| − | Durch den Frankfurter Vertrag kam das Land Salzburg am 19. September 1810 zusammen mit der ehemaligen Fürstpropstei Berchtesgaden an das Königreich Bayern. Es wurde dem bereits 1808 geschaffenen Salzachkreis mit der Hauptstadt Burghausen angegliedert. Den Verwaltungssitz verlegte man dabei nach Salzburg. Geführt wurde die Verwaltung des Salzachkreises vom Generalgouverneur Kronprinz Ludwig von Bayern, dem späteren König Ludwig I., welcher im Schloss Mirabell residierte. Der Salzachkreis war einer der neun bayerischen Verwaltungsbezirke, der neben altbayerischen Gebieten das Land Salzburg, einen Teil Oberösterreichs (darunter das südliche Innviertel) und das Landgericht Kitzbühel in Tirol umfasste. Die neue Staatszugehörigkeit und die damit verbundenen einschneidenden Veränderungen wurden aber vor allem von der Bevölkerung im Gebirge abgelehnt. Diese projizierte ihren Reichspatriotismus auf den österreichischen Kaiser Franz I., der zuvor als Franz II. Kaiser des 1806 untergegangenen „Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation“ gewesen war. Zudem hatten in der österreichischen Zeit von 1806 bis 1809 die Behörden im Land selbst kaum Veränderungen vorgenommen. Die Beibehaltung des so genannten „alten Herkommens“ war den Bauern weitaus lieber als die Reformflut der bayerischen Verwaltung. In der Stadt Salzburg machten sich die Bayern unter anderem durch die Auflösung der Landstände und der Universität unbeliebt. Dabei dürfte der Anschluss an Bayern anfangs im Flachen Land weitgehend akzeptiert und in der Stadt sogar begrüßt worden sein. In der Stadt Salzburg waren nämlich private Transparente mit Aufschriften wie etwa „Retour nach Baiern“ zu lesen und die Salzburger Zeitung erblickte den Tag, „...wo uns der Zeitenlauf wieder zu dem alten Vaterhause bringt, dem wir einst angehörten“. Die rücksichtslose Durchsetzung der Reformen im Sinne des Grafen Montgelas jedoch ließ die Sympathie für den Verbleib bei Bayern drastisch schwinden. Ziel des zentralistischen Staates wares, durch die vollständige Löschung der alten Strukturen und jeglicher Eigenart, ein nur nach verwaltungstechnischen Gesichtspunkten gestaltetes Land zu schaffen. Den Salzburgern drohte damit der Verlust ihrer Identität. | + | Durch den Frankfurter Vertrag kam das Land Salzburg am 19. September 1810 zusammen mit der ehemaligen [[Fürstpropstei Berchtesgaden]] an das Königreich Bayern. Es wurde dem bereits [[1808]] geschaffenen Salzachkreis mit der Hauptstadt Burghausen angegliedert. Den Verwaltungssitz verlegte man dabei nach Salzburg. Geführt wurde die Verwaltung des Salzachkreises vom Generalgouverneur Kronprinz Ludwig von Bayern, dem späteren König Ludwig I., welcher im [[Schloss Mirabell]] residierte. Der Salzachkreis war einer der neun bayerischen Verwaltungsbezirke, der neben altbayerischen Gebieten das Land Salzburg, einen Teil Oberösterreichs (darunter das südliche Innviertel) und das Landgericht Kitzbühel in Tirol umfasste. Die neue Staatszugehörigkeit und die damit verbundenen einschneidenden Veränderungen wurden aber vor allem von der Bevölkerung im Gebirge abgelehnt. Diese projizierte ihren Reichspatriotismus auf den österreichischen Kaiser Franz I., der zuvor als Franz II. Kaiser des 1806 untergegangenen „Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation“ gewesen war. Zudem hatten in der österreichischen Zeit von 1806 bis 1809 die Behörden im Land selbst kaum Veränderungen vorgenommen. Die Beibehaltung des so genannten „alten Herkommens“ war den Bauern weitaus lieber als die Reformflut der bayerischen Verwaltung. In der Stadt Salzburg machten sich die Bayern unter anderem durch die Auflösung der Landstände und der Universität unbeliebt. Dabei dürfte der Anschluss an Bayern anfangs im Flachen Land weitgehend akzeptiert und in der Stadt sogar begrüßt worden sein. In der Stadt Salzburg waren nämlich private Transparente mit Aufschriften wie etwa „Retour nach Baiern“ zu lesen und die Salzburger Zeitung erblickte den Tag, „...wo uns der Zeitenlauf wieder zu dem alten Vaterhause bringt, dem wir einst angehörten“. Die rücksichtslose Durchsetzung der Reformen im Sinne des Grafen Montgelas jedoch ließ die Sympathie für den Verbleib bei Bayern drastisch schwinden. Ziel des zentralistischen Staates wares, durch die vollständige Löschung der alten Strukturen und jeglicher Eigenart, ein nur nach verwaltungstechnischen Gesichtspunkten gestaltetes Land zu schaffen. Den Salzburgern drohte damit der Verlust ihrer Identität. |
| | + | In den folgenden Jahren erfolgten der Ausbau von Straßen, die Einführung der staatlichen Post und Neuerungen in der Landwirtschaft. Das Schul- und Bildungswesen und die medizinische Versorgung wurden verbessert. Als Beweis für die Leistungsfähigkeit der damaligen bayerischen Verwaltung kann folgendes Beispiel gelten: Im Jahr 2009 wurden in der Stadt Salzburg erstmals offiziell die Grenzen der Stadtteile genau festgelegt und die Grundlage für diese Einteilung stammt aus der Zeit der bayerischen Herrschaft. Schwere Belastungen für die Bevölkerung aber stellten die Erhöhung von Steuern und Abgaben sowie die Truppenaushebungen dar. Trotz der kriegerischen Ereignisse kümmerte man sich um kulturelle Angelegenheiten: Die Bayerische Akademie der Wissenschaften begann 1815 mit der Ausgrabung der bekannten römischen Palastvilla in [[Loig]]. (Die österreichischen Aktivitäten auf diesem Gebiet nach 1816 beschränkten sich auf den Abtransport des berühmten Theseus-Mosaiks nach Wien.) Nachdem sich Bayern dem Bündnis von Preußen, Russland und Österreich gegen Napoleon angeschlossen hatte, forderte Österreich das Salzburger Land und seine anderen ehemaligen Gebiete zurück. Nach langwierigen Verhandlungen zwischen Kaiser Franz I. und Kronprinz Ludwig in Wien verzichtete Bayern schließlich auf Salzburg. Vor der Übergabe an Österreich aber wurde das Land noch ausgeplündert. Öffentliche Gebäude und Staatsbesitz verkaufte man und die ohnehin nur noch wenigen vorhandenen Kunstschätze wurden nach München gebracht. |
| − | In den folgenden Jahren erfolgten der Ausbau von Straßen, die Einführung der staatlichen Post und Neuerungen in der Landwirtschaft. Das Schul- und Bildungswesen und die medizinische Versorgung wurden verbessert. Als Beweis für die Leistungsfähigkeit der damaligen bayerischen Verwaltung kann folgendes Beispiel gelten: Im Jahr 2009 wurden in der Stadt Salzburg erstmals offiziell die Grenzen der Stadtteile genau festgelegt und die Grundlage für diese Einteilung stammt aus der Zeit der bayerischen Herrschaft. Schwere Belastungen für die Bevölkerung aber stellten die Erhöhung von Steuern und Abgaben sowie die Truppenaushebungen dar. Trotz der kriegerischen Ereignisse kümmerte man sich um kulturelle Angelegenheiten: Die Bayerische Akademie der Wissenschaften begann 1815 mit der Ausgrabung der bekannten römischen Palastvilla in Loig. (Die österreichischen Aktivitäten auf diesem Gebiet nach 1816 beschränkten sich auf den Abtransport des berühmten Theseus-Mosaiks nach Wien.) Nachdem sich Bayern dem Bündnis von Preußen, Russland und Österreich gegen Napoleon angeschlossen hatte, forderte Österreich das Salzburger Land und seine anderen ehemaligen Gebiete zurück. Nach langwierigen Verhandlungen zwischen Kaiser Franz I. und Kronprinz Ludwig in Wien verzichtete Bayern schließlich auf Salzburg. Vor der Übergabe an Österreich aber wurde das Land noch ausgeplündert. Öffentliche Gebäude und Staatsbesitz verkaufte man und die ohnehin nur noch wenigen vorhandenen Kunstschätze wurden nach München gebracht.
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| | Durch den [[Münchner Vertrag]] fiel das Land Salzburg am [[1. Mai]] [[1816]] wieder an Österreich zurück – allerdings nicht zur Gänze: Mit den Ämtern Waging, Tittmoning, Laufen und Teisendorf auf der linken Seite von Salzach und Saalach blieb das Gebiet des heutigen Rupertiwinkels bei Bayern. Die Trennung des über Jahrhunderte zusammengehörenden Gebiets wirkte sich nachteilig auf die wirtschaftliche Situation aus, denn die bayerisch gebliebenen Bewohner hatten mit der Stadt Salzburg unter anderem ihr bisheriges Zentrum für den Verkauf ihrer landwirtschaftlichen Produkte verloren. Von der neuen Grenzziehung war Laufen ganz besonders betroffen. Es war zwischen Bayern und Österreich aufgeteilt worden und die Stadtteile östlich der Salzach - Oberndorf und Altach - wurden nun „Österreichisch-Laufen“ genannt. Die Errichtung der neuen Grenze leitete aber auch den Niedergang der bis dahin so wichtigen Salzschifffahrt ein. In den folgenden Jahren bis 1822 wurden dann die Diözesangrenzen an die Staatsgrenzen angeglichen. Der Rupertiwinkel und das bayerische Gebiet östlich des Inn, die seit jeher kirchlich zur Erzdiözese Salzburg gehört hatten, fielen nun in die Zuständigkeit des Erzbistums München und Freising. | | Durch den [[Münchner Vertrag]] fiel das Land Salzburg am [[1. Mai]] [[1816]] wieder an Österreich zurück – allerdings nicht zur Gänze: Mit den Ämtern Waging, Tittmoning, Laufen und Teisendorf auf der linken Seite von Salzach und Saalach blieb das Gebiet des heutigen Rupertiwinkels bei Bayern. Die Trennung des über Jahrhunderte zusammengehörenden Gebiets wirkte sich nachteilig auf die wirtschaftliche Situation aus, denn die bayerisch gebliebenen Bewohner hatten mit der Stadt Salzburg unter anderem ihr bisheriges Zentrum für den Verkauf ihrer landwirtschaftlichen Produkte verloren. Von der neuen Grenzziehung war Laufen ganz besonders betroffen. Es war zwischen Bayern und Österreich aufgeteilt worden und die Stadtteile östlich der Salzach - Oberndorf und Altach - wurden nun „Österreichisch-Laufen“ genannt. Die Errichtung der neuen Grenze leitete aber auch den Niedergang der bis dahin so wichtigen Salzschifffahrt ein. In den folgenden Jahren bis 1822 wurden dann die Diözesangrenzen an die Staatsgrenzen angeglichen. Der Rupertiwinkel und das bayerische Gebiet östlich des Inn, die seit jeher kirchlich zur Erzdiözese Salzburg gehört hatten, fielen nun in die Zuständigkeit des Erzbistums München und Freising. |