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| | === September 2022: Unternehmen erneut in Konkurs === | | === September 2022: Unternehmen erneut in Konkurs === |
| − | Das [[Landesgericht Salzburg]] hatte am Freitag, [[2. September]] 2022, das Konkursverfahren über die Gaissau Hintersee Bergbahnen GmbH mit Sitz in Krispl-Gaißau eröffnet - über Eigenantrag. Die Verbindlichkeiten betragen 1,2 Mill. Euro. Von der Insolvenz sind 85 Gläubiger betroffen. Rechtsanwalt Wolfgang Hochsteger wurde - wie schon beim letzten Mal - zum Masseverwalter bestellt. | + | Das [[Landesgericht Salzburg]] hatte am Freitag, [[2. September]] 2022, das Konkursverfahren über die Gaissau Hintersee Bergbahnen GmbH mit Sitz in Krispl-Gaißau eröffnet - über Eigenantrag. Die Verbindlichkeiten betrugen 1,2 Mill. Euro. Von der Insolvenz waren 85 Gläubiger betroffen. Rechtsanwalt Wolfgang Hochsteger wurde - wie schon beim letzten Mal - zum Masseverwalter bestellt. |
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| − | Das Skigebiet schlitterte nicht zum ersten Mal in die Pleite: Schon am [[16. Jänner]] [[2017]] war ein Sanierungsverfahren eröffnet worden. Damals waren rund 90 Gläubiger mit anerkannten Forderungen von rund 2,6 Mill. Euro betroffen. Beendet wurde das Verfahren mit der Annahme einer Sanierungsplanquote von 30 Prozent, die auch erfüllt wurde. Dieser Insolvenz folgte neuerlich ein Konkursverfahren der [[Gaißauer Bergbahn GmbH]], das mit [[24. Oktober]] [[2019]] eröffnet wurde. Damals waren rund 40 Gläubiger betroffen, mit anerkannten Forderungen von rund 550.000 Euro. Dieses Verfahren wurde mit einer Verteilungsquote von rund 54 Prozent beendet.
| + | Die Betreibergesellschaft der Liftanlagen des Skigebiets Hintersee-Gaissau schlitterte nicht zum ersten Mal in die Pleite. Schon am [[16. Jänner]] [[2017]] war ein Sanierungsverfahren über die frühere Betreibergesellschaft [[Gaißauer Bergbahn GmbH]] eröffnet worden. Damals waren rund 90 Gläubiger mit anerkannten Forderungen von rund 2,6 Mill. Euro betroffen. Beendet wurde das Verfahren mit der Annahme einer Sanierungsplanquote von 30 Prozent, die auch erfüllt wurde. Dieser Insolvenz folgte neuerlich ein Konkursverfahren der "Gaißauer Bergbahn GmbH", das mit [[24. Oktober]] [[2019]] eröffnet wurde. Damals waren rund 40 Gläubiger betroffen, mit anerkannten Forderungen von rund 550.000 Euro. Dieses Verfahren wurde mit einer Verteilungsquote von rund 54 Prozent beendet. Es entstand die "Gaißau Hintersee Bergbahnen GmbH" |
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| − | Die Forderungen gegenüber der insolventen Gaißau Hintersee Bergbahnen GmbH betrugen laut Kreditschutzverband von 1870 rund 4,8 Millionen Euro. Forderungen in dieser Gesamthöhe haben Gläubiger angemeldet. Am [[14. November]] 2022 fand am [[Salzburger Landesgericht]] die Prüfungstagsatzung statt. Laut KSV1870 sind 71 Gläubiger betroffen.<ref>[https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/skigebiet-gaissau-hintersee-gaissau-konkurs-71-glaeubiger-betroffen-4-8-millionen-euro-an-forderungen-129796366 www.sn.at], 14. November 2022</ref> | + | Die Forderungen gegenüber der nunmehr ebenfalls insolventen "Gaißau Hintersee Bergbahnen GmbH" betrugen laut Kreditschutzverband von 1870 rund 4,8 Millionen Euro. Forderungen in dieser Gesamthöhe hatten Gläubiger angemeldet. Am [[14. November]] 2022 fand am [[Salzburger Landesgericht]] die Prüfungstagsatzung statt. Laut KSV1870 waren 71 Gläubiger betroffen.<ref>[https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/skigebiet-gaissau-hintersee-gaissau-konkurs-71-glaeubiger-betroffen-4-8-millionen-euro-an-forderungen-129796366 www.sn.at], 14. November 2022</ref> |
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| | ==== Nächtlicher Versuch des Abtransports einer Pistenraupe sorgte für Aufregung ==== | | ==== Nächtlicher Versuch des Abtransports einer Pistenraupe sorgte für Aufregung ==== |
| − | Für Aufregung sorgte der Versuch des Ex-Geschäftsführer Bernhard Eibl, der am Freitagabend, den [[2. September]] 2022, bei Dunkelheit eine Pistenraupe der Bergbahnen abtransportieren wollte. Einheimische filmten um 21:27 Uhr den Abtransport per Handy und informierten die Polizei. Unmittelbar nach dem Ortsende von Gaißau stoppten Einheimische den Lkw-Fahrer der Firma Eibl. Eine Polizeistreife kam hinzu und ordnete das Abstellen des Lkw neben der Krispler Landesstraße an, bis die Sache geklärt sei. | + | Für Aufregung sorgte der Versuch des Ex-Geschäftsführer Bernhard Eibl, der am Freitagabend, den [[2. September]] 2022, bei Dunkelheit eine Pistenraupe der Bergbahnen abtransportieren wollte. Einheimische filmten um 21:27 Uhr den Abtransport per Handy und informierten die Polizei. Unmittelbar nach dem Ortsende von Gaißau stoppten Einheimische den Lkw-Fahrer der Firma Eibl. Eine Polizeistreife kam hinzu und ordnete das Abstellen des Lkw neben der [[Krispler Landesstraße]] an, bis die Sache geklärt sei. |
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| − | Masseverwalter Wolfgang Hochsteger sprach zunächst von einem klar rechtswidrigen Schritt. So etwas sei zu unterlassen. Eibl rechtfertigte sich, dass die Pistenraupe geleast sei und von der Leasingfirma eingezogen worden sei, der Abholauftrag liege vor. "Wir sind nur die Frächter." Das Inkassounternehmen, das von der Leasinggesellschaft mit dem Einkassieren der Pistenraupe beauftragt wurde, bestätigte Eibls Version: Man habe ihn als örtlichen Transportunternehmer mit der Abholung beauftragt - und zwar schon vor zwei Wochen, da die Bergbahnen die Leasingraten für zwei Pistenfahrzeuge nicht bezahlt hätten. Schon am Samstagnachmittag war die Pistenraupe von der [[Krispler Landesstraße]] wieder verschwunden. Am Sonntag sagte Masseverwalter Wolfgang Hochsteger den SN, er habe mit Eibl Kontakt aufgenommen und die Pistenraupe ist jetzt in einer seiner Lagerhallen abgestellt. | + | Masseverwalter Wolfgang Hochsteger sprach zunächst von einem klar rechtswidrigen Schritt. So etwas sei zu unterlassen. Eibl rechtfertigte sich, dass die Pistenraupe geleast sei und von der Leasingfirma eingezogen worden sei, der Abholauftrag liege vor. "Wir sind nur die Frächter." Das Inkassounternehmen, das von der Leasinggesellschaft mit dem Einkassieren der Pistenraupe beauftragt wurde, bestätigte Eibls Version: Man habe ihn als örtlichen Transportunternehmer mit der Abholung beauftragt - und zwar schon vor zwei Wochen, da die Bergbahnen die Leasingraten für zwei Pistenfahrzeuge nicht bezahlt hätten. Schon am Samstagnachmittag war die Pistenraupe von der Krispler Landesstraße wieder verschwunden. Am Sonntag sagte Masseverwalter Wolfgang Hochsteger den [[SN]], er habe mit Eibl Kontakt aufgenommen und die Pistenraupe ist jetzt in einer seiner Lagerhallen abgestellt. |
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| | Was den Polizeieinsatz am Freitagabend betrifft, so hieß es am Sonntag von der Polizeipressestelle, dass es jedenfalls eine Anzeige aufgrund eines Verkehrsdelikts geben werde. Denn so wie die Pistenraupe per Lkw transportiert worden sei, hätte sie nicht transportiert werden dürfen. Für das Befahren einer öffentlichen Straße sei der Transport in jedem Fall zu breit gewesen, sagt eine Sprecherin. Es könne sein, dass die Genehmigung für einen Sondertransport vorgelegen habe. Dann aber hätte der Transport auch anders vonstatten gehen müssen, sprich, dafür seien andere Vorkehrungen zu treffen.<ref>[https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/tauziehen-um-skigebiet-gaissau-masseverwalter-muss-sich-durch-die-unterlagen-wuehlen-126579409 www.sn.at], 5. September 2022</ref> | | Was den Polizeieinsatz am Freitagabend betrifft, so hieß es am Sonntag von der Polizeipressestelle, dass es jedenfalls eine Anzeige aufgrund eines Verkehrsdelikts geben werde. Denn so wie die Pistenraupe per Lkw transportiert worden sei, hätte sie nicht transportiert werden dürfen. Für das Befahren einer öffentlichen Straße sei der Transport in jedem Fall zu breit gewesen, sagt eine Sprecherin. Es könne sein, dass die Genehmigung für einen Sondertransport vorgelegen habe. Dann aber hätte der Transport auch anders vonstatten gehen müssen, sprich, dafür seien andere Vorkehrungen zu treffen.<ref>[https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/tauziehen-um-skigebiet-gaissau-masseverwalter-muss-sich-durch-die-unterlagen-wuehlen-126579409 www.sn.at], 5. September 2022</ref> |
