Heinrich Lammasch: Unterschied zwischen den Versionen

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Heinrich Lammasch war der Sohn des gleichnamigen k.k. Notars Dr. iur. Heinrich Lammasch (* [[1824]]; † [[1865]]) und seiner Frau Anna, geborene Schauenstein (* [[1829]]; † [[1891]]). Er besuchte das [[Wien]]er Schottengymnasium, maturierte in Meran ([[Tirol]]) und studierte anschließend Rechtswissenschaft an der Universität Wien, wo er [[1876]] promovierte. [[1879]] habilitierte er an der rechtswissenschaftlichen Fakultät für Strafrecht und wurde Lehrbeauftragter, ab [[1882]] außerordentlicher Professor an der Universität Wien. [[1885]] wurde er ordentlicher Professor für Strafrecht, Rechtsphilosophie und Völkerrecht an der Universität Innsbruck, [[1889]] Professor für Strafrecht und Völkerrecht an der Universität Wien. [[1887]] wurde er in das ''Institut de Droit international'' gewählt, dem [[1904]] der Friedensnobelpreis verliehen wurde. Von [[1900]] bis [[1910]] war er Präsident des Ständigen Internationalen Schiedsgerichtshofes in Den Haag ([[Niederlande]]).  
Heinrich Lammasch war der Sohn des gleichnamigen k.k. Notars Dr. iur. Heinrich Lammasch (* [[1824]]; † [[1865]]) und seiner Frau Anna, geborene Schauenstein (* [[1829]]; † [[1891]]). Er besuchte das [[Wien]]er Schottengymnasium, maturierte in Meran ([[Tirol]]) und studierte anschließend Rechtswissenschaft an der Universität Wien, wo er [[1876]] promovierte. [[1879]] habilitierte er an der rechtswissenschaftlichen Fakultät für Strafrecht und wurde Lehrbeauftragter, ab [[1882]] außerordentlicher Professor an der Universität Wien. [[1885]] wurde er ordentlicher Professor für Strafrecht, Rechtsphilosophie und Völkerrecht an der Universität Innsbruck, [[1889]] Professor für Strafrecht und Völkerrecht an der Universität Wien. [[1887]] wurde er in das ''Institut de Droit international'' gewählt, dem [[1904]] der Friedensnobelpreis verliehen wurde. Von [[1900]] bis [[1910]] war er Präsident des Ständigen Internationalen Schiedsgerichtshofes in Den Haag ([[Niederlande]]).  


Er war juristischer Berater des Thronfolgers [[Franz Ferdinand von Österreich-Este]] und wurde [[1899]] von Kaiser [[Franz Joseph I.]] ins Herrenhaus des [[Reichsrat]]es berufen. Seine Bemühungen dort dienten insbesondere dem Ausbau des Völkerrechts und internationaler Institutionen. [[1911]] wurde er in den Europäischen Rat der Carnegie-Stiftung für den Internationalen Frieden berufen und war ab [[1914]] Ehrenpräsident des österreichischen Vereins ''Para Pacem'', der dieselben Ziele vertrat.
Lammasch war juristischer Berater des Thronfolgers [[Franz Ferdinand von Österreich-Este]] und wurde [[1899]] von Kaiser [[Franz Joseph I.]] ins Herrenhaus des [[Reichsrat]]es berufen. Seine Bemühungen dort dienten insbesondere dem Ausbau des Völkerrechts und internationaler Institutionen. [[1911]] wurde er in den Europäischen Rat der Carnegie-Stiftung für den Internationalen Frieden berufen und war ab [[1914]] Ehrenpräsident des österreichischen Vereins ''Para Pacem'', der dieselben Ziele vertrat.


Bereits im Sommer 1914 warnte Lammasch vor der drohenden Eskalation zum [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] und warb während des Krieges für einen Verständigungsfrieden auf der Basis gegenseitiger Achtung der Nationen, was ihm zahlreiche Verleumdungen und Anfeindungen einbrachte. Als der letzte österreichische Kaiser Karl I. mit seiner Aufkündigung des Bündnisses mit [[Deutschland]] am [[26. Oktober]] [[1918]] die Niederlage der Monarchie im Ersten Weltkrieg anerkannte, ernannte er am folgenden Tag Heinrich Lammasch zum k. k. Ministerpräsidenten. Diesem blieb nur mehr die ''Liquidation'' Österreich-Ungarns.
Bereits im Sommer 1914 warnte Lammasch vor der drohenden Eskalation zum [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] und warb während des Krieges für einen Verständigungsfrieden auf der Basis gegenseitiger Achtung der Nationen, was ihm zahlreiche Verleumdungen und Anfeindungen einbrachte. Als der letzte österreichische Kaiser Karl I. mit seiner Aufkündigung des Bündnisses mit [[Deutschland]] am [[26. Oktober]] [[1918]] die Niederlage der Monarchie im Ersten Weltkrieg anerkannte, ernannte er am folgenden Tag Heinrich Lammasch zum k. k. Ministerpräsidenten. Diesem blieb nur mehr die ''Liquidation'' Österreich-Ungarns.


