Änderungen

K
Textersetzung - „““ durch „"“
Zeile 5: Zeile 5:  
===Schießen ohne Institutionalisierung als Brauch===
 
===Schießen ohne Institutionalisierung als Brauch===
   −
Zur historischen Gliederung des Prangerstutzenschützenwesens im Allgemeinen lassen sich fünf Zeitphasen feststellen. Die erste Phase ist jene des Schießens ohne Institutionalisierung als [[Brauch]] innerhalb des religiösen und weltlichen Brauchkomplexes. Diese Zeit erstreckte sich bis zum [[Fürsterzbischof]] [[Hieronymus Graf Colloredo|Colloredo]], welcher die [[barock]]e, prunkvolle und gleichsam "ruinöse“ Feierkultur beendete und damit die Aufklärung in Salzburg Einzug nahm (Generaldekrete von [[1785]]). Die Anfänge der Ebenauer Prangerschützen sind und werden im Dunkeln bleiben, dennoch lässt sich durch die verdichteten Beweise vom Ende des [[17. Jahrhundert|17.]] und Beginn des [[18. Jahrhundert]]s eine zentrale Rolle Ebenaus in der Geschichte des [[Prangerstutzen]]s und der [[Prangerstutzenschützen]] nicht in Abrede stellen. Die beiden ältesten real existierenden Stutzen befinden sich im Besitz der Ebenauer, welche – so wie die ältesten Stutzen anderer Schützengesellschaften – in Ebenau hergestellt wurden.
+
Zur historischen Gliederung des Prangerstutzenschützenwesens im Allgemeinen lassen sich fünf Zeitphasen feststellen. Die erste Phase ist jene des Schießens ohne Institutionalisierung als [[Brauch]] innerhalb des religiösen und weltlichen Brauchkomplexes. Diese Zeit erstreckte sich bis zum [[Fürsterzbischof]] [[Hieronymus Graf Colloredo|Colloredo]], welcher die [[barock]]e, prunkvolle und gleichsam "ruinöse" Feierkultur beendete und damit die Aufklärung in Salzburg Einzug nahm (Generaldekrete von [[1785]]). Die Anfänge der Ebenauer Prangerschützen sind und werden im Dunkeln bleiben, dennoch lässt sich durch die verdichteten Beweise vom Ende des [[17. Jahrhundert|17.]] und Beginn des [[18. Jahrhundert]]s eine zentrale Rolle Ebenaus in der Geschichte des [[Prangerstutzen]]s und der [[Prangerstutzenschützen]] nicht in Abrede stellen. Die beiden ältesten real existierenden Stutzen befinden sich im Besitz der Ebenauer, welche – so wie die ältesten Stutzen anderer Schützengesellschaften – in Ebenau hergestellt wurden.
   −
Durch den Zaglau-Stutzen von [[1693]] und die archivarischen Quellen aus dem Jahre [[1714]] – wo am "''Prangtagumgang ein Zöhrungsdeputat von 2 [[Gulden]] und 2 Schilling bezahlt''wurden – die das erste Ausrücken der Ebenauer Prangerstutzenschützen belegen, sind die Anfänge des Schießbrauches in Ebenau durchaus stichhaltig. Ebenfalls sehr frühe Hinweise auf Prangerstutzenschützenaktivitäten gibt es in [[Elsbethen]] ([[1723]]), [[Koppl]] ([[1725]]), [[Eugendorf]] ([[1763]]) und [[Thalgau]] ([[1770]]). In Ebenau ist die Aktivität von Prangerschützen mit Stutzen von [[1733]] bis zu den Generaldekreten im Jahre [[1785]] durchgehend mittels Kirchenrechnungen belegt. Die nächste Stutzengeneration, über die die Ebenauer verfügen, ist ein Stutzen aus dem Jahre [[1771]], mit der Aufschrift "''Matthias Schauer in Ebenau bei Salzburg''. Dieser Stutzen ist aus Messing und Eisen gefertigt.
+
Durch den Zaglau-Stutzen von [[1693]] und die archivarischen Quellen aus dem Jahre [[1714]] – wo am "''Prangtagumgang ein Zöhrungsdeputat von 2 [[Gulden]] und 2 Schilling bezahlt''" wurden – die das erste Ausrücken der Ebenauer Prangerstutzenschützen belegen, sind die Anfänge des Schießbrauches in Ebenau durchaus stichhaltig. Ebenfalls sehr frühe Hinweise auf Prangerstutzenschützenaktivitäten gibt es in [[Elsbethen]] ([[1723]]), [[Koppl]] ([[1725]]), [[Eugendorf]] ([[1763]]) und [[Thalgau]] ([[1770]]). In Ebenau ist die Aktivität von Prangerschützen mit Stutzen von [[1733]] bis zu den Generaldekreten im Jahre [[1785]] durchgehend mittels Kirchenrechnungen belegt. Die nächste Stutzengeneration, über die die Ebenauer verfügen, ist ein Stutzen aus dem Jahre [[1771]], mit der Aufschrift "''Matthias Schauer in Ebenau bei Salzburg''". Dieser Stutzen ist aus Messing und Eisen gefertigt.
   −
1785 wurde durch die Generaldekrete des Fürsterzbischofs Hieronymus Colloredo die barocke Feierkultur beendet. Ein wichtiger Punkt war das Verbot des "Prangens“, des Prunkes, der Umgänge, vor allem zu [[Fronleichnam]] und somit auch des Schießens bei allen Gelegenheiten. Damit wurden auch in Ebenau die bis dahin üblichen "''Zöhrungsdeputate''und das Pulvergeld für die Schützen, die durch die vielen Feierlichkeiten ganz beträchtlich waren und von der Kirche beglichen wurden, eingestellt. Aus diesem Grund erscheint die Gründung einer Prangerschützengesellschaft in Ebenau im Jahre [[1786]] als unwahrscheinlich. Dieses, bis dato falsch angenommene Gründungsjahr, bezieht sich auf ein Vereinsschild, das zum 100-jährigen Schützenjubiläum gestiftet wurde und die Jahreszahl 1886 trägt. Die Vermutung der Korrektur der Jahreszahl von [[1896]] auf 1886 besteht. Als Garant dafür ist die Fahne von [[1926]], auf welcher die Jahreszahl [[1796]] eingestickt ist. Dieses Vereinsschild ist ein Glaskasten mit neun Schützenfiguren, ca. 15 cm groß, welcher vom damaligen Dorfwirt Weiß gespendet wurde und dort noch über dem Schützenstammtisch hängt
+
1785 wurde durch die Generaldekrete des Fürsterzbischofs Hieronymus Colloredo die barocke Feierkultur beendet. Ein wichtiger Punkt war das Verbot des "Prangens", des Prunkes, der Umgänge, vor allem zu [[Fronleichnam]] und somit auch des Schießens bei allen Gelegenheiten. Damit wurden auch in Ebenau die bis dahin üblichen "''Zöhrungsdeputate''" und das Pulvergeld für die Schützen, die durch die vielen Feierlichkeiten ganz beträchtlich waren und von der Kirche beglichen wurden, eingestellt. Aus diesem Grund erscheint die Gründung einer Prangerschützengesellschaft in Ebenau im Jahre [[1786]] als unwahrscheinlich. Dieses, bis dato falsch angenommene Gründungsjahr, bezieht sich auf ein Vereinsschild, das zum 100-jährigen Schützenjubiläum gestiftet wurde und die Jahreszahl 1886 trägt. Die Vermutung der Korrektur der Jahreszahl von [[1896]] auf 1886 besteht. Als Garant dafür ist die Fahne von [[1926]], auf welcher die Jahreszahl [[1796]] eingestickt ist. Dieses Vereinsschild ist ein Glaskasten mit neun Schützenfiguren, ca. 15 cm groß, welcher vom damaligen Dorfwirt Weiß gespendet wurde und dort noch über dem Schützenstammtisch hängt
    
