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[[Datei:Historische Burgen im Rupertiwinkel.jpg|thumb|Landkarte der Burgen und Herrschaftsbereiche im nördlichen Salzachgau im Hochmittelalter]]
 
[[Datei:Historische Burgen im Rupertiwinkel.jpg|thumb|Landkarte der Burgen und Herrschaftsbereiche im nördlichen Salzachgau im Hochmittelalter]]
Als '''Rupertiwinkel''' bezeichnet man einen Teil des historischen  Erzstifts Salzburg, westlich der [[Salzach]] in [[Bayern]].
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Als '''Rupertiwinkel''' bezeichnet man einen Teil des historischen  [[Erzstift Salzburg|Erzstifts Salzburg]], westlich der [[Salzach]] in [[Bayern]].
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==Lage==
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Der {{PAGENAME}} erstreckt sich über  die alten Gerichtsbezirke von [[1810]] und reicht von [[Piding]],  entlang der [[Saalach]] nach [[Freilassing]] nach Norden über Laufen an  der Salzach entlang der Salzach bis [[Tittmoning]], weiter über [[Palling]]  in das Gebiet der Marktgemeinde [[Waging am See]], St. Leonhard am  Wonneberg, das Gebiet der Marktgemeinde [[Teisendorf]], genau über das  [[Staufengebirge]] bis [[Schloss Staufeneck]] und wieder zurück nach Piding.
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Die  hügelige Voralpenlandschaft ist von bäuerlicher Struktur geprägt. Drei  Seen sind in sie eingebettet: der Tachinger See, der [[Waginger See]] und  der [[Abtsdorfer See]].
    
==Geschichte==
 
==Geschichte==
Ab dem [[6. Jahrhundert]] gehörte das Gebiet des [[Salzburggau]]s zum Herzogtum Bayern. Nach dem Sturz des Herzogshauses der Agilolfinger [[788]], und der Eingliederung Bayerns in das Frankenreich teilte man das Land in Grafschaften ein, die von Grafen geleitet wurden. Im Auftrag des Königs hatten die Grafen vor allem für militärischen Schutz, die Rechtsprechung und die Einhebung der Steuern zu sorgen. Im Salzburggau gab es im [[Mittelalter|Hochmittelalter]] mehrere Grafschaften: Das Adelsgeschlecht der [[Grafen von Plain]], ihre Stammburg war die [[Plainburg]] bei [[Großgmain]], war  ab ungefähr 1100 mit der Grafschaft im oberen (südlichen) Salzburggau belehnt. Diese Grafschaft umfasste den südlichen Teil des heutigen Rupertiwinkels, westlich und südlich des [[Waginger See]]s, das Gebiet südlich der [[Stadt Salzburg]] und das [[Salzachtal]] bis zum [[Pass Lueg]]. Nördlich davon, im unteren Salzburggau, hatten die [[Grafen von Lebenau]] ab [[1104]] eine Grafschaft inne. Sie stammten aus dem Geschlecht der mächtigen [[Spanheimer]] und nannten sich nach der [[Burg Lebenau]] bei [[Laufen]]. Ihre Grafschaft erstreckte sich über die nördliche Hälfte des späteren Rupertiwinkels, nördlich und östlich des Waginger Sees und den Nordwesten des heutigen Flachgaus.  Daneben gab es im [[Reichenhaller Becken|Reichenhaller Tal]] die nur auf die Stadt bezogene [[Hallgrafschaft]] und die ältere [[Grafschaft Reichenhall]], aus der sich später das [[Pflegegericht]] Reichenhall entwickelt hat. Südlich des [[Untersberg]]s wurde [[1102]] das [[Augustiner-Chorherrenstift Berchtesgaden]] gegründet, das sich im Laufe der Zeit von den Plainer Grafen, welche die Hochgerichtsrechte über das Berchtesgadener  Tal besaßen, unabhängig machen konnte.
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Ab dem [[6. Jahrhundert]] gehörte das Gebiet des [[Salzburggau]]s zum Herzogtum Bayern. Nach dem Sturz des Herzogshauses der Agilolfinger [[788]], und der Eingliederung Bayerns in das Frankenreich teilte man das Land in Grafschaften ein, die von Grafen geleitet wurden. Im Auftrag des Königs hatten die Grafen vor allem für militärischen Schutz, die Rechtsprechung und die Einhebung der Steuern zu sorgen. Im Salzburggau gab es im [[Mittelalter|Hochmittelalter]] mehrere Grafschaften: Das Adelsgeschlecht der [[Grafen von Plain]], ihre Stammburg war die [[Plainburg]] bei [[Großgmain]], war  ab ungefähr 1100 mit der Grafschaft im oberen (südlichen) Salzburggau belehnt. Diese Grafschaft umfasste den südlichen Teil des heutigen Rupertiwinkels, westlich und südlich des Waginger Sees, das Gebiet südlich der [[Stadt Salzburg]] und das [[Salzachtal]] bis zum [[Pass Lueg]]. Nördlich davon, im unteren Salzburggau, hatten die [[Grafen von Lebenau]] ab [[1104]] eine Grafschaft inne. Sie stammten aus dem Geschlecht der mächtigen [[Spanheimer]] und nannten sich nach der [[Burg Lebenau]] bei [[Laufen]]. Ihre Grafschaft erstreckte sich über die nördliche Hälfte des späteren Rupertiwinkels, nördlich und östlich des Waginger Sees und den Nordwesten des heutigen Flachgaus.  Daneben gab es im [[Reichenhaller Becken|Reichenhaller Tal]] die nur auf die Stadt bezogene [[Hallgrafschaft]] und die ältere [[Grafschaft Reichenhall]], aus der sich später das [[Pflegegericht]] Reichenhall entwickelt hat. Südlich des [[Untersberg]]s wurde [[1102]] das [[Augustiner-Chorherrenstift Berchtesgaden]] gegründet, das sich im Laufe der Zeit von den Plainer Grafen, welche die Hochgerichtsrechte über das Berchtesgadener  Tal besaßen, unabhängig machen konnte.
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=== Ablösung von Bayern ===
 
=== Ablösung von Bayern ===
Die Salzburger Kirche verfügte seit frühester Zeit überall im Land verstreut über Besitzungen. So erwarb bereits [[Rupert von Worms]] kurz nach seiner Ankunft in Salzburg im Jahr [[696]] Güter im Dorf [[Piding]]. Zwischen [[713]] und [[715]] wurde das neu gegründete [[Benediktiner-Frauenstift Nonnberg]] unter anderem mit Gütern in [[Ainring]], [[Tittmoning]] und [[Waging am See]] ausgestattet. Ein größeres zusammenhängendes Gebiet  aber besaß die Salzburger Kirche nur im [[Pongau]] und östlich der [[Stadt Salzburg]] (von den Erzbischöfen vom [[8. Jahrhundert|8.]] bis zum [[11. Jahrhundert]] erworben). Die [[739]] gegründete Diözese Salzburg wurde [[798]] zum [[Erzbistum Salzburg]] erhoben und war damit zum Mittelpunkt der bayerischen Kirchenprovinz geworden. Dem Erzbistum Salzburg unterstanden die [[Salzburger Kirchenprovinz|Suffraganbistümer]]  [[Regensburg]], [[Passau]], [[Freising]] und [[Säben]] ([[Brixen]], [[Südtirol]]). Die Erzbischöfe waren bestrebt, ein geschlossenes Herrschaftsgebiet zu schaffen, was durch den Erwerb von Grafschaften und Hochgerichtsbezirken geschah. Salzburg hatte unter anderem [[1213]] alle Rechte im [[Lungau]] erworben und den [[Pinzgau]], der zuvor ein an den Bayernherzog vergebenes Lehen war, [[1228]] erhalten.
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Die Salzburger Kirche verfügte seit frühester Zeit überall im Land verstreut über Besitzungen. So erwarb bereits [[Rupert von Worms]] kurz nach seiner Ankunft in Salzburg im Jahr [[696]] Güter im Dorf Piding. Zwischen [[713]] und [[715]] wurde das neu gegründete [[Benediktiner-Frauenstift Nonnberg]] unter anderem mit Gütern in [[Ainring]], Tittmoning und Waging am See ausgestattet. Ein größeres zusammenhängendes Gebiet  aber besaß die Salzburger Kirche nur im [[Pongau]] und östlich der [[Stadt Salzburg]] (von den Erzbischöfen vom [[8. Jahrhundert|8.]] bis zum [[11. Jahrhundert]] erworben). Die [[739]] gegründete Diözese Salzburg wurde [[798]] zum [[Erzbistum Salzburg]] erhoben und war damit zum Mittelpunkt der bayerischen Kirchenprovinz geworden. Dem Erzbistum Salzburg unterstanden die [[Salzburger Kirchenprovinz|Suffraganbistümer]]  [[Regensburg]], [[Passau]], [[Freising]] und [[Säben]] ([[Brixen]], [[Südtirol]]). Die Erzbischöfe waren bestrebt, ein geschlossenes Herrschaftsgebiet zu schaffen, was durch den Erwerb von Grafschaften und Hochgerichtsbezirken geschah. Salzburg hatte unter anderem [[1213]] alle Rechte im [[Lungau]] erworben und den [[Pinzgau]], der zuvor ein an den Bayernherzog vergebenes Lehen war, [[1228]] erhalten.
    
Nachdem [[1229]] die Grafen von Lebenau ausgestorben waren, konnte sich der Salzburger [[Erzbischof]] [[Eberhard II. von Regensberg]] deren Grafschaft sichern. Mit dem Aussterben der Grafen von Plain im Jahre [[1260]] fiel ihr Herrschaftsgebiet schließlich an die Nachfolger Eberhards. Damit verfügten die Salzburger Erzbischöfe über ein verhältnismäßig großes geschlossenes Herrschaftsgebiet. Mit der weitgehenden Anerkennung der Salzburger Grenzen durch den Bayernherzog im Jahr [[1275]]  kam die Ablösung Salzburgs von Bayern einen bedeutenden Schritt voran. Als Erzbischof [[Friedrich III. von Leibnitz]] dann [[1328]] eine eigene Landesordnung erließ, war aus Salzburg ein eigenständiges Land innerhalb des Heiligen Römischen Reiches geworden.  Dabei war der Besitz der [[Saline Hallein]], die ab etwa 1200 [[Bad Reichenhall|Reichenhall]] als Marktführer im [[Salzhandel]] abgelöst hatte, die wichtigste wirtschaftliche Voraussetzung dafür, dass Salzburg als selbständiger Staat überhaupt existieren konnte. Die ehemaligen Grafschaften Plain und Lebenau, und damit der heutige Rupertiwinkel, waren Teile dieses neuen eigenständigen Landes. Sie gehörten zum salzburgischen „Flachen Land", das auch „Land vor dem Gebirg“ oder „[[Außergebirg]]“ genannt wurde. Schon einige Jahre zuvor hatte sich die [[Fürstpropstei Berchtesgaden]] von Bayern lösen können, sie wurde [[1306]] erstmals als „Land“ erwähnt.
 
Nachdem [[1229]] die Grafen von Lebenau ausgestorben waren, konnte sich der Salzburger [[Erzbischof]] [[Eberhard II. von Regensberg]] deren Grafschaft sichern. Mit dem Aussterben der Grafen von Plain im Jahre [[1260]] fiel ihr Herrschaftsgebiet schließlich an die Nachfolger Eberhards. Damit verfügten die Salzburger Erzbischöfe über ein verhältnismäßig großes geschlossenes Herrschaftsgebiet. Mit der weitgehenden Anerkennung der Salzburger Grenzen durch den Bayernherzog im Jahr [[1275]]  kam die Ablösung Salzburgs von Bayern einen bedeutenden Schritt voran. Als Erzbischof [[Friedrich III. von Leibnitz]] dann [[1328]] eine eigene Landesordnung erließ, war aus Salzburg ein eigenständiges Land innerhalb des Heiligen Römischen Reiches geworden.  Dabei war der Besitz der [[Saline Hallein]], die ab etwa 1200 [[Bad Reichenhall|Reichenhall]] als Marktführer im [[Salzhandel]] abgelöst hatte, die wichtigste wirtschaftliche Voraussetzung dafür, dass Salzburg als selbständiger Staat überhaupt existieren konnte. Die ehemaligen Grafschaften Plain und Lebenau, und damit der heutige Rupertiwinkel, waren Teile dieses neuen eigenständigen Landes. Sie gehörten zum salzburgischen „Flachen Land", das auch „Land vor dem Gebirg“ oder „[[Außergebirg]]“ genannt wurde. Schon einige Jahre zuvor hatte sich die [[Fürstpropstei Berchtesgaden]] von Bayern lösen können, sie wurde [[1306]] erstmals als „Land“ erwähnt.
    
=== Salzburgs Kornkammer ===
 
=== Salzburgs Kornkammer ===
Wegen seines fruchtbaren Bodens und des im Vergleich zu den Gebirgsgauen milden Klimas war das Flache Land die „Kornkammer" Salzburgs. Der Weizen machte nur einen kleinen Teil des angebauten Getreides aus und er gedieh ganz im Norden um Tittmonig am besten. Am weitesten verbreitet war der Roggen, der das wichtigste Brotgetreide bildete. Aber auch der anspruchslosere Hafer wurde sehr viel angebaut. Dieser war nicht nur für die Pferdezucht von Bedeutung, sondern fand auch bei der Brotherstellung Verwendung und diente, etwa zu Haferbrei verkocht, als wichtiges Grundnahrungsmittel. Östlich des Waginger Sees wurde in größerem Umfang Flachs angebaut, der durch viele kleine Leinweber für Verleger (Großhändler) zu Leinen verarbeitet wurde. An den Ufern der [[Salzach]] lagen große Hopfengärten. Mit dem hier produzierten Hopfen versorgte man die [[Brauereien (historisch)|Brauereien]] in der Umgebung, von denen jene in [[Teisendorf]] und [[Schönram]] noch heute bestehen. Im landwirtschaftlich geprägten Rupertiwinkel gab es aber auch ein bedeutendes Bergwerk bei Neukirchen, wo Eisenerz abgebaut wurde. Die Verhüttung erfolgte im [[Achthal]] ([[Bergbaumuseum Achthal]]) und später auch in Röhrenbach bei [[Anger]]. Dazu gehörte außerdem noch die [[1537]] gegründete [[Annahütte]] in [[Hammerau]], wo in erster Linie Drahtseile, Waffen, Werkzeuge, Nägel und Bleche hergestellt wurden. Die Produkte verkaufte man außerhalb Salzburgs bis nach Ober- und Niederbayern, [[Tirol]] und Schwaben. Von den beiden Städten im heutigen Rupertiwinkel war Laufen als Zentrum der [[Salzschifffahrt]] und Sitz der adeligen Schiffsherren<ref>Erbausfergen, siehe [[[[Erbausfergenamt]]</ref> die Bedeutendere. Tittmoning dagegen wurde von zahlreichen  Handwerksbetrieben, vor allem von den dort ansässigen Gerbereien geprägt. Daneben war es noch der zentrale Marktort des nördlichen Rupertiwinkels. Die Burg Tittmoning bildete als Grenzfestung das Gegengewicht zum bayerischen Burghausen und diente darüber hinaus auch als Sommerresidenz der Salzburger Erzbischöfe.  
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Wegen seines fruchtbaren Bodens und des im Vergleich zu den Gebirgsgauen milden Klimas war das Flache Land die „Kornkammer" Salzburgs. Der Weizen machte nur einen kleinen Teil des angebauten Getreides aus und er gedieh ganz im Norden um Tittmonig am besten. Am weitesten verbreitet war der Roggen, der das wichtigste Brotgetreide bildete. Aber auch der anspruchslosere Hafer wurde sehr viel angebaut. Dieser war nicht nur für die Pferdezucht von Bedeutung, sondern fand auch bei der Brotherstellung Verwendung und diente, etwa zu Haferbrei verkocht, als wichtiges Grundnahrungsmittel. Östlich des Waginger Sees wurde in größerem Umfang Flachs angebaut, der durch viele kleine Leinweber für Verleger (Großhändler) zu Leinen verarbeitet wurde. An den Ufern der [[Salzach]] lagen große Hopfengärten. Mit dem hier produzierten Hopfen versorgte man die [[Brauereien (historisch)|Brauereien]] in der Umgebung, von denen jene in Teisendorf und [[Schönram]] noch heute bestehen. Im landwirtschaftlich geprägten Rupertiwinkel gab es aber auch ein bedeutendes Bergwerk bei Neukirchen, wo Eisenerz abgebaut wurde. Die Verhüttung erfolgte im [[Achthal]] ([[Bergbaumuseum Achthal]]) und später auch in Röhrenbach bei [[Anger]]. Dazu gehörte außerdem noch die [[1537]] gegründete [[Stahlwerk Annahütte|Annahütte]] in [[Hammerau]], wo in erster Linie Drahtseile, Waffen, Werkzeuge, Nägel und Bleche hergestellt wurden. Die Produkte verkaufte man außerhalb Salzburgs bis nach Ober- und Niederbayern, [[Tirol]] und Schwaben. Von den beiden Städten im heutigen Rupertiwinkel war Laufen als Zentrum der [[Salzschifffahrt]] und Sitz der adeligen Schiffsherren<ref>Erbausfergen, siehe [[[[Erbausfergenamt]]</ref> die Bedeutendere. Tittmoning dagegen wurde von zahlreichen  Handwerksbetrieben, vor allem von den dort ansässigen Gerbereien geprägt. Daneben war es noch der zentrale Marktort des nördlichen Rupertiwinkels. Die Burg Tittmoning bildete als Grenzfestung das Gegengewicht zum bayerischen Burghausen und diente darüber hinaus auch als Sommerresidenz der Salzburger Erzbischöfe.  
 
   
 
   
 
=== Fünfmal ausgeplündert ===
 
=== Fünfmal ausgeplündert ===
Die Napoleonischen Kriege am Anfang des 19. Jahrhunderts brachten für das Land Salzburg nach fast fünfhundertjährigem Bestehen als selbständiger Staat das abrupte Ende und innerhalb von wenigen Jahren einen fünfmaligen Wechsel der Herrschaft. Nach der siegreichen Schlacht gegen die Österreicher auf dem Walserfeld, besetzten französische Truppen am [[15. Dezember 1800]] für vier Monate die Stadt Salzburg. Bereits einige Tage vorher war der letzte regierende Fürsterzbischof, [[Hieronymus Graf Colloredo]], aus Salzburg geflohen, nachdem er einen Statthalter eingesetzt hatte. Die Besatzer plünderten das Land aus und misshandelten die Bevölkerung. Nach dem Frieden von Lunèville  war die Säkularisation des Erzstiftes Salzburg, die heimlich bereits 1797 geplant worden war, Wirklichkeit geworden. Galten doch die geistlichen Fürstentümer in Deutschland schon seit langem als überholte Staatsformen, die keine Existenzberechtigung mehr besaßen. Ein Berater Colloredos ahnte schon 1798 dass Salzburg „entweder Österreich zum Frühstück oder Bayern zum Schmaus anheim fallen“ werde. Colloredo dankte am 11. Februar 1803 ab, allerdings nicht, ohne vorher noch viel Geld für seine Privatschatulle aus dem durch die Kriegswirren verarmten Land zu ziehen.  Der frühere Großherzog von Toskana, Ferdinand III., ein Bruder  von Kaiser Franz II. trat nun die Regierung in Salzburg an. Zu seinem räumlich aufgesplitterten Kurfürstentum gehörten neben Salzburg noch weitere säkularisierte Länder wie Berchtesgaden, ein Teil von Passau und Eichstätt, die alle ehedem geistliche Fürstentümer waren.  Im Oktober 1805 floh Ferdinand unter Mitnahme eines großen Teils des [[Domschatz]]es vor den heranrückenden französischen und bayerischen Truppen. Dem ohnehin finanziell ausgebluteten Land wurden hohe Geldsummen abgepresst und die Bevölkerung hatte unter Plünderungen und mutwilligen Zerstörungen zu leiden.  
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Die Napoleonischen Kriege am Anfang des [[19. Jahrhundert]]s brachten für das Land Salzburg nach fast fünfhundertjährigem Bestehen als selbständiger Staat das abrupte Ende und innerhalb von wenigen Jahren einen fünfmaligen Wechsel der Herrschaft. Nach der siegreichen Schlacht gegen die Österreicher auf dem [[Schlacht am Walserfeld|Walserfeld]], besetzten französische Truppen am [[15. Dezember]] [[1800]] für vier Monate die Stadt Salzburg. Bereits einige Tage vorher war der letzte regierende Fürsterzbischof, [[Hieronymus Graf Colloredo]], aus Salzburg geflohen, nachdem er einen Statthalter eingesetzt hatte. Die Besatzer plünderten das Land aus und misshandelten die Bevölkerung. Nach dem Frieden von Lunèville  war die [[Säkularisation]] des Erzstiftes Salzburg, die heimlich bereits [[1797]] geplant worden war, Wirklichkeit geworden. Galten doch die geistlichen Fürstentümer in Deutschland schon seit langem als überholte Staatsformen, die keine Existenzberechtigung mehr besaßen. Ein Berater Colloredos ahnte schon [[1798]] dass Salzburg „''entweder Österreich zum Frühstück oder Bayern zum Schmaus anheim fallen''“ werde. Colloredo dankte am [[11. Februar]] [[1803]] ab, allerdings nicht, ohne vorher noch viel Geld für seine Privatschatulle aus dem durch die Kriegswirren verarmten Land zu ziehen.  Der frühere Großherzog von Toskana, [[Ferdinand III. von Toskana]], ein Bruder  von Kaiser [[Franz I.]] von Österreich, trat nun die Regierung in Salzburg an. Zu seinem räumlich gesplitterten Kurfürstentum gehörten neben Salzburg noch weitere säkularisierte Länder wie Berchtesgaden, ein Teil von Passau und Eichstätt, die alle ehedem geistliche Fürstentümer waren.  Im Oktober [[1805]] floh Ferdinand III. unter Mitnahme eines großen Teils des [[Domschatz]]es vor den heranrückenden französischen und bayerischen Truppen. Dem ohnehin finanziell ausgebluteten Land wurden hohe Geldsummen abgepresst und die Bevölkerung hatte unter Plünderungen und mutwilligen Zerstörungen zu leiden.  
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Nach den Bestimmungen des Friedensvertrags von Pressburg fiel Salzburg zusammen mit Berchtesgaden am 17. März 1806 an Österreich. Kaum drei Jahre nach der Übernahme Salzburgs erklärte der österreichische Kaiser Franz Frankreich den Krieg, der zu einer schweren Niederlage der Österreicher führte. Im Friedensvertrag von Schönbrunn musste Österreich am 14. Oktober 1809 auf Salzburg verzichten. Das abziehende Regime nahm jene Kunstschätze  mit nach Wien, die von den Vorgängern noch übrig gelassen worden waren. Danach stand Salzburg für fast ein Jahr unter französischer Verwaltung, welche die Bevölkerung durch Einquartierungen und Proviantbeschaffung schwer belastete.
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Nach den Bestimmungen des [[Friedensvertrag von Pressburg|Friedensvertrags]] von Pressburg fiel Salzburg zusammen mit Berchtesgaden am [[17. März]] [[1806]] an Österreich. Kaum drei Jahre nach der Übernahme Salzburgs erklärte der österreichische Kaiser Franz I. Frankreich den Krieg, der zu einer schweren Niederlage der Österreicher führte. Im [[Friedensvertrag von Schönbrunn]] musste Österreich am [[14. Oktober]] [[1809]] auf Salzburg verzichten. Das abziehende Regime nahm jene Kunstschätze  mit nach Wien, die von den Vorgängern noch übrig gelassen worden waren. Danach stand Salzburg für fast ein Jahr unter französischer Verwaltung, welche die Bevölkerung durch Einquartierungen und Proviantbeschaffung schwer belastete.
    
=== Unter bayerischer Herrschaft ===
 
=== Unter bayerischer Herrschaft ===
Durch den Frankfurter Vertrag kam das Land Salzburg am 19. September 1810 zusammen mit der ehemaligen [[Fürstpropstei Berchtesgaden]] an das Königreich Bayern. Es wurde dem bereits [[1808]] geschaffenen Salzachkreis mit der Hauptstadt [[Burghausen]] angegliedert. Den Verwaltungssitz verlegte man dabei nach Salzburg. Geführt wurde die Verwaltung des Salzachkreises vom Generalgouverneur Kronprinz Ludwig von Bayern, dem späteren König Ludwig I., welcher im [[Schloss Mirabell]] residierte. Der Salzachkreis war einer der neun bayerischen Verwaltungsbezirke, der neben altbayerischen Gebieten das Land Salzburg, einen Teil Oberösterreichs (darunter das südliche [[Innviertel]]) und das Landgericht Kitzbühel in Tirol umfasste. Die neue Staatszugehörigkeit und die damit verbundenen einschneidenden Veränderungen wurden aber vor allem von der Bevölkerung im Gebirge abgelehnt. Diese projizierte ihren Reichspatriotismus auf den österreichischen Kaiser Franz I., der zuvor als Franz II. Kaiser des 1806 untergegangenen „Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation“ gewesen war. Zudem hatten in der österreichischen Zeit von [[1806]] bis [[1809]] die Behörden im Land selbst kaum Veränderungen vorgenommen. Die Beibehaltung des so genannten „alten Herkommens“ war den Bauern weitaus lieber als die Reformflut der bayerischen Verwaltung.  In der Stadt Salzburg machten sich die Bayern unter anderem durch die Auflösung der Landstände und der Universität unbeliebt. Dabei dürfte der Anschluss an Bayern anfangs im Flachen Land weitgehend akzeptiert und in der Stadt sogar begrüßt worden sein. In der Stadt Salzburg waren nämlich private Transparente mit Aufschriften wie etwa „Retour nach Baiern“ zu lesen und die Salzburger Zeitung erblickte den Tag, „...wo uns der Zeitenlauf wieder zu dem alten Vaterhause bringt, dem wir einst angehörten“. Die rücksichtslose Durchsetzung der Reformen im Sinne des Grafen Montgelas  jedoch ließ die Sympathie für den Verbleib bei Bayern drastisch schwinden. Ziel des zentralistischen Staates wares, durch die vollständige Löschung der alten Strukturen und jeglicher Eigenart, ein nur nach verwaltungstechnischen Gesichtspunkten gestaltetes Land zu schaffen. Den Salzburgern drohte damit der Verlust ihrer Identität.  
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Durch den [[Frankfurter Vertrag]] kam das Land Salzburg am [[19. September]] [[1810]] zusammen mit der ehemaligen [[Fürstpropstei Berchtesgaden]] an das Königreich Bayern. Es wurde dem bereits [[1808]] geschaffenen [[Salzachkreis]] mit der Hauptstadt [[Burghausen]] angegliedert. Den Verwaltungssitz verlegte man dabei nach Salzburg. Geführt wurde die Verwaltung des Salzachkreises vom Generalgouverneur Kronprinz Ludwig von Bayern, dem späteren König [[Ludwig I.]], welcher im [[Schloss Mirabell]] residierte. Der Salzachkreis war einer der neun bayerischen Verwaltungsbezirke, der neben altbayerischen Gebieten das Land Salzburg, einen Teil [[Oberösterreich]]s (darunter das südliche [[Innviertel]]) und das Landgericht Kitzbühel in Tirol umfasste. Die neue Staatszugehörigkeit und die damit verbundenen einschneidenden Veränderungen wurden aber vor allem von der Bevölkerung im Gebirge abgelehnt. Diese projizierte ihren Reichspatriotismus auf den österreichischen Kaiser Franz I., der zuvor als Franz II. Kaiser des 1806 untergegangenen „Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation“ gewesen war. Zudem hatten in der österreichischen Zeit von 1806 bis 1809 die Behörden im Land selbst kaum Veränderungen vorgenommen. Die Beibehaltung des so genannten „alten Herkommens“ war den Bauern weitaus lieber als die Reformflut der bayerischen Verwaltung.  In der Stadt Salzburg machten sich die Bayern unter anderem durch die Auflösung der [[Salzburger Landstände]] und der [[Universität Salzburg]] unbeliebt. Dabei dürfte der Anschluss an Bayern anfangs im "Flachen Land" weitgehend akzeptiert und in der Stadt sogar begrüßt worden sein. In der Stadt Salzburg waren nämlich private Transparente mit Aufschriften wie etwa „Retour nach Baiern“ zu lesen und die [[Salzburger Zeitung]] erblickte den Tag, „''...wo uns der Zeitenlauf wieder zu dem alten Vaterhause bringt, dem wir einst angehörten''“. Die rücksichtslose Durchsetzung der Reformen im Sinne des Grafen Montgelas  jedoch ließ die Sympathie für den Verbleib bei Bayern drastisch schwinden. Ziel des zentralistischen Staates war es, durch die vollständige Löschung der alten Strukturen und jeglicher Eigenart, ein nur nach verwaltungstechnischen Gesichtspunkten gestaltetes Land zu schaffen. Den Salzburgern drohte damit der Verlust ihrer Identität.  
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In den folgenden Jahren erfolgten der Ausbau von Straßen, die Einführung der staatlichen Post und Neuerungen in der Landwirtschaft. Das Schul- und Bildungswesen und die medizinische Versorgung wurden verbessert. Als Beweis für die Leistungsfähigkeit der damaligen bayerischen Verwaltung kann folgendes Beispiel gelten: Im Jahr 2009 wurden in der Stadt Salzburg erstmals offiziell die Grenzen der Stadtteile genau festgelegt und die Grundlage für diese Einteilung stammt aus der Zeit der bayerischen Herrschaft. Schwere Belastungen für die Bevölkerung aber stellten die Erhöhung von Steuern und Abgaben sowie die Truppenaushebungen dar. Trotz der kriegerischen Ereignisse kümmerte man sich um kulturelle Angelegenheiten: Die Bayerische Akademie der Wissenschaften begann 1815 mit der Ausgrabung der bekannten römischen [[Palastvilla in Loig]]. (Die österreichischen Aktivitäten auf diesem Gebiet nach 1816 beschränkten sich auf den Abtransport des berühmten Theseus-Mosaiks nach Wien.) Nachdem sich Bayern dem Bündnis von Preußen, Russland und Österreich gegen Napoleon angeschlossen hatte, forderte Österreich das Salzburger Land und seine anderen ehemaligen Gebiete zurück. Nach langwierigen Verhandlungen zwischen Kaiser Franz I. und Kronprinz Ludwig in Wien verzichtete Bayern schließlich auf Salzburg. Vor der Übergabe an Österreich aber wurde das Land noch ausgeplündert. Öffentliche Gebäude und Staatsbesitz verkaufte man und die ohnehin nur noch wenigen vorhandenen Kunstschätze wurden nach München gebracht.
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In den folgenden Jahren erfolgten der Ausbau von Straßen, die Einführung der staatlichen Post und Neuerungen in der Landwirtschaft. Das Schul- und Bildungswesen und die medizinische Versorgung wurden verbessert. Als Beweis für die Leistungsfähigkeit der damaligen bayerischen Verwaltung kann folgendes Beispiel gelten: Im Jahr 1809 wurden in der Stadt Salzburg erstmals offiziell die Grenzen der Stadtteile genau festgelegt und die Grundlage für diese Einteilung stammt aus der Zeit der bayerischen Herrschaft. Schwere Belastungen für die Bevölkerung aber stellten die Erhöhung von Steuern und Abgaben sowie die Truppenaushebungen dar. Trotz der kriegerischen Ereignisse kümmerte man sich um kulturelle Angelegenheiten: Die Bayerische Akademie der Wissenschaften begann [[1815]] mit der Ausgrabung der bekannten römischen [[Palastvilla in Loig]]. Die österreichischen Aktivitäten auf diesem Gebiet nach 1816 beschränkten sich auf den Abtransport des berühmten [[Theseus-Mosaik]]s nach Wien. Nachdem sich Bayern dem Bündnis von Preußen, Russland und Österreich gegen Napoleon angeschlossen hatte, forderte Österreich das Salzburger Land und seine anderen ehemaligen Gebiete zurück. Nach langwierigen Verhandlungen zwischen Kaiser Franz I. und Kronprinz Ludwig in Wien verzichtete Bayern schließlich auf Salzburg. Vor der Übergabe an Österreich aber wurde das Land noch ausgeplündert. Öffentliche Gebäude und Staatsbesitz verkaufte man und die ohnehin nur noch wenigen vorhandenen Kunstschätze wurden nach München gebracht.
    
===Teilung des Flachen Landes ===
 
===Teilung des Flachen Landes ===
Durch den [[Münchner Vertrag]]  fiel das Land Salzburg am [[1. Mai]] [[1816]] wieder an Österreich zurück – allerdings nicht zur Gänze: Mit den Ämtern Waging, Tittmoning, Laufen und Teisendorf auf der linken Seite von Salzach und Saalach blieb das Gebiet des heutigen Rupertiwinkels bei Bayern. Die Trennung des über Jahrhunderte zusammengehörenden Gebiets wirkte sich nachteilig auf die wirtschaftliche Situation aus, denn die bayerisch gebliebenen Bewohner hatten mit der Stadt Salzburg unter anderem ihr bisheriges Zentrum für den Verkauf ihrer landwirtschaftlichen Produkte verloren. Von der neuen Grenzziehung war Laufen ganz besonders betroffen. Es war zwischen Bayern und Österreich aufgeteilt worden und die Stadtteile östlich der Salzach - Oberndorf und Altach - wurden nun „Österreichisch-Laufen“ genannt. Die Errichtung der neuen Grenze leitete aber auch den Niedergang der bis dahin so wichtigen Salzschifffahrt ein. In den folgenden Jahren bis 1822 wurden dann die Diözesangrenzen an die Staatsgrenzen angeglichen. Der Rupertiwinkel und das bayerische Gebiet östlich des Inn, die seit jeher kirchlich zur Erzdiözese Salzburg gehört hatten,  fielen nun in die Zuständigkeit des Erzbistums München und Freising.  
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Durch den [[Münchner Vertrag]]  fiel das Land Salzburg am [[1. Mai]] [[1816]] wieder an Österreich zurück – allerdings nicht zur Gänze: Mit den Ämtern Waging, Tittmoning, Laufen und Teisendorf auf der linken Seite von Salzach und Saalach blieb das Gebiet des heutigen Rupertiwinkels bei Bayern. Die Trennung des über Jahrhunderte zusammengehörenden Gebiets wirkte sich nachteilig auf die wirtschaftliche Situation aus, denn die bayerisch gebliebenen Bewohner hatten mit der Stadt Salzburg unter anderem ihr bisheriges Zentrum für den Verkauf ihrer landwirtschaftlichen Produkte verloren. Von der neuen Grenzziehung war Laufen ganz besonders betroffen. Es war zwischen Bayern und Österreich aufgeteilt worden und die Stadtteile östlich der Salzach - [[Oberndorf bei Salzburg]] und [[Altach]] - wurden nun „Österreichisch-Laufen“ genannt. Die Errichtung der neuen Grenze leitete aber auch den Niedergang der bis dahin so wichtigen Salzschifffahrt ein. In den folgenden Jahren bis [[1822]] wurden dann die Diözesangrenzen an die Staatsgrenzen angeglichen. Der Rupertiwinkel und das bayerische Gebiet östlich des Inn, die seit jeher kirchlich zur Erzdiözese Salzburg gehört hatten,  fielen nun in die Zuständigkeit des Erzbistums München und Freising.
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Einen rasanten Aufschwung erlebte der kleine Ort [[Salzburghofen]] (später Freilassing), der nun als Grenzort zum Sitz eines Oberzollamtes wurde. Spätestens seit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke München – Salzburg – Wien (1860) war Freilassing als Grenzbahnhof und Verkehrsknotenpunkt auf dem besten Weg, die Wirtschaftsmetropole des Rupertiwinkels zu werden. Der Begriff „Rupertiwinkel“ für das ehemals salzburgische Gebiet entstand erst am Ende des 19. Jahrhunderts, als man sich verstärkt der Pflege des Geschichts- und Heimatbewusstseins widmete. Damals erhielten auch der Flachgau und der Tennengau ihre heutigen Namen in Anlehnung an die  mittelalterlichen Landschaftsbezeichnungen Pinzgau, Pongau und Lungau. Die später aufgekommene Bezeichnung „Rupertigau“ erinnert an die Vorliebe für Neuschöpfungen von Gau-Namen in der Zeit des Faschismus und trägt zusätzlich zur Verwirrung um das Wesen des altsalzburgischen Gebiets bei.
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Einen rasanten Aufschwung erlebte der kleine Ort Salzburghofen bzw. Freilassing, der nun als Grenzort zum Sitz eines Oberzollamtes wurde. Spätestens seit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke München–Salzburg–Wien (1860) war Freilassing als Grenzbahnhof und Verkehrsknotenpunkt auf dem besten Weg, die Wirtschaftsmetropole des Rupertiwinkels zu werden. Der Begriff „Rupertiwinkel“ für das ehemals salzburgische Gebiet entstand erst am Ende des 19. Jahrhunderts, als man sich verstärkt der Pflege des Geschichts- und Heimatbewusstseins widmete. Damals erhielten auch der Flachgau und der Tennengau ihre heutigen Namen in Anlehnung an die  mittelalterlichen Landschaftsbezeichnungen Pinzgau, Pongau und Lungau. Die später aufgekommene Bezeichnung „Rupertigau“ erinnert an die Vorliebe für Neuschöpfungen von Gau-Namen in der Zeit des Faschismus und trägt zusätzlich zur Verwirrung um das Wesen des altsalzburgischen Gebiets bei.
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=== Historische Grenzen ===
 
=== Historische Grenzen ===
Im [[20. Jahrhundert]] erfolgten mit der „Tausend-Mark-Sperre“,dem „Anschluß“ Österreichs an das Deutsche Reich  und der Wiedererrichtung der Grenze nach dem Kriegsende 1945 gravierende Umbrüche. Dieses Wechselspiel der Abgrenzung und Annäherung an Österreich erlebte der Rupertiwinkel in gleicher Weise, wie alle anderen Grenzgebiete. Allerdings ließ der damalige Salzburger Landeshauptmann [[Josef Rehrl]] (1947-1949) mit einer kuriosen Idee aufhorchen. Er forderte von Bayern die Rückgabe des  Rupertiwinkels an Salzburg. Und bei dieser Gelegenheit sollte  das Salzburger Land gleich bis zur Traun und an die Alz erweitert werden. Eine „historische Traungrenze“, die es in Wahrheit nie gegeben hat, sollte wieder hergestellt werden. Gleichzeitig strebte er die „Rückkehr“ Reichenhalls und des Berchtesgadener Landes an Salzburg an. Denn Rehrl ging fälschlich davon aus, dass Reichenhall und Berchtesgaden von 1254 bis 1810 zu Salzburg gehört hätten.
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Im [[20. Jahrhundert]] erfolgten mit der[[Tausend-Mark-Sperre]], dem [[Anschluss]] Österreichs an das Deutsche Reich  und der Wiedererrichtung der Grenze nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Kriegsende]] [[1945]] gravierende Umbrüche. Dieses Wechselspiel der Abgrenzung und Annäherung an Österreich erlebte der Rupertiwinkel in gleicher Weise, wie alle anderen Grenzgebiete. Allerdings ließ der damalige Salzburger Landeshauptmann [[Josef Rehrl]] (1947 - 1949) mit einer kuriosen Idee aufhorchen. Er forderte von Bayern die Rückgabe des  Rupertiwinkels an Salzburg. Und bei dieser Gelegenheit sollte  das Salzburger Land gleich bis zur Traun und an die Alz erweitert werden. Eine „historische Traungrenze“, die es in Wahrheit nie gegeben hat, sollte wieder hergestellt werden. Gleichzeitig strebte er die „Rückkehr“ Reichenhalls und des [[Berchtesgadener Land]]es an Salzburg an. Denn Rehrl ging fälschlich davon aus, dass Reichenhall und Berchtesgaden von 1254 bis 1810 zu Salzburg gehört hätten.  
 
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Als Anfang der Siebziger Jahre die Pläne für die Landkreisreform  veröffentlicht wurden, entzündete sich eine leidenschaftliche Diskussion um den zur Zerschlagung vorgesehenen Landkreis Laufen. Der Begriff Rupertiwinkel war nie zuvor so oft in den Zeitungen zu lesen gewesen, wie in jenen Tagen. In der Tat umfasste der Landkreis beinahe das gesamte ehemals salzburgische Gebiet. Die Gegner der Auflösung argumentierten damit, dass dieser historische Landstrich als gewachsene wirtschaftliche und kulturelle Einheit nicht geteilt werden dürfe. Das „Rupertiwinkel-Bewusstsein“ stand im Landkreis Laufen damals auf einem Höhepunkt, den es bis heute nicht wieder erreicht hat. Allerdings hat man dabei außer Acht gelassen, dass auch die heutigen Gemeinden Piding und Anger, sowie Heiligkreuz und Lindach (heute Stadt Trostberg)  zum Rupertiwinkel gehören, obwohl sie nicht im Landkreis Laufen lagen.
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Auch heute noch ist der Rupertiwinkel vor allem kulturell stark mit dem Salzburger Land verbunden. Als Beispiele sind unter anderem zu nennen das Aperschnalzen und weitere Brauchtumsformen, sowie die Bauform des „[[Salzburger Flachgauhof]]s". Sprachwissenschaftler orteten außerdem die letzten Reste des alten [[Salzburger Dialekt]]s im Gebiet des Rupertiwinkels. Der Beitritt Österreichs zur Europäischen Union und das Inkrafttreten des Schengener Abkommens haben die Pflege der  Verbindungen zwischen dem Rupertiwinkel und dem Land Salzburg wesentlich erleichtert. Auch die EuRegio Salzburg-Berchtesgadener Land-Traunstein leistet in dieser Hinsicht wertvolle Arbeit.
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==Lage==
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Als Anfang der [[1970er]]-Jahre die Pläne für die Landkreisreform  veröffentlicht wurden, entzündete sich eine leidenschaftliche Diskussion um den zur Zerschlagung vorgesehenen Landkreis Laufen. Der Begriff Rupertiwinkel war nie zuvor so oft in den Zeitungen zu lesen gewesen, wie in jenen Tagen. In der Tat umfasste der Landkreis beinahe das gesamte ehemals salzburgische Gebiet. Die Gegner der Auflösung argumentierten damit, dass dieser historische Landstrich als gewachsene wirtschaftliche und kulturelle Einheit nicht geteilt werden dürfe. Das „Rupertiwinkel-Bewusstsein“ stand im Landkreis Laufen damals auf einem Höhepunkt, den es bis heute nicht wieder erreicht hat. Allerdings hat man dabei außer Acht gelassen, dass auch die heutigen Gemeinden Piding und Anger, sowie Heiligkreuz und Lindach (heute Stadt Trostberg)  zum Rupertiwinkel gehören, obwohl sie nicht im Landkreis Laufen lagen.  
Der {{PAGENAME}} erstreckt sich über die alten Gerichtsbezirke von [[1810]] und reicht von [[Piding]], entlang der [[Saalach]] nach [[Freilassing]] nach Norden über Laufen an der Salzach entlang der Salzach bis Tittmoning, weiter über [[Palling]] in das Gebiet der Marktgemeinde [aging am See, St. Leonhard am Wonneberg, das Gebiet der Marktgemeinde Teisendorf, genau über den [[Staufen]] bis [[Schloss Staufeneck]] und wieder zurück nach Piding.  
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Die hügelige Voralpenlandschaft ist von bäuerlicher Struktur geprägt. Drei Seen sind in sie eingebettet: der Tachinger See, der Waginger See und der [[Abtsdorfer See]].
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Auch heute noch ist der Rupertiwinkel vor allem kulturell stark mit dem Salzburger Land verbunden. Als Beispiele sind unter anderem zu nennen das Aperschnalzen und weitere Brauchtumsformen, sowie die Bauform des „[[Salzburger Flachgauhof]]s". Sprachwissenschaftler orteten außerdem die letzten Reste des alten [[Salzburger Dialekt]]s im Gebiet des Rupertiwinkels. Der Beitritt Österreichs zur Europäischen Union und das Inkrafttreten des Schengener Abkommens haben die Pflege der Verbindungen zwischen dem Rupertiwinkel und dem Land Salzburg wesentlich erleichtert. Auch [[EuRegio Salzburg - Berchtesgadener Land - Traunstein]] leistet in dieser Hinsicht wertvolle Arbeit.
    
==Bekannte Orte und Sehenswürdigkeiten==
 
==Bekannte Orte und Sehenswürdigkeiten==
* Orte: [[Ainring]], [[Anger]], [[Freilassing]], [[Fridolfing]], [[Laufen an der Salzach|Laufen]], [[Palling]], [[Petting]], [[Piding]], [[Saaldorf-Surheim]], [[Teisendorf]], [[Tengling]], [[Tittmoning]], [[Waging am See]],  
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* Orte: [[Ainring]], [[Anger]], Freilassing, [[Fridolfing]], [[Laufen an der Salzach]], Palling, [[Petting]], Piding, [[Saaldorf-Surheim]], Teisendorf, [[Tengling]], Tittmoning, Waging am See,  
    
* Sehenswürdigkeiten:
 
* Sehenswürdigkeiten: