Kobler-Spängler-Briefe von 1870: Unterschied zwischen den Versionen

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==== Brief vom 4. Juni 1870 von Otto Spängler an den Bruder Franz Spängler in Mödling ====
==== Brief vom 4. Juni 1870 von Otto Spängler an den Bruder Franz Spängler in Mödling ====
Ein Bogen 4. Juni 1870:<br />
Ein Bogen 4. Juni 1870:<br />
''Lieber Franz! Verzeihe, dß ich erst heute dazu komme, dir zu schreiben, allein ich habe sehr viel zu thun, indem ich jetzt als adlatus des Dr Widmann die Grundeinlösung<ref>Grunderwerb für den Bau einer Eisenbahn</ref> für die Halleinerbahn'' ([[Salzburg-Halleiner-Bahn]], eröffnet 1871) ''durchführe. Um nun seit unserem persönlichen Zusammensein, das mich wirklich herzlichst gefreut hat, chronologisch vorzugehen, theile ich dir mit, dß ich mit Pepi Angermayer<ref>Maria Josepha [[Spängler]] (* 1832; † 1896), verheiratet [[Angermayer von Rebenberg]]</ref> / Frau / um 1/2 11 Uhr von Wien nach eingenommenem Gabelfrühstück abfuhr, und um 4 Uhr N M.'' [nachmittags] ''in Kemmelbach'' [an der Ybbs, NÖ?] ''eintraf, woselbst ich Onkel u Tante Alois, Alois von Steyer [?], und mehrere Bekannte des Ludwig zu einem fröhlichen Taufschmause vereint fand. Ich blieb dortselbst bis am andren Tage Mittags, und fuhr in Begleitung des mit diesem Courierzuge mir nachgekommenen Oberförsters Chihlar'' [? Cihlar?] ''wieder nach Hause. Den Kindern brachte ich von Wien, mittlerweile in Salzburg, gekaufte Ballons ebenso den Mägden etwas mit, 2. der Mutter habe ich tags darauf ein sehr hübsches Kleid gekauft als nachträgliches Geschenk zum Geburtstag. Was nun geschäftlichen Theil betrifft, so habe ich der Mutter außerdem für dich das Monatgeld gegeben, habe dem Schuster deine hohen Stiefeln um 2 fl [Gulden] verkauft, und den restlichen Conto bezalt. Ich wird mich hinfür mit ihr am 15 dM. [des Monats] kommende Hammerauer ausbieten u. Spänglergewölbzinsen bezalt machen. Rueff war schon gestern bei mir, um zu zalen; hat mich aber nicht getroffen; er hat auch am 1. Juni unter derselben Bedingungen mitgespielt; schuldet uns dafür zusamen 40 frcs. [?] Ziehung der Türkenlose habe ich noch keine gesehen. Von der Gemeinderathsthätigkeit kann ich dir bis dato ganz wenig berichten; wenn es dir gefällig ist, so kann ich dir alle die Salzburgerzeitungen, in denen Gemeinderathssizungen enthalten sind, per Kreuzband nachsenden; die Hausbank ist abonnirt darauf, und die Zeitungen werden nun als altes Papier vernichtet [?]; aber interessantes findest du noch nicht viel. Ganahl samt Gattin ist hier; habe neulich damit gesprochen. Ich hätte mich an diese dann nicht erinnert, sie je hier gesehen zu haben. Sie sagte, sie kenne dich u mich, und läßt sich sammt ihrem Gatten dir vielmals empfehlen. Noch fällt mir aber ein, im Herausfahren von Wien erzählte mir die Angermayer, dß du deine Ernennung'' [unterstrichen:] ''nach Mödling hauptsächlich den energischen Verwendungen des Baron Seiller Vater u Sohn u des Landesgerichtsraths Schwaiger zu danken hast. Baron Seiller junior fühlte sich nämlich durch seine Ernennung nach Linz gewissermaßen moralisch verpflichtet, nach seinen Kräften dazu beizutragen, dir einen möglichst angenehmen Posten zu verschaffen. Ich theile dir dies nur mit, damit du davon in Kenntniß bist. Nun lieber Franz lebe recht wol u. sei von mir sammt Frau u Kindern aufs herzlichste gegrüßt u geküßt von deinem treuen Bruder Otto. / 4/6 [18]70 / Mit den verbleibenden Geldreste werde ich bei Gloner zalen; soll ich das mittlerweile angekommene Heft der Literaturgeschichte dir mit den anderen Sachen zuschicken?''
''Lieber Franz! Verzeihe, dß ich erst heute dazu komme, dir zu schreiben, allein ich habe sehr viel zu thun, indem ich jetzt als adlatus des Dr Widmann die Grundeinlösung<ref>Grunderwerb für den Bau einer Eisenbahn</ref> für die Halleinerbahn'' ([[Salzburg-Halleiner-Bahn]], eröffnet 1871) ''durchführe. Um nun seit unserem persönlichen Zusammensein, das mich wirklich herzlichst gefreut hat, chronologisch vorzugehen, theile ich dir mit, dß ich mit Pepi Angermayer<ref>Maria Josepha [[Spängler]] (* 1832; † 1896), verheiratet [[Angermayer von Rebenberg]]</ref> / Frau / um 1/2 11 Uhr von Wien nach eingenommenem Gabelfrühstück abfuhr, und um 4 Uhr N M.'' [nachmittags] ''in Kemmelbach'' [an der Ybbs, NÖ?] ''eintraf, woselbst ich Onkel u Tante Alois, Alois von Steyer [?], und mehrere Bekannte des Ludwig zu einem fröhlichen Taufschmause vereint fand. Ich blieb dortselbst bis am andren Tage Mittags, und fuhr in Begleitung des mit diesem Courierzuge mir nachgekommenen Oberförsters Chihlar'' [? Cihlar?] ''wieder nach Hause. Den Kindern brachte ich von Wien, mittlerweile in Salzburg, gekaufte Ballons ebenso den Mägden etwas mit, 2. der Mutter habe ich tags darauf ein sehr hübsches Kleid gekauft als nachträgliches Geschenk zum Geburtstag. Was nun geschäftlichen Theil betrifft, so habe ich der Mutter außerdem für dich das Monatgeld gegeben, habe dem Schuster deine hohen Stiefeln um 2 fl [Gulden] verkauft, und den restlichen Conto bezalt. Ich wird mich hinfür mit ihr am 15 dM. [des Monats] kommende Hammerauer ausbieten u. Spänglergewölbzinsen bezalt machen. Rueff war schon gestern bei mir, um zu zalen; hat mich aber nicht getroffen; er hat auch am 1. Juni unter derselben Bedingungen mitgespielt; schuldet uns dafür zusamen 40 frcs. [?] Ziehung der Türkenlose habe ich noch keine gesehen.
 
''Von der Gemeinderathsthätigkeit kann ich dir bis dato ganz wenig berichten; wenn es dir gefällig ist, so kann ich dir alle die Salzburgerzeitungen, in denen Gemeinderathssizungen enthalten sind, per Kreuzband nachsenden; die Hausbank ist abonnirt darauf, und die Zeitungen werden nun als altes Papier vernichtet [?]; aber interessantes findest du noch nicht viel. Ganahl samt Gattin ist hier; habe neulich damit gesprochen. Ich hätte mich an diese dann nicht erinnert, sie je hier gesehen zu haben. Sie sagte, sie kenne dich u mich, und läßt sich sammt ihrem Gatten dir vielmals empfehlen. Noch fällt mir aber ein, im Herausfahren von Wien erzählte mir die Angermayer, dß du deine Ernennung'' [unterstrichen:] ''nach Mödling hauptsächlich den energischen Verwendungen des Baron Seiller Vater u Sohn u des Landesgerichtsraths Schwaiger zu danken hast. Baron Seiller junior fühlte sich nämlich durch seine Ernennung nach Linz gewissermaßen moralisch verpflichtet, nach seinen Kräften dazu beizutragen, dir einen möglichst angenehmen Posten zu verschaffen. Ich theile dir dies nur mit, damit du davon in Kenntniß bist. Nun lieber Franz lebe recht wol u. sei von mir sammt Frau u Kindern aufs herzlichste gegrüßt u geküßt von deinem treuen Bruder Otto. / 4/6 [18]70 / Mit den verbleibenden Geldreste werde ich bei Gloner zalen; soll ich das mittlerweile angekommene Heft der Literaturgeschichte dir mit den anderen Sachen zuschicken?''
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