===Institutionalisierung von Schützengesellschaften/-gilden===
 
===Institutionalisierung von Schützengesellschaften/-gilden===
Zeile 19: Zeile 19:  
Die Etablierung der Schützengruppierungen im 19. Jahrhundert und zu Beginn des [[20. Jahrhundert]]s bildet die dritte Phase. Auch in dieser Zeit haben sich noch mehrere Schützengemeinschaften zusammengefunden ([[Hof bei Salzburg]] [[1835]] und [[Oberalm]] [[1841]]). Die [[1847]] gegründeten [[Prangerschützen Aigen]] rüsteten sich [[1852]] ebenfalls mit Stutzen aus.
 
Die Etablierung der Schützengruppierungen im 19. Jahrhundert und zu Beginn des [[20. Jahrhundert]]s bildet die dritte Phase. Auch in dieser Zeit haben sich noch mehrere Schützengemeinschaften zusammengefunden ([[Hof bei Salzburg]] [[1835]] und [[Oberalm]] [[1841]]). Die [[1847]] gegründeten [[Prangerschützen Aigen]] rüsteten sich [[1852]] ebenfalls mit Stutzen aus.
   −
In Ebenau finden sich aus jener Zeit Stutzen des Siederbauern ([[1830]]) und Kendlbachbauern ([[1850]]), welche beide wieder aus Eisen gefertigt sind. Im [[Fürstenstöckl|Ebenauer Museum]] befindet sich ein weiterer Stutzen aus dem Jahre [[1874]] des Großpertilbauern aus Messing und Eisen mit der Aufschrift "''Anton Schmitzberger in Koppl bei Salzburg''.
+
In Ebenau finden sich aus jener Zeit Stutzen des Siederbauern ([[1830]]) und Kendlbachbauern ([[1850]]), welche beide wieder aus Eisen gefertigt sind. Im [[Fürstenstöckl|Ebenauer Museum]] befindet sich ein weiterer Stutzen aus dem Jahre [[1874]] des Großpertilbauern aus Messing und Eisen mit der Aufschrift "''Anton Schmitzberger in Koppl bei Salzburg''".
   −
Ein Ehrenband belegt die Aktivität im 19. Jahrhundert "''Zum Andenken an Peter Schwarz. Durch 50 Jahre Prangerschütz in Ebenau [[1857]]–[[1907]]''. Die Quellenarbeit hat ergeben dass Peter Schwarz auch bereits vor 1857 einen Waffenpass besaß (siehe Verzeichnis aus [[1855]]) und somit Mitglied der Schützen war.
+
Ein Ehrenband belegt die Aktivität im 19. Jahrhundert "''Zum Andenken an Peter Schwarz. Durch 50 Jahre Prangerschütz in Ebenau [[1857]]–[[1907]]''". Die Quellenarbeit hat ergeben dass Peter Schwarz auch bereits vor 1857 einen Waffenpass besaß (siehe Verzeichnis aus [[1855]]) und somit Mitglied der Schützen war.
    
=== Die Etablierung der Ebenauer Prangerschützen ===  
 
=== Die Etablierung der Ebenauer Prangerschützen ===