Zwischen Kochtopf und Drudenfuß: Unterschied zwischen den Versionen

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Dr. Reinhard Medicus (Diskussion | Beiträge)
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Es war im Jahr [[1985]], als die [[Zell am See|Zellerin]] Christina Nöbauer einen Radausflug nach Piesendorf machte. Dort sah sie in einem Schutthaufen ein altes Buch. Es war mit der Hand in Kurrentschrift geschrieben. Nöbauer nahm das Manuskript mit und reinigte es. Dann blieb es jahrzehntelang liegen. Für die mühevolle Entzifferung des Buches fehlte die Zeit.
Es war im Jahr [[1985]], als die [[Zell am See|Zellerin]] Christina Nöbauer einen Radausflug nach Piesendorf machte. Dort sah sie in einem Schutthaufen ein altes Buch. Es war mit der Hand in Kurrentschrift geschrieben. Nöbauer nahm das Manuskript mit und reinigte es. Dann blieb es jahrzehntelang liegen. Für die mühevolle Entzifferung des Buches fehlte die Zeit.


Inzwischen ist Nöbauer in Pension und machte sich [[2016]] zusammen mit dem [[Saalfelden am Steinernen Meer|Saalfeldner]] Peter Kohlbacher an die Arbeit. Kohlbacher entzifferte die Texte, deren Sprache die damals gesprochen Sprache ohne Rechtschreibregeln abbildete. Es handelte sich um 249 Kochrezepte und 66 Heilrezepte "''vor vich und Leit.''" Verfasst hat da Buch größtenteils Bartholomäus Neumayr, der in den Jahren [[1784]] bis [[1803]] Neuwirt in Piesendorf war. Einen Teil hat wohl auch seine Frau Theresia Pfeffer (''Pfefferin'') geschrieben.
Inzwischen ist Nöbauer in Pension und machte sich [[2016]] zusammen mit dem [[Saalfelden am Steinernen Meer|Saalfeldner]] Peter Kohlbacher an die Arbeit. Kohlbacher entzifferte die Texte, deren Sprache die damals gesprochen Sprache ohne Rechtschreibregeln abbildete. Es handelte sich um 249 Kochrezepte und 66 Heilrezepte "''vor vich und Leit.''" Verfasst hat das Buch größtenteils Bartholomäus Neumayr, der in den Jahren [[1784]] bis [[1803]] Neuwirt in Piesendorf war. Einen Teil hat wohl auch seine Frau Theresia Pfeffer (''Pfefferin'') geschrieben.


Unter dem Titel "Zwischen Kochtopf und Drudenfuß" haben Nöbauer und Kohlbacher das Buch jetzt herausgegeben. Und sie verfassten dazu ausführliche Kommentare zu Piesendorf, der Kochkultur und der Sprache der damaligen Zeit. Am Freitag, den [[20. Oktober]] [[2018]] präsentierten sie das Buch im [[Museum Schloss Ritzen]] in Saalfelden am Steinernen Meer.
Unter dem Titel "Zwischen Kochtopf und Drudenfuß" haben Nöbauer und Kohlbacher das Buch jetzt herausgegeben. Und sie verfassten dazu ausführliche Kommentare zu Piesendorf, der Kochkultur und der Sprache der damaligen Zeit. Am Freitag, den [[20. Oktober]] [[2018]] präsentierten sie das Buch im [[Museum Schloss Ritzen]] in Saalfelden am Steinernen Meer.
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Neben heute noch Bekanntem, vor allem Mehlspeisen, bieten die Rezepte auch einige Kuriositäten. So gibt es für Fasttage ein Otterrezept. Weil Otter im Wasser leben, galten sie als Fische (Anm.: und Fisch war in der Fastenzeit erlaubt). Der Otter wird eingesalzen, gebeizt und gespickt. "''Stöckh ihm an den sPisß wie einen hasßen, vnd brathe ihm fein Lamgsam, vnd mach ein guete gapri Suppen'' [Kapernsauce] ''daran.''"
Neben heute noch Bekanntem, vor allem Mehlspeisen, bieten die Rezepte auch einige Kuriositäten. So gibt es für Fasttage ein Otterrezept. Weil Otter im Wasser leben, galten sie als Fische (Anm.: und Fisch war in der Fastenzeit erlaubt). Der Otter wird eingesalzen, gebeizt und gespickt. "''Stöckh ihm an den sPisß wie einen hasßen, vnd brathe ihm fein Lamgsam, vnd mach ein guete gapri Suppen'' [Kapernsauce] ''daran.''"


Zimperlich ging es in den Küchen nicht zu. [[Krebse|Flusskrebse]] wurden lebendig im Mörser zerstoßen. Um falsche [[Haselhühner]] zu kreieren flößte man normalen Hühnern Branntwein ein und hängte sie an den Füßen auf, bis der Tod eintrat. Vor dem Servieren ersetzte man noch die Hühnerfüße durch Haselhühnerfüße. Auch Gamsschlögel machte man, indem man einem Geißenschlögel Gamsfüße anflickte. Ein weiteres Rezept beschreibt, wie man aus Rindfleisch einen schmackhaften Hirschbraten zubereitet. Dazu beizt man gutes Rindfleisch einfach wie Hirschfleisch sein. Das sei so gut wie das beste ''hirschwildprät'' und ''es Kents auch nit leicht wer''.
Zimperlich ging es in den Küchen nicht zu. [[Krebse|Flusskrebse]] wurden lebendig im Mörser zerstoßen. Um falsche [[Haselhühner]] zu kreieren flößte man normalen Hühnern Branntwein ein und hängte sie an den Füßen auf, bis der Tod eintrat. Vor dem Servieren ersetzte man noch die Hühnerfüße durch Haselhühnerfüße. Auch Gamsschlögel machte man, indem man einem Geißenschlögel Gamsfüße anflickte. Ein weiteres Rezept beschreibt, wie man aus Rindfleisch einen schmackhaften Hirschbraten zubereitet. Dazu beizt man gutes Rindfleisch einfach wie Hirschfleisch ein. Das sei so gut wie das beste ''hirschwildprät'' und ''es Kents auch nit leicht wer''.


==Rezension 2==
==Rezension 2==