Am [[30. Oktober]] 1918 übergab er die Regierungsgeschäfte in Deutschösterreich, also für die Kronländer mit deutschsprachiger Mehrheit, an die Staatsregierung Dr. [[Karl Renner]] und bewegte Kaiser Karl I. am [[11. November]] 1918 zur Unterzeichnung der Verzichtserklärung. Damit endete sein Regierungsamt. Am folgenden Tag erfolgte die Ausrufung der Republik Deutsch-Österreich.
Am [[30. Oktober]] 1918 übergab er die Regierungsgeschäfte in Deutschösterreich, also für die Kronländer mit deutschsprachiger Mehrheit, an die Staatsregierung Dr. [[Karl Renner]] und bewegte Kaiser Karl I. am [[11. November]] 1918 zur Unterzeichnung der Verzichtserklärung. Damit endete sein Regierungsamt. Am folgenden Tag erfolgte die Ausrufung der Republik Deutsch-Österreich:


Lammasch entwarf eine Völkerbundsatzung und versuchte, für Österreich erträgliche Friedensbedingungen zu erreichen. Von Mai bis Juni [[1919]] war er Mitglied der österreichischen Delegation, die mit der Unterzeichnung des Vertrages von Saint-Germain den Ersten Weltkrieg für Österreich offiziell beendete. Im Gegensatz zu Delegationsleiter Karl Renner befürwortete er eine unabhängige und neutrale Republik Österreich, allerdings unter Einbeziehung [[Südtirol]]s, was letztendlich scheiterte.
Dr. Lammasch entwarf eine Völkerbundsatzung und versuchte, für Österreich erträgliche Friedensbedingungen zu erreichen. Von Mai bis Juni [[1919]] war er Mitglied der österreichischen Delegation, die mit der Unterzeichnung des Vertrages von Saint-Germain den Ersten Weltkrieg für Österreich offiziell beendete. Im Gegensatz zu Delegationsleiter Dr. Karl Renner befürwortete er eine unabhängige und neutrale Republik Österreich, allerdings unter Einbeziehung [[Südtirol]]s, was letztendlich scheiterte.


Wenige Wochen nach der Vertragsunterzeichnung erlitt Lammasch einen Schlaganfall und verstarb im Jänner 1920.
Wenige Wochen nach der Vertragsunterzeichnung erlitt Lammasch einen Schlaganfall und verstarb im Jänner 1920.
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Nach seiner Emeritierung [[1914]] übersiedelte er 1915<!--?--> mit seiner Familie nach [[Salzburg]]<ref>[https://www.univie.ac.at/kelsen/workingpapers/seipelbundesverfassung.pdf Olechowski, Thomas: ''Ignaz Seipel - vom k.k. Minister zum Berichterstatter über die republikanische Bundesverfassung'', S. 135.]</ref>, in die [[Franz-Josef-Straße]] 21.
Nach seiner Emeritierung [[1914]] übersiedelte er 1915<!--?--> mit seiner Familie nach [[Salzburg]]<ref>[https://www.univie.ac.at/kelsen/workingpapers/seipelbundesverfassung.pdf Olechowski, Thomas: ''Ignaz Seipel - vom k.k. Minister zum Berichterstatter über die republikanische Bundesverfassung'', S. 135.]</ref>, in die [[Franz-Josef-Straße]] 21.


Nach seiner provisorischen Bestattung am [[9. Jänner]] 1920 auf dem [[Kommunalfriedhof]]<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19200109&seite=7&zoom=33 Salzburger Chronik vom 9. Jänner 1920, Todesanzeige auf Seite 7.]. Gemäß Lammasch, Marga: ''Seine letzten Lebenstage'', in: Marga Lammasch (Hg.): ''Heinrich Lammasch'', Wien (Deuticke) 1922, S. 220, erfolgte die Bestattung auf dem [[Friedhof Aigen]].</ref> übersiedelte seine Familie nach [[Bad Ischl]] in die Kaiser-Franz-Joseph-Straße 2.<ref>[https://www.friedhofsfuehrer.at/friedhof-bad-ischl/heinrich-lammasch/ Homepage des Ischler Heimatvereins]</ref> Auf Wunsch der Familie erfolgte [[1957]] seine Umbettung in das Familiengrab auf dem [[Bad Ischl]]er Friedhof.
Nach seiner provisorischen Bestattung am [[9. Jänner]] 1920 auf dem [[Kommunalfriedhof]]<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19200109&seite=7&zoom=33 Salzburger Chronik vom 9. Jänner 1920, Todesanzeige auf Seite 7.]. Gemäß Lammasch, Marga: ''Seine letzten Lebenstage'', in: Marga Lammasch (Hg.): ''Heinrich Lammasch'', Wien (Deuticke) 1922, S. 220, erfolgte die Bestattung auf dem [[Friedhof Aigen]].</ref> übersiedelte seine Familie nach [[Bad Ischl]] in die Kaiser-Franz-Joseph-Straße 2.<ref>[https://www.friedhofsfuehrer.at/friedhof-bad-ischl/heinrich-lammasch/ Homepage des Ischler Heimatvereins]</ref> Auf Wunsch der Familie erfolgte [[1957]] seine Umbettung in das Familiengrab auf dem Bad Ischler Friedhof.


== Publikationen (Auswahl) ==
== Publikationen (Auswahl) ==