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Beim Einliegerwesen handelte es sich um die organisierte, abwechselnde Unterbringung alter, nicht mehr arbeitsfähiger Menschen für die Dauer von jeweils einem Tag bis zu einigen Wochen auf Bauernhöfen, bei Handwerkern, in Pfarrhöfen oder größeren Betrieben. Auf die Einlage waren vor allem alte, ledige [[Dienstboten]] angewiesen, die im Alter und Verarmungsfall auf keinerlei familiäre Unterstützung zählen konnten. Weiters auch jene, die durch Unfall, Krankheit oder Kriegsverwundungen erwerbsunfähig geworden waren.
 
Beim Einliegerwesen handelte es sich um die organisierte, abwechselnde Unterbringung alter, nicht mehr arbeitsfähiger Menschen für die Dauer von jeweils einem Tag bis zu einigen Wochen auf Bauernhöfen, bei Handwerkern, in Pfarrhöfen oder größeren Betrieben. Auf die Einlage waren vor allem alte, ledige [[Dienstboten]] angewiesen, die im Alter und Verarmungsfall auf keinerlei familiäre Unterstützung zählen konnten. Weiters auch jene, die durch Unfall, Krankheit oder Kriegsverwundungen erwerbsunfähig geworden waren.
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Ehepaare, die ihre Lebensgemeinschaft hätten aufgeben müssen, oder Personen mit „widerlichen“ Krankheiten (z. B.: Ausschläge), kamen für eine Einlage nicht in Betracht. Kinder wurden nicht "eingelegt", sondern bei Pflegeeltern untergebracht, welche von der Gemeinde hierfür ein so genanntes "Zuchtgeld" bekamen.
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Ehepaare, die ihre Lebensgemeinschaft hätten aufgeben müssen, oder Personen mit "widerlichen“ Krankheiten (z. B.: Ausschläge), kamen für eine Einlage nicht in Betracht. Kinder wurden nicht "eingelegt", sondern bei Pflegeeltern untergebracht, welche von der Gemeinde hierfür ein so genanntes "Zuchtgeld" bekamen.
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Die Einlage war im süddeutschen Raum und in den Alpenländern weit verbreitet. In [[Bayern]] hieß die Einlage "von Haus zu Haus gehen" oder "Reihumspeisen". Im [[Tirol]]er Unterland nannte man es mundartlich „ostattn“ (abstatten). In der Schweiz, in Liechtenstein und in Vorarlberg bezeichnete man es als "Versorgung nach der Rod" (Rod = in einer bestimmten Reihenfolge), den Einlieger mundartlich auch als "Umi-Esser". Im [[Lungau]] wurden die Einlieger auch "Einleiber" oder "Inleiber" genannt.
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Die Einlage war im süddeutschen Raum und in den Alpenländern weit verbreitet. In [[Bayern]] hieß die Einlage "von Haus zu Haus gehen" oder "Reihumspeisen". Im [[Tirol]]er Unterland nannte man es mundartlich "ostattn“ (abstatten). In der Schweiz, in Liechtenstein und in Vorarlberg bezeichnete man es als "Versorgung nach der Rod" (Rod = in einer bestimmten Reihenfolge), den Einlieger mundartlich auch als "Umi-Esser". Im [[Lungau]] wurden die Einlieger auch "Einleiber" oder "Inleiber" genannt.
    
Armut wurde häufig als selbst verschuldet angesehen. Daher galt arm zu sein auch vielfach als Schande. Den Betroffenen wurde fehlende Sparsamkeit oder mangelnder Fleiß vorgeworfen. In die Einlage oder ins Armenhaus zu kommen, bedeutete meist der Verachtung ausgesetzt zu sein.
 
Armut wurde häufig als selbst verschuldet angesehen. Daher galt arm zu sein auch vielfach als Schande. Den Betroffenen wurde fehlende Sparsamkeit oder mangelnder Fleiß vorgeworfen. In die Einlage oder ins Armenhaus zu kommen, bedeutete meist der Verachtung ausgesetzt zu sein.
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* Klammer, Peter: Auf fremden Höfen. Anstiftkinder, Dienstboten und Einleger im Gebirge. Wien, Köln, Weimar 1992.
 
* Klammer, Peter: Auf fremden Höfen. Anstiftkinder, Dienstboten und Einleger im Gebirge. Wien, Köln, Weimar 1992.
 
* Strasser, Felix, Alt-Bürgermeister von Obertrum, Jahrgang 1919: Interview am Samstag, 1.Dez.  2001, sowie Tonbandaufzeichnung seiner Schilderung über das Armenwesen der  Gemeinde    Obertrum in  den  1920er Jahren.
 
* Strasser, Felix, Alt-Bürgermeister von Obertrum, Jahrgang 1919: Interview am Samstag, 1.Dez.  2001, sowie Tonbandaufzeichnung seiner Schilderung über das Armenwesen der  Gemeinde    Obertrum in  den  1920er Jahren.
* [[Sabine Veits-Falk|Veits-Falk, Sabine]]: „Zeit der Noth“. Armut in Salzburg 1803-1870. Salzburg 2000. (Salzburger Studien. Forschungen zu Geschichte, Kunst und Kultur, Bd. 2).
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* [[Sabine Veits-Falk|Veits-Falk, Sabine]]: "Zeit der Noth“. Armut in Salzburg 1803-1870. Salzburg 2000. (Salzburger Studien. Forschungen zu Geschichte, Kunst und Kultur, Bd. 2).
 
* Weber, Therese (Hrsg.): Häuslerkindheit. Autobiographische Erzählungen. Köln, Graz 1984.
 
* Weber, Therese (Hrsg.): Häuslerkindheit. Autobiographische Erzählungen. Köln, Graz 1984.
    
[[Kategorie:Soziales]]
 
[[Kategorie:Soziales]]
 
[[Kategorie:Sozialwesen (Geschichte)]]
 
[[Kategorie:Sozialwesen (Geschichte)]]