Burg Petersberg: Unterschied zwischen den Versionen

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Da sich der Erzbischof nach [[1140]] häufig hier aufhielt und die Anlage als Zweitresidenz nutzte, dürfte die erste Ausbauphase zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen gewesen sein. Zeitgenössische Berichte beschreiben sowohl Bergfried als auch Palas als so aufwendig ausgestattet, dass sie eher einem kaiserlichen Palast als einem bischöflichen Sitz entsprochen hätten. Der Petersberg entwickelte sich damit zum südöstlichen Eckpfeiler im Herrschaftsgebiet der [[Salzburger Erzbischöfe]]. Er diente als erzbischöfliche Nebenresidenz und bot in Zeiten militärischer Konflikte gelegentlich Zuflucht.
 
Da sich der Erzbischof nach [[1140]] häufig hier aufhielt und die Anlage als Zweitresidenz nutzte, dürfte die erste Ausbauphase zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen gewesen sein. Zeitgenössische Berichte beschreiben sowohl Bergfried als auch Palas als so aufwendig ausgestattet, dass sie eher einem kaiserlichen Palast als einem bischöflichen Sitz entsprochen hätten. Der Petersberg entwickelte sich damit zum südöstlichen Eckpfeiler im Herrschaftsgebiet der [[Salzburger Erzbischöfe]]. Er diente als erzbischöfliche Nebenresidenz und bot in Zeiten militärischer Konflikte gelegentlich Zuflucht.
  
NNormalerweise ließen sich die Erzbischöfe durch [[Vizedom]]en vertreten, häufig durch die [[Suffraganbistum|Suffragan]]bischöfe von [[Bischof von Lavant|Lavant]], denen sämtliche Salzburger Besitzungen in Kärnten und im [[Lungau]] unterstanden. Von hier aus konnten die wichtigen Handelsrouten überwacht werden, die von [[Salzburg]], [[Wien]] und [[Linz]] in Richtung Balkan führten. Erzbischof Konrad I. richtete am Petersberg eine [[Salzburger Münze|Münzstätte]] ein, in der die [[Friesacher Pfennig]]e geprägt wurden – eine im gesamten Ostalpenraum verbreitete Währung. Erst [[1360]] wurde die Münzstätte nach St. Veit verlegt.
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Normalerweise ließen sich die Erzbischöfe durch [[Vizedom]]en vertreten, häufig durch die [[Suffraganbistum|Suffragan]]bischöfe von [[Bischof von Lavant|Lavant]], denen sämtliche Salzburger Besitzungen in Kärnten und im [[Lungau]] unterstanden. Von hier aus konnten die wichtigen Handelsrouten überwacht werden, die von [[Salzburg]], [[Wien]] und [[Linz]] in Richtung Balkan führten. Erzbischof Konrad I. richtete am Petersberg eine [[Salzburger Münze|Münzstätte]] ein, in der die [[Friesacher Pfennig]]e geprägt wurden – eine im gesamten Ostalpenraum verbreitete Währung. Erst [[1360]] wurde die Münzstätte nach St. Veit verlegt.
  
 
Im [[Mittelalter]] hielten sich zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten auf der Burg auf. [[1149]] verweilte König Konrad III. auf seinem Rückzug vom gescheiterten Zweiten Kreuzzug am Petersberg. [[1170]] war der deutsche [[Friedrich I. Barbarossa|Kaiser Barbarossa]] zu Gast, [[1192]] folgte König Richard Löwenherz von England. [[1224]] fand unter der Leitung des Babenbergerherzogs Leopold VI. eine große Versammlung geistlicher und weltlicher Fürsten zwischen Donau und Adria statt. Dabei wurde ein Konflikt zwischen dem Kärntner Herzog Bernhard von Sponheim und dem Markgrafen Heinrich von Istrien beigelegt, der bereits zu eskalieren drohte. Das berühmte Turnier, von dem Ulrich von Liechtenstein berichtet und an dem rund 600 Ritter teilnahmen, wurde allerdings nicht in der Burg, sondern auf einer Wiese vor der Stadt ausgetragen.
 
