Kobler-Spängler-Briefe von 1870: Unterschied zwischen den Versionen
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==== Brief vom 18. April 1870 von der Mutter Antonia Lürzer von Zechenthal (* 1803; † 1882), verheiratete Spängler, an den Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ==== | ==== Brief vom 18. April 1870 von der Mutter Antonia Lürzer von Zechenthal (* 1803; † 1882), verheiratete Spängler, an den Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ==== | ||
Brief von [[Antonia Lürzer von Zechenthal]]; ein Bogen, verblasste Tinte; / = Seitenwechsel; Groß- und Kleinbuchstaben an manchen Stellen nicht zu unterscheiden, bes. bei d und h; mehrere (für mich) unleserliche XX Wörter und fragliche [?] Stellen<ref>Man kann sich, abgesehen von der "deutschen" Schrift, in eine Handschrift "einlesen", aber manche Probleme bleiben: Hier ungeregelte Rechtschreibung (aufgrund mangelhafter Schulbildung?) z. B. in der Verdoppelung von Buchstaben ("Sammstag") bzw. das Gegenteil ("Sontag", "vieleicht"). Es gibt viele Flüchtigkeiten, die Unterschiede zwischen "r", "e" und "n", zwischen "d" und "h", ebenso zwischen "P", "K" und "R" verschwimmen lassen und, gravierend, Unsicherheiten bei der Schreibung von Eigennamen. Ich [ | Brief von [[Antonia Lürzer von Zechenthal]]; ein Bogen, verblasste Tinte; / = Seitenwechsel; Groß- und Kleinbuchstaben an manchen Stellen nicht zu unterscheiden, bes. bei d und h; mehrere (für mich) unleserliche XX Wörter und fragliche [?] Stellen<ref>Man kann sich, abgesehen von der "deutschen" Schrift, in eine Handschrift "einlesen", aber manche Probleme bleiben: Hier ungeregelte Rechtschreibung (aufgrund mangelhafter Schulbildung?) z. B. in der Verdoppelung von Buchstaben ("Sammstag") bzw. das Gegenteil ("Sontag", "vieleicht"). Es gibt viele Flüchtigkeiten, die Unterschiede zwischen "r", "e" und "n", zwischen "d" und "h", ebenso zwischen "P", "K" und "R" verschwimmen lassen und, gravierend, Unsicherheiten bei der Schreibung von Eigennamen. Ich, [[Otto Holzapfel]], versuche so buchstabengetreu wie möglich zu übertragen. Bei "e" und "n" habe ich übertragen, wie es sprachlich korrekt wäre. Auffällig bleibt das Fehlen eines "m" für den Dativ. Stillschweigend übernommen wird der Verdoppelungsstrich über "m" und "n" als Doppelbuchstabe, zumeist auch der Verkürzungsschlenker am Zeilenende. Belassen wird generell die mangelhafte bzw. regellose Zeichensetzung. Bei Auffälligkeiten wird zuweilen ein [!] eingefügt und versuchsweise werden Wörter oder Wortteile in eckigen Klammern ergänzt. Weitere Hinweise stehen bei den einzelnen Briefen.</ref>:<br /> | ||
''Salzburg den 18/4 [18]70. Mein inigst geliebter Franz! Mit großer Sehnsucht wartete ich amm [!] Sammstag [!] [auf] deinen Brief welchen ich auch richtig um 12 Uhr erhielt, gottlob das es dir gut geht, aber was ich fürchte, das du in allen hübsch hoch hinauf kömmst indem schon das Zimmer so theuer ist. Ich danke dir recht sehr für deine Glückwünsche zum Geburtstag der liebe Gott möge sie erfühlen und mir seinen Heil. Segen angedeihen lassen. Jeden Tag bist du lieber Franz mein erster gedanke und jeden Tag bethe ich für dich das dich der liebe Gott von allen Unglück bewahre, ich bin begierig zu hören wie es dir mit der Kost geht wie mit Frühstück ob du es selbst machst, oder ob du Frühstüken gehst. / Ob du die Oster Feyertag in Wien zugebracht hast? Heute habe ich mit Herrn von Weinwurm<ref>Stanislaus Weinwurm, der Vater von Marie Weinwurm (* 1839; † 1911), 1863 verheiratet mit Rudolf Spängler (* 1830; † 1895); auch im Brief vom 26. Juli 1870 erwähnt</ref> gesprochen er freut sich dich öfter in Wien zu sehen. Ich habe ihm bey den Rudolf Spängler gesehen. Es sind jetzt mehrere Wiener hier wenn du nothwendig etwas brauchst, so schreibe es gleich ich werde es dan schon durch einen oder den anderen schücken, und zwar, an Fenzl Artur abgeben lassen. Kaum bist du 8 Tage fort, so hat sich schon allerley zu getragen am Char Sonntag'' [17. April 1870] ''hat sich der gnaziadai [?] erschoschen [? -ssen] welcher das Oberste Moos<ref>[[Obermoos]]?</ref> bad hat. am Oster Sontag Vormittag drei [der?] Schmmit''<ref>[[Carl Schmidt (Eisenwarenkaufmann)]], * 1839; † durch Suizid am 17. April 1870</ref> ''bey Stainen [?], kanst dir denken das gerade von denen Leuten alles geulte [? gel-] dem Saulich die Schuld, die Pepi Saulich ist ganz krank. Ein Bäurin bey Hallein hat sich auch gestern erhängt, da musste der Boseorin [?] hinauf / donnerstag kam Schumacher hier an und am Sammstag Abends wurde die Verlobung gefeyert Ich denke du hast gewiß auch eine Anzeige bekommen. gestern und Heute ging die Mama mit ihnen zu denen nächsten Verwandten hin auf zuführen. Ich wolte heute dort meinen Besuch machen aber die Verlobten sah ich eben in unserm Hauß da sagte mir die Zeller sie seyen dieser Tage nun bestimmt zu treffen, weil sie viele Besuche zu machen hat. | ''Salzburg den 18/4 [18]70. Mein inigst geliebter Franz! Mit großer Sehnsucht wartete ich amm [!] Sammstag [!] [auf] deinen Brief welchen ich auch richtig um 12 Uhr erhielt, gottlob das es dir gut geht, aber was ich fürchte, das du in allen hübsch hoch hinauf kömmst indem schon das Zimmer so theuer ist. Ich danke dir recht sehr für deine Glückwünsche zum Geburtstag der liebe Gott möge sie erfühlen und mir seinen Heil. Segen angedeihen lassen. Jeden Tag bist du lieber Franz mein erster gedanke und jeden Tag bethe ich für dich das dich der liebe Gott von allen Unglück bewahre, ich bin begierig zu hören wie es dir mit der Kost geht wie mit Frühstück ob du es selbst machst, oder ob du Frühstüken gehst. / Ob du die Oster Feyertag in Wien zugebracht hast? Heute habe ich mit Herrn von Weinwurm<ref>Stanislaus Weinwurm, der Vater von Marie Weinwurm (* 1839; † 1911), 1863 verheiratet mit Rudolf Spängler (* 1830; † 1895); auch im Brief vom 26. Juli 1870 erwähnt</ref> gesprochen er freut sich dich öfter in Wien zu sehen. Ich habe ihm bey den Rudolf Spängler gesehen. Es sind jetzt mehrere Wiener hier wenn du nothwendig etwas brauchst, so schreibe es gleich ich werde es dan schon durch einen oder den anderen schücken, und zwar, an Fenzl Artur abgeben lassen. Kaum bist du 8 Tage fort, so hat sich schon allerley zu getragen am Char Sonntag'' [17. April 1870] ''hat sich der gnaziadai [?] erschoschen [? -ssen] welcher das Oberste Moos<ref>[[Obermoos]]?</ref> bad hat. am Oster Sontag Vormittag drei [der?] Schmmit''<ref>[[Carl Schmidt (Eisenwarenkaufmann)]], * 1839; † durch Suizid am 17. April 1870</ref> ''bey Stainen [?], kanst dir denken das gerade von denen Leuten alles geulte [? gel-] dem Saulich die Schuld, die Pepi Saulich ist ganz krank. Ein Bäurin bey Hallein hat sich auch gestern erhängt, da musste der Boseorin [?] hinauf / donnerstag kam Schumacher hier an und am Sammstag Abends wurde die Verlobung gefeyert Ich denke du hast gewiß auch eine Anzeige bekommen. gestern und Heute ging die Mama mit ihnen zu denen nächsten Verwandten hin auf zuführen. Ich wolte heute dort meinen Besuch machen aber die Verlobten sah ich eben in unserm Hauß da sagte mir die Zeller sie seyen dieser Tage nun bestimmt zu treffen, weil sie viele Besuche zu machen hat. | ||