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| − | ==== Situation Ende Jänner 2023 ==== | + | ==== Situation 2023 ==== |
| − | Von den angemeldeten Forderungen in der Höhe von 5,2 Millionen Euro hatte Masseverwalter Wolfgang Hochsteger den Großteil nicht anerkannt. 3,4 Millionen Euro waren strittig, darunter Steuer- und Abgabenvorschreibungen. Die Vermögenswerte der Bergbahnen waren überschaubar. Ihr gehörten die Liftanlagen, die zwischen 1970 und 1996 errichtet wurden. Den größten Wert dürfte das 3 700 Quadratmeter große Grundstück haben, auf dem die Talstation des Doppelsessellifts und das Kassengebäude stehen. Es ist mit 404.000 Euro bewertet und soll nun verkauft werden. Ein Interessent war die Gemeinde [[Krispl]].<ref>[https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/gaissau-hintersee-gemeinde-will-die-talstation-kaufen-133040638 www.sn.at], 25. Jänner 2023</ref> | + | Von den angemeldeten Forderungen in der Höhe von 5,2 Millionen Euro hatte Masseverwalter Wolfgang Hochsteger den Großteil nicht anerkannt. 3,4 Millionen Euro waren strittig, darunter Steuer- und Abgabenvorschreibungen. Die Vermögenswerte der Bergbahnen waren überschaubar. Ihr gehörten die Liftanlagen, die zwischen [[1970]] und [[1996]] errichtet wurden. Den größten Wert dürfte das 3 700 Quadratmeter große Grundstück haben, auf dem die Talstation des Doppelsessellifts und das Kassengebäude stehen. Es ist mit 404.000 Euro bewertet und soll nun verkauft werden. Ein Interessent war die Gemeinde [[Krispl]].<ref>[https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/gaissau-hintersee-gemeinde-will-die-talstation-kaufen-133040638 www.sn.at], 25. Jänner 2023</ref> |
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| | + | Im März [[2023]] zog die Gemeinde Krispl ihr Kaufangebot zurück und ein neuer Kaufinteressent trat in Erscheinung. Es ist eine Bietergemeinschaft der Gemeinde Krispl mit der "Schnaitmann Holz GmbH". Deren Geschäftsführer ist Andreas Schnaitmann, seines Zeichens Bezirksobmann des Tennengauer Wirtschaftsbunds und [[ÖVP]]-[[Gemeinderat]] in Krispl. Das Anbot beläuft sich auf 410.000 Euro für die Talstation sowie 40.000 Euro für die Liftanlagen. Eine Nachverhandlung oder Erhöhung werden ausgeschlossen. Schnaitmann war bereits nach dem Konkurs 2019 mit einem Partner aus dem Almtal (OÖ.) um das Skigebiet bemüht. Damals erhielten aber der Abbruchunternehmer Bernhard Eibl und sein damaliger Geschäftspartner Berthold Lindner den Zuschlag. |
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| | + | Das vorliegende Angebot der Gemeinde Krispl und der "Schnaitmann Holz GmbH" sei das einzige für die Fortführung des Skigebiets. Für die Liegenschaft gebe es noch das Angebot eines benachbarten Landwirts. Finanziell lägen beide sehr nah beieinander. Für die Liftanlagen habe "eine seriöse Firma" ein Angebot für den Abbau der Lifte gestellt. Der nächste Schritt im Verfahren sei nun ein Termin mit dem Gläubigerausschuss. Dass dort bereits eine Entscheidung fallen könnte, bezweifelt Hochsteger: "Da wird es sicher Diskussionen geben. Die Angelegenheit ist komplex." |
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| | + | Dem Angebot der Gemeinde Krispl und der Schnaitmann Holz GmbH liegt übrigens ein Unterstützungsschreiben der Gemeinden [[Adnet]], [[Krispl]], [[Fuschl am See]], [[Hintersee (Ort)|Hintersee]] und [[Faistenau]] bei, in dem auch finanzielle Hilfen in Aussicht gestellt werden.<ref>{{Quelle SN|18. März 2023}}</ref> |
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