrischend grob konnte er sein, wo es not tat. Wenn aber ein politischer Gegner gefallen war, hob er ihn  auf und sorgte für seine Sicherheit. Rehrl war der echte und große Demokrat des unse­ligen Jahres [[1934]]. Und in der Nacht auf den [[12. März]] 1938 stieß dieser Mann, den Gott aus dem Volke für das Volk gerufen hatte, die Meute der Vaterlandsloeen von seinem Platze, und sie schöpfte den Mut zu dieser Tat und zu tausend ähnlichen Taten nur aus dem Umstand, daß sich die [[Deutsche Wehrmacht|deutsche Wehr­macht]] bereits im Anmarsch gegen die Gren­zen Österreichs befand.<br />
  
Wenige Monate vor seinem Ableben erfolgte [[1946]] in Anerkennung seiner Verdienste um die Stadt Salzburg und des dargebrachten Widerstands gegen das Regime der [[NSDAP|Nationalsozialisten]] die Umbenennung des vormaligen Karolinenplatzes im Stadtviertel [[Äußerer Stein]] in [[Dr.-Franz-Rehrl-Platz]].  
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''Noch ist die Alltagsnot in unserem vielgeplagten und vielenttäuschten Österreich zu drückend, als daß wir daran denken könn­ten. Dir, Franz Rehrl, ein Deiner Werke wür­diges Gedächtnismal auf Deinem Heimat­boden zu erhöhen. Vertreterinnen und Ver­treter jener mächtigen Einrichtung des öffent­lichen Lebens, die Du allezeit nach ihrer vollen Bedeutung geschätzt und deren Unent­behrlichkeit für jeden Tat und Werkmen­schen Du erkannt hattest, Mitglieder der Presse aus fern und nah, der Du einstens den alljährlichen Weg zu den Salzburger Festspielen vorzeichnetest, sind gekommen, um ihre Danksagung mit der unseriger zu vereinen. So unvergeßlich uns und der Welt die Erzbischöfe sind, die Salzburg emporgestaltet hatten, von [[Eberhard II. von Regensberg|Eberhard]] über den [[Leonhard von Keutschach|Keutschacher]] bis au [[Paris Lodron]], so unvergeß­lich bist Du, Franz Rehrl, uns und der Welt, weil Du. ein Friedensfürst im Bürgerrock dieser Stadt und diesem Lande das Funda­ment für die Zukunft gemauert hast. In Liebe und Treue grüßen wir Dich!</blockquote>
  
Auch in Zell am See wurde aufgrund seiner Verdienste im Zusammenhang mit der Stadterhebung und dem Bau der Schmittenhöhebahn sowie dem Bau der Großglocknerstraße eine [[Dr.-Franz-Rehrl-Straße (Zell am See)|Straße]] nach Dr. Franz Rehrl benannt.
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== Ehrungen ==
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[[Datei:Gedenktafel_Franz_Rehrl.jpg|thumb|[[Denkmal Franz Rehrl am Max-Reinhardt-Platz in der Altstadt von Salzburg|Denkmal]] für Franz Rehrl am [[Max-Reinhardt-Platz]].]]
  
[[1958]] wurde am [[Max-Reinhardt-Platz]] in der Stadt Salzburg eine [[Denkmal Franz Rehrl am Max-Reinhardt-Platz in der Altstadt von Salzburg|Gedenktafel]] aus [[Marmor]] errichtet. Das Relief wurde von [[Jakob Adlhart (Bildhauer)|Jakob Adlhart]] und die Büste von [[Hans Pacher]] geschaffen.<ref>[https://www.stadt-salzburg.at/internet/service/aktuell/aussendungen/2006/sanierung_dank_sponsor_franz_rehrl_denkm_189371.htm?redirect=404 www.stadt-salzburg.at]</ref>
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Rehrl erhielt [[1929]] die [[Ehrenbürger der Stadt Salzburg|Ehrenbürgerschaft]] der [[Stadt Salzburg]]. Weiters ist er [[Ehrenbürger der Gemeinde Fusch an der Großglocknerstraße]] (Ernennung am [[21. Juli]] [[1935]], Verleihung am [[3. August]] [[1935]] anlässlich der Straßeneröffnung; am [[13. März]] [[1938]] von den [[Nationalsozialisten]] wieder aberkannt – siehe dazu die geschichtliche Erklärung im Artikel [[Ehrenbürger#Historisches|Ehrenbürger]]) sowie [[Ehrenbürger der Gemeinde Bruck an der Großglocknerstraße]]<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19350801&query=%22Wallack+Ehrenb%c3%bcrger%22&ref=anno-search&seite=5 ANNO], "[[Salzburger Chronik]]", Ausgabe vom 1. August 1935, Seite 5</ref> (Ernennung am [[25. Juli]] 1935, Aberkennung 1938; ob nach Ende des [[Zweiten Weltkrieg]]s die Ehrenbürgerschaft neuerlich verliehen wurde, muss noch geklärt werden) und der Stadtgemeinde Zell am See.<ref>Sitzungsprotokolle der Stadtgemeinde Zell am See 1928–29; 1930. Sitzung vom 18. 1. 1928. In: Hochhold, Rainer (2013): Cella in Bisontio – Zell im Pinzgau – Zell am See. Eine historische Zeitreise. Zell am See. S. 421 (FN 1433)</ref>
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Anlässlich der [[Eröffnung der Großglockner Hochalpenstraße]] wurde er Akademischer Ehrenbürger der Technischen Hochschule in Wien<ref>[[Eröffnung der Großglockner Hochalpenstraße#Ehrungen der technischen Hochschule Wien]]</ref> sowie [[Ehrenbürger der Gemeinde Fusch an der Großglocknerstraße|Ehrenbürger]] der Gemeinde [[Fusch an der Großglocknerstraße]].
  
[[1975]] wurde erstmals der [[Franz-Rehrl-Preis]] vergeben.
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Darüber hinaus wurde er auf Anregung von [[Hofrat]] [[Rudolf Dworzak]] auf einer Bürgermeisterbesprechung in der [[Bezirkshauptmannschaft Salzburg-Umgebung]] am [[4. Februar]] 1946 in allen Flachgauer Gemeinden zum Ehrenbürger ernannt.<ref>siehe [[Diskussion:Ehrenbürger der Gemeinde Strobl]]</ref>
  
== Familie ==
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Wenige Monate vor seinem Ableben, [[1946]], erfolgte in Anerkennung seiner Verdienste um die Stadt Salzburg und des dargebrachten Widerstands gegen das Regime der [[NSDAP|Nationalsozialisten]] die Umbenennung des vormaligen Karolinenplatzes im Stadtviertel [[Ä …
Rehrl war mit Maria, geborene [[Opferkuch]] aus Salzburg, verheiratet und Vater zweier Töchter.
 
  
 
== Bilder ==
 
== Bilder ==

Version vom 30. Dezember 2025, 11:54 Uhr

Franz Rehrl von Anton Faistauer 1927

Wirklicher Hofrat[1] Dr. Franz Rehrl (* 4. Dezember 1890 in der Stadt Salzburg; † 23. Jänner 1947 ebenda)[2] war Jurist und Politiker der Christlichsozialen Partei Österreichs sowie von 1922 bis 1938 Landeshauptmann von Salzburg.

Politische Karriere bis 1938

Rehrl wurde als Sohn eines Zimmermanns des Benediktinerstifts St. Peter in Salzburg geboren und besuchte hier die Volksschule sowie das Gymnasium, wo er 1910 maturierte.[3] Nach seinem juristischen Studium an der Universität Wien und einer Verwaltungsausbildung trat Franz Rehrl 1915 in den Salzburger Landesdienst ein. Kurz darauf wurde er Sekretär des damaligen Landeshauptmannes Alois Winkler und gehörte nach dem Ersten Weltkrieg der provisorischen Landesregierung Salzburgs an. 1919 wurde er Abgeordneter zum Salzburger Landtag; zudem war er von 1919 bis 1922 Landeshauptmann-Stellvertreter. Mit dem 1. Dezember 1920 wurde Dr. Franz Rehrl für die Christlichsoziale Partei in den österreichischen Bundesrat berufen, wobei er diese Funktion bis zum 31. Mai 1932 innehatte und in den Jahren 1922, 1927 und 1931 dreimal zum Vorsitzenden des Bundesrats gewählt wurde. 1922 erfolgte im Alter von erst 31 Jahren seine Ernennung zum Salzburger Landeshauptmann.

Hier markiert das ehemalige Geburtshaus von Dr. Franz Rehrl, das er 1937 für den Umbau des ersten Salzburger Festspielhauses abreißen ließ. Heute befinden sich dort der Toscaninihof und das Bühnenhaus des Haus für Mozart.

Als Landeshauptmann machte er sich zunächst um die Salzburger Festspiele verdient. In seine Amtszeit fielen der Umbau der großen, gedeckten Winterreitschule durch Architekt Eduard Hütter zum ersten Festspielhaus 1925, der zweite Umbau im Jahr 1926 sowie der dritte und grundlegende Umbau des Festspielhauses durch Clemens Holzmeister im Jahr 1937, bei dem auf Wunsch von Arturo Toscanini der Zuschauerraum um 180° gedreht wurde. Diese Drehung machte einen Bühnenhausanbau notwendig, wofür Rehrl sogar sein Geburtshaus im (heutigen) Toscaninihof abreißen ließ.[4]

Rehrl galt als konsensbereiter Politiker, der sich nach den Februar-Unruhen des Jahres 1934 in Österreich für die verfolgten Sozialdemokraten einsetzte. Historiker beschreiben ihn als einen Menschen mit "ausgeprägtem, ebenso zähem wie phantasievollem Sinn für das ökonomisch Machbare", als einen Typ von Unternehmer, dem allen Widerständen zum Trotz "die Durchsetzung neuer Kombinationen gelingt".

Erstbefahrung der Großglockner Hochalpenstraße: links Ing. Franz Wallack, am Steuer Dr. Franz Rehrl.

Projekte von Rehrl

Rehrl gilt als Initiator der Errichtung der Gaisbergstraße, der ersten ausschließlich für touristische Zwecke erbauten Mautstraße Österreichs, der Alpenstraße in der Stadt Salzburg, der Schmittenhöhebahn sowie des Baus des Tauernkraftwerks und des Fuscher Bärenwerks.

Großglockner Hochalpenstraße und Tauernkraftwerke

Das Lebenswerk Rehrls war jedoch der Bau der Großglockner Hochalpenstraße, bei dem er die treibende Kraft der Baugeschichte war.

Oberbaurat Ing. Wallack hätte den Plan und den Gedanken dieses Straßenzuges mit sich ins Grab genommen, wenn sich ihm nicht ein schöpferischer Wille zugesellt hätte, der nun im vollsten Sinne des Wortes als der eigentliche Schöpfer dieser Straße vor uns steht, Landeshauptmann Dr. Rehrl.

Großglockner Hochalpenstraße Baugeschichte, Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl am 23. September 1934 bei der Eröffnung der Straße bis zum Fuscher Törl (links im Hintergrund die Edelweißstraße zur Edelweißspitze; Rehrl steht neben der Baubaracke beim Parkplatz Fuscher Törl I).
Das Bild wurde auf der Edelweißspitze beim trigonometrischen Punkt aufgenommen und zeigt unterhalb des trigonometrischen Punktes Bundeskanzler Kurt Schuschnigg, rechts neben ihm Bundespräsident Wilhelm Miklas, Ministerialrat Dr. Otto Steyrer (im Profil), Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl, Präsident des österreichischen Verkehrsbüros Dr. Franz Georg Strafella und Oberbaurat Ing. Franz Wallack.

So schrieb das christlichsoziale Blatt die "Salzburger Chronik" am 2. August 1935.[5] Diese Aussage skizziert sehr gut, weshalb Rehrl sich so vehement für den Bau der Glocknerstraße einsetzte, deren Ausführung und Fertigstellung mehrmals auf der finanziellen Kippe stand.

Allerdings stimmt die zitierte Aussage nicht, weil sich Rehrl erst 1927 in die Sache aktiv einbrachte. Wallack hingegen war bereits seit 1924 in die Planung involviert gewesen. Der Grund dafür, dass Rehrl sich erst 1927 in die Baugeschichte der Straße einklinkte, könnte seine Erfahrung mit der einfach abgelaufenen Finanzierung der Gaisbergstraße gewesen sein. Dies schien Rehrl dazu ermuntert zu haben, sich nun auch aktiver für die Großglockner Hochalpenstraße einzusetzen.

Am 30. August 1930 konnte dann Rehrl den ersten Sprengschuss in Ferleiten auslösen; genau genommen war es seine Tochter, die kleine Traude. Das war der Baubeginn dieses ehrgeizigen Straßenbauprojekts der österreichischen Zwischenkriegszeit, das 1935 fertiggestellt wurde. Zuvor überquerte er als Erster an der Seite des Straßenerbauers Wallack am 22. September 1934 diesen Alpenübergang, noch bevor die Straße für die Öffentlichkeit freigegeben war (Erstbefahrung der Großglockner Hochalpenstraße).

Hintergründe zum Bau der Straße

Einer der Gründe, weshalb Dr. Rehrl sich so vehement für den Bau der Großglockner Hochalpenstraße eingesetzt hatte, war die Vision der Errichtung eines Skizentrums in der Glocknergruppe. Dieses sollte mit der neuen Straße erschlossen werden. Eine weitere Idee von Dr. Rehrl war, dass diese Straße zunächst zur Errichtung einer riesigen Tauernkraftwerkgruppe von deren Betreibern gebaut und bezahlt werden sollte; dann hätte sie später vom Land Salzburg ohne Kosten übernommen werden und neben der Ausflugsstraßenfunktion auch für das Skigebiet als Zubringer dienen sollen.

Er erkannte, dass in der damaligen Wirtschaftsrezession die Ankurbelung des Fremdenverkehrs ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor wäre und vor allem dringend notwendige Devisen ins Land brächte. Seinen Intentionen kann man auch entnehmen, dass er ursprünglich Kärnten nicht am Verlauf der Großglockner Hochalpenstraße hätte partizipieren lassen wollen, damit die Devisen eben im Land Salzburg blieben. Letztlich führten Rehrls Überlegungen zu dem mehrjährigen Variantenstreit der Großglockner Hochalpenstraße, in dem er schließlich nachgeben und die Planung von Oberbaurat Ing. Franz Friedrich Wallack akzeptieren musste.

Bild oben Dr. Franz Rehrl 1935.

Rehrl und Zell am See

Besondere Verdienste erwarb sich Rehrl in Zell am See im Zusammenhang mit dem Bau der Schmittenhöhebahn 1927 und der Stadterhebung von Zell am See im Jahr 1928. Nach einstimmigem Gemeinderatsbeschluss (Sitzung vom 18. Jänner 1928) wurde Dr. Franz Rehrl die Ehrenbürgerurkunde von Zell am See überreicht.[6]

Der Landeshauptmann besaß vier Häuser in Zell am See. In der Nähe eines dieser Häuser in Erlberg wurden im Sommer 2023 ein Denkmal für Rehrl und eine Informationstafel aufgestellt, die daran erinnern sollen. Die Skulptur ist Teil des Themenwegs "guestbook", der an einem Promenadenweg am Seeufer von Thumersbach über prominente Bewohner informiert.

Rehrl und seine Frau Maria ließen sich 1928 in Thumersbach nieder und kauften die Villa Alpensee. Sie befand sich beim Hotel Bellevue direkt am Seeufer. 1921 verbrachte der englische Dichter D. H. Lawrence hier den Sommer. Die jüngere Schwester seiner Lebensgefährtin war mit dem damaligen Besitzer der Villa, dem preußischen Offizier Max von Schreibershofen, verheiratet. Die Rehrls fühlten sich dort jedoch nicht wohl. Angeblich war es ihnen zu laut, und 1930 verkauften sie das Haus wieder. Im selben Jahr erwarb Rehrl die Liegenschaft Raingut in Erlberg von Agathe Whitehead, wo er sich vom Zeller Architekten Fidelius Schmid ein Wohnhaus bauen ließ. Das Raingut lag ruhiger, auf der sogenannten Grafleiten, einige Höhenmeter über dem See. Die Familie des Torpedo-Erfinders und Werftbesitzers Robert Whitehead hatte 1902 den benachbarten Erlhof - heute im Eigentum der Familie Piëch - erworben, zu dem unter anderem auch das Raingut gehörte.

Rehrl kaufte 1932 noch ein weiteres Haus am Kalvarienberg auf der Zeller Seeseite und errichtete in Thumersbach eine Bootshütte, in der er ein Motorboot einstellte. Eine detaillierte Auflistung seiner Besitztümer findet sich in einer Verfügung der Nationalsozialisten, mit der Rehrl 1939 enteignet wurde. Später beteiligte er sich an Umsturzplänen und wurde daraufhin verhaftet. Das Raingut eignete sich der Kriegsverbrecher Otto Wächter an. Nach dem Krieg gelang es ihm, sich vier Jahre lang in Almhütten in der Gegend zu verstecken. Rehrls Seegrundstück ging an Reichsstatthalter Arthur Seyß-Inquart, der 1946 in Nürnberg zum Tode verurteilt wurde. Erst 1949 bekam Rehrls Familie das Raingut zurück. Zuvor hatten es die Amerikaner als Bordell genutzt. Franz Rehrl selbst erlebte das nicht mehr. Er kehrte schwer gezeichnet aus der Haft der Nationalsozialisten zurück und starb 1947. Das Haus ist noch heute im Besitz seiner Nachfahren.

Weniger bekannt ist, dass Rehrl schon vor seiner Zeit als Landeshauptmann 1916 das oberhalb des Rainguts gelegene Grafleitengut gekauft hatte, jedoch nie bewohnte. Verkäufer war der Landwirt Georg Illmer, der mit seiner Familie im Februar 1917 in seinen Heimatort Werfenweng zurückkehren wollte. Seine Ururenkelin Susanne Huber hat die Geschichte in ihrem auf Tatsachen beruhenden Roman "Und der See schweigt" aufgeschrieben. Diese Geschichte sei in ihrer Familie so überliefert worden, sagt sie. Demnach hatte Illmer den Kaufpreis im Dezember 1916 von Rehrl erhalten und das Geld versteckt. Wo, verriet er nicht einmal seiner Frau. Doch Illmer ertrank am 20. Jänner 1917 mit vier seiner Kinder und zwei Dienstboten, als sie frühmorgens mit einem Kahn über den See zur Messe fuhren. Die Leichen wurden nie gefunden, obwohl Agathe Whitehead Taucher aus der Stadt Salzburg anfordern ließ.

Verschwunden blieb trotz verzweifelter Suche auch das Geld. Illmers Frau und die überlebenden Kinder konnten dank Rehrl aber auf dem Hof bleiben. Er habe ihnen die Pacht gestundet und zwei Ziegen gebracht, damit sie über den ersten Winter kamen, erzählt Susanne Huber. Auch das Vieh war ja schon verkauft. 1931 kaufte Georg Illmers Sohn Simon das Gut mithilfe eines Kredits von Rehrl zurück. Eines der Konten, das die Nazis Rehrl abnahmen, trug den Namen "Simon Illmer". Erst 1948 oder 1949 tauchte bei Umbauarbeiten auch jenes Geld wieder auf, das Rehrl 1916 an Illmer gezahlt hatte. Es war in einem Geheimfach auf der Rückseite eines Bauernschranks. Was der Familie Illmer jahrzehntelange Armut und Plagerei erspart hätte, war nur noch ein Bündel wertloser Kronen.

1939 wurden die Besitzungen Rehrls nach dessen Absetzung als Landeshauptmann als "volks- und staatsfeindliches Vermögen" eingezogen. Erst im Mai 1949 erstattete man diese Güter den Töchtern Rehrls, Eleonore und Ehrentrudis, zurück.[7]

Einweihung der Stille-Nacht-Kapelle am 15. August 1937, v. l. Bundeskanzler Kurt Schuschnigg und Landeshauptmann Franz Rehrl bei strömendem Regen auf dem Weg von der Pfarrkirche in den Stille-Nacht-Bezirk.

Inhaftierung und Rückkehr nach Österreich (1938–1947)

Als Folge des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich wurde er kurz nach dem am 12. März 1938 erfolgten Einmarsch der deutschen Truppen in Salzburg seines Amtes enthoben und vorübergehend in Haft genommen.

Im August 1943 versuchte der Jesuitenpater Augustin Rösch im Auftrag von Helmuth James Graf von Moltke, ihn für eine Beteiligung an dem geplanten politischen Umsturz zu gewinnen. Trotz seines aufgrund eines Diabetes-Leidens bereits angeschlagenen Gesundheitszustandes ließ er sich als politischer Beauftragter für den Wehrkreis XVIII (Salzburg) vorschlagen. Nach dem Scheitern des Attentats wurde er am 25. Juli 1944 in Zell am Ziller verhaftet und im Berliner Zellengefängnis Lehrter Straße bis zum Ende des Krieges inhaftiert.

Im August 1945 kehrte er schwer gezeichnet nach Salzburg zurück, wo er am 23. Jänner 1947 an den Folgen der Haft und daraus resultierenden langen, schmerzhaften Leiden um 20:30 Uhr verstarb.[8] Er wurde in Salzburg auf dem Stadtteilfriedhof Morzg in einem Ehrengrab beigesetzt.

Im selben Jahr löste sein Bruder Josef Rehrl den seit 1945 amtierenden Landeshauptmann Albert Hochleitner ab und übte diese Funktion selbst bis 1949 aus.

Rede von Hans Hofmann-Montanus am Grab des Altlandeshauptmannes

Die Rede von Hofrat Hans Hofmann-Montanus am Grab des Altlandeshauptmannes:<ANNO, "Salzburger Volkszeitung", Ausgabe vom 20. August 1947, Seite 1</ref>

"Ein Vater des Landes".

Hofrat Hofmann-Montanus am Grabe des Alt- Landeshauptmannes.
Im Rahmen der Weihestunden des Landes­verkehrsamtes in Salzburg für die Festspiel­presse 1947 sprach Landesverkehrsdirektor Hof­rat Hans Hofmann-Montanus am Grabe des Anlandeshauptmannes Dr. Franz Rehrl am Friedhof zu Morzg.

Der Mann in dem Grabe hier schloß am 23. Jänner des gegenwärtigen Jahres als ein spätes Opfer des deutschen Nationalismus für immer seine Augen. Wenn an dem Grabe nur in kargen Worten geschrieben steht, wer und was der Mann war, so ist es längst über die Heimatgrenzen hinaus bekannt, daß er, Lan­deshauptmann Dr. Franz Rehrl, dem Volke in Salzburg als der Umgestalter seines Lan­des an einer Zeitenwende erwuchs, die der erste Weltkrieg herbeigeführt hatte.
Die wirtschaftliche Erschließung des Bun­deslandes Salzburg sollte von der Landes­hauptstadt ihren Ausgang nehmen. Für den Wirtschaftspolitiker Franz Rehrl konnte es nicht zweifelhaft sein, daß jegliche produktiv-erschließerische Arbeit Investitionsmittel vor­aussetzt. Kaum war sein gewaltiger, auf Jahrzehnte hinaus berechneter Aufschließungsplan fertig, da errichtete er den Salz­burger Fremdenverkehrsförderungfonds, einen allein für die Fremdenverkehrsförderung be­stimmten Landesfonds, der jährlich aus einer Reingewinnabgabe der leistungsfähigsten Fremdenverkehrsbetriebe des Landes sich er­neuern sollte.

Der Fremdenverkehrsförderungsfonds wurde zum finanziellen Garanten für jene Schöp­fungen Rehrls, die dem Lande einen gehobe­nen Platz unter den namhaftesten Fremden­verkehrsländern Europas sichern sollten. Zu­ nächst entstand die Gaisberg-Autostraße vom Weichbilde der Stadt bis auf den Gipfel ihres Hausberges. Die Schmittenhöhe-Seilschwebe­bahn von Zell am See bis auf den Gipfel der Schmittenhöhe folgte unmittelbar. Als die Salzburger Festspiele durch unzulängliche Kapitalisierung des Festspielhausbaues in Be­drängnis geraten waren, sanierte Franz Rehrl den Bau und festigte zugleich die materiellen Stützen der jährlichen Festspiele. Nebenbei bahnte er die "Salzburger Dolomitenstraße", einen Kraftfahrweg vom Salzachtale bis an den Fuß des Dachsteingebirges.

Schon aber schattete das Verhängnis aus dem nationalsozialistischen Deutschland her­an. Zuerst mit der Hundertmark-Einreise-Steuer, bald nachher mit der Tausendmark-Einreisesteuer sollte Österreich, dem der Fremdenverkehr die Handelsbilanz aktiv machte, in die Knie gezwungen werden. "Wir müssen den deutschen Verkehr sofort durch nichtdeutschen Verkehr ersetzen, müssen die Festspiele auf breiteste internationale Basis stellen!", sagte Rehrl zu seinem Landesver­kehrsamte, dessen Gründung im Jahre 1925 seine früheste Maßnahme auf dem Gebiete der Fremdenverkehrspflege gewesen war. Nur Wochen standen dem Landesverkehrsamte für diese weitläufige Umschichtung zu Ge­bote. Im Frühsommer senkten sich die Schranken an der bayerischen Grenze und im August trafen Festspielgäste aus fast sämtlichen Staaten der alten und neuen Welt in Salzburg ein. Die Salzburger Residenz wurde zur Schaubühne jener glanzvollen Fest­spiel-Empfänge, die Rehrls Antwort auf Hit­lers Knechtungsversuche waren.

Durch die Erbauung der Schmittenhöhebahn hatte Rehrl den Besuchern seines Landes zu­ erst einen mühelos-nahen Einblick in die Gletscherhochburgen der Großglocknergruppe eröffnet. Die Schaffung der Mittelpinzgauer Landesstraße von Salzburg-Lofer nach Zell am See, einer selbst für das Bundesstraßen­netz vorbildlichen Autostrada, zielte abermals auf den Großglockner hin. Dem so hart um seine Existenz ringenden Österreich mußte es freilich als eine Utopie dünken, eine Auto­straße durch das Herz der Großglockner­gruppe. vom Pinzgau nach Kärnten und Osttirol, führen zu wollen, doch war Dr. Franz Rehrl jener Österreicher, der das Vaterland ermutigte, Millionen Goldschillinge für ein Werk aufzuwenden, das einem Großstaate zur Zierde gereichen würde. In dem Bundeskanzler Dr. Dollfuß fand Rehrl den Verbün­deten für die Erzwingung der finanziellen Grundlagen des erstaunlichsten Hochgebirgs-Straßenbaues Europas. Die Salzburger Festspielpresse stand ja auch heuer in dem Steingewölbe, am Fuschertörl und sah die hölzerne Gedenktafel, die an Franz Rehrl als den Schöpfer und an Engelbert Dollfuß als den Schutzherm der Großglockner-Hochalpenstraße erinnert.

Blick vom Fuscher Törl über den " Fuschertörlkopf", hinter dem sich der Brennkogel versteckt, ganz hinten links der Klein- und der Großglockner, rechts davor das Sinwelleck und der Fuscher-Kar-Kopf.

Der Weltsinn, mit dem Franz Rehrl begabt war, befähigte ihn zu außerordentlichen Ver­knüpfungen. So prägte sich in Ägypten der Anblick der Pyramiden von Gizeh seinem aufgeschlossenen Geiste ein. Rehrl besann sich auf die merkwürdige Ähnlichkeit des Pyramidenanblickes mit der Sicht auf die drei Gletschergipfel Kloben, Brennkogel und Großglockner, die sich dem Wanderer auf der Paßhöhe des Fuschertöris gewährt. Weil nun der breite Fuschertörlkopf die Anschau­ung der drei Eispyramiden behindert, be­schloß Rehrl sogleich, die Großglockner-Hochalpenstraße nicht kurzerhand über das Fuschertörl zu legen, sondern mit einer Schleife rings um den Fuschertörlkopf zu be­reichern.

Zu einer wirtschaftlichen Unabhängigkeit, wie sie kaum in den Zeiten der Donaumonar­chie erträumt worden war. sollten das Salz­burger Land und Österreich durch die Schaf­fung des Tauernkraftwerkes gelangen, dessen Energieströme aus Hochgebirgsgewässern Salzburgs, Kärntens und Ostirols Goldströme aus dem Ausland hereinlenken konnten. Der Beginn der wirtschaftlichen Depression in Europa unterbrach die Verwirklichung von Rehrls gigantischem Plan.

Franz Rehrls Leistungen auf dem Gesamt­gebiete der Landes- und Staatsverwaltung zu würdigen, kann in dieser Stunde nicht unsere Sache sein. Hätte er in seinem so kurzen Da­sein nichts anderes vollbracht, als die Werke, die das Salzburger Land in den Rang des führenden Fremdenverkehrslandes Mittel­europas steigerten, so wäre dies genug um das Bildnis Rehrls für immer in dem Ge­dächtnistempel der größten Österreicher auf­stellen zu dürfen. Eine Kette von Leistungen für das Wohl des salzburgischen und öster­reichischen Volkes war sein Leben. Im Som­mer 1938, als wir beide zusammen eine, ein­ bettige Zelle des Salzburger Polizeigefangen­hauses bewohnten, sagte er mir einmal "Vielleicht sind wir an unserem Schicksal selber schuld. Wir haben zu viel geschaffen."

Bei den Faulen, Feigen und Falschen war Rehrl gefürchtet oder gehaßt. Die Tätigen und die Aufrechten liebten ihn. Wahrlich der Va­ter seines Landes war er. Erfrischend grob konnte er sein, wo es not tat. Wenn aber ein politischer Gegner gefallen war, hob er ihn auf und sorgte für seine Sicherheit. Rehrl war der echte und große Demokrat des unse­ligen Jahres 1934. Und in der Nacht auf den 12. März 1938 stieß dieser Mann, den Gott aus dem Volke für das Volk gerufen hatte, die Meute der Vaterlandsloeen von seinem Platze, und sie schöpfte den Mut zu dieser Tat und zu tausend ähnlichen Taten nur aus dem Umstand, daß sich die deutsche Wehr­macht bereits im Anmarsch gegen die Gren­zen Österreichs befand.

Noch ist die Alltagsnot in unserem vielgeplagten und vielenttäuschten Österreich zu drückend, als daß wir daran denken könn­ten. Dir, Franz Rehrl, ein Deiner Werke wür­diges Gedächtnismal auf Deinem Heimat­boden zu erhöhen. Vertreterinnen und Ver­treter jener mächtigen Einrichtung des öffent­lichen Lebens, die Du allezeit nach ihrer vollen Bedeutung geschätzt und deren Unent­behrlichkeit für jeden Tat und Werkmen­schen Du erkannt hattest, Mitglieder der Presse aus fern und nah, der Du einstens den alljährlichen Weg zu den Salzburger Festspielen vorzeichnetest, sind gekommen, um ihre Danksagung mit der unseriger zu vereinen. So unvergeßlich uns und der Welt die Erzbischöfe sind, die Salzburg emporgestaltet hatten, von Eberhard über den Keutschacher bis au Paris Lodron, so unvergeß­lich bist Du, Franz Rehrl, uns und der Welt, weil Du. ein Friedensfürst im Bürgerrock dieser Stadt und diesem Lande das Funda­ment für die Zukunft gemauert hast. In Liebe und Treue grüßen wir Dich!

Ehrungen

Denkmal für Franz Rehrl am Max-Reinhardt-Platz.

Rehrl erhielt 1929 die Ehrenbürgerschaft der Stadt Salzburg. Weiters ist er Ehrenbürger der Gemeinde Fusch an der Großglocknerstraße (Ernennung am 21. Juli 1935, Verleihung am 3. August 1935 anlässlich der Straßeneröffnung; am 13. März 1938 von den Nationalsozialisten wieder aberkannt – siehe dazu die geschichtliche Erklärung im Artikel Ehrenbürger) sowie Ehrenbürger der Gemeinde Bruck an der Großglocknerstraße[9] (Ernennung am 25. Juli 1935, Aberkennung 1938; ob nach Ende des Zweiten Weltkriegs die Ehrenbürgerschaft neuerlich verliehen wurde, muss noch geklärt werden) und der Stadtgemeinde Zell am See.[10]

Anlässlich der Eröffnung der Großglockner Hochalpenstraße wurde er Akademischer Ehrenbürger der Technischen Hochschule in Wien[11] sowie Ehrenbürger der Gemeinde Fusch an der Großglocknerstraße.

Darüber hinaus wurde er auf Anregung von Hofrat Rudolf Dworzak auf einer Bürgermeisterbesprechung in der Bezirkshauptmannschaft Salzburg-Umgebung am 4. Februar 1946 in allen Flachgauer Gemeinden zum Ehrenbürger ernannt.[12]

Wenige Monate vor seinem Ableben, 1946, erfolgte in Anerkennung seiner Verdienste um die Stadt Salzburg und des dargebrachten Widerstands gegen das Regime der Nationalsozialisten die Umbenennung des vormaligen Karolinenplatzes im Stadtviertel [[Ä …

Bilder

 Franz Rehrl – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im SALZBURGWIKI

Weblinks

Quellen

Einzelnachweise

  1. ANNO, Salzburger Chronik, Ausgabe vom 2. Februar 1934, Seite 1
  2. Taufbuch der Dompfarre Salzburg, Band XV, S. 446.
  3. 400 Jahre Akademisches Gymnasium Salzburg
  4. ANNO, "Salzburger Chronik, Ausgabe 15. April 1937, Seite 4
  5. ANNO, "Salzburger Chronik", Ausgabe vom 2. August 1935, Seite 1
  6. Sitzungsprotokolle der Stadtgemeinde Zell am See 1928–29; 1930. Sitzung am 18. 1. 1928 und Festsitzung am 28. 1. 1928; In: R. Hochhold (2013): S. 421; FN 1433
  7. Verfügung vom 19. 4. 1939, Amtsgericht Zell am See: Dr. Franz Rehrl; Einziehung des Vermögens. F. Hölzl (1989): 1200 Jahre Zell am See; Bd. 2, S. 75–78. Demnach hatte während des Krieges die Frau des Gouverneurs von Krakau, Vizegouverneurs von Polen und Generalleutnant der SS, Otto Gustav (von) Wächter, das Gut in Thumersbach bewohnt. Vgl. ebd., S. 78. In: R. Hochhold (2013): S. 425; FN 1603
  8. Details zum Tod in der "Salzburger Wochenschau", Jahrgang 1947, Ausgabe 5/6 vom 9. Februar
  9. ANNO, "Salzburger Chronik", Ausgabe vom 1. August 1935, Seite 5
  10. Sitzungsprotokolle der Stadtgemeinde Zell am See 1928–29; 1930. Sitzung vom 18. 1. 1928. In: Hochhold, Rainer (2013): Cella in Bisontio – Zell im Pinzgau – Zell am See. Eine historische Zeitreise. Zell am See. S. 421 (FN 1433)
  11. Eröffnung der Großglockner Hochalpenstraße#Ehrungen der technischen Hochschule Wien
  12. siehe Diskussion:Ehrenbürger der Gemeinde Strobl
Landeshauptleute von Salzburg