Im [[Mittelalter]] hielten sich zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten auf der Burg auf. [[1149]] verweilte König Konrad III. auf seinem Rückzug vom gescheiterten Zweiten Kreuzzug am Petersberg. [[1170]] war der deutsche [[Friedrich I. Barbarossa|Kaiser Barbarossa]] zu Gast, [[1192]] folgte König Richard Löwenherz von England. [[1224]] fand unter der Leitung des Babenbergerherzogs Leopold VI. eine große Versammlung geistlicher und weltlicher Fürsten zwischen Donau und Adria statt. Dabei wurde ein Konflikt zwischen dem Kärntner Herzog Bernhard von Sponheim und dem Markgrafen Heinrich von Istrien beigelegt, der bereits zu eskalieren drohte. Das berühmte Turnier, von dem Ulrich von Liechtenstein berichtet und an dem rund 600 Ritter teilnahmen, wurde allerdings nicht in der Burg, sondern auf einer Wiese vor der Stadt ausgetragen.

Version vom 24. Dezember 2025, 16:22 Uhr

Blick hinauf zur Burg.

Die Burg Petersberg ist eine Verteidigungsanlage in Friesach in Kärnten, die bis 1803 in Salzburger Besitz war.

Geschichte

König Ludwig der Deutsche überließ 860 dem Salzburger Bistum neben weiteren Besitzungen auch den Hof "Friesah". Im Investiturstreit stellte sich Erzbischof Gebhard von Salzburg auf die Seite Papst Gregors VII. und ließ 1076 neben Hohensalzburg und Hohenwerfen auch den Petersberg über Friesach befestigen, um Heinrich IV. den Zugang über die Alpenpässe zu verwehren. Wahrscheinlich entstanden dabei vor allem einfache Holzkonstruktionen, die eine bereits bestehende ältere Wehranlage ergänzten. Gleichzeitig begann Gebhard mit dem Bau eines repräsentativen Wohnsitzes. Aufgrund der militärischen Übermacht des Kaisers musste er jedoch bald fliehen und konnte erst 1086 in seine Diözese zurückkehren.

Engelschalk, der erste urkundlich belegte salzburgische Kastellan in Friesach, verteidigte den Petersberg 1123/24 erfolgreich gegen Herzog Engelbert von Spanheim. Auch der Bischof von Gurk, Hiltebold, hatte sich in die belagerte Anlage zurückgezogen. Nachdem sich Erzbischof Konrad I. 1124 erneut die Kontrolle über die Stadt Friesach gesichert hatte, begann er mit einem umfassenden Ausbau der Befestigungen am Petersberg und band diese in die Stadtumwallung ein. Seine militärische Bedeutung hatte die Burg bereits im Investiturstreit gezeigt, als die Belagerer unverrichteter Dinge abziehen mussten.

Blick hinauf zur Burg.

Da sich der Erzbischof nach 1140 häufig hier aufhielt und die Anlage als Zweitresidenz nutzte, dürfte die erste Ausbauphase zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen gewesen sein. Zeitgenössische Berichte beschreiben sowohl Bergfried als auch Palas als so aufwendig ausgestattet, dass sie eher einem kaiserlichen Palast als einem bischöflichen Sitz entsprochen hätten. Der Petersberg entwickelte sich damit zum südöstlichen Eckpfeiler im Herrschaftsgebiet der Salzburger Erzbischöfe. Er diente als erzbischöfliche Nebenresidenz und bot in Zeiten militärischer Konflikte gelegentlich Zuflucht.

Normalerweise ließen sich die Erzbischöfe durch Vizedomen vertreten, häufig durch die Suffraganbischöfe von Lavant, denen sämtliche Salzburger Besitzungen in Kärnten und im Lungau unterstanden. Von hier aus konnten die wichtigen Handelsrouten überwacht werden, die von Salzburg, Wien und Linz in Richtung Balkan führten. Erzbischof Konrad I. richtete am Petersberg eine Münzstätte ein, in der die Friesacher Pfennige geprägt wurden – eine im gesamten Ostalpenraum verbreitete Währung. Erst 1360 wurde die Münzstätte nach St. Veit verlegt.

Im Mittelalter hielten sich zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten auf der Burg auf. 1149 verweilte König Konrad III. auf seinem Rückzug vom gescheiterten Zweiten Kreuzzug am Petersberg. 1170 war der deutsche Kaiser Barbarossa zu Gast, 1192 folgte König Richard Löwenherz von England. 1224 fand unter der Leitung des Babenbergerherzogs Leopold VI. eine große Versammlung geistlicher und weltlicher Fürsten zwischen Donau und Adria statt. Dabei wurde ein Konflikt zwischen dem Kärntner Herzog Bernhard von Sponheim und dem Markgrafen Heinrich von Istrien beigelegt, der bereits zu eskalieren drohte. Das berühmte Turnier, von dem Ulrich von Liechtenstein berichtet und an dem rund 600 Ritter teilnahmen, wurde allerdings nicht in der Burg, sondern auf einer Wiese vor der Stadt ausgetragen.

Blick hinauf zur Burg.

Erzbischof Philipp von Spanheim floh 1263 vor dem heranrückenden böhmischen König Ottokar. Ottokar fielen so die salzburgischen Besitzungen jenseits der Tauern kampflos zu. Nach dem Ende der dreijährigen Herrschaft Ottokars setzten die Salzburger Erzbischöfe ab 1267 Hauptleute an die Spitze des militärischen Personals, die ihren Sitz in der Burghauptmannschaft am Petersberg hatten. Dabei handelte es sich meist um Angehörige bedeutender steirischer und kärntnerischer Adelsfamilien (Liechtenstein, Kraiger, Silberberger, Weissenegger usw.), die die Erzbischöfe durch die Vergabe von Lehen enger an sich banden. Im Konflikt zwischen Erzbischof Rudolf I. von Hoheneck und Herzog Albrecht I. wurde Friesach 1292 vom Herzog erobert und in Brand gesetzt. Die vom Vizedom Rudolf von Fohnsdorf gehaltene Festung am Petersberg bot der geflohenen Bevölkerung jedoch sicheren Schutz. Dies bewährte sich auch während der Türkenkriege, da die nur leicht bewaffneten Angreifer stark befestigte Burgen und Orte in der Regel mieden.

Fürsterzbischof Leonhard von Keutschach ließ ab 1495 die Verteidigungsanlagen am Petersberg umfassend modernisieren und verlieh ihnen sowie der Stadtbefestigung ihr endgültiges Erscheinungsbild. Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts waren die Ämter des Burghauptmanns und des Vizedoms in einer Person vereint. Da die Hauptmannschaft am Petersberg für Verwaltungsaufgaben zu abgelegen war, verlegten die Vizedome ihren Amtssitz ausschließlich in den Fürstenhof im Ort.

In der Burg.

Ein Inventar aus 1626 nennt in der Festung noch 16 Geschütze, jedoch nur geringe Vorräte an Pulver und Kugeln. Eine der alten Kanonen befindet sich heute im Kärntner Landesmuseum in Klagenfurt. Die übrige Rüstkammer bestand überwiegend aus veralteten Hieb- und Stichwaffen; 1641 wurde der Großteil des Bestandes als Alteisen verkauft.

Auf dem Kupferstich Merians von 1649 erscheinen die Gebäude zwar noch vollständig, jedoch bereits ohne Dächer und Fenster. Nach dem Stadtbrand von 1673, der auch den Petersberg erfasste, verfielen die nun funktionslosen Anlagen und blieben bis weit ins 20. Jahrhundert hinein Ruinen. Weitere Schäden verursachten 1797 die französischen Truppen. Der Petersberg blieb bis zur Säkularisierung Salzburgs 1803 im Besitz der Bischöfe und ging anschließend in den Besitz des österreichischen Staates über.

Weblink

